Titel: Programm der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der Generalversammlung vom 11. März 1840 für die Jahre 1841, 1842, 1844, 1846 und 1847 ausgeschriebenen Preise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. LXXVI./Miszelle 2 (S. 305–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076076_2

Programm
der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der Generalversammlung vom 11. März 1840 für die Jahre 1841, 1842, 1844, 1846 und 1847 ausgeschriebenen Preise.

I. Mechanische Künste.

Preise für das Jahr 1841.

1. Zwei Preise, einer zu 6000 und einer zu 12,000 Fr., für ein verbessertes System der Canalschifffahrt.

2. Fünf Preise, zu 2000, 4000, 3000, 2000 und 2000 Fr., für Fabrication von Wasserleitungsröhren.

3. Sieben Preise, wovon fünf zu 500 und zwei zu 1000 Fr., für Verbesserungen in der Fabrication von Dachziegeln, Baksteinen, Bodenplatten und anderen Erzeugnissen aus gebranntem Thone.

4. Preis von 6000 Fr. für die durch Versuche ermittelte Bestimmung des Widerstandes der Metalle bei verschiedenen Temperaturgraden, und für Erforschung der Wirkung der Wärme auf die Cohäsion der Metallmolecule.

(Der den Concurrenten um diese Preise gestattete Einsendungstermin läuft mit dem 31. December 1840 ab.)

Preise für das Jahr 1842.

5. Preis von 1500 Fr. für die beste Speisungspumpe für Dampfkessel.

6. Zwei Preise, jeder zu 12,000 Fr., für Mittel gegen die Explosionen der Dampfmaschinen und der Dampfkessel.

(Der Einsendungstermin für diese Preise dauert bis zum 31. Decbr. 1841.)

II. Chemische Künste.

Preise für das Jahr 1841.

7. Preis von 10,000 Fr. für die beste Methode den Zuker aus den Runkelrüben zu gewinnen.

8. Preis von 4000 Fr. für das Troknen der Runkelrüben.

9. Preis von 4000 Fr. für die beste Behandlung der getrokneten Runkelrübe.

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10. Preis von 4000 Fr. für Umwandlung des rohen Rübenzukers in raffinirten, ohne daß man ihn aus den Formen zu nehmen braucht.

11. Preis von 3000 Fr. für ein Verfahren, wonach der Gehalt an krystallisirbarem Zuker sowohl in der Runkelrübe als in anderen zukerhaltigen Producten schnell bestimmt werden kann.

12. Preis von 1500 Fr. für Entdekung und Ausbeutung neuer Lager lithographischer Steine.

13. Preis von 3000 Fr. für wohlfeile Desinfection der Urine und der Ablaufwasser der Schwindgruben.

14. Preis von 1000 Fr. für eine wohlfeile Bereitungsart des Fischschuppenweiß.

15. Preis von 6000 Fr. für ein Verfahren, welches das Rösten des Flachses und Hanfes ersezt.

16. Preise für die Brodbereitung aus Kartoffeln.

(Bericht des Hrn. Payen. Man erinnert sich des sinnreichen Verfahrens, nach welchem es Hrn. Gannal gelang, aus dem Kartoffelstärkmehle, nachdem es zum Theil durch Verbindung mit Wasser in Kleister verwandelt worden, ein weißes und leichtes Brod darzustellen.

In dem für das J. 1840 ausgegebenen Preisprogramme wurden jedoch zwei Bedingungen mehr gefordert; denn der einen gemäß mußte dem Brode eine den Kleber ersezende stikstoffhaltige Substanz in hinreichender Menge zugesezt werden; der anderen gemäß mußte das mit Kartoffeln bereitete Brod ebenso nahrhaft und schmakhaft seyn, wie das Brod aus Weizenmehl. Die Lösung des ersten Theiles dieser Aufgabe ist Hrn. Bäkermeister Robine gelungen. Er troknet nämlich das Sazmehl bei einer Temperatur, bei der ein kleiner Theil desselben, ungefähr 3 bis 4 Hunderttheile, in Dextrin verwandelt wird. Die hiebei sich entwikelnde Adhäsionskraft reicht hin, um die Körnchen zu binden, und den sich entwikelnden Gasen einen solchen Stüzpunkt zu gewähren, daß sie den Teig zu heben vermögen. Steigern läßt sich diese Wirkung noch, wenn man der Mischung 4 bis 5 Hunderttheile einer aus Schweinsschwarte bereiteten Gallerte beisezt. Die vielen Versuche, welche Hr. Robine machte, und die Daten, welche er sich hiebei mit Sorgfalt sammelte, sezen ihn in Stand, aus dem Kartoffelsazmehle ein Brod zu bereiten, welches in Hinsicht auf Form und Consistenz den Anforderungen entspricht; allein selbst die schönsten dieser Brode lassen den eigenthümlichen Geruch und Geschmak des Kartoffelsazmehles beinahe in demselben Grade erkennen, wie es bei den übrigen Methoden der Bereitung von Brod aus Sazmehl der Fall war. Wäre es demnach unmöglich, das Sazmehl in einer größeren Menge, als zu 8 bis 10 Proc., in der es bekanntlich ohne alle Schwierigkeit und mit Vortheil bei der Brodbereitung angewendet wurde, zuzusezen? Ich zweifelte hieran, und glaubte wenigstens neue Anstrengungen machen zu müssen um zu rationellen Andeutungen in dieser Beziehung zu gelangen. Die mir von meinen Collegen gezollte Zustimmung läßt mich glauben, daß ich dieses Ziel erreicht habe. Die einfache gesottene Kartoffel hat, wie Jedermann weiß, nicht nur einen angenehmen Geschmak, sondern sie läßt sich auch, obschon ihre festen Bestandtheile zu mehr als 8 Zehntheilen aus Sazmehl bestehen, in allen Mischungsverhältnissen zu einer Menge sehr wohlschmekender Gerichte verwenden. Indem ich die Erklärung dieser dem Anscheine nach widersinnigen Thatsache in dem Zustande suchte, in welchem sich das Sazmehl nach dem Sieden der ganzen Kartoffel befindet, ergab sich mir bei den mit dem Mikroskope angestellten Untersuchungen, daß die durch ihre Verbindung mit Wasser aufgeblähten Sazmehlkörner in jeder der Zellen der Kartoffel zusammengekittet sind, und daß die auf diese Weise zusammengebakene rundliche Masse die Zellhaut so ausdehnt, daß diese eine um die kleine Kugel herum eng anliegende Hülle bildet. Diese das Wasser nur wenig durchlassende Hülle isolirt jede der einzelnen mehligen Massen, verhütet die directe Berührung zwischen ihnen und unseren Geschmaksorganen, und verbirgt somit den eigenthümlichen Geschmak des Sazmehles. Das mehlige Aussehen der gekochten Kartoffeln ist durch die Leichtigkeit, womit sich die kleinen Kügelchen von einander ablösen, bedingt. Eine Reihe von Versuchen, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, liefert die Belege für diese neuen Eigenschaften des in den Zellen eingeschlossenen Sazmehles. Hr. Robine hat auch bereits von diesen Beobachtungen Nuzen zu ziehen gewußt, und ist schon bei seinen ersten Versuchen über die directe Brodbereitung aus gekochten |307| Kartoffeln zu so genügenden Resultaten gelangt, daß ich mich veranlaßt finde, folgende neue Redaction des Preisprogrammes vorzuschlagen.45)

