Titel: Böttger's galvanischer Apparat zur Erzeugung von Relief-Kupferplatten.
Autor: Böttger, Rudolph
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. X. (S. 51–60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/ar078010

X. Ueber die Construction eines höchst einfachen sowohl zur Vergoldung des Silbers, Messings und Stahls, wie zur Erzeugung von Relief-Kupferplatten sich eignenden Apparates; von Dr. Rud. Böttger.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Noch ehe der Engländer Spencer sein Verfahren, Relief-Kupferplatten auf galvanischem Wege zu erzeugen, bekannt gemacht5) und Jacobi publicirt hatte, wie man eigentlich die auf galvanischem Wege gebildete Copie von dem zu dem Versuche gedienten Modelle oder von der Normalplatte zu trennen im Stande sey, theilte ich in unserm naturwissenschaftlichen Vereine meine Ansichten hierüber mit, und ich freue mich, meine schon damals ausgesprochenen Vermuthungen hinsichtlich der Trennung der neugebildeten Platte von der Normalplatte, jezt, wo wir so ziemlich genau wissen, wie Jacobi dabei verfährt, vollkommen bestätigt zu sehen. Doch ohne mich hier weitläufig über alle auf hydroelektrischem Wege erzeugten sogenannten Metallvegetationen zu verbreiten, sey mir erlaubt, die Techniker und Künstler auf einen höchst einfachen Apparat aufmerksam zu machen, mittelst dessen man mit Leichtigkeit im Stande ist, silberne, messingene, stählerne Gegenstände u.s.w. theils stark zu vergolden und zu verplatiniren, theils Copien von geäzten oder radirten Kupferplatten, von Medaillen, Münzen, Gemmen u.s.w. vollkommen naturgetreu zu entwerfen. Ehe ich jedoch zur eigentlichen Beschreibung des Apparates übergehe, will ich noch einige, wie mir scheint, nicht ganz uninteressante Bemerkungen voranschiken.

