Titel: Ueber Brunier's Hebemaschine für Flüssigkeiten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. LVII./Miszelle 6 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076057_6

Ueber Brunier's Hebemaschine für Flüssigkeiten.

Der rühmlich bekannte Mechaniker Brunier in Paris hat eine Maschine erfunden, welche gemäß den Versuchen, die in der Maschinenwerkstätte der HHrn. Chelers in Arras damit angestellt wurden, vollkommen genügende Resultate gibt. Der Dampf spielt in dieser Maschine eine bedeutende Rolle, allein er wirkt nicht auf den Kolben eines Cylinders, sondern vollbringt seine Wirkung in den Röhren selbst. Die Wirkung beruht auf der Erzeugung eines Vacuums, oder vielmehr, wie an den gewöhnlichen Pumpen, auf der Verdünnung der Luft, nur mit dem Unterschiede, daß hier eine ganze Reihe von Röhren und Behältern mit einander in Verbindung gebracht sind, um das Wasser auf eine beliebige Höhe heben, und selbst auf dieser Höhe ununterbrochen ausfließen lassen zu können. Die Verdünnung der Luft bewirkt der Erfinder durch Anwendung des Dampfstrahls auf eben so einfache als wohlfeile Weise. Die Flüssigkeit tritt mit großer Geschwindigkeit aus dem Behälter aus und reißt eine große Menge Luft mit sich fort, so daß eine mit dem Behälter und der äußeren Luft communicirende Birnprobe in ersterem eine Queksilberhöhe von 30 bis 36 Centim. andeutet, wonach also der Druk daselbst 30 bis 36 Centim. beträgt. Wenn einmal der Dampfstrom seine Wirkung hervorgebracht hat, so wird, wenn man das anstoßende Saugröhr öffnet, die Luft aus diesem lezteren in den Behälter stürzen, und eine Wassersäule heben. Vermöge einer sehr sinnreichen Vorrichtung erleidet die Verdünnung in dem Behälter durch das Eindringen dieser Luft, welche von sehr großer |235| Dichtheit ist, keine Veränderung; ja deren Wirkung wird sogar durch die Wirkung des Dampfes noch gesteigert. Es ist wirklich merkwürdig, daß bei den Versuchen während der ganzen Dauer des Schöpfprocesses die Differenz zwischen der Elasticität der Luft, des Behälters und jener der Saugröhre beständig 10 Centim. betrug, indem das Queksilber in der Saugröhre auf 30, in dem Behälter dagegen auf 40 Centim. stand. Hr. Brunier hat ein ganz eigenes System erdacht, um das zufließende Wasser in jedem Stokwerke in einen großen, zur Speisung mehrerer großer Saugröhren dienenden Behälter ausfließen zu machen. Dieser Uebergang des Wassers aus einem Behälter in den anderen wird mittelst eines Schwimmers bewirkt, der, indem er durch das zufließende Wasser von Unten nach Oben gedrängt wird, die Communication zwischen der Luft der Steigröhren und der verdünnten Luft des Behälters absperrt, und gleichzeitig zwei Klappen, durch welche atmosphärische Luft eintritt, hebt. Diese Luft bewirkt vermöge des Drukes auf das bereits gehobene Wasser ein Zurüksinken der Steigungsklappe, wo dann das Wasser in den benachbarten Behälter austreten kann. Dieser Austritt konnte vor dem Eintritte der äußeren atmosphärischen Luft wegen des größeren Drukes, der außen bestand, nicht Statt finden. Wenn einmal das Wasser ausgeleert ist, so sinkt der seines eigenen Gewichtes entledigte Schwimmer wieder herab; es tritt also keine Luft mehr ein, die Klappe, durch welche das Wasser sich in den Behälter ergoß, schließt sich, und das Aufsteigen der Flüssigkeit beginnt von Neuem. (Mémorial encyclop. Jan. 1840.)

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