Titel: Ueber das Fixiren des Blauholz- und Catechupigments mittelst doppelt-chromsauren Kali's.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XCV./Miszelle 10 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076095_10

Ueber das Fixiren des Blauholz- und Catechupigments mittelst doppelt-chromsauren Kali's.

In Bezug auf die aus einer anonymen Drukschrift entnommenen, im ersten Maiheft des polytechnischen Journals S. 209 mitgetheilten Verfahrungsarten mit Blauholzextract schwarz und mit Catechu braun zu färben und beide Farben durch doppelt-chromsaures Kali haltbar zu machen, ist uns von Hrn. Joh. Carl Leuchs in Nürnberg eine Reclamation folgenden wesentlichen Inhalts zugekommen:

„Die Beschreibung dieser Verfahrungsarten ist in der citirten Drukschrift ohne Angabe der Quelle wörtlich aus folgendem im J. 1836 von mir verfaßten, bei C. Leuchs und Comp. in Nürnberg erschienenen Werkchen entnommen: Vorschrift zu einer neuen überaus vortheilhaften Art schwarz zu färben, ohne Eisen und Eisenverbindungen, nebst Vorschrift zu einem ächten Braun, Braunroth, Grau, Violett und Nachricht über eine neue Art die Indigküpe zu führen, ohne Waid, Krapp, Urin und Pottasche. Da diese Vorschrift in die Hände von sehr vielen Färbern und Drukern in allen Theilen Deutschlands und eben so nach Frankreich (schon 1837 nach Mülhausen) und anderen Ländern gekommen ist, so ist sie jezt wohl der Mehrzahl der deutschen Färber, die mit der Zeit fortschreiten, direct oder indirect bekannt geworden. Seitdem ist es mir aber gelungen, durch weitere Verbesserungen das neue Verfahren vornehmlich auf Wolle und Baumwolle anwendbar und vortheilhaft zu machen (ich theile sie den mir bekannten Käufern in einer besondern Drukschrift mit) und auch die Seide so darnach zu färben, daß sie überaus weich und mild bleibt. Die Verpflichtung der Käufer, das Verfahren bis 1848 geheim zu halten, welche natürlich auch auf die Verkäufer zurükfällt, gestattet mir jezt noch nicht in nähere Details einzugehen; ich bemerke daher nur in geschichtlicher Hinsicht, daß die Verfahrungsarten mit Extracten, d.h. mit fast oder ganz zur Trokne eingedunsteten und dadurch wesentlich in ihren Eigenschaften veränderten Farbabsuden, und saurem chromsaurem Kali zu färben, im J. 1832 zuerst von Hrn. Thomas Leykauf in Nürnberg aufgefunden, und das Braun mit Catechu und chromsaurem Kali bereits 1832 nach der Schweiz, das Schwarz mit Blauholzextract und chromsaurem Kali 1835 nach Böhmen, und beide Farben 1836 in obenerwähnter Schrift, welche die darüber von mir gemachten Versuche enthält, dem Publicum mitgetheilt wurden. Von diesen Farben hat das Braun mit Catechu bereits seit Jahren allgemeine Anwendung gefunden; das Schwarz mit Blauholzextract (oder nach einer abgeänderten Art mit Blauholz) und chromsaurem Kuli ist weniger verbreitet, doch färben es viele Seidenfärber und mit einer Abänderung auch viele Baumwollenfärber60), so wie einige Tuchfabriken.“

Wir haben aus der citirten Drukschrift in dem erwähnten Hefte des polytechnischen Journals die fast allgemein bekannt gewordenen Verfahrungsarten mit Blauholzextract und doppelte-chromsaurem Kali schwarz und mit Catechu und doppelt-chromsaurem Kali braun zu färben, nur deßwegen aufgenommen, um in Anmerkungen die Resultate diesjähriger im Großen gemachter Erfahrung beizufügen und zu veröffentlichen. Daß die HHrn. Leykauf und J. C. Leuchs von selbst auf die Entdekung kamen, das Blauholz- und Catechupigment durch Chromsäure auf |399| den Stoffen zu fixiren, wollen wir nicht bezweifeln, müssen aber bemerken, daß die Kattundrukfabriken nothwendig auf dieselbe Entdekung bei dem Catechu verfallen mußten, sobald neben Catechubraun auch Aechtgrün aufgedrukt und dann in saurem chromsaurem Kali ausgefärbt wurde (man vergleiche die Note 25 S. 206 in Schwarz's Abhandlung über das Catechu im ersten Maiheft des polytechnischen Journals); in der That war auch die Eigenschaft der Chromsäure das Catechubraun auf den Baumwollenzeugen zu fixiren, den Kattundrukereien in Jouy, Mülhausen, Münster, so wie allen mit der Zeit fortschreitenden derartigen Fabriken schon früher bekannt, als Hr. Leuchs seine Färbemethode unter den Färbern etc. zu verbreiten anfing. Von der Eigenschaft der Chromsäure das Blauholzpigment zu fixiren, ist unseres Wissens in den Kattundrukereien niemals eine Anwendung gemacht worden.

E. Dingler.

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Die von der Redaction des polytechnischen Journals gerügte Stelle S. 210: „die verlorene Kraft des Blauholzextractes kann man herstellen, wenn man etwas Alaun zusezt“ , was freilich ein Unsinn ist, heißt im Original: „das Bad von chromsaurem Kali kann durch Zusaz von etwas Alaun (oder Schwefelsäure, welche wieder Chromsäure frei macht) wieder brauchbar gemacht werden.“

J. C. Leuchs.

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