Programm. Davon ausgehend, daß 1) der eigenthümliche Geruch des der Zellhäute entledigten Sazmehles dessen Verwendung bei der Brodbereitung hindert; und daß 2) diesem Uebelstande abgeholfen werden kann, wenn man sich des aufgeblähten, aber noch von den Zellhäuten umschlossenen Sazmehles, so wie es sich in den gekochten Kartoffeln befindet, bedient; bestimmt die Gesellschaft einen Preis von 6000 Fr. für die Brodbereitung aus gekochten, geschälten und in einen Brei oder in ein mehliges Pulver verwandelten Kartoffeln. Da zur Lösung der auf solche Weise gestellten Frage die Mitwirkung des Mechanikers, sowohl als des Physikers und Bäkers vom Fache erforderlich ist, so findet sich die Gesellschaft veranlaßt, die genannte Summe in drei Preise zu vertheilen, von denen auch jeder einzeln gewonnen werden kann.

1. Preis von 2000 Fr. für die beste Methode zur Bereitung von Brod aus den gekochten Kartoffeln. Das Brod muß leicht, gesund und wohlschmekend seyn; es muß sich in diesem Zustande erhalten, ohne innerhalb zwei Tagen merklich niederzusinken; es muß sich bei gewöhnlichem Lufteinflusse drei Tage lang hinlänglich frisch erhalten; seine Kruste muß, sowohl in Hinsicht auf Dike, als in Hinsicht auf Härte der Kruste den gewöhnlichen Broden beinahe gleichkommen; die Krume muß durchaus gleichmäßig und von Zelten und Knoten frei seyn; auch muß sie sich in eine Flüssigkeit von 80° R. einweichen lassen, ohne dabei aus einander zu gehen. Das Kilogramm dieses Brodes, welches 64 Hunderttheile trokener Substanz enthalten soll, darf bei einem Kartoffelpreise von 1 Fr. 50 Cent. per Hectoliter nicht über 25 Centimen kosten. Die Concurrenten dürfen auf 100 Theile Brod 32 Theile Getreidmehl verwenden, und müssen die Beschreibungen ihres Verfahrens längstens bis zum 31 Decbr. 1840 an das Secretariat der Gesellschaft einsenden, damit dieses die gehörigen Versuche veranlassen kann.

2. Preis von 2000 Fr. für die beste Methode die gekochten Kartoffeln zu körnen (égréner). Die Zertheilung der Kartoffeln muß so vollkommen geschehen, daß der dadurch erzielte Brei sich leicht anrühren und mit Mehl vermengen läßt, ohne daß dabei Klumpen entstehen. Sie darf aber nicht so weit gehen, daß das Sazmehl dadurch bloßgelegt wird, und sich durch seinen unangenehmen Geruch zu erkennen gibt. Es darf dabei nicht mehr Wasser in der Masse bleiben, als erforderlich ist, um aus ihr bei einem Zusaze von 25 Theilen Mehl auf 100 Theile trokenen Markes oder auf eine äquivalente Menge nassen Markes einen Teig zu bilden. Die zu diesem Behufe erforderliche Behandlung der gekochten Kartoffeln darf, den Preis der Kartoffeln nicht mitgerechnet, nicht höher als auf 1 Fr. per 100 Kilogr. zu stehen kommen. Einsendungstermin der Beschreibungen und arbeitenden Apparate wie oben.

3. Preis von 2000 Fr. für die beste Methode die gekochten und in einen Brei verwandelten Kartoffeln zu troknen. Das Product der Troknung muß ein pulveriges seyn, wie man es zur Brodbereitung bedarf. Das Troknen darf weder den Geschmak, noch die Farbe der Substanz verändern, so daß sie, wenn man sie zu einem Breie oder Teige anrührt, wieder ihrer früheren Eigenschaften theilhaftig ist, und keine Klumpen bildet. Das Troknen darf auf nicht mehr dann 75 Centimen per Hectoliter Kartoffeln zu stehen kommen, wenn die Fuhr guter Steinkohlen von 15 Hectolitern 30 Fr. kostet. Die Aufbewahrungsfähigkeit des Productes muß durch viermonatliche Aufspeicherung oder Aufbewahrung in Fässern erwiesen seyn.

Die Gesellschaft würde mit Vergnügen sehen, wenn die von den Concurrenten anzugebenden Methoden statt des Mehles allenfalls die Verwendung des Klebers zuließen, den man gegenwärtig nach dem neuen Verfahren, wonach man das Stärkmehl aus dem Getreide gewinnt, in Menge erhält. Es müßten dabei auf 100 Kilogr. Brod 5 Kilogr. trokenen oder ungefähr 12 Kilogr. nassen Klebers kommen. Auch die Anwendung von Käsestoff oder irgend einem anderen stikstoffreichen |308| Nahrungsstoffe könnte versucht werden. Uebrigens erhellt von selbst, daß die von der Gesellschaft gewünschten Methoden die Nuzanwendung einer größeren Menge des festen Bestandtheiles der Kartoffeln zulassen müssen, als bei der Anwendung des Sazmehles möglich ist, und zwar ungefähr in einem Verhältnisse von 24 zu 17. Durch das Troknen der Kartoffeln würde die Aufbewahrung derselben für alle Jahreszeiten unendlich erleichtert werden, und allen den Veränderungen, welche die Kartoffeln bei aller Vorsicht nur zu häufig durch Frost, durch Erhizung, durch das Keimen etc. erleiden, wäre vorgebeugt. Endlich würde auch der Transport der Kartoffeln durch das Troknen derselben, bei dem sich deren Volumen sowohl, als deren Gewicht bis auf das Viertheil vermindert, bedeutend erleichtert werden.

