Titel: Böttger's Verfahren Kupfer und Messing auf sogenanntem nassem Wege mit einer spiegelblanken, festhaftenden Zinkschicht zu überziehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 77, Nr. XCVIII./Miszelle 6 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj077/mi077098_6

Böttger's Verfahren Kupfer und Messing auf sogenanntem nassem Wege mit einer spiegelblanken, festhaftenden Zinkschicht zu überziehen.

Bei Anstellung einiger Versuche, Kupferblechen auf sogenanntem nassem Wege oberflächlich das Ansehen von Tombak oder Messing zu geben, wie dieß bekanntlich auf trokenem Wege mittelst Zinkdämpfen bei der Fabrication des unächten sogenannten Lyoner Goldes geschieht, entdekte Dr. R. Böttger ein sehr einfaches und wohlfeiles Verfahren, um Kupferdraht, Kupferblech, Messingblech, Drahtgewebe von eben diesen Metallen, Steknadeln, sogenanntes Flittergold etc. mit einer spiegelblanken, festhaltenden Zinkschicht zu überziehen. Bringt man nämlich fein granulirtes Zink (welches man erhält, wenn man das in Fluß gebrachte Metall in einen zuvor stark erwärmten eisernen Mörser ausgießt und die flüssige Metallmasse schnell mit der eisernen Reibkeule bis zum Erstarren tüchtig durcheinander reibt) in eine Porzellanschale oder in irgend ein anderes passendes, nicht metallisches Gefäß, übergießt dasselbe mit einer gesättigten Salmiaklösung, erhizt diese bis zum Kochen und wirft dann die zu verzinkenden, zuvor mit etwas verdünnter Salzsäure auf ihrer Oberfläche gereinigten oder vorgebeizten Gegenstände hinein, so überziehen sich dieselben, bei fortgeseztem Kochen der Masse, innerhalb weniger Minuten, mit einer spiegelblanken Zinkschicht, die durch mechanisches Reiben nur äußerst schwierig wieder zu entfernen ist.

Das Verzinken geschieht lediglich in Folge eines einfachen galvanischen Prozesses, indem das gebildet werdende Chlorzinkammonium durch die Gegenwart der Zinkspäne und des Kupferblechs zerlegt wird. Das bei dem Aufeinanderwirken von Salmiak auf Zink freiwerdende Chlor von einem Theile Salmiak tritt aus Zink, während das mit dem Chlor verbunden gewesene Ammonium als Ammoniak gasförmig entweicht, ein unzerlegter Antheil Salmiak verbindet sich mit dem Chlorzink zu Chlorzinkammonium, einem sehr leicht löslichen und leicht zersezt werdenden Doppelsalze. Befinden sich folglich in der Lösung desselben Zinkspäne |396| im Ueberschuß, die gleichzeitig mit dem elektronegativeren Kupfer in unmittelbarem Contakt stehen, so zerfällt das Salz in seine Elemente, wobei das reducirt werdende Zink sich fest auf das negative Kupfer absezt. – Weinstein statt des Salmiaks angewandt, zeigt diese Eigenschaft nicht, obwohl man es vermuthen sollte. – Das sogenannte Galvanisiren des Eisens ließe sich sonach vielleicht ebenfalls auf nassem Wege bewerkstelligen, und zwar am besten auf die Weise, daß man das zu verzinkende Eisen oder Stahl zuvor durch Einsenken in eine Kupfervitriollösung oberflächlich verkupferte; übrigens ist auch gar kein theoretischer Grund vorhanden, warum sich nicht auch auf dem zum Zink sich elektronegativ verhaltenden reinen Eisen die metallische Grundlage jenes ausgelösten Zinksalzes absezen sollte. (Annalen der Chemie und Pharmacie, April 1840, S. 84)

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