Titel: Mohr, über Schmiedeblasbälge.
Autor: Mohr, Karl Friedrich
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. III. (S. 18–23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/ar078003

III. Ueber Schmiedeblasbälge; von Dr. Mohr in Coblenz.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.

Die gewöhnliche Form und Ausführung der Schmiedeblasbälge ist so fehlerhaft, daß man sich wundern muß, wie so viele dieser Instrumente von denkenden Handwerkern in Gebrauch genommen werden, ohne daß daran die geringste Verbesserung gemacht worden ist. Die Vorwürfe, welche man den Schmiedebälgen machen kann, sind folgende:

1) Sie haben eine unrichtige Form. Die spiz gestrekte Form dieser Blasbälge schreibt sich von dem Vorurtheile her, die Luft müsse sich in Gestalt eines Keiles leichter durchdrängen als in jeder anderen. Bedenkt man aber, daß die Bewegung der Luft im Blasbalge selbst sehr langsam ist, dagegen erst in der Leitungsröhre eine solche Geschwindigkeit eintritt, daß man alle Hindernisse sorgfältig vermeiden muß, so fällt dieses Vorurtheil ganz weg. Die Luft im Balge ist ruhend und gepreßt, und entweicht demnach durch alle Oeffnungen im Verhältniß ihrer Durchmesser. Diese falsche Form der Blasbälge führt nun alle anderen Nachtheile von selbst mit sich.

2) Die spizen Blasbälge enthalten wenig Luft im Verhältnisse zum angewendeten Leder, und um eine gleiche Menge Luft mit einem anderen besser construirten Blasbalge zu erhalten, erfordern sie viel mehr Leder. Man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man sich zwei Blasbälge von gleicher Länge und Hinterwand denkt, den einen aber quadratisch, den zweiten spiz, so erfordert der spize Blasbalg mehr Leder als der quadratische, weil die schiefen Seiten länger sind als die geraden, und daß der spize weniger Luft enthält, fällt in die Augen, weil er durch Abschneiden des quadratischen entstanden gedacht werden kann.

3) Die spizen Blasbälge nehmen einen sehr großen Raum ein, und sind in mancher Werkstätte darum sehr hinderlich.

4) Sie blasen ungleich stark, wenn sie hoch aufsteigen, indem nun das belastende Gewicht sehr schief zu stehen kommt, und nothwendig nur mit einem Theile seines Gewichtes drükt.

Daß die spizen Blasbälge bei gleichem Inhalte die theuersten |19| seyn müssen, ergibt sich natürlich aus der größeren Consumtion von Leder und Holz.

Als ich vor länger als 12 Jahren im Falle war, einen Blasbalg für ein chemisches Laboratorium construiren zu lassen, hatte ich den Zwek, obige Fehler zu vermeiden, und dabei die größte Leistungsfähigkeit mit möglicher Oekonomie der Materialien und des Raumes zu vereinigen.

Der erste Punkt betraf die Form des oberen Blasbalges. Den meisten Luftinhalt bei der geringsten Fläche des Leders würde ein cylindrischer Raum darbieten; allein alsdann werden die Holztheile um so schädlicher ausfallen, und besonders der untere Blasbalg eine unzwekmäßige Form erhalten. Es wurde demnach die vierekige und zwar die rein quadratische vorgezogen, weil sie sich in ihren Eigenschaften dem Cylinder am meisten nähert. Man hat also darauf zu sehen, daß der obere Blasbalg, wenn er vollkommen gefüllt ist, die Gestalt eines regelmäßigen Würfels hat; alsdann hat er von allen möglichen praktisch ausführbaren Formen den größten Inhalt bei dem kleinsten Umfang der Wände sowohl an Holz als Leder. Wenn eine Seite des Würfels 2 Fuß hat, so faßt der ganze Würfel 8 Kubikfuß Luft, und dieß ist mehr als irgend ein Blasbalg in einer Schmiede zu fassen braucht. Der obere Balg erhält deßhalb auch keine Charniere, sondern steigt horizontal auf. Damit ist zugleich der Vortheil verbunden, daß der Druk des ausströmenden Gases in allen Augenbliken gleich stark ist, weil das Gewicht des Dekels und seine Belastung beständig senkrecht drüken. Auf dem oberen Dekel ist ringsum ein mehrere Zoll hoher Rahmen angebracht, um denselben mit werthlosen Gegenständen, wie Ziegelsteinen, ausgebrannten Rosten u. dergl. zu belasten.

