Titel: Green's neuere auf die Luftschifffahrt bezügliche Versuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XCV./Miszelle 6 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076095_6

Green's neuere auf die Luftschifffahrt bezügliche Versuche.

Der berühmte Luftsegler Green hielt kürzlich vor der Polytechnic Institution einen Vortrag über einige neuerlich von ihm beabsichtigte Verbesserungen an den Luftballons, deren Nuzen er auch durch Versuche vor der Gesellschaft darzuthun suchte, Hr. Green glaubt sich bei den vielen Aufsteigungen, die er mit Luftballons machte, überzeugt zu haben, daß, welcher Wind auch in den unteren Luftschichten wehen mag, in den höheren Regionen beständig eine Luftströmung herrsche, welche von irgend einem zwischen Norden und Westen gelegenen Punkte ausgeht. Es handelt sich daher seiner Ansicht nach nur darum, in diesen Luftstrom zu gelangen und den Ballon auch in demselben zu erhalten. Die Maschinerie, deren sich Hr. Green zu diesem Zweke bedienen will, beruht auf einem bekannten pneumatischen Principe, und ist eben so einfach als leicht. Sie besteht nämlich aus zwei hölzernen Flügeln, die an einer durch den Boden des Schiffchens sezenden Spindel angebracht sind. Die Flügel bestehen aus einem Längenstüke, in dessen Mittelpunkt die Spindel nach Art einer Windmühle, jedoch mit zwei Armen, fixirt ist; beide Flügel bilden horizontal einen Winkel, in dessen Richtung sie sich bewegen. Mit diesem Apparate wurden nun vor der genannten Gesellschaft einige Versuche angestellt. Man füllte einen Miniatur-Ballon von ungefähr drei Fuß im Durchmesser mit gewöhnlichem Steinkohlengase, und brachte an demselben den Reifen, das Nez und das Schiff an, in welchem sich zur Bewegung der Flügel ein kleiner Federmechanismus befand. Nachdem in das Schiff so viel Gewicht gelegt worden, daß der Ballon in der Luft schwebend blieb ohne zu steigen oder zu sinken, sezte Hr. Green den angegebenen Mechanismus in rasche Umlaufsbewegung. Die Folge hievon war, daß der Ballon sachte an die Deke emporstieg und von dieser wieder abprallte, so lange die Bewegung dauerte, während er, sobald diese aufhörte, sogleich herabzusinken begann. Bei einem anderen Versuche |396| brachte Hr. Green den Ballon zuerst zum Schweben; dann sezte er den Apparat abermals, aber nach entgegengesezter Richtung in Bewegung, woraus sich als Folge ergab, daß der Ballon auf den Boden herab gelangte. Bei einem dritten Versuche wurde der Ballon, nachdem ein Leitseil, an dessen Ende ein kleines Messinggewicht befestigt war, an ihm angebracht worden, in Schwebung versezt. Ferner wurden die Flügel unter dem Schiffe weggenommen und an dessen Seite so angebracht, daß sie sich senkrecht bewegten. Als nunmehr die Flügel unter diesen Umständen in Bewegung gesezt worden, segelte der Ballon horizontal und unter Nachziehung des Leitseiles durch das Zimmer, bis das Triebwerk abgelaufen war, wo er sodann stehen blieb. Hr. Green glaubt, daß er mit diesen Mitteln im Stande seyn werde, seine schon lange projectirte Luftschifffahrt nach Amerika auszuführen, und berechnet, daß für seinen großen Ballon Flügel von ungefähr 6 Fuß Länge erforderlich seyn dürften. Die zu deren Bewegung erforderliche Maschinerie hofft er in dem Schiffe unterbringen zu können. Versuche, die er im laufenden Sommer anzustellen beabsichtigt, sollen die Sache zur Reife bringen. (Mechanics' Magazine, No. 868)

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