Ueber alle diese Preise wird in der Generalversammlung des zweiten Semesters des J. 1841 erkannt werden.)

17. Zwei Preise zu je 3000 Fr. für Verbesserungen im Baue von Oefen zur Oxydirung, Reducirung und Schmelzung von Metallen.

18. Preis von 3000 Fr. für Errichtung einer Fabrik, worin feuerfeste Tiegel im Großen erzeugt werden.

19. Preis von 1000 Fr. für Uebertragung aller Kupferstiche auf lithographische Steine.

20. Preis von 3000 Fr. für Uebertragung von Zeichnungen, Kupferstichen und Abdrüken von Drukerlettern auf lithographische Steine.

21. Preis von 1500 Fr. für die beste Schwärzmethode für lithographische Steine.

22. Preis von 1500 Fr. für ein Verfahren organische Substanzen unverbrennlich zu machen.

23. Preise auf Vervollkommnung der Photographie.

(Auszug aus dem Berichte des Hrn. Baron Séguier. Die ersten Versuche, die in der Camera obscura erscheinenden Bilder zu fixiren, reichen bis zum Jahre 1814 zurük, und gehören unstreitig Hrn. Niepce an. Im J. 1827 wurde dieser durch Hrn. Charles Chevalier mit Hrn. Daguerre, einem der Erfinder des Diorama, welcher sich gleichfalls mit diesem Gegenstande beschäftigte, bekannt gemacht. Das Ergebniß der Verbindung dieser beiden Männer sind die schönen Resultate, welche im J. 1839 bekannt gemacht wurden. Schon im J. 1827 übergab Niepce dem Hrn. Ch. Chevalier eine Probe der Bilder, die er damals auf plattirtem Kupfer erzeugte. Dieses im Archive des Institut de France hinterlegte Probstük weist alle die Reclamationen zurük, mit denen das Ausland Frankreich die Priorität der Erfindung streitig zu machen versuchte.

Nach der amtlichen Bekanntmachung der Methode der HHrn. Niepce und Daguerre lieferten die HHrn. Ch. Chevalier und Richoux die ersten Proben. Man stritt sich noch über das Dunkel, welches auf den zahlreichen photographischen Operationen ruhte, als Hr. Dr. Donné durch eine eben so einfache als richtige Erklärung, welche Hr. Arago nur angedeutet hatte, den Erfindern selbst das Geheimniß ihrer Entdekung entschleierte. Die Idee des Hrn. Donné, die auf silberplattirtem Kupfer erzielten Zeichnungen in gravirte, zum Abdruken geeignete Platten zu verwandeln, gab Anlaß zu den Arbeiten, welche derselbe gemeinschaftlich mit den HHrn. Soleil und Vinc. Chevalier unternahm.

Hr. Buron schlug einige Modificationen an dem ursprünglichen Apparate vor, in der Absicht, denselben leichter tragbar zu machen. Der Berichterstatter selbst machte ihn durch einige von ihm angegebene Abänderungen leichter und von kleinerem Umfange. Hr. Silvestre Sohn theilte seine interessanten Bemerkungen über die Rolle mit, welche im Momente des Waschens der jodirten Platte die Elektricität spielt, die durch das aus dem Metalle der Platte und jenem des Waschbekens bestehende Plattenpaar entwikelt wird.

Die unangenehme Umkehrung der Bilder ward von den HHrn. Soleil, Vinc. Chevalier und Buron mittelst eines parallelen Spiegels, der die Bilder in das Objectiv reflectirte, beseitigt. Später empfahl Hr. Cauche zur Erreichung desselben Zwekes mit geringerem Verluste an Licht ein sehr sinnreiches achromatisches Prisma. Hr. Jamin entlehnte dem Hrn. Brewsterein zusammengeseztes achromatisches Prisma, welches schon Hr. Ch. Chevalier in seiner Abhandlung über die Camera clara und obscura angedeutet hatte, und von dessen Anwendung ihn nur der hohe Preis dieser Vorrichtung abhielt. Hr. Gaultier de Claubry |309| und Hr. d'Arcet Sohn legten, um die den photographischen Apparaten im Allgemeinen gemachten Vorwürfe zu widerlegen, sehr schöne Bilder vor, die sie mit dem Objective ihres Fernrohres in Apparaten erzielten, welche sie sich selbst angefertigt hatten, und welche nur auf ein Paar Franken zu stehen kamen.

Hr. Lerebours stellte zuerst mit einem großen Objective auf großen Platten Lichtbilder dar. Die Bilder, welche er aus Italien einsandte, zeugen von dem wohlthätigen Einflusse des lebhaften Sonnenlichtes jener südlichen Gegenden bei der Photographie. Kurz darauf brachte jedoch Hr. Breton, dem bisher das Verdienst gebührt, die kleinsten sowohl als die größten Zeichnungen dargestellt zu haben, neue und sehr interessante Modificationen an den Apparaten an. Ebenso verdankt man Hrn. Girard eine solche Verbindung der einzelnen Theile des Apparates, daß sich dadurch das Ganze in einen kleineren Raum bringen läßt.

Beim Jodiren der Platten, welches eine langweilige und unsichere Operation war, waren Verbesserungen höchst wünschenswerth. Die Jodirung durch Eintauchen der Platte in eine jodhaltige Flüssigkeit ward von dem Berichterstatter mit geringem Erfolge versucht. Beim Nachdenken über die Rolle, welche die Metallstreifen spielen, die Hr. Daguerre beim Jodiren um die Platte herumlegt, erkannte der Berichterstatter, daß diese Streifen nur dadurch zur gleichmäßigen Vertheilung des Jods beitragen, daß sie die Ausstrahlung der in den Wänden des Kastens angesammelten Jods verhüten. Er fand hienach, daß Pappendekel, welcher mit Joddämpfen gesättigt worden, wenn man ihn in geringer Entfernung von einer Metallplatte anbringt, die Jodirung viel rascher und sicherer bewirkt. Andererseits genügte Hr. Daguerre selbst den in dieser Beziehung gebliebenen Wünschen durch die Anwendung eines mit Jod gesättigten Brettchens aus weichem Holze, wovon er in den Sizungen der Akademie Meldung that.

