Titel: Ueber einige in den englischen Kattundrukereien gebräuchliche Verfahrungsarten und Apparate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XX. (S. 99–110)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/ar078020

XX. Ueber einige in den englischen Kattundrukereien gebräuchliche Verfahrungsarten und Apparate.19)

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die Kattunfabriken in England zeichnen sich nicht allein durch ihre große Ausdehnung, sondern auch durch ihre vortrefflichen Einrichtungen und Maschinen, so wie die zwekmäßigste Anordnung aller Operationen für schnell fördernde Fabrication aus. Sie haben dieß vor den französischen und denen des Continents voraus, daß man in jeder einzelnen Neues im mechanischen Fache antrifft; auch hat jede Fabrik ihre eigenen Artikel, in welchen sie vor anderen excellirt. Es ist dieses nicht bloß mit der ächten Ausarbeitung, sondern auch selbst mit den Dampf- und Applicationsfarben der Fall, worin jedoch meist dunkler Genre vorherrscht, weil in England selbst weißbödige Waare des Steinkohlenrauches und Rußes wegen nicht viel getragen wird. Dadurch, daß fast jede Fabrik ihre eigenthümlichen Artikel besizt, wird es auch nur möglich, dieselben in so hoher Vollendung zu liefern.

Wir wollen den inneren Betrieb der englischen Drukfabriken in ihrem gegenwärtigem Zustande näher beleuchten, und mit der ersten Vorarbeit, dem Bleichwesen, beginnen.

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Bleichen.

Für das Bleichen sind in Großbritannien viele Patente genommen, womit viele Wichtigkeit gemacht wird, aber bei den meisten wenig reeller Vortheil damit verbunden seyn soll. In Manchester selbst sind die Bleichereien meist von den Fabriken entfernt, weil es kaum möglich ist, in dieser steinkohlendiken Luft ein Stük Waare blendend weiß zu erhalten. Sehr viele Fabriken bleichen auch nicht selbst. Die Laugenkessel sind gewöhnlich von Gußeisen, und meist so groß, daß sie gegen 800 Stüke fassen können; Chlor- und Säurekufen von Sandstein, in den Boden eingesezt. Ueberall wird mit Chlorkalk gebleicht. Gesengt wird im Allgemeinen über einen glühenden Bogen (Cylinder) von Eisen, der dik genug ist, um, wenn er glüht, von der darüber gezogenen Waare nicht geschwärzt zu werden. Es wird meist jeden Tag ein anderer aufgesezt, und der alte wieder frisch gehämmert. Die Waare wird sehr langsam darüber gezogen, und nur auf der rechten Seite einmal gesengt. Collier's Schermaschine (Tondeuse) ist in England nicht vorhanden, wohl aber eine derselben bei John Black und Comp. in Schottland. Die Reinigung geschieht überall in Waschrädern. Sehr sinnreich ist in Walter Crum's Fabrik in Thornliebank bei Glasgow eine durch die Dampfmaschine in Gang gesezte, und wirklich ziemlich richtig gehende Uhr angebracht. Bei jedem Waschrade ist gleichfalls ein kleines Zifferblatt mit darauf beweglichem Zeiger. Sind die Stüke in das Waschrad gebracht, so sieht der Arbeiter auf die Centraluhr, und stellt seinen Zeiger auf diejenige Minute, in der er, wenn sie auf der Uhr angezeigt wird, seine Stüke wieder herausnehmen muß. In einigen Fabriken trifft man die Vorrichtung, daß die Waschräder zugleich kleine Wasserräder bilden, die theils sich selbst, theils noch andere Kleinigkeiten treiben.

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist ein neuer, in Manchester construirter Bleichapparat, für das Bleichen baumwollener und leinener Stoffe, welchen der Erfinder mit einem Dampfkessel von hoher Pression, jedoch ohne Chlor und Säurekufen, mit Ueberlassung der Patente für Oesterreich, Preußen und Bayern ab Manchester für den Preis von 1500 Pfd. Sterling zu liefern geneigt ist.20)

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Handdrukerei.

