Titel: Murray's Ansichten über die Explosionen der Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XXXVII./Miszelle 2 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076037_2

Murray's Ansichten über die Explosionen der Dampfkessel.

Hr. Murray hielt kürzlich, durch die Explosionen der Dampfschiffe Earl Grey zu Greenock und Union zu Hull veranlaßt, vor der Mechanics' Institution zu Birmingham einen Vortrag, in welchem er seine aus vielen Beobachtungen und mehreren Versuchen gezogenen Ansichten über diese unheilvollen Ereignisse entwikelte. Wir entnehmen nach dem Mechanics' Magazine No. 862 das Wesentliche hieraus. Die Sicherheitsventile verdienen Hrn. Murray's Ansicht nach |153| diesen Namen nicht, indem sie bei der plözlichen Entwikelung einer größeren Menge Dampfes von hoher Spannung diesem keinen genügenden Austritt gestatten. Ferner sollen nach seiner Meinung stets wenigstens zwei solcher Ventile vorhanden seyn, indem sich eines nicht selten sperrt, und indem eines schon seinen Dimensionen nach ungenügend ist Eine solche Sperrung ist, wie er meint, nicht bloß durch den Druk der atmosphärischen Luft bedingt, sondern sie muß noch von irgend etwas anderem, abhängen. Als Beweis hiefür führte er an, daß an einem der nach Nordamerika fahrenden Dampfboote eines der Sicherheitsventile sich dermaßen sperrte, daß zu dessen Hebung, selbst nach Entfernung aller Gewichte, ein Brecheisen genommen werden mußte. – Das Bersten selbst schreibt Hr. Murray der plözlichen Entwikelung von stark gespanntem Dampfe zu, welche Entwikelung an einer Stelle des Kessels, gegen welche die Flamme besonders anschlägt, und an der sich ein Theil der Kalkkruste ablöste, eintreten kann. Der unter solchen Umständen entwikelte Dampf trifft wie ein Pfeil durch das Wasser hindurch auf den unmittelbar gegenüber liegenden Theil der Wölbung des Kessels. Die vergleichsweise geringe Leitungsfähigkeit des Wassers wird dem plözlich entwikelten Dampfe nicht gestatten sich abzukühlen, so daß derselbe also gleichmäßig auf die ganze Wölbung des Kessels drüke, wo dann ein Sicherheitsventil nuzlos wird, wie dieß schon aus dem äußeren Ansehen der Deken der zersprungenen Kessel hervorgeht. Zum Beweise für seine Behauptungen führte Hr. Murray die verschiedenen Temperaturen an, die man an einem Gefäße mit heißem Wasser beobachten kann, indem an der Oberfläche eine andere Temperatur herrscht, als in der Mitte, am Grunde und an den Seiten. Besonders auffallend zeigt sich dieß, wenn man ein Stük Eis in einen mit Wasser gefüllten Becher wirft. Mehrere Substanzen modificiren auch das Aufsieden, wie z.B. ein Holzspan beim Sieden des Aethers sich sehr wirksam zeigt. In einem der Flamme ausgesezten Glase erfolgt das Aufsieden des Wassers stoßweise und ungleichmäßig, wirft man aber einige metallische Feilspane hinein, so erleichtern diese die Verbreitung der Dämpfe. Hierauf gestüzt, meint Hr. Murray, daß es vielleicht seyn könnte, daß sich, wenn man Kupferdrähte in dem Kessel anbrachte, die Dämpfe leichter in dem Kessel verbreiten würden, und daß auf solche Weise manchen Explosionen vorzubeugen wäre.

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