Titel: Ueber die Bestandtheile des Zukerrohrsaftes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XCV./Miszelle 9 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076095_9

Ueber die Bestandtheile des Zukerrohrsaftes.

Die Analyse des Zukerrohrsaftes, welche Hr. Péligot in neuerer Zeit gab (vergl. polytechn. Journal Bd. LXXV. S. 227), und der gemäß in diesem Safte 18 bis 20 Proc. krystallisirbaren Zukers enthalten seyn sollen, veranlaßte die HHrn. Robiquet und Guibourt die Akademie in Paris darauf aufmerksam zu machen, daß der Apotheker Avequin schon früher dasselbe Resultat erhalten hatte. Neuerlich lieferte aber auch noch Hr. Prof. Colin einen Nachtrag hiezu, aus welchem hervorgeht, daß Hr. Plagne schon im J. 1827 mehrere Berichte an das Marineministerium gerichtet halte, worin dargethan ist: daß sowohl der zu Martinique, als der auf der Küste von Coromandel gewonnene Zukerrohrsaft mehr als 20 Proc. krystallisirbaren Zukers enthält, daß aller dieser Zuker auch wirklich gewonnen werden kann, wenn man die Eindampfung rasch und bei einer Temperatur, die nicht über 80° R. beträgt, vornimmt; daß man bei diesem Versähren wenig oder gar keine Melasse erhält; und daß die rasche Verarbeitung des Zukerrohrsaftes hauptsächlich deßhalb nöthig ist, weil er einen Bestandtheil enthalte, der in Kürze allen Zuker in eine schleimige Masse verwandeln würde. In 4000 Grammen Zukerrohrsaft fand Hr. Plagne:

Wasser 3133 Gramme
krystallisirbaren Zuker 832
trokenen unkrystallisirbaren Rukstand 30
Cerin 0,30
grünes Wachs 1,06
eigenthümlichen organischen Stoff 1,61
trokenes Eyweiß 0,30
––––––––––––
3998,27

Der in dieser Analyse aufgeführte eigenthümliche organische Stoff, der, wenn man nicht sehr rasch arbeitet, den Zuker in eine schleimige Substanz verwandelt, hat nach Hrn. Plagne folgende Eigenschaften. Er ist weiß, wird aber an der Luft bräunlich; er ist weich und schwer zu troknen, da er etwas Feuchtigkeit anzieht. In Alkohol und Aether löst er sich nicht auf, wohl aber in Wasser. Er enthält keinen Stikstoff, und brennt, ohne sich aufzublähen, unter Verbreitung eines dem Cichorienextracte ähnlichen Geruches. Die Salze des Queksilberoxyduls und Bleioxyds fällen ihn aus der wässerigen Auflösung; der Queksilbersublimat dagegen hat keine Wirkung darauf. Alkohol und Aether scheiden ihn unverändert aus der wässerigen Auflösung ab. Thierische Kohle bemächtigt sich seiner; es ist aber eine große Menge davon erforderlich, und man muß dem Safte in dem Augenblike, wo er von der Presse abläuft, davon zusezen, wenn man die schleimige Gährung verhüten will. Die schleimige Substanz, in welche der Zuker durch ihn verwandelt wird, gibt bei der Destillation kein kohlensaures Ammoniak, woraus |398| zu schließen seyn dürfte, daß sie keinen Stikstoff enthält. Wasser löst sie auf, Alkoho! fällt sie aber wieder aus dieser Auflösung, so daß sie also die Eigenschaften des Gummi hat, doch gibt sie bei der Behandlung mit Salpetersäure keine Sauerkleesäure. Hr. Plagne fragt, ob diese Substanz nicht jener ähnlich seyn dürfte, die Pelouze bei gewissen Gährungen erhielt, und die er für wasserfreien Zuker hielt. Hr. Colin dagegen frägt, ob dieser Gährungsstoff des Zukerrohrsaftes nicht mit jenem identisch ist, den Braconnot in den Knollen der Tobinambours fand? (Comptes rendus, 1840, 1er Sem. No. 13)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: