Titel: Einiges über die Verwendung des Kartoffelstärkmehles und Stärkesyrups.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. LVII./Miszelle 15 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076057_15

Einiges über die Verwendung des Kartoffelstärkmehles und Stärkesyrups.

In der Sizung, welche die Société royale d'horticulture in Paris am 19. Febr. l. J. hielt, sprach Hr. Payen ausführlich über die Verwendung des Kartoffel-Stärkmehles. Da in diesem Vortrage nebst mehrerem längst Bekanntem auch einiges minder Bekannte vorkam, so entnehmen wir aus dem Auszuge, den das Echo du monde savant in seiner Nr. 518 hievon gibt, für unsere Leser Nachstehendes. „Brod, dem eine bedeutende Menge Kartoffel-Stärkmehl zugesezt worden, hat einen ganz anderen Geschmak, als gewöhnliches Brod; dagegen kann man in Form von gekochten Kartoffeln, in denen das Stärkmehl noch in den vegetabilischen Häuten eingeschlossen enthalten ist, dieselbe Menge solches Stärkmehl zusezen, ohne daß man es am Geschmake erkennt. Man kann dem Brode bis zu 80 Proc. gekochter Kartoffeln beimengen, und auf diese Weise nicht bloß die 17 Proc. Stärkmehl, welche in den Kartoffeln enthalten sind, sondern im Durchschnitte 27 Proc. derselben nuzvoll verwenden. Nach den Versuchen des Bäkers Robine, dem die Société d'encouragement unterm 12. Febr. 1840 einen Preis von 1000 Fr. zur Aufmunterung zuerkannte, hat diese Brodbereitung keine Schwierigkeit, selbst wenn man nur 15 Proc. guten Mehles dazu verwendet. Uebrigens ist ein Zusaz von geringen Quantitäten Stärkmehl, wie z.B. von 10 Proc., dem Brode nur zuträglich, denn es wird dadurch viel weißer, besonders wenn das Mehl etwas schwarz, aber doch sehr reich an Kleber ist. Es gelang Hrn. Payen dem Stärkmehle durch Behandlung desselben mit wasserfreiem Alkohol den Geschmak, der es zur Brodbereitung untauglich macht, zu entziehen; doch ist dieses Verfahren zu kostspielig, als daß es im Großen ausführbar wäre. Eine weitere Benüzung findet die Kartoffelstärke in der Papierfabrication. Die schönsten Papiere enthalten dermalen 10 bis 15 Proc. nassen oder 7 bis 8 Proc. absoluten Sazmehles. Dabei sezt man der Zeugmasse, um sie durch und durch zu leimen, eine Mischung von Harz und Seife zu. Die Verwandlung der Kartoffelstärke |240| in Zuker durch Behandlung derselben mit einem Procente Schwefelsäure, und durch Wegschaffung der Säure mit Kreide, gewinnt eine immer größere Ausdehnung. Man arbeitet hiebei mit Dampf, und in einem Bottiche, dessen Temperatur man aufmerksam verfolgt. Die zukerhaltige Flüssigkeit wird über gekörnte Kohle filtrirt, dann zur Syrupsdike eingedampft, und als solcher verkauft; oder man treibt die Eindampfung bis zur Trokne und bildet große Brode aus der Masse. Man verwendet diesen Zuker, den man jezt sehr weiß zu bekommen versteht, in sehr großen Mengen zur Versezung der an Zuker armen Traubenmoste, um auf diese Weise bessere Weine aus ihnen zu erzielen. Eine nicht minder große Menge wird aber auch zur Fabrication von weißem Biere verwendet. Das Kartoffelmark ist für die Thiere ein sehr gutes Futter; nur den Schafen bekommt es nicht. Man kann es pressen, und mit etwas Salz vermengt, ein Jahr lang in Silos aufbewahren; auch läßt es sich troknen. Man hat versucht, für die Pferde Brod daraus zu bereiten, in welchem Zustande es seiner chemischen Zusammensezung nach dem Hafer nicht unähnlich ist. Bei der Pappendekelfabrication findet das Mark dermalen gleichfalls eine ausgedehnte Anwendung. Die Ablaufwasser der Sazmehlfabriken, die sonst als so schädlich betrachtet wurden, geben nach den Versuchen von Payen und Dailly einen sehr guten Dünger, dessen Befruchtungskraft 50 bis 60 Proc. der Kraft des Düngpulvers beträgt. Man kann die Kraft dieser Wasser sehr erhöhen, wenn man ihnen 1 bis 4 Proc. Kalk zusezt. Ebenso lassen sich die sogenannten kleinen Kleien, die sich bei der Fabrication ergeben, und an denen die Thiere bald satt bekommen, als Dünger benüzen. Ein Pariser Fabrikant bildet aus den Abfällen Kuchen zum Heizen; ein anderer bildet daraus Ziegel, die er das nächste Jahr immer als Brennmaterial in seiner Fabrik benüzt.“

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