Der feststehende Boden, worin die Klappe des oberen Balges sich befindet, ist ebenfalls mit einem Rahmen von 3 bis 4 Zoll Höhe versehen, um den gehörigen Raum zum Anbringen der Luftröhre zu erhalten. Die Luft, die in diesem Rahmen enthalten ist, wird zwar niemals ausgetrieben, weil der Dekel des Balges sich nur darauf legen kann; aber indem sie den inneren Raum des Balges um eine constante Größe vermehrt, wirkt sie als Regulator und Ausgleicher momentaner Stöße; zugleich wird dadurch verhütet, daß der Dekel sich niemals fest auf die Mittelklappe legen kann, wodurch diese zu steigen verhindert werden würde. Unter der mittleren Bodenplatte wird an einem Rande ein vierekiges Holz aufgeleimt, welches den Charnieren des unteren Balges zur Befestigung dient. Dieses leztere ist wie gewöhnlich construirt und hat bloß die rein quadratische Form der Mittelplatte, wodurch sein Luftinhalt bedeutend größer ist, |20| als bei gleicher Länge und Lederconsum ein Spizbalg hat. In 2 bis 3 raschen Zügen ist der obere Balg vollkommen angefüllt.

Wenn auch diese Construction (Fig. 19) kein neues Princip enthält, so weicht sie doch genug von den üblichen Constructionen ab, und bietet so viele Vortheile vor denselben dar, daß sie allgemein empfohlen zu werden verdient. Mein erster, nach diesem Princip gebauter Blasbalg hat 2 Fuß Seite; der obere Balg hebt nur 10 Zoll hoch parallel auf, der untere ungefähr auch 10 Zoll, aber auf einer Seite am Charniere. Dieser Blasbalg kostete in allem 5 Thlr., und wetteifert im Gebläse mit den stärksten Schmiedebälgen. Er bläst zu gleicher Zeit durch 8 verschiedene, 5 Linien weite Oeffnungen in einen Sefström'schen Ofen aus, und aus einem 1 1/4 Zoll weiten Loche gibt er einen anhaltenden ganz gleichmäßigen Luftstrom. Diese Leistungen zeugen an sich schon genügend für die Güte der Construction. Obgleich er in einem nur 8 1/2 Fuß hohen Locale aufgehangen ist, kann ein erwachsener Mann bequem darunter hergehen. Seit dieser Zeit sind an hiesigem Orte noch 4 andere Blasbälge nach diesem Principe construirt worden, und zwar zur vollkommenen Zufriedenheit ihrer Besizer. Drei davon sind 2 1/2 Fuß breit und lang angenommen worden, und alle sind auch für Schmiedebälge fast zu groß, so daß einer derselben durch eine Schnur an die Deke befestigt wurde, um nicht ganz niedersinken zu können. Ein solcher Blasbalg kam mit allen Kosten auf 14 Thlr., ein anderer aus stärkerem Leder auf ungefähr 18–19 Thlr., während ein gewöhnlicher Spizbalg der größten Art meistens auf 30–40 Thlr. zu stehen kommt.

Nach 12jährigem Gebrauche ist mein Blasbalg noch so gut wie ganz neu, und noch nicht der mindesten Reparatur unterworfen gewesen. Ich trage also kein Bedenken, diese Construction von Blasbälgen den betreffenden Gewerbsleuten wegen ihrer Wohlfeilheit, Kleinheit, Dauerhaftigkeit und Leistungsfähigkeit auf meine eigene Verantwortlichkeit dringend zu empfehlen.