Was zuvörderst die Masse betrifft, deren man sich am vortheilhaftesten zum Abklatschen der zu copirenden Gegenstände bedient, so habe ich durch vielfach abgeänderte Versuche gefunden, daß eine aus 8 Gewichtstheilen Wismuth, 8 Th. Blei und 3 Th. Zinn bestehende Legirung, welche in einer Temperatur von + 86° R. schmilzt, am geeignetsten hiezu ist. Zwar zeigt das schon bei etwa + 78° R. schmelzende sogenannte Rose'sche Metallgemisch die Annehmlichkeit, bei einer 8 Grad niedrigern Temperatur als das eben erwähnte zu schmelzen, indeß scheint mir, als ob beim Erkalten desselben stets ein weit grobkörnigeres krystallinisches Gefüge in der Masse |52| hervortrete, als in dem zulezt genannten. Eine Folge davon ist, daß sich beim Abklatschen einer Münze oder Medaille der auf ihr abgebildete Gegenstand nicht so scharf und exact abdrükt, daß dagegen die bei + 86° R. schmelzende Metallcomposition diesen Uebelstand nicht, wenigstens nicht in einem so hohen Grade zeigt. In geschmolzenem reinem Blei lassen sich zwar ebenfalls, wie Spencer bereits früherhin schon nachgewiesen, gravirte Kupferplatten, Stahlplatten, Münzen, Medaillen und dergl. sehr schön abklatschen; da jedoch Blei erst in einer Temperatur von ungefähr + 257° R. in Fluß geräth, dünne Normalplatten sich aber in dieser Temperatur sehr leicht oxydiren, werfen, verziehen oder sonst beschädigt werden können, so glaube ich, möchte kein Metall oder Metallgemisch als Model zur Erzeugung galvano-plastischer Gegenstände geeigneter seyn, als die aus 8 Th. Wismuth, 8 Th. Blei und 3 Th. Zinn bestehende Legirung; denn was man auch zu Gunsten anderer, nicht metallischer Stoffe anführen mag, deren man sich bisher hin und wieder zum Abdruk der Medaillen und dergl. bedient, so glaube ich aus eigener vielfacher Erfahrung versichern zu können, daß weder Wachs, Wallrath, Gyps, Colophonium, Hausenblasengallerte, noch Stearinsäure und dergl. die Stelle eines regulinischen Metalles zu vertreten im Stande seyn dürfte. Zwar lassen sich alle diese Stoffe mit einer kaum sichtbar dünnen Schicht fein geschlemmten Graphits unter Mitanwendung von Baumwolle einreiben oder überpinseln, und dadurch in hydroelektrische Leiter verwandeln; wer indeß jemals Versuche mit der so sehr gerühmten und selbst (wie die Fama sagt) von Jacobi sehr häufig angewandten Stearinsäure angestellt hat, wird gefunden haben, daß man zwar recht gute Abdrüke damit zuwege bringen kann, daß aber ein damit producirter galvanischer Kupferabdruk niemals so schön ausfällt, als ein mit einem Metallmodel erzeugter. Jedenfalls bleibt es zwar interessant, auch Gegenstände, die keiner bedeutenden Temperaturerhöhung zulässig sind, wie z.B. Siegel, Gemmen u. dergl., auf galvanischem Wege mittelst eben angeführter Stoffe zu vervielfältigen, indeß glaube ich, wird für Stahl- und Kupferstecher, Kupferdruker u.s.w. zur Vervielfältigung der so leicht sich beim Druk abnuzenden Kupferplatten, am vorteilhaftesten nur das mehrfach erwähnte leichtflüssige Metallgemisch zum Abklatschen anzuwenden seyn. Alle die mit dieser Legirung von mir erzeugten haut- und bas-relief-Kupferplatten sind so überaus erwünscht, fast möchte ich sagen, meisterhaft ausgefallen, daß ich keinen Anstand nehme, diese Legirung lediglich zum Abklatschen der Normalplatten Jedermann zu empfehlen. Zwar bedarf es einiger manuellen Dexterität, um recht exacte Abdrüke damit zu erhalten, indeß wird ein nur etwas in solchen |53| Arbeiten geübter Experimentator in sehr kurzer Zeit es dahin bringen, völlig fehlerfreie Abdrüke zu erzielen. Zum Schmelzen jener Legirung bediene ich mich einer gewöhnlichen kleinen Spirituslampe, bringe das Metallgemisch in einen dünnen blechernen Schmelzlöffel und erhalte es darin einige Zeit im Fluß, gieße es in einen vollkommen trokenen, mit einem möglichst kleinen Rande versehenen pappenen Schachteldekel oder in eine aus Pappe gearbeitete Kapsel in etwa 3 oder mehr Linien diker Lage (je nach den größern oder geringern Erhabenheiten oder Vertiefungen des abzuklatschenden Gegenstandes) aus, rühre es darin mittelst eines kleinen zuvor etwas erwärmten Eisendrahtes so lange durch einander, bis es, auf seiner Oberfläche blasen- und möglichst oxydfrei, bei langsam erfolgendem Erkalten auf allen Punkten eine gleichförmige dike breiartige Masse bildet, erwärme mittlerweile die abzuklatschende Münze, Medaille u.s.w. so weit, als ich sie noch ohne Beschwerde zwischen den Fingern halten kann, lege sie dann schnell auf die weiche breiartige Legirung, drüke sie mittelst eines unten mit einem breiten flachen Korke versehenen Stempels oder Stabes fest in die Legirung ein halte mit dem Druke einige Zeit an, und lasse nicht eher davon ab, als bis die Metalllegirung ziemlich erkaltet ist. Würde man die abzuklatschende Metallplatte, die Münze oder Medaille früher, als die Legirung hinlänglich in allen ihren Theilen fest geworden, abnehmen, so würde ein partielles Haftenbleiben der leichtflüssigen Metallmasse an jenen Münzen u.s.w. gar nicht zu vermeiden seyn, und auf diese Weise dieselbe, namentlich wenn sie eine hohe Politur besaß, gar leicht verdorben werden können.

Will man noch schneller seinen Zwek erreichen, so kann man statt jenes leichtflüssigen Metallgemisches ein ganz dünn gewalztes und mit Aezkalilösung zuvor von Fett und sonstigen Unreinigkeiten gesäubertes Bleiblättchen, so wie man sich deren zum Verpaken des Schnupftabaks bedient, anwenden. Zu dem Ende bedekt man die zu copirende Medaille oder Münze mit dem Bleiblättchen, umgibt beides mit durch und durch angefeuchteter weicher, nicht zu dünner Pappe, und sezt dann das Ganze einem starken Druke zwischen einem Schraubstoke oder einer Presse, oder den Schlägen eines schweren eisernen Hammers aus. Auf diese Weise erhält man ebenfalls einen recht scharfen Abdruk in Blei, auf dem sich das auf hydroelektrischem Wege ausscheidende Kupfer in eben so spiegelblanken Lagen absezt und nachher sich bequem abnehmen läßt, wie auf jenem mehrfach erwähnten leichtflüssigen Metallgemisch.6) Mit dünngewalztem Zinn, |54| dem sogenannten Stanniol, gelingt der Versuch, regulinisches Kupfer darauf niederzuschlagen, nie, wie man auch verfahren mag. Bereits habe ich eine Menge Medaillen, Münzen und selbst größere gravirte Kupferplatten auf galvanischem Wege copirt, die in keiner Beziehung etwas zu wünschen übrig lassen; die feinsten Gravirungen, die leisesten Uebergänge einer matten Stelle zu einer hochpolirten, Alles findet man mit einer solch' bewunderungswürdigen Treue in der neu gebildeten Kupferplatte wiedergegeben, dabei die Platten von einer solchen Festigkeit und, je nach der Dauer des galvanischen Processes, von einer solchen Dike und Stärke, daß der Vervielfältigung kostspieliger, zum Abdruk bestimmter gravirter Kupferplatten, durch Galvanismus, gar nichts mehr im Wege steht und sie nicht genug den Künstlern zur Ausübung im Großen empfohlen werden kann. Außerdem habe ich mich auch überzeugt, daß der zur Zersezung dienende Kupfervitriol nicht eben chemisch rein zu seyn braucht; denn eine absichtlich mit einer sehr großen Menge Zinkvitriol versezte Kupfervitriollösung beeinträchtigte den in Rede stehenden Zwek nicht im mindesten, sondern ließ eben so schöne galvano-plastische kupferne Gegenstände hervorgehen, als eine chemisch reine Kupfervitriollösung.

Was nun endlich noch die Untersuchungen des von de la Rive zuerst in Anregung gebrachten Gegenstandes, nämlich Silber und Messing auf galvanischem Wege zu vergolden7), betrifft, so sey mir erlaubt, auch hierüber meine Erfahrungen mitzutheilen.

Aus de la Rive's Aufsaz geht hervor, daß dem Verfasser die Vergoldung des Eisens und Stahls auf galvanischem Wege bis jezt noch nicht hat gelingen wollen, und zwar, wie er meint, deßwegen nicht, weil Eisen mit Zink galvanisch combinirt, keine recht wirksame Kette gebe. In einer unter dem Texte des de la Rive'schen Aufsazes befindlichen Note wird dagegen bemerkt, daß eine solche Vergoldung jedenfalls sich werde bewerkstelligen lassen, wenn man zuvor Stahl oder Eisen mit einem dünnen Kupferüberzuge versehe.

Einer Notiz in einem der neuesten Hefte von Poggendorff's |55| Annalen der Physik und Chemie zufolge, die auch bereits ihre Bestätigung gefunden, weiß man auf das zuverlässigste, daß Eisen mit Zink combinirt, eine weit wirksamere Kette liefert, als Kupfer mit Zink8); es stand daher mit Recht zu vermuthen, daß de la Rive's Bemerkung hinsichtlich der Vergoldung des Stahls und Eisens auf galvanischem Wege wahrscheinlich auf einem Irrthume beruhe. In wiefern sich de la Rive geirrt, geht daraus hervor, daß ich mittelst einer reinen möglichst neutralen Chlorgoldsolution, in dem weiter unten beschriebenen Apparate, Uhrfedern, Federmesserklingen u. dergl. stark vergoldet habe, und zwar ohne genöthigt gewesen zu seyn, jene Gegenstände vorher zu überkupfern.