Dieß sind in der Hauptsache die Fortschritte, welche die Photographie bis jezt auf der von den HHrn. Niepce und Daguerre angedeuteten Bahn gemacht hat. Dabei dürfen aber die höchst wichtigen Versuche des Hrn. Bayard nicht vergessen werden; denn dieser Künstler machte sich's zur Aufgabe, auf Papier dasselbe hervorzubringen, was Niepce und Daguerre auf silberplattirten Kupferplatten erzeugten. Die Aufgabe ist eine sehr schwierige, denn es handelt sich hiebei darum, daß die Schatten sowohl als die Lichter an den ihnen angehörigen Stellen verbleiben, und daß die Zeichnung eine vollkommen getreue Copie der Natur werde. Durch diese Bedingung, welcher Hr. Bayard bereits großen Theils Genüge geleistet, unterscheiden sich seine Arbeiten wesentlich von dem, was seine Vorgänger in der Photographie auf Papier leisteten. Talbot, Froment, Coulier, Lassaigne, Verignon, Jobard, Davy können nur durch eine doppelte Operation zu dem gewünschten Resultate gelangen, und gerade hiedurch verlieren ihre Bilder an Genauigkeit und Feinheit der Details; denn die endliche und bleibende Zeichnung wird nur durch das Licht, welches durch die erste Zeichnung hindurch wirkt, hervorgebracht. Unberechenbar sind bis jezt die Vortheile, welche aus einer Vervollkommnung dieses Theiles der Photographie für die Untersuchungen im Felde der Naturgeschichte, und namentlich der Botanik, erwachsen dürften. Die ersten Versuche, um mit Hülfe der Einwirkung des Lichtes auf das salpetersaure Silber Bilder zu erhalten, gehören übrigens gleichfalls Hrn. Niepce an. Die Möglichkeit der Anwendung der Photographie zur Darstellung von Porträts ward schon von Arago in seinem ersten Berichte über die Erfindungen der HHrn. Niepce und Daguerre angedeutet; die HHrn. Donné, Soleil und Vinc. Chevalier haben dargethan, daß in dieser Beziehung das Gelingen des Verfahrens nur durch die vollkommene Unbeweglichkeit des Modelles bedingt ist. Die HHrn. Daguerre und Hubert haben Probebilder von sogenannten Interieurs vorgelegt, und lezterm ist es durch aufmerksames Studium der Lichter und Schatten, durch die Kunstgriffe, womit er die copirten Gegenstände den Lichtstrahlen auszusezen weiß, gelungen, Bilder von so vollkommener Zeichnung und von solcher Anmuth der Farbentöne darzustellen, wie man sie mit der Hand unmöglich hervorzubringen vermag. Wenn wir endlich noch der Versuche erwähnen, welche Herschel d. Sohn über die Fixirung der Farben anstellte, so dürften wir ein so ziemlich umfassendes Bild des dermaligen Zustandes der Photographie gegeben haben.

Programm der Preise. Die Gesellschaft schreibt in der Absicht, wesentliche Vervollkommnungen der Photographie hervorzurufen, nachstehende Preise aus:

1. Preis von 4000 Fr. für ein Verfahren, wonach sich die |310| durch die Wirkung des Lichtes erzielten Bilder wenigstens 200 Mal vervielfältigen lassen. Die Reproductionen müssen, wenn sie Ansprüche auf den Preis machen wollen, den Vergleich mit guten Produkten der graphischen Künste aushalten; und die zu ihrer Darstellung erforderlichen Mittel müssen im Bereiche aller derer, welche die Bilder aufnehmen, gelegen seyn, und von ihrer Seite keine besonderen Kenntnisse in der Chemie und Zeichenkunst erheischen.

2. Preis von 4000 Fr. für denjenigen, der ein Verfahren ausfindig macht, wonach auf Papier oder anderen ähnlichen Substanzen Lichtbilder erzeugt werden können, und zwar mit den natürlichen Lichtern und Schatten, und mit vollkommener Genauigkeit der Formen. Diese Bilder müssen sich in jeder Hinsicht mit guten Handzeichnungen vergleichen lassen, und dürfen von Seite derjenigen, die sie darstellen wollen, keine Kenntnisse in der Zeichenkunst und Chemie erfordern. Auch darf deren Aufbewahrung keine größere Sorgfalt erheischen als die Aufbewahrung anderer Zeichnungen.

Für die Concurrenz um beide Preise gilt, daß die erlangten Lichtbilder eine getreue Darstellung der copirten Gegenstände geben müssen. Die Erfinder müssen ihre Methoden mittheilen, und sie in Gegenwart von wenigstens zweien der Mitglieder der Prüfungscommission wiederholen. Dagegen bleiben, selbst wenn sie den Preis erringen, die Erfindungen ihr ausschließliches Eigenthum. Bei gleichen Verdiensten zweier Concurrenten wird der Preis jenem zuerkannt, der die Priorität seiner Arbeiten nachweist.

3. Zur Beschleunigung der Fortschritte der Photographie, und um namentlich in jenen Punkten, in denen Verbesserungen am meisten Roth thun, solche hervorzurufen, wird die Gesellschaft Medaillen ertheilen: 1) für die Erfindung eines Verfahrens zur Erzeugung von Lichtbildern mit Hülfe eines künstlichen Lichtes. 2) für Ermittlung und Angabe des Einflusses der Farben, und sowohl jener der Mittel, durch welche das Licht sezt, als auch jener der Körper, die das Licht reflectiren. 3) für Vereinfachungen der Operationen, für Mittel, wodurch dieselben bequemer und sicherer gemacht werden können, so wie auch für Verminderung des Gewichtes, des Volumens und der Kosten der Apparate.

