Titel: Einiges über die Behandlung des zu den Saiteninstrumenten bestimmten Holzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. LVII./Miszelle 13 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076057_13

Einiges über die Behandlung des zu den Saiteninstrumenten bestimmten Holzes.

Die Haupteigenschaften, welche man bisher von dem zur Verfertigung von Contrebassen, Violoncelles, Violinen etc. bestimmten Holze forderte, waren, wie Hr. Coulier bemerkt, Leichtigkeit und Wohlklang. Bei aller Aufmerksamkeit, die man hierauf verwendete, brachte man es aber noch immer nicht dahin, Instrumente hervorzubringen, die sich an Wohllaut und äußerem Aussehen mit jenen von Stradivarius und Amati vergleichen lassen. Man hat die Formen der Instrumente dieser Künstler auf das Genaueste nachgeahmt; man hat in Hinsicht auf das Holz das Alter, die Jahreszeit, ja sogar die Mondsphasen beim Fällen berüksichtigt, jedoch vergebens. Immer blieb es unter diesen Umständen noch am besten, sich genau an die Formen und Verhältnisse dieser ausgezeichneten Instrumente zu halten; aber mit der Zeit und dem Ausspielen bekamen die hienach verfertigten Instrumente dann doch oft ganz unerwartete Eigenschaften. Man gab dem Holze bisher mittelst eines Firnisses die Farbe; dieser Firniß verschwindet aber bald an der Stelle, auf welche das Kinn zu liegen kommt, und es entsteht dadurch ein weißer Flek, den man an den Instrumenten der genannten Künstler nicht bemerkt. Durchschneidet man das Holz eines Stradivarius, so findet man, daß es durch und durch dieselbe bräunliche Farbe hat, während die neueren Instrumente auf dem Durchschnitte weiß erscheinen. Man schrieb dieß dem Alter dieser Instrumente zu; allein dieß ist nicht die einzige Ursache; und wenn dem so wäre, wo soll man so altes Holz genug für den Bedarf an Violinen etc. hernehmen! Man hilft gegenwärtig dadurch nach, daß man das Holz in Troknenstuben bringt, und es in diesen nach und nach bis auf eine sehr hohe Temperatur erhizt, wobei sich die Gefäße des Holzes durch die Einwirkung der brennzeligen Holzsäure auf die darin enthaltenen Eisen- und Mangantheilchen |239| gleichförmig färben, so daß man im Verlaufe von einigen Tagen ein Holz erhält, welches man nach allen Richtungen schneiden kann, ohne daß eine Verschiedenheit der Farbe daran zu bemerken wäre. Dieses Holz behält an der zum Aufstüzen des Kinnes bestimmten Stelle daher auch unverändert seine Farbe. Man sollte glauben, daß das Holz bei dieser Behandlung einen Theil seiner Stärke verliert; dem ist jedoch nicht so, wie ich aus der Prüfung mehrerer daraus verfertigter Violoncells und Violinen entnommen habe, so daß ich glaube, daß man hiemit auf ganz gutem Wege ist. Diese neueren Instrumente haben die trefflichen Formen der alten, geben herrliche Töne, lassen in Hinsicht auf Solidität nichts zu wünschen übrig, und sind auch weniger hygroskopisch als die bisherigen, so daß ich glaube, daß sie in wenigen Jahren den sechsmal theureren Instrumenten der alten italienischen Künstler werden an die Seite gestellt werden können.“ (Echo du monde savant No. 522.)

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