Bei meinen Versuchen, Silber auf hydroelektrischem Wege zu vergolden, bemerkte ich, daß wenn ich einen an einem dünnen Kupferdraht befestigten silbernen Löffel als negative Elektrode anwandte und leztern gleichzeitig mit einem kleinen Theile jenes Kupferdrahtes in die Chlorgoldsolution tauchte, die Vergoldung stark röthlich ausfiel, daß dieß aber niemals der Fall war, wenn ich mich statt des Kupferdrahtes eines Platindrahtes und eines möglichst kupferfreien Silbers bediente. Die Vergoldung fiel im leztern Falle stets ganz vorzüglich aus, der vergoldete Gegenstand zeigte, zumal wenn er polirt in die Goldsolution getaucht wurde, nach stattgefundener Einwirkung eine überaus reine, spiegelblanke, hochgelbe Goldfarbe, die Vergoldung war überhaupt von der eigentlichen Feuervergoldung nicht im mindesten zu unterscheiden. Chlorgoldsolution, die nur Spuren von Kupfer enthält, scheidet nach meinen Beobachtungen, auf hydroelektrischem Wege anfangs fast nur Kupfer aus, und ein kupferner oder verkupferter, als negative Elektrode dienender Gegenstand wird, wie lange man auch die galvanische Stromwirkung dauern läßt, kaum sichtbar vergoldet, und insofern erscheint denn auch die in der dem de la Rive'schen Aufsaze beigefügten vorhin erwähnten Note angeführte Bemerkung, den zu vergoldenden Stahl zuvor erst mit Kupfer zu überziehen, unstatthaft. Ueberzieht man nämlich durch Eintauchen in eine verdünnte Kupfervitriollösung blank gepuzten Stahl mit einem ganz dünnen Kupferhäutchen, und sezt dann das so vorgerichtete Metall der galvanischen Stromwirkung in dem unten näher bezeichneten Apparate aus, so gewahrt man nicht die mindeste Goldausscheidung, oder richtiger: die Farbe der sich ablagernden dünnen Goldschicht wird durch |56| die Kupferunterlage so verwischt, daß man beim Anblik eines so behandelten Stahles nicht im entferntesten an eine Vergoldung denken kann. Vermuthlich mag übrigens wohl de la Rive bei Anstellung seiner Versuche, Stahl zu vergolden, Messer angewandt haben, welche entweder kein homogenes, gleichartiges Gefüge gehabt haben, oder die in einem sehr hohen Grade polirt gewesen sind. Messer von vorzüglicher Politur werden nun aber bekanntlich weder vom Wasser noch von verdünnten Säuren benezt, ja innerhalb einer gewissen Zeit nicht einmal von concentrirter Salzsäure angegriffen; solche Messer scheinen daher, in Folge des in die Poren des Metalls gewaltsam eingepreßten Oehls und dergl. gegen Säuren partiell indifferent, und in elektrischer Beziehung nicht leitend geworden zu seyn, denn ein vollkommen polirtes Taschenmesser sah ich nicht einmal durch Kupfervitriollösung geröthet werden, d.h. durch eine Salzlösung, die doch bekanntlich von gewöhnlichem Eisen oder Stahl augenbliklich zersezt zu werden pflegt. Bedient man sich dagegen eines nicht mit Oehl, dabei dennoch aber eines immer noch ganz blank polirten, in seiner Masse vollkommen homogenen Stahles, so läßt sich, wie ich bereits mehrfach in meinen Vorlesungen über Chemie gezeigt habe, eine recht schöne dauernde Vergoldung hervorbringen. Besonders schön lassen sich die mittelst verdünnter Salzsäure ihrer blauen Oxydschicht beraubten stählernen Uhrfedern, englische Federmesserklingen u.s.w. vergolden, ohne irgend eines Zwischenmittels benöthigt zu seyn. Uebrigens hat es mir geschienen, als ob sehr lange stählerne Gegenstände, z.B. lange Tischmesser, nicht überall gleich stark sich mit Gold belegen, sondern daß der dem positiven Zinke zugewandte Theil des Messers stets stärker vergoldet wird, als der vom Zinke abgewandte Theil des Messers. Deßwegen wird man, glaube ich, gut thun, den die Chlorgoldsolution enthaltenden Cylinder mit einer mehr flachen, horizontal liegenden Glasschale zu vertauschen und dann die zu vergoldenden Gegenstände, statt perpendiculär, vielmehr horizontal in die Goldsolution einzutauchen. Argentan (sogenanntes Neusilber) eignet sich, vielleicht bloß wegen seines Kupfergehalts, nicht zum Vergolden auf galvanischem Wege, indem ein aus diesem Metall verfertigter und auf genannte Weise behandelter Gegenstand eher einem verkupferten, als vergoldeten Metalle gleicht. Messing dagegen läßt sich eben so schön wie Silber auf galvanischem Wege vergolden, Weißblech und Zinn eignen sich aber nicht hiezu.