Die Preise sowohl als die Medaillen werden in der Generalversammlung des zweiten Halbjahres von 1841 zuerkannt. Die Einsendungen haben jedoch bis zum 31. Decbr. 1840 zu geschehen.)

24. Preis von 2000 Fr. für ein Mittel, welches bei der Klärung der Biere nach Pariser Art die Hausenblase zu ersezen im Stande ist.

25. Zwei Preise von 1000 Fr. für Anwendung des Broms und des Jods in den Künsten.

(Das Brom hat, obwohl es alle Eigenschaften eines kräftigen chemischen Agens besizt, seit seiner Entdekung im J. 1826 noch immer keine industrielle Anwendung gefunden. Bei dem gewöhnlichen Luftdruke in flüssiger Form erscheinend, besizt es bei kleinerem Volumen Eigenschaften, die jenen des Chlors nahe kommen, und derentwegen es von den Chemikern bereits häufig angewendet wird. Nur der hohe Preis, zu dem es bis zur Stunde verkauft wird, scheint seine Verwendung in den Künsten verhindert zu haben. Dieser Preis ist jedoch nur als ein künstlicher und provisorischer zu betrachten; denn da sich das Brom in den Mutterlaugen der Salinen sowohl als der Seetangsoda findet, und auch durch höchst einfache Processe aus diesen gewonnen werden kann, so dürste es kaum einem Zweifel unterliegen, daß sein Preis bedeutend sinken wird, so wie seine Darstellung im Großen durch einen sichern Absaz gedekt ist. Die Gesellschaft sezt demnach, um dieses Resultat hervorzurufen, einen Preis für denjenigen aus, der zuerst für das Brom oder dessen Verbindungen eine oder mehrere neue industrielle Nuzanwendungen von solchem Umfange angibt, daß die Fabrication desselben dadurch merklich gesteigert wird.

Dieselben Bemerkungen gelten beinahe auch von dem im J. 1811 von Courtois entdekten Jod, welches jedoch bereits wirklich im Handel vorkommt, welches in der Arzneikunde eine ziemlich ausgedehnte Anwendung findet, und dem seit der Erfindung der HHrn. Niepce und Daguerre ein weit häufigerer Gebrauch bevorsteht. Dessen ungeachtet ist aber die Anwendung des Jods immer noch eine sehr beschränkte, obwohl namentlich mehrere der mit ausgezeichneten Farben ausgestatteten Jodverbindungen in dieser Beziehung ein sehr weites Feld darzubieten scheinen. Die Gesellschaft wird demnach demjenigen einen Preis von 1000 Fr. |311| zuerkennen, der eine oder mehrere neue Nuzanwendungen des Jods angibt, in Folge deren die Darstellung des Jods einen bedeutenden Aufschwung erlangen könnte.)

Preise für das Jahr 1842.

26. Zwei Preise, einer zu 3000 und einer zu 1500 Fr., für Verbesserungen in der Verkohlung des Holzes.

27. Preise für Fabrication von feinem und hartem Fayence, Steingut und Fritte-Porzellan.

(1. Preis von 5000 Fr. für Fabrication von feinem, hartem Fayence oder Lithocérame, welches dem Ironstone der Engländer ähnlich ist. Man versteht unter dem Namen Lithocérame oder Faience fine dure ein dichtes, hartes, klingendes gebranntes Geschirr, welches in seinen Eigenschaften dem Ironstone der Engländer, zu dem Kaolin genommen wird, gleichkommt. Dieser Zusaz von Kaolin ist jedoch keine den Concurrenten gesezte Bedingung, wenn das Geschirr die gewünschten Eigenschaften hat. Seine Glasur muß hart seyn, dem Stahle widerstehen und gut glätten; auch darf sie innerhalb der Temperaturgränzen, denen die Theegeschirre und Teller beim gewöhnlichen Hausgebrauche ausgesezt sind, nie Sprünge bekommen. Da die Boraxsäure zu den nothwendigen Elementen dieser Glasur zu gehören scheint, so müssen jene Concurrenten, die ihrer entbehren zu können glauben, beweisen, daß ihre Glasur dessen ungeachtet alle die fraglichen Eigenschaften besizt. Diese Geschirre dürfen nach Abzug des Rabattes und des Scontro's an dem Orte der Fabrication höchstens um 10 Proc. theurer seyn, als englische Waare von gleicher Qualität. Die Güte der Geschirre der Concurrenten muß erwiesen werden: 1) durch Vergleichung mit englischem Ironstone von erster Qualität; 2) durch einen jahrelangen Gebrauch derselben von mehreren Consumenten; 3) endlich muß dieses Geschirr wenigstens ein Jahr lang zu den in den Preiscouranten angegebenen Preisen in den Handel gebracht seyn.

2. Preis von 2000 Fr. für Fabrication von feinem Steinzeug (grès cérames fins, potterie de grés fin), welches dem Stone-Ware der englischen Töpfer gleichkommt. Diese Geschirre müssen so fein, dicht und hart gebrannt seyn, daß sie selbst vom besten Stahle nicht angegriffen werden und auch heißes Oehl nicht durchdringen lassen. Ihre Massen müssen verschiedene Färbungen haben und auch erhabene Verzierungen gestatten, wie das englische Wedgewood. Die Geschirre müssen wohlgefällig und reinlich seyn, und entweder gar keine Glasur haben, oder an ihrer ganzen Oberfläche oder auch nur stellenweise mit bleihaltigen, harten Glasuren oder mit Salzdeken überzogen seyn. Auch müssen sie wie das englische Wedgewood oder das chinesische Steingut farbige verglasbare Verzierungen annehmen. Die übrigen auf deren Güte bezüglichen Bedingungen sind dieselben wie bei dem ersten Preise.

3. Preis von 3000 Fr. für Fabrication von gewöhnlichem Steinzeug (grès cérames ordinaires), sogenanntem Brown-stone der Engländer, für den Gebrauch der Laboratorien und Werkstätten. Man findet unter den französischen Töpferwaaren noch keine Gefäße und Geräthe, die zur Aufnahme von Säuren und zu Arbeiten mit Säuren und Gasen so geeignet wären, wie jene, die aus vielen englischen Steinzeugfabriken hervorgehen. Die Concurrenten müssen Kolben, Flaschen, Schalen von verschiedenen Formen und Dimensionen, cylindrische Geschirre mit Tubulirungen und luftdicht schließenden Dekeln, Hähne, Schlangenröhren von ungefähr 5 Decimeter Durchmesser auf 6 Decim. Höhe bei 5 Centim. im Lichten vorlegen. Alle diese Geräthe müssen sehr dicht und höchst gleichartig in der Masse seyn; sie dürfen weder saure noch öhlige Flüssigkeiten durchsikern, noch Gase entweichen lassen; sie müssen, und zwar namentlich die Hähne, so gearbeitet seyn, daß man sich ihrer mit Sicherheit und Bequemlichkeit bedienen kann.