Vor einigen Jahren ist in technischen Journalen eine verbesserte Construction von Blasbälgen von Paillette in Paris angegeben worden, welche von vielen Industriellen bedeutende Lobsprüche erhalten hat. Eine Beschreibung und Abbildung derselben ist unter anderen in Dingler's polytechn. Journal Bd. LXVI. S. 274 und auf Taf. IV, Fig. 58–61 mitgetheilt. Diese Blasbälge bestehen eigentlich aus 3 Säken. Ein bewegliches Brett wird zwischen 2 feststehenden in die Höhe gezogen. Der Dekel des unteren Blasbalges ist der Boden des mittleren. Indem sich dieser Dekel aufwärts bewegt, leert sich der mittlere Balg in den oberen aus, und der untere füllt sich an. Sinkt nun der bewegliche Boden abwärts, so füllt sich der |21| mittlere Balg an, und der untere leert sich aus. Das Hinabsinken des beweglichen Bodens muß mit Kraft geschehen, folglich muß er durch ein Gewicht beschwert seyn; dieses Gewicht hängt durch einen ledernen Schlauch unter dem Balge. Alle Bewegungen geschehen horizontal und nicht in Charnieren, der Zug des beweglichen Bodens geht ebenfalls durch die Mitte in einem ledernen Schlauche.

Diese Art von Blasbälgen muß offenbar sehr wirksam seyn, weil man mit einem großen Raume arbeitet, und weil auch mit großer Kraft daran gezogen wird. Allein einen eigentlichen Vortheil vor dem doppelten Blasbalge kann ich doch nicht darin finden. Der obere Balg hat bei jedem doppelten Blasbalge den Zwek, die Unterbrechungen der Wirksamkeit des unteren unbemerkbar zu machen und als Regulator zu wirken. Er ist ein von nachgiebigen Wänden begränzter, aber immer unter gleichem Druk bleibender Raum, welcher durch diese beiden Eigenschaften alle Unregelmäßigkeiten ausgleicht; die Fortbewegung der Luft geschieht immer durch den unteren Balg. Wenn nun der obere Balg diesen Bedingungen genügt, so ist eine dritte Balgkammer ganz und gar überflüssig, weil sie zu der zugestandener Maßen gleichbleibenden Stärke des Gebläses nichts mehr hinzufügen kann.

Es läßt sich im Gegentheil nachweisen, daß diese Construction eher Nachtheile als Vortheile mit sich bringt. Zuerst wird die senkrechte Höhe des Gebläses bedeutend vermehrt und also manche Localität Hindernisse darbieten. Es gibt Augenblike, wo der obere und untere Balg zugleich blasen, andere, wo der obere Blasbalg nur allein bläst, wenn nämlich die Zwischenplatte aufwärts bewegt wird, oder im Umkehren ist. Wenn der obere Balg aber noch voll ist, so wird dadurch ein verstärktes Blasen stattfinden. Die Bewegung des Balges kann nicht drukweise von Unten, sondern nur zugweise von Oben geschehen, für welche leztere Bewegungsart man eine größere Räumlichkeit nothwendig hat. Die Construction ist viel complicirter und schwieriger, und besonders ist der lederne Schlauch durch das Ganze eine lästige und schwer zu erfüllende Bedingung, abgesehen davon, daß Reibungen und Kraftverlust dadurch herbeigeführt werden müssen. Ferner ist noch ein innerer elastischer Canal vorhanden, welcher den unteren Balg mit dem oberen in Verbindung sezt. Bei jedem Zuge müssen die beiden Gewichte des oberen und unteren Balges gehoben werden, der Zug muß also viel kräftiger seyn. Wenn man nun auch dadurch nichts an Kraft verliert, indem dieser Ueberschuß von Kraft nachher als verlängertes Blasen nuzbar wird, so wird doch auch nichts dadurch gewonnen, und eine zu große Kraftäußerung ist häufig für andere gleichzeitige Operationen hinderlich |22| und im Allgemeinen rascher ermüdend, als eine schwächere und öfter wiederkehrende Kraftäußerung. Aus diesen Gründen glaube ich, daß der Paillette'sche dreifache Balg vor einem guten Doppelbalge nach obiger Construction keine Vorzüge haben kann, in Beziehung auf Räumlichkeit, Wohlfeilheit und Einfachheit der Construction demselben aber unbedingt nachstehen muß.