Bedient man sich statt einer Chlorgoldsolution einer verdünnten möglichst säurefreien Chlorplatinlösung, so kann man kupferne galvano-plastische Gegenstände mit einer dünnen blanken Platinschicht |57| überziehen; überhaupt eignen sich aber zum Verplatiniren nur Silber, Messing und Kupfer.

Nunmehr will ich zur Beschreibung der in Fig. 41, 42 und 43 abgebildeten Apparate, deren ich mich zu vorbemerkten Zweken mit großem Vortheil seit langer Zeit bedient, schreiten.9) Fig. 41 ist der zur Erzeugung von Relief-Kupferplatten dienende Apparat. a, a ist ein oben offenes, bis e, e mit einer vollkommen gesättigten Kupfervitriollösung angefülltes Glas, dessen Durchmesser und Größe sich lediglich nach der Größe des zu copirenden Gegenstandes richtet. b, b ist ein oben und unten offener Glascylinder, dessen Durchmesser etwas kleiner ist, als der des zur Aufnahme der Kupfervitriollösung bestimmten Glases, eine Höhe von ungefähr 6 Zoll hat, und an seinem untern Theile h mit möglichst dünner zuvor etwas angefeuchteter Thierblase verschlossen ist. (Ein gewöhnlicher Lampencylinder wird in den meisten Fällen vollkommen ausreichen; zwekmäßiger dürfte es jedoch seyn, einen Glascylinder anzuwenden, der, um das Abgleiten der mit Bindfaden befestigten Thierblase zu verhindern, unten mit einem etwas nach Außen zu vorspringenden Rande versehen ist.) c, c sind wohlausgeglühte (biegsame) 1/2 Linie dike Kupferdrähte, die den Cylinder b, b, in der untern Hälfte seiner Länge, an drei Punkten umgeben; sie dienen als Haken oder Träger, und sind an ihren äußern zusammengedrehten Enden etwas nach Unten zu gebogen, um dem Glascylinder, wenn derselbe auf den Rand des Glases a, a aufgesezt wird, eine feste Stellung zu geben. g, d, i, l, f ist ein starker, aus einem Stük bestehender, ungefähr 1 1/2 bis 2 Linien diker, nicht geglühter Kupferdraht, dem mittelst einer Drahtzange leicht die aus der Zeichnung zu ersehende Gestalt gegeben werden kann. Bei g und f ist dieser Draht zu einem Ringe gebogen, bei i aber, etwa 1/2 Zoll hoch, so eng zusammengedrükt, als es die Dike der Glaswand des Cylinders eben zuläßt. Der gleichfalls ringförmig gebogene Theil g reicht in den Cylinder so weit herab, daß zwischen ihm und der Thierblase nur etwa noch ein Raum von 3 Linien Höhe verbleibt, dagegen beträgt die Entfernung des ringförmig gebogenen Theils f von der Thierblase 2 1/2 bis 3 Pariser Zoll. Man thut wohl, den Draht von dem Punkte l bis e stark mit Siegellak zu überziehen, um einer unnöthigen Kupferpräcipitation an diesem Theile des Apparates vorzubeugen. Will man sich nun dieses einfachen Apparates zur Erzeugung von Relief-Kupferplatten |58| bedienen, so füllt man, wie gesagt, das äußere Glas bis e, e mit einer gesättigten, kalten, zuvor durch Fließpapier filtrirten Kupfervitriollösung an, wirft überdieß, um wo möglich längere Zeit hindurch die Lösung auf dem Punkte der Sättigung zu erhalten, einige Krystallfragmente von Kupfervitriol auf den Boden des Glases, hängt hierauf den Kupferdraht g, d, i, l, f auf den Rand des unten mit Thierblase zugebundenen Glascylinders, legt auf den Ring g eine gewöhnliche, zuvor etwas amalgamirte, dike Zinkplatte von einem der Weite des Glascylinders entsprechenden Durchmesser, füllt dann den Cylinder b, b bis an die punktirte Linie k, k mit gewöhnlichem Wasser, dem man, je nach der Menge desselben, mehr oder weniger verdünnte, aus 6 Th. Wasser und 1 Th. concentrirter Säure bestehende Schwefelsäure (auf 12 Loth Wasser etwa 2 Quentchen verdünnte Säure) zusezt. Hierauf legt man den in die leichtflüssige Metalllegirung übertragenen, respective abgedrukten Gegenstand auf den ringförmig gebogenen Theil f und hängt dann die ganze eben beschriebene Vorrichtung in das mit Kupfervitriollösung gefüllte Glas, so zwar, daß der Cylinder mit der Thierblase ungefähr 1 oder 2 Zoll tief unter dem Niveau der Kupfervitriollösung zu stehen kommt.