4. Preis von 4000 Fr. für Fabrication von englischem Fritte-Porzellan (porcelaine tendre anglaise). Der Brand muß von solcher Härte seyn, daß er dem Stahle widersteht; auch muß er ein schönes Weiß haben und durchschimmernd seyn. Die Stüke müssen sehr dünn und folglich sehr leicht seyn; dabei müssen sie aber die Reinheit der ihnen gegebenen Contouren beibehalten. Der phosphorsaure Kalk ist die Basis dieses Porzellans; doch wird dieser Bestandtheil nicht zur Bedingung gemacht, wenn das Porzellan die gewünschten |312| Eigenschaften hat und der Gesundheit nicht schädlich ist. Die Glasur, welche hier krystallinisch und minder hart, jedoch nur schwer vom Stahle angreifbar ist, muß durchsichtig und beinahe farblos seyn, gut glätten, und darf bei den Temperaturveränderungen, die beim gewöhnlichen Gebrauche vorkommen, keine Sprünge bekommen. Auch müssen die Stüke diese Temperaturwechsel ohne Nachtheil auszuhalten im Stande seyn, und Vergoldungen, so wie Malereien in jeder Art zulassen. Die übrigen Bedingungen wie oben.

Für alle diese Preise läuft der Ginsendungstermin mit dem 31. Dec. 1841 ab.)

III. Oekonomische Künste.

Preise für das Jahr 1841.

28. Preise auf Verbesserungen an den Apparaten und Methoden, deren man sich beim Waschen der Wäsche bedient.

(1. Medaillen für Einführung verbesserter Laug- oder Beuchapparate in den Wäschereien. Ausgezeichnete Gelehrte haben sich bereits mit Auffindung der geeignetsten Methoden die Wäsche zu reinigen beschäftigt, und viele wichtige Verbesserungen verdankt man ihren Bemühungen. Leider sind diese Verbesserungen bis jezt aber noch nicht populär geworden, und nur wenige Wäschereien gibt es, in die sie gedrungen sind, obwohl es erwiesen ist, daß mit den verbesserten Apparaten, sie mögen mit circulirendem heißem Wasser, oder durch Aufgießung, oder mit Dampf arbeiten, nicht nur eine viel vollkommnere Reinigung der Wäsche, sondern auch eine merkliche Kostenersparniß erzielt werden kann. Die Gesellschaft ertheilt daher in den Jahren 1841, 1843 und 1845 Medaillen an jene Wäscher, welche verbesserte Beuchapparate in ihren Wäschereien eingeführt haben, und nachweisen können, daß sie sich derselben seit mehr als einem Jahre mit Vortheil bedienen.

2. Preis von 1000 Fr. auf Verbesserung der Dampfbeuch-Apparate. Die Anwendung des Dampfes hat vor den übrigen Methoden das voraus, daß die Wäsche immer nur mit reinem und destillirtem Wasser und nicht mit schmuziger gefärbter Lauge in Berührung kommt, und daß sie die in der Wäsche enthaltenen fettigen Substanzen vollkommen beseitigt. Ein allgemein verbreitetes Vorurtheil ist, daß die Dampfbeuche der Wäsche schadet und sie sogar verbrennt, obwohl man sich in dem Hospital Saint Louis, bei der Administration der Militärwäsche, seit dreißig Jahren, und in mehreren anderen Spitälern seit mehreren Jahren der Dampfapparate bedient, ohne daß je ein Schaden der fraglichen Art, der auch in der That nur bei einem ganz fehlerhaften Verfahren und gänzlicher Nachlässigkeit vorkommen kann, beobachtet worden wäre. Die seitliche Röhre, welche Hr. Curaudau an dem alten Apparate anbrachte, und durch die man erkennen kann, ob sich im Inneren des Kessels eine hinlängliche Menge oder zu wenig Flüssigkeit befindet, ist eine glükliche Verbesserung, da sie gegen alle Gefahr, welche die Wäsche laufen könnte, schüzt. Die Gesellschaft wünscht jedoch neue Verbesserungen an den Dampfbeuchapparaten hervorzurufen, und zwar namentlich solche, welche den Dienst derselben noch sicherer machen und dabei deren Beaufsichtigung und Leitung erleichtern. Wenn auch bei dem dermaligen Stande unseres Wissens die Dampfbeuche vor den übrigen Methoden den Vorzug verdient, so ist die Gesellschaft doch weit entfernt, diesem Systeme einen ausschließenden und absoluten Vorzug einzuräumen. Die Concurrenten haben ihr Augenmerk auch darauf zu richten, wie und auf welche Weise die Unannehmlichkeiten der Handhabung der mit der Lauge getränkten Wäsche beseitigt werden könnten, indem diese Operation den Wäscherinnen wegen der schmerzhaften Wirkung, welche die Lauge auf ihre Hände ausübt, gerade die unangenehmste ist. Wenn der Kessel und der Dampfbottich vollkommen mit einander verbunden wären, so ließe sich dieß leicht erzielen, wenn man die Wäsche in dem Dampfbottiche selbst mit der alkalischen Lauge tränken würde, und wenn man sie die nöthige Zeit über darin maceriren ließe, wobei nur dafür zu sorgen wäre, daß der Kessel vor dem Anzünden des Feuers zum größeren Theile ausgeleert wird. Außerdem behält sich die Gesellschaft vor, Belohnungen an diejenigen zu vertheilen, welche die besseren durch Aufguß oder Circulation etc. wirkenden Beuchapparate wesentlich vervollkommnet haben.