Beim Druken der Waare trifft man mancherlei gute Vorrichtungen, mitunter auch manche Spielereien an.

Das Druken mehrerer Farben mit einem Model, welches sich vorzüglich für Bodenwaaren und für besonders dafür eingerichtete Streifmuster u. dergl. mehr eignet, findet sich fast überall vor. Es geschieht dieses dadurch, daß auf dem Siebe (Chassis) vor dem Druk zwischen jede einzelne Farbe ein schmales Streifchen Tuch gelegt, und mit etwas in Terpenthinöhl geschmolzenem Wachs überzogen wird, so daß es an dem Siebe fest klebt, und das Ineinanderfließen der Farben verhindert, ohne von ihnen aufgelöst zu werden. Statt daß der Streicher hiezu wie gewöhnlich eine Bürste oder ein mit Tuch überzogenes Querholz ist, wie lezteres hier nicht allein zum Irisiren, sondern häufig auch für anderen Druk verwendet wird, ist es für diesen Druk ein in Walzen geschnittenes Holz, Fig. 27, wovon jede einzelne Walze, auf der unteren Seite mit Tuch überzogen, in jede einzelne Farbenabtheilung paßt.

Nach dieser Art werden einige Wollenmuster in der Fabrik von Walter Crum gedrukt, wo zuerst auf einmal die 4 dunkeln, und dann die 4 hellen Farben gegeben werden.

Bei Lloyd und Price: eine eigene Vorrichtung an den Druktischen zum Druken der Waare, wobei ich keinen besonderen Vortheil einsehe. Es besteht diese in angebrachten geheizten Metallcylindern, Fig. 28. a ist die geheizte Walze; auf die Walze b wird die getroknete Waare aufgerollt. Die Zeichnung stellt zugleich einen englischen Druktisch vor. Druktische, Gestelle für Chassis, Drukschlegel u.s.w. sind in England durchgehend von Gußeisen.

Bei Schwabe und Comp. an einigen Druktischen angebrachte Selbststreicher zeigt Fig. 29 a; ein solcher wird durch die Bewegung zweier mit einigen Zähnen besezten Rollen von b hin, und von c wieder zurük getrieben, und es fließt auf ihn aus einem Farbenbehälter nach Maaßgabe des Musters Farbe nach. Der Druker scheint bei dieser Vorrichtung mehr damit zu thun zu haben, als daß der Selbststreicher Ersparung gewährte.

Von mehr Nuzen als jene beiden Vorrichtungen, besonders beim Schafwollen- und Calicodruk, der häufig an langen Druktafeln vollzogen wird, sind die am Druktische angebrachten Eisenbahnen Fig. 30, wonach nicht nur das Chassis, sondern der Streicher selbst auf der Bahn vorwärts schreitet, immer dem vorauseilenden Druker nach.

An einem langen Tische für Wollendruk findet man bei Walter Crum sogar zwei Druker mit zwei Locomotiven. Die Locomotive |102| ist jedoch der Streichknabe selbst, der sich und sein Sieb am Tische mit den Händen sehr leicht weiter schieben kann. In den Drukstuben für den Handdruk sieht man in England gegenwärtig fast keinen Vordruk, sondern meist nur Dampfgrün und Applicationsroth arbeiten. Viele Sachen, die wir auf dem Continente bis jezt für Handdruk gehalten haben, sind Maschinendruk; dahin gehören auch die Catechuböden mit Roth und anderen Farben, von ausgezeichneter Schönheit, wozu natürlich die Reinheit des Druks wesentlich beiträgt, und Waare erzeugt wird, die man bei uns mit dem Model vergeblich zu Stande zu bringen sucht. Durch diese Beschränkung des Handdruks wird auch die Formstecherei sehr beschränkt. Man trifft in Fabriken, die Hunderttausende von Stüken jährlich erzeugen, höchstens 10 bis 12 Formstecher, und dieses sind meist nur junge Leute.