Nach Verlauf von 24 Stunden hat man den Cylinder b, b mit dem zu ihm gehörigen Drahte jedesmal aus der Kupfervitriollösung herauszuheben, die verdünnte Säure zu erneuern, das Zinkstük gehörig zu reinigen oder falls es ziemlich aufgelöst, durch ein frisches Stük zu ersezen, und die Kupfervitriollösung mit einem Holz- oder Glasstäbchen umzurühren, oder falls leztere nicht mehr gehörig gesättigt seyn sollte, mit frischen Krystallfragmenten zu versezen. Schon nach 3 bis 4 Tagen wird das auf dem Metallmodelle sich abgelagerte Kupfer eine beträchtliche Dike erlangt haben, und nach ungefähr 8 Tagen eine Platte bilden, die 1 bis 2 Pariser Linien dik ist. Um die neu gebildete Relief-Kupferplatte von dem Metallmodelle zu trennen, bedarf es weiter nichts, als die ganze Kupfermasse in einen Schraubstok zu spannen, und ringsum die Ränder derselben abzufeilen, bis auf allen Randtheilen die weiße Metalllegirung zum Vorschein kommt; alsdann läßt sich mittelst eines gewöhnlichen Messers mit größter Leichtigkeit die neu gebildete Kupferplatte von dem Modelle abheben, ohne daß lezteres im mindesten leidet. Ich habe ein und dasselbe Modell zu wiederholten Malen benuzen können. Bedient man sich als Modell statt des leichtflüssigen Metallgemisches eines dünngewalzten Bleiblättchens, so thut man wohl, dieses, nach erfolgter Prägung, auf der Rükseite mit einer etwas dikern flachen Bleiplatte zu belegen und diese am Rande etwa an zwei oder drei Punkten mittelst Wachs mit jenem Bleiblättchen zu verbinden, um |59| einestheils einer Verbiegung des Bleiblättchens vorzubeugen, und anderntheils zu verhüten, daß beim Einsenken des obern Cylinders das Modell, in Folge seiner Leichtigkeit, auf dem Drahtringe f sich verrüke.