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3. Preis von 2000 Fr. für Bestimmung der Ursachen, aus denen bei der Behandlung der Wäsche mit Dampf und alkalischen Laugen Schaden für dieselbe erwachsen kann. Wenn die Gewebe bei der Dampfbeuche Schaden leiden, oder wie man sagt, verbrannt werden, so ist dieß entweder einer zu großen Menge Alkali, oder einem zu starken Dampfdruke und einer hieraus erwachsenden bedeutenden Steigerung der Temperatur des Dampfes im Inneren des Apparates zuzuschreiben. Es ist demnach nicht bloß für die Wäscherei, sondern für das Bleichen im Allgemeinen von Wichtigkeit zu wissen, bei welchem Grade der Temperatur, des Drukes und der Alkalität die Zeuge Schaden zu nehmen anfangen. Die Gesellschaft wünscht daher, daß man durch Versuche bestimme, welche Wirkung das Wasser, der Dampf, und alkalische Laugen von verschiedener Dichtheit und Causticität bei verschiedenen Temperaturen, verschiedenen Graden von Druk, und innerhalb verschiedener Zeiträume auf leinene, hänfene und baumwollene Gewebe von verschiedener Feinheit und Güte ausüben. Die Concurrenten müssen die Prüfungscommission in Stand sezen, die Versuche wiederholen zu können, damit sie sich von der Richtigkeit der angegebenen Resultate überzeugen können. Da auch die in dem Apparate enthaltene und auf einen hohen Temperaturgrad gelangende Luft schädlich auf die Gewebe wirken kann, so muß auch die Wirkung dieser untersucht und bei obiger Frage gehörig gewürdigt werden.

4. Zwei Preise zu 500 Fr. für Verbesserungen an den Waschrädern und andern Waschmaschinen. Man bedient sich der Waschräder mit Vortheil beim Bleichen; und auch beim Waschen der Wäsche finden sie nüzliche Anwendung. Allein die dem Rade zu gebende Geschwindigkeit, damit die Wäsche hinreichend umgewendet und mit Lauge gesättigt werde; die vortheilhafteste Einrichtung des Inneren der Kammern; die Gestalt, der Durchmesser und die Dimensionen, welche für das Rad die vortheilhaftesten sind; alles dieß sind Dinge, welche noch nicht gehörig untersucht sind. Die Gesellschaft wünscht daher, daß man sowohl durch Versuche, als nach der Theorie die Form, die Geschwindigkeit und die Dimensionen bestimme, welche für die zum Waschen der Wäsche bestimmten Räder als die geeignetsten erscheinen. Sie schreibt hiefür einen Preis von 500 Fr. aus. Da man sich übrigens in den Fabriken auch noch anderer durch Druk, Drehung oder Schlag wirkender Waschmaschinen bedient, wozu z.B. die Washstoks gehören; und da diese Maschinen wohl auch zum Waschen der Wäsche dienen könnten, so sezt die Gesellschaft für die beste Waschmaschine dieser Art gleichfalls einen Preis von 500 Fr. aus.

5. Medaillen und Belohnungen erhalten diejenigen, welche Verbesserungen an den Apparaten, Maschinen und Methoden zum Mangen, Moiriren, Bügeln und Troknen der Wäsche angeben.

Die Concurrenten haben sich bis zum Schlusse des J. 1840 zu melden.) 29. Preis von 4000 Fr. für das beste Aufbewahrungssystem für Getreide, auf Landgütern und in Magazinen anwendbar.

30. Preis von 1500 Fr. für die beste Reinigungsmethode für Getreide, welches von Insecten und Brand angegangen ist.

31. Preis von 4000 Fr. für die Fabrication wohlfeiler Kerzen.

32. Medaillen für Herstellung großer Eiskeller an Orten, wo bisher noch keine solchen bestanden.

Preise für das Jahr 1842.

33. Preise für Vermehrung der Blutegel.

(1. Preis von 2500 Fr. für Versuche über die Mittel, durch welche sich Sümpfe und Teiche, sie mögen stehendes oder fließendes Wasser haben, und die bisher noch keine Blutegel enthielten, mit diesen Thieren bevölkern lassen. Die Concurrenten haben nicht bloß die von ihnen in Anwendung gebrachten Mittel zu beschreiben, sondern auch die Feinde, gegen welche die Blutegel geschüzt werden müssen, und die Umstände, unter denen ihre Vermehrung gelang, anzugeben. Die Versuche müssen unter den Augen von wissenschaftlichen oder industriellen Gesellschaften angestellt und von den zu deren Prüfung bestellten Commissionen bezeugt werden; ihre Beschreibung kann nicht zu detaillirt seyn. Die Concurrenten müssen wenigstens 2000 Stüke Blutegel in den Handel gebracht haben. Hätten |314| die Versuche keine günstigen Resultate gehabt, wären sie aber dennoch geeignet, die zu solchen führende Bahn anzudeuten, so behält sich die Gesellschaft vor, die Bemühungen der Concurrenten mit Medaillen zu belohnen.

2. Preis von 1500 Fr. für denjenigen, der ein wohlfeiles Mittel angibt, wonach gebrauchte Blutegel ein zweites Mal zum Saugen gebracht werden können. Die Concurrenten müssen ihr Verfahren gehörig beschreiben, ihre Versuche wenigstens mit 400 Blutegeln angestellt, und von diesen wenigstens die Hälfte nochmal zum Saugen gebracht haben. Die Versuche sollen sich über Blutegel von verschiedenem Alter und verschiedenen Sorten erstreken, und dabei ist anzugeben, bei welchen das Verfahren am besten gelang. Die Versuche müssen gehörig beglaubigt seyn. Die Gesellschaft behält sich vor, den Preis je nach Umständen auch zu theilen.

3. Medaillen für diejenigen, welche vom J. 1840 an in Frankreich neue in der Arzneikunde anwendbare Blutegelsorten eingeführt und vermehrt haben.

4. Medaillen für diejenigen, welche durch positive Thatsachen herausstellen, welche Blutegelsorten das französische Klima am besten vertragen.46)

IV. Landwirthschaft.

Preise für das Jahr 1842.

34. Zwei Preise, einer zu 2000 und einer zu 1000 Fr., für die Einführung der Cultur von Gewächsen, die für die Landwirthschaft, die Künste und Gewerbe von Nuzen sind.

Preise für das Jahr 1844.

