Titel: Schwartz, über ein Mineralsalz zum Reinigen der gedrukten Baumwollenzeuge.
Autor: Schwartz, Eduard
Fundstelle: 1840, Band 77, Nr. LXXIII. (S. 291–294)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj077/ar077073

LXXIII. Ueber ein Mineralsalz, welches den Kühkoth beim Reinigen der gedrukten Baumwollenzeuge ersezen kann; von Hrn. Eduard Schwartz.

Aus dem Bulletin de la société industrielle de Mulhausen, No. 63.

Hr. Kestner-Rigan überschikte der Industriegesellschaft mit einem Schreiben vom 26. Febr. d. J. ein Muster des fraglichen Salzes, welches dann drei Kattunfabrikanten (Dollfus-Mieg und Comp., Gebrüder Köchlin, Schlumberger-Köchlin und Comp.) mitgetheilt wurde, um damit Versuche anzustellen. Ueber das Ergebniß derselben will ich hier berichten, zuvor aber eine Stelle aus dem Schreiben des Hrn. Kestner mittheilen. „Dieses Product“, sagt er, „wurde von den HHrn. Mercer und Blyte, zwei Kattunfabrikanten bei Manchester, erfunden. Bekanntlich kann der Kühkoth durch phosphorsaure und arseniksaure Salze ersezt werden; der Ersparniß wegen soll man nach der Vorschrift der Erfinder sich aber eines Gemenges von phosphorsaurem Natron und phosphorsaurem Kalk bedienen. Ich habe in meiner chemischen Fabrik die Einrichtung getroffen, um dieses Product im Großen zu bereiten, und bringe es unter dem Namen sel pour bousage (Salz zum Kühkothen) in den Handel.“

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Um sich dieses Surrogats zu bedienen, löst man 1 Kit. (2 Pfd.) desselben in 10 Liter (20 Pfd.) Wasser auf; von dieser Flüssigkeit sezt man auf unten angegebene Weise dem Wasser in den Aussiedekufen zu. Vorher muß dieselbe aber stets aufgerührt werden, um den phosphorsauren Kalk schwebend zu erhalten, welcher zwar unauflöslich bleibt, aber dennoch zur Wirkung des phosphorsauren Natrons beiträgt.

Der Apparat zum Kühkotben (Reinigen der Stüke) besteht aus zwei mit Walzen versehenen Kufen, welche durch Dampf auf die erforderliche Temperatur erhizt werden können. Die erste Kufe muß 2500 Liter (5000 Pfd.) Wasser enthalten, und die Walzen sotten so angebracht seyn, daß immer 12 bis 15 Meter (37 bis 46 Fuß) Zeug in der Flüssigkeit untergetaucht sind und die Zeuge mit einer Geschwindigkeit von 25 Meter (77 Fuß) in der Minute durch die Kufe streichen. Man gibt in die Kufe 25 Liter obiger Auflösung oder 2 1/2 Kilogr. (5 Pfd.) von dem Mineralsalz und speist die Kufe noch damit, während die Operation fortschreitet, wobei man auf 3–5 Stüke von 50 Meter (154 Fuß) Länge einen Liter (2 1/5 Pfd.) der Auflösung des phosphorsauren Salzes rechnet.

Die Temperatur, auf welche man die Kufen erwärmt, hängt von der Beschaffenheit der Beizmittel ab. Stark Verdikte Beizen erfordern die Temperatur des kochenden Wassers, weniger stark verdikte aber eine niedrigere Temperatur und die Beizen für Violett und Rosa eine noch geringere. Nachdem die Stüke die erste Kufe passirt haben, wascht man sie aus. Die zweite Kufe enthält nur 1250 Liter (2500 Pfd.) Wasser; man versezt sie mit 10 Liter Auflösung des phosphorsauren Salzes und 10 Liter Leimauflösung von 15° Baumé. So oft 15 bis 20 Stüke diese Kufe passirt haben, speist man sie mit 1 Liter Auflösung des phosphorsauren Salzes und 1 Liter Leimauflösung.

Die Stüke müssen in dieser Kufe bei der Temperatur des kochenden Wassers 20–30 Minuten lang untergetaucht bleiben, worauf man sie auswascht und sodann färben kann. Es lassen sich 500 bis 1000 Stüke passiren, ehe man die Flüssigkeit in den Kufen zu erneuern braucht.

Den Nachrichten zufolge, welche das Haus Gebrüder Köchlin aus England erhielt, scheint dieses Verfahren in der Art vortheilhaft abgeändert worden zu seyn, daß man den Leim durch eine geringe Menge Kühkoth ersezte, wovon man dem Bade bei der ersten und zweiten Operation zusezt; der englische Fabrikant, welcher auf leztere Art verfährt, behauptet dabei sattere und lebhaftere Farben als durch Kühkoth allein zu erhalten.