Zur Vergoldung des Silbers, Messings und Stahls, so wie zur Verplatinirung des Kupfers, Silbers und Messings bediene ich mich des in Fig. 42 abgebildeten Apparates. l, l ist ein rundes, etwa 1 Zoll dikes Brett, in dessen Centrum ein ungefähr 3 Linien im Durchmesser betragendes Loch d einen halben Zoll tief eingebohrt ist; ein genau eben so tiefes und weites Loch f ist nahe an der Peripherie des Brettes angebracht; beide Löcher sind mit Queksilber gefüllt und communiciren durch den eingeschobenen Kupferdraht g. Auf diesem Holzgestell steht ein oben offenes Glas a, a, durch dessen Boden im Centrum mittelst einer dreikantigen, mit Terpenthinöhl benezten englischen Feile ein Loch gebohrt ist, worein ein unterhalb des Glasbodens noch etwa 1/4 Zoll hervorragender mit Siegellak eingekitteter Kupferdraht paßt, dessen oberer, in das Innere des Glases reichender Theil in eine kleine kreisförmige flache Spirale b mündet, die als Träger eines Stükes amalgamirten Zinkbleches dient. m, m ist ein oben und unten offener, etwa 8 Zoll hoher, unten bei i mit einer dünnen angefeuchteten Thierblase verschlossener Glascylinder, um welchen gerade so wie bei dem in Fig. 41 beschriebenen Cylinder b, b drei zuvor ausgeglühte biegsame Kupferdrähte c, c gelegt sind, die als Träger dienen, wenn der Cylinder auf das Glas a, a gesezt werden soll. h ist ein etwa eine Linie diker Kupferdraht, dessen unteres Ende in das mit Queksilber gefüllte Loch f reicht, und um dessen oberes Ende p ein dünner Platindraht gewikelt ist, an dessen entgegengeseztem Ende q der zu vergoldende Gegenstand k durch lokere Umschlingung befestigt wird. Will man nun irgend einen Gegenstand, z.B. einen blank polirten silbernen Löffel vergolden, so schüttet man in das Glas a, a bis zu der punktirten Linie e, e, nachdem man zuvor auf die flache Drahtspirale b ein Stük amalgamirten Zinkbleches gelegt hat, Wasser, welches man durch einige wenige Tropfen (etwa 12 bis 20 Tropfen auf 4 Loth Wasser) verdünnte Schwefelsäure angesäuert, sezt hierauf das Glas a, a auf das Holzgestell l, I, so daß der Draht b in das mit Queksilber gefüllte Loch d eintaucht, und endlich den mit Thierblase verbundenen und ganz mit verdünnter Chlorgoldlösung10) (1 Th. trokenes möglichst säurefreies Chlorgold |60| auf ungefähr 160 Theile destillirten Wassers) gefüllten Glascylinder m, m auf das Glas a, a. Hierauf senkt man das Ende des Kupferdrahts h in die mit Queksilber gefüllte Vertiefung f, und nun erst den an dem Platindraht befestigten, also mit dem Kupferdraht h communicirenden Gegenstand in die Chlorgoldsolution, läßt den Gegenstand in der Goldlösung nie länger als höchstens 1 Minute, zieht ihn dann hervor, spült ihn mit Wasser ab, troknet ihn schnell mit einem ganz feinen Leinwandläppchen unter ziemlich starkem Reiben sorgfältig ab, taucht ihn von Neuem in die Goldsolution, zieht ihn nach Ablauf von 1 Minute zum zweitenmale heraus, wäscht ihn ab, troknet ihn und wiederholt diese Operation 5 bis 6 Male, oder überhaupt so lange, bis eine hinlänglich starke Vergoldung sich zu erkennen gibt. Man hat es ganz in seiner Gewalt, durch öfteres oder minder oftes Eintauchen die Vergoldung stark oder schwach hervortreten zu lassen. Zur Vergoldung der englischen stählernen Messerklingen, der Uhrfedern, Magnetnadeln und dergl. verfährt man ganz auf dieselbe Weise. Alle Gegenstände kommen mit derselben Politur, mit welcher sie dem galvanischen Processe unterworfen wurden, hervor, ohne daß man nöthig hat, sie nach der Vergoldung von Neuem zu poliren.