35. Goldene, platinene und silberne Medaillen für die Einführung der Seidenraupenzucht in den Departements, in welchen sie vor dem Jahre 1830 nicht betrieben wurde.

36. Drei Preise, zu 2000, 1500 und 1000 Fr. für die Errichtung von Seidenspinnereien in den Departements, in welchen vor dem Jahre 1830 keine solchen bestanden.

Preise für das Jahr 1846.

37. Zwei Medaillen im Werthe von 500 und 300 Fr. für die Anpflanzung von Nadelhölzern.

Preise für das Jahr 1847.

38. Fünf Preise, einer zu 2000, einer zu 1000 und drei zu 500 Fr., für die Bepflanzung abschüssiger Grundstüke.

V. Handel.

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Preise für das Jahr 1842.

39. Preis von 2000 Fr. für den Verfasser der besten Abhandlung über das Entstehen und die Fortschritte des deutschen Zollvereines. (Der Verfasser muß zuvörderst das Geschichtliche des Vereines auf solche Weise geben, daß dessen Ursprung und dessen Zwek vollkommen klar wird; er muß angeben, welche Staaten dem Vereine zuerst angehörten, warum und wie deren anfängliche geringe Zahl anwuchs, bis im J. 1833 die Hauptgrundlagen des Vereines festgesezt und allgemein angenommen wurden. Es sollen die Hauptpunkte dieses großen Vertrages erläutert, die verschiedenen Interessen der Staaten bei dem Vereine und deren gegenseitige Stellung entwikelt werden. Nach Vorausschikung des Geschichtlichen hat der Verf., auf Zahlen und officielle Documente gestüzt, den Werth der Austausche, den jeder Staat in den dem Beitritte zum Vereine vorausgegangenen Jahren machte, anzugeben, damit man daraus abnehmen kann, wie hoch sich seither für jeden der Staate die Einfuhren und die erhobenen Zölle berechnen. Er hat ferner darzuthun, welche Staaten am meisten gewonnen, und welche am meisten verloren haben; ob in den durch den Vertrag am meisten begünstigten Staaten die Industrie sich merklich gehoben hat; ob sich im Gegentheile in jenen Ländern, die am wenigsten begünstigt sind, die Production allmählich und merklich vermindert hat; ob da, wo die Concurrenz nicht mehr möglich war, die Industrie erlag, oder ob dafür neue Industriezweige in Aufschwung kamen; ob und welche Vortheile endlich Preußen aus dem neuen Systeme zieht oder aus demselben zu ziehen erwarten darf. Nach diesen Erörterungen muß gezeigt werden, welche Wirkungen bis zur Stunde der Verein auf unseren Verkehr mit den Vereinsstaaten geäußert hat, wobei unsere Einfuhr in den fünf dem Vertrage vorausgegangenen Jahren mit der Einfuhr in den fünf Jahren, welche auf den Abschluß des Vertrages folgten, verglichen werden muß. Es ist anzugeben, welche von unseren früher auf die Märkte der Vereinsstaaten gebrachten Fabricaten dermalen davon verdrängt sind, und welche in längerer oder kürzerer Frist nicht mehr die Concurrenz zu halten im Stande seyn dürften. Schließlich hat der Verf. anzugeben, welches Verhalten die französische Regierung einzuschlagen hätte, im Falle sie mit dem Zollvereine einen Vertrag abschlösse, und welche Modificationen in diesem Falle in den französischen Zolltarifen gemacht werden müßten. Im entgegengesezten Falle wäre zu erwägen, ob es nicht im Interesse Frankreichs wäre, seinerseits mit anderen Staaten einen Verein einzugehen. Sollte der Verf. dieser Meinung seyn, so hätte er zu untersuchen, welche Artikel des Tarifes sowohl von unserer Seite, als von jener der sich mit uns verbindenden Staaten geändert werden müßten. Die Abhandlungen können in französischer und deutscher Sprache geschrieben seyn, und müssen vor dem 31. Dec. 1841 eingesandt werden.)

Mit Ausnahme der Preise, deren Programme wir hier ausführlicher mittheilten, lauten die Programme beinahe wörtlich wie die früheren, welche man in den früheren Jahrgängen unseres Journales nachlesen kann. Alle Einsendungen von Abhandlungen, Zeichnungen, Modellen, Documenten etc. haben längstens bis zum 31. Decbr. der Jahre 1840, 1841, 1843, 1845 und 1846 an den Secretär der Gesellschaft in Paris, rue du Bac No. 42, Hôtel de Boulogne, zu geschehen. Wollte einer der Concurrenten ein Patent auf eine seiner Mittheilungen nehmen, so hätte dieß vor der Mittheilung derselben an die Gesellschaft zu geschehen. Die Summe der ausgeschriebenen Preise beläuft sich auf 193,800 Fr.

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Hr. Robine erhielt von der Gesellschaft in ihrer Generalversammlung vom 11. März 1840 zur Aufmunterung die Summe von 1000 Fr. bewilligt, mit Vorbehalt seiner Rechte bei der Concurrenz um die Preise.

A. d. R.

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Die Gesellschaft macht die Concurrenten auf folgende Schriften über ihren Gegenstand aufmerksam: 1) Essai médical sur les sangsues, par G. Rochette. 8. Paris 1803. – 2) Mémoires pour servir à l'histoire naturelle des sangsues, par P. Thomas. 8. Paris 1806. – 3) Traité de la sangsue médicinale, par Louis Vitet. 8. Paris 1809. – 4) Monographie du genre Hirudo, par le Prof. Hyac. Carena in Memorie della reale Accademia delle scienze di Torino. Tom. XXV. 1820. – 5) Notice sur les sangsues, par M. Nobble. 8. Versailles 1822. – 6) Notice sur les sangsues, par M. Rayer, Journ. d. Pharmacie, Decbr. 1824. – 7) Histoire naturelle et médicale des sangsues, par J. L. Derheims. 8. 1825. – 8) Recherches sur le genre Hirudo, par MM. Pelletier et Huzard fils. 8. Paris 1825. – Observations sur la conservation et la reproduction des sangsues, par M. Chatelain. 1825. – 10) Monographie de la famille des Hirudinées, par Alfred Moquin-Tandon. 4. Paris 1827. – 11) Essai d'une monographie de la famille des Hirudinées, par H. D. de Blainville. 8. Paris 1827.

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