Was an diesen Blasbälgen sehr lobenswerth erscheint, ist die Befestigung des Leders an die Platten durch Holzleisten, welche mit einem stumpfen Winkel in einen ähnlichen Winkel der Blätter passen, und zwischen welchen das Leder ohne Leim eingeklemmt und an wenigen Stellen durch gute Holzschrauben befestigt wird. Diese Leisten lassen sich ohne Verlezung des Leders entfernen, und jede Reparatur im Inneren des Balges oder an den Klappen mit Leichtigkeit vornehmen. Außerdem empfehle ich noch folgende Kleinigkeiten. Die inneren Seiten der Dekel und Böden beklebe man mit dichtem Pakpapier in der Art, daß das Papier nur rundum mit den Rändern aufklebt. Wenn die Böden Risse bekommen, die man von Außen weder sieht, noch vermuthet, so bietet dieses Papier den nöthigen Schuz gegen Luftverlust. Die Ausgabe ist nicht zu beachten, da man einen solchen Bogen Papier um 6 bis 8 Pfennige kauft. Es ist sehr gut, im Leitungsrohre an einer bequemen Stelle eine Klappe oder einen Hahn zu haben, um bei gefülltem Balge den Luftstrom mäßigen und ganz unterbrechen zu können. Am wohlfeilsten ist ein Schieber von Blech, welcher sich zwischen Hutfilzscheiben bewegt. Zieht man ihn horizontal heraus, so bleibt er in jeder Lage stehen, und ist leicht an einem senkrecht herabhängenden dünnen Stabe zu bewegen. Es gibt Fälle, wo man augenbliklich das Feuer mäßigen muß, ohne daß man die Gegenstände aus dem Feuer nehmen darf, wie z.B. beim Härten, wo eine Stelle des Stahls schon heiß genug ist, wo man aber eine größere Verbreitung der Wärme bezwekt. Läßt man den Balg genug ausblasen, so kann der Stahl theilweise verbrennen, zieht man die Gegenstände aus dem Feuer, so sind sie ungleich warm, werfen sich stark beim Härten und werden ungleich hart. Dieses vermeidet man durch Schließen des Schiebers; die Gluth nimmt nicht mehr zu, sondern sie kann sich allmählich gleichmäßiger ausbreiten. Eben so nüzliche Dienste leistet diese Klappe beim Löthen, Anlassen und Ausglühen.

Der Bewegungsmechanismus ist gewöhnlich ein Hebel, welcher über dem Balge befestigt ist, und an einem Strike den unteren Balg in die Höhe zieht. Ich ziehe vor, den Hebel unter dem Balge anzubringen, und durch Druk aufwärts den unteren Balg zu comprimiren. Diese Vorrichtung nimmt weniger Plaz ein und ist eben so |23| bequem. Es könnte sich ereignen, daß bei niedrigen Localen der Hebebaum zu tief herabkäme, und dem Arbeitenden selbst oder Anderen auf Kopf oder Schulter schlüge. Für diese Fälle ist eine Vorrichtung im Sinne des Rades an der Welle sehr passend. Man läßt ein Seil, welches an dem unteren Balge befestigt ist, sich auf einer dünnen Welle abwikeln, während man ein Seil von einer diken Rolle abzieht, welches schon vorher darum geschlungen ist. Während man an dem Griffe dieses Seil anzieht, dreht man die Rolle um, und wikelt das vom Blasbalge kommende Seil eben so oft um die dünnere Welle. Es ist natürlich, daß man die Rolle zu der Welle eben so proportionirt, wie die beiden Hebelarme bei der gewöhnlichen Zugmethode.

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