Wendet man statt der Chlorgoldsolution eine Chlorplatinsolution von derselben Concentration an, und verfährt ganz so, wie bei der so eben beschriebenen Vergoldung, so kann man Kupfer, Silber und Messing auch mit einer dünnen Platinschicht überziehen; auf diese Weise habe ich besonders kupferne galvano-plastische Gegenstände recht schön verplatinirt, und nachdem sie mit Platin überzogen, auch dauernd vergoldet.

Will man größere silberne Gegenstände, z.B. Zukerschalen, Fruchtkörbe u. dergl. vergolden, so thut man wohl, sich statt des 8 Zoll hohen Glascylinders m, m einer mehr flachen gewölbten Glasschale, wie solche in Fig. 43 abgebildet ist, zu bedienen.

Zur Versilberung des Kupfers und Messings bedient man sich am vortheilhaftesten einer Lösung des salpetersauren Silberoxyd-Ammoniaks mit etwas vorwaltendem Ammoniak. Ich habe gefunden, daß eine Auflösung von 3 Drachmen pulverisirtem Höllenstein (salpetersaurem Silberoxyd) in 2 Unzen Aezammoniakflüssigkeit sich ganz gut zur Versilberung eignet, nur muß man die Vorsicht gebrauchen, das zu versilbernde Kupfer oder Messing beim ersten Eintauchen in jene Salzlösung nie länger als 1 Secunde in lezterer verweilen zu lassen, dann abzutroknen, und dieses Eintauchen, gerade so, wie bei der Vergoldung, mehrmals zu wiederholen. (Frankfurter Gewerbfreund, 1840 Nr. 10.)

|51|

Polytechn. Journal Bd. LXXV. S. 34; das sinnreiche Verfahren Spencer's, auch von Holz, Thon, Gyps und anderen nicht metallischen Materialien kupferne Abdrüke zu machen, findet man im 1sten Septemberheft S. 343.

A. d. R.

|53|

Will man eine stark erhabene und vielleicht sehr zerbrechliche Figur, z.B. ein in Porzellan und dergl. ausgeführtes Brustbild in Bleifolie übertragen, so |54| thut man wohl, dieselbe mit überaus dünn gewalzter Bleifolie zu bedeken, diese mit Baumwolle fest anzudrüken, mit einem etwas zugespizten Holzstäbchen genau den einzelnen Vertiefungen und Erhabenheiten der Figur anzupassen, sodann das Brustbild mit einem Rand von Pappe oder steifem Papier zu umgeben, und, um einer nachherigen Verbiegung der Bleifolie möglichst vorzubeugen, leztere mit einer genau nach der Höhe des abgedrukten Gegenstandes sich richtenden Lage von Wachs und Colophonium (beides zu gleichen Theilen) zu übergießen, ein Stük Bleifolie obenauf zu kleben und mit der abgedrukten Vorderseite an irgend einem Punkte am Rande in metallische Verbindung zu bringen. A. d. V.

|54|

Polytechn. Journal Bd. LXXVI. S. 297.

|55|

Eine aus Zink und Gußeisen, von Sturgeon combinirte Volta'sche Batterie wurde im 2ten Augustheft S. 280 des polytechn. Journals beschrieben und abgebildet. A. d. R.

|57|

Die hier beschriebenen Apparate sind in allen Größen vom Hrn. Valentin Albert, Sohn, in Frankfurt a. M. zu billigen Preisen zu beziehen.

A. d. V.

|59|

Statt der Chlorgoldsolution kann man sich auch mit Vortheil einer Auflösung des Natriumgoldchlorids (des sogenannten Figuer'schen, in jeder Apotheke sich vorfindenden Goldsalzes) bedienen. A. d. V.

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