Titel: Vorzüglicher Buchbinderlak.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. CVIII./Miszelle 13 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/mi076108_13

Vorzüglicher Buchbinderlak.

In Paris wird längst ein guter Buchbinderlak verkauft, welcher in neuerer Zeit auch Eingang in Deutschland gefunden hat, dessen Bereitungsweise aber Geheimniß ist. Ich wurde von verschiedenen Seiten aufgefordert, diesen Buchbinderlak zu untersuchen, und dessen Bereitungsart auszumitteln. Nach vielfältigen Versuchen ist es mir gelungen, die Vorzüge dieses Pariser Laks in allen feinen Eigenschaften vollkommen zu erreichen. Nachstehend die Bereitungsweise: |468| Zwölf Unzen Gumm. Lacc. in tabulis (Schellak), eine halbe Drachme Kampher und eben so viel fein zerriebener Raffinadezuker werden in 6 Pfund 86procentigen Weingeists im Wasserbade aufgelöst, die erkaltete Auflösung durch Löschpapier filtrirt, und die filtrirte Flüssigkeit in einer Retorte auf die Hälfte ihres Volumens reducirt, und der noch warmen Flüssigkeit eine Drachme Oleum aeth. Cassiae beigemischt.

Nach vollständigem Erkalten wird dieser Lak einer Prüfung unterworfen. Eine Prise Baumwolle wird mit einigen Tropfen dieser Flüssigkeit imprägnirt und hiemit über Bücherrüken und Dekel gestrichen. In zwei Minuten muß im Sommer der Weingeist verflüchtigt und der Lak vollkommen troken seyn; im Winter nimmt man die Ofenwärme zu Hülfe. Hat der Lak noch nicht hinreichenden Glasglanz, so wird dieses Bestreichen noch einmal wiederholt, wobei zu bemerken ist, daß das zweite Mal die Bestreichung nicht in derselben Richtung, sondern über das Kreuz vorgenommen, und überhaupt für eine gleichförmige, nicht zu dike Ueberstreichung gesorgt werden muß, wozu ein geschikter Arbeiter sehr schnell die nöthige Fertigkeit erlangt. Ich finde für nöthig, diese Handgriffe etwas umständlich anzugeben, da mir schon Handwerker vorgekommen sind, welche mit dem besten Buchbinderlak den gewünschten Glanz zu Stande bringen konnten, während eine kleine Unterweisung hinreichend war, den kleinen Kunstgriff sich zu eigen zu machen. – Ein gut bereiteter Buchbinderlak muß noch braun, in einer Pfundflasche nur am Rande durchscheinend, im Unzenglas aber vollkommen hell und durchsichtig seyn, und die Consistenz des Mandelöhls besizen. Ist er dünner, so hat sich entweder das Gummilak nicht rein ausgelöst, oder der Weingeist hatte die nöthige Stärke nicht, oder auch das Gummilak war von schlechter Beschaffenheit; in allen diesen Fällen muß noch so lange abgedampft werden, bis die angegebene Consistenz erreicht ist.

Die kleine Quantität von Kampher und Zuker ist nothwendig, um eine gleichförmige Uebertragung zu bewerkstelligen und die nöthige Geschmeidigkeit zu geben, das Oleum Cassiae aber, um den übeln Kamphergeruch zu versteken, und dem Geruchsorgane einigen Genuß zu verschaffen, da dergleichen Bücher mehrere Monate lang einen angenehmen Geruch verbreiten, was bei den genußsüchtigen Parisern sehr berüksichtigt wird.

Ich hoffe durch die Veröffentlichung dieser Bereitungsweise manchem Techniker einen angenehmen Dienst zu erweisen.

Noch muß bemerkt werden, daß Leder, welches noch gar keine Appretur erhalten hat, keinen Glanz annimmt. A. Weigand. (Frankfurter Gewerbfreund.)

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