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Um mich zu überzeugen, wie dieses Salz auf die Beizen wirkt, falls es sich in großem Ueberschuß in dem Reinigungsbade befindet, bereitete ich dreierlei Auflösungen desselben; die eine enthielt 1/15 Loth, die zweite 1/3 Loth und die dritte 2/3 Loth Salz in 2 Pfd. Wasser, und es wurden darin Stükchen Baumwollzeug, die mit Eisen- und Thonerdemordant von verschiedener Stärke bedrukt waren, bei 40° und 80° R. gereinigt; alle Farben kamen gleich lebhaft und satt aus dem Färbebad. Ich glaubte bloß zu bemerken, daß das Violett etwas weniger (?) intensiv war, als es gewöhnlich beim Reinigen in Kühkoth wird. Diese Resultate beweisen, daß ein Ueberschuß von dem Salze den Beizen nicht schaden kann und es war nun bloß noch zu ermitteln, wie viel von demselben bei der Behandlung von Stüken im Großen mindestens angewandt werden muß. In dieser Beziehung habe ich bei den HHrn. Schlumberger-Köchlin folgende Versuche angestellt:

1) Drei Aussiedekufen, welche 1250 Liter (2500 Pfd.) Wasser enthielten und mit Walzen zum Hin- und Herleiten der Stüke versehen waren, wurden in eine Reihe gestellt, auf 52° R. erwärmt und mit 2 Pfd. 16 Loth Salz versezt, worauf man ein einzigesmal 24 Stüke darin passirte, welche von Hand theils mit drei Roth, Schwarz und Violett, theils in schweren Mustern bloß mit Schwarz und Hellroth bedrukt waren.

Obgleich die Stüke, um die drei Kufen zu passiren, nur 7 bis 8 Minuten in dem Bade blieben, so waren sie doch vollkommen gereinigt und man brauchte sie nur noch auszuwaschen. Sie wurden sodann mit dem gewöhnlichen Verhältnisse von Krapp ausgefärbt und kamen eben so satt und rein aus dem Färbebade wie Stüke, welche in demselben Apparate mit Kühkoth gereinigt worden waren.

2) Eine mit Walzen versehene Kufe, welche 1000 Liter (2000 Pfd.) Wasser enthielt, wurde über dem Fluß aufgestellt, mit 2 Pfd. Salz versezt und auf 56° R. erwärmt; man passirte sodann Stüke hindurch, welche auf der Walzendrukmaschine theils violett, theils zweifarbig und rosenroth bedrukt worden waren, und ließ dieselben, sobald sie aus der Kufe kamen, eine Stunde lang im Wasser hängen. Man sezte während des Passirens per Stük 3 bis 7 Loth Salz zu, je nach den Mustern. Nach dem Färben und Aviviren war das Rosenroth von dem nach der alten Methode gereinigten durchaus nicht verschieden, während das Violett etwas satter war; hieraus muß man folgern, daß das fragliche Salz53) die Eisenbeizen besser als der Kühkoch befestigt.

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Folgende Versuche stellte Hr. Heinrich Schlumberger in der Fabrik von Dollfus-Mieg und Comp. an: Zwei mit Walzen versehene Kufen, welche 1500 Liter (3000 Pfd.) Wasser enthielten, wurden vor einander gestellt und jede mit 1 1/2 Kilogr. (3 Pfd.) Salz versezt; nachdem das Wasser auf 48° R. erhizt worden war, passirte man hintereinander, ohne etwas zuzusezen, durch das Bad 36 Stüke, welche auf der Maschine doppelrosenroth, doppelviolett, und schwarz und roth bedrukt worden waren. Alle diese Stüke ließen nach dem Färben und Aviviren nichts zu wünschen übrig. Hr. Heinrich Schlumberger hat überdieß Zeugstükchen, welche mit Eisenbeize bedrukt und mit dem fraglichen Salze gereinigt worden waren, verbrannt und ihre Asche wiederholt vor dem Löthrohr untersucht, wobei er fand, daß sich ein wenig Phosphorsäure mit dem Eisenoxyde verbunden hatte.

Die HHrn. Gebrüder Köchlin wandten das fragliche Salz in dem Verhältniß und nach der Methode, welche der Erfinder vorschreibt, an und erhielten dabei dieselben Resultate wie Hr. Schlumberger: alle nach diesem Verfahren gereinigten Farben waren nämlich eben so schön wie gewöhnlich, und das Violett sogar noch etwas satter.

Uebrigens muß ich bemerken, daß die Entdekung der englischen Fabrikanten im Princip keineswegs neu ist, indem Daniel Köchlin und Heinrich Schlumberger schon vor zehn Jahren arseniksaures Kali zu demselben Zwek benuzten und dasselbe nur wegen seines hohen Preises wieder aufgeben mußten.

Aus allen diesen Versuchen geht hervor, daß sich durch das erwähnte Salz der Kühkoth mit Vortheil ganz oder zum Theil ersezen läßt und daß es zur Befestigung der Eisenbeizen demselben sogar vorzuziehen ist.

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In Mülhausen kostet das Kilogramm desselben 1 Fr., so daß es dort noch etwas billiger als der Kühkoth zu stehen kommt.

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