Walzendruk. In keinem Lande der Welt trifft man diese Art zu druken so vereinfacht und schnell fördernd an, als in Großbritannien. Die Räume für denselben sind nichts weniger als hell und splendid ausgestattet, indem die Maschinen stets bloß von der Seite Licht zugeführt erhalten, wo die gedrukte Waare herauskommt; auf der entgegengesezten Seite brennt hingegen den ganzen Tag über eine Oehl- oder Gaslampe. Die Maschinen selbst sind viel einfacher, als die der Franzosen, und daher leichter zu regieren.

Einfache Walzendrukmaschinen sind sehr selten mehr im Gange. Das meiste Einfache wird auf mehrfarbigen Maschinen gedrukt. Für die Bedienung einer zwei- bis dreifarbigen Walzendrukmaschine hat man nur zwei Männer, die sie in Gang bringen, und nur einige Knaben besorgen für alle zugleich das Puzen, Farbeholen, Durchdrüken derselben u.s.w. Durch das sorgfältigste Aufdoken der Waare wird fernere Mühe beim Druken selbst erspart. Niemand denkt beim Druken an das Breithalten der Waare. Beim Aufdoken lauft das Stük gewöhnlich über eine sogenannte Ausbreitwalze.21)

Diese Walze ist bei vielen Mangen- und Stärkemaschinen ebenfalls angebracht.

Beim Walzendruk selbst ist das Stük durch 5 bis 6 eiserne Stäbe sehr streng angespannt, und läuft gewöhnlich, ehe es an die Drukwalze kommt, noch über eine dike, 8 bis 10 Zoll im Durchmesser haltende hölzerne Walze, die durch das Tuch gedreht wird. Mitlaufende Stüke (Läufer) werden nirgends mehr angetroffen.

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In der Fabrik von Butterworth und Brooks wird häufig bei mehrfarbigem Farbendruk zugleich mit den Metallwalzen für schwere Farbenpartien eine hölzerne Walze mit ausgeschnittenen oder eingesezten hölzernen Figuren angewandt. Diese werden auf folgende Art mit Farbe versehen.

Die Walze e, Fig. 31, lauft in der Farbe, und theilt diese der mit Tuch überzogenen Walze d mit. Zwischen o und d läuft ein Tuch ohne Ende. Dieses nimmt von d einen Theil der Farbe auf. Die Farbe wird durch die Walze c nochmals gleichmäßig auf dem Tuche vertheilt; das Tuch geht sodann durch die Walze a und b, von welchen a die hölzerne Drukwalze ist, und dadurch Farbe aufnimmt.

Viele Sachen, die man auf dem Continent durchaus für Handdruk hält, sind, wie gesagt, Maschinendruk, wobei jedoch bei manchen die Muster ganz aus freier Hand gravirt werden. Man sieht auf diese Art viel Weiß und Orange für dunkelblaue Küpenwaare druken.

Zum Troknen der auf der Maschine gedrukten Waare wird in allen englischen Fabriken eine ungleich größere Hize, als bei uns auf dem Festlande für gut gehalten wird, angewendet. Dieß geschieht entweder über Dampfkästen von Gußeisen, worüber das Stük unmittelbar aus der Maschine geführt wird, und die wie Fig. 32 zeigt, nebeneinander gestellt sind, oder es geschieht auch im Hot-Flue, oder auch durch erhizte Luft, indem in einem durchbrochenen eisernen Boden, welcher der Feuersgefahr halber durchgängig gefunden wird, ein hohler Raum sich befindet, der durch über dem heizenden Feuer liegende, zum Glühen gebrachte Kupferbleche (manchmal auch Eisenbleche, oft auch eiserne Röhren) geheizt wird, und die Hize durch den durchbrochenen eisernen Boden dem Trokenraume abgibt, der immer über 50° R. hat. Die Waaren, diesen Trokenraum verlassend, stürzen sich dann in einem luftigen Zimmer auf die einfachste Weise von selbst, und werden dann 5 bis 6 Tage darin hängen gelassen, wodurch die Essigsäure verflüchtigt, und mehr basische Salze mit der Faser verbunden gebildet werden. Dieses lange Hängen betrachtet man mit Recht als unumgänglich nothwendig, um unter dem zugleich mitaufgedrukten schweren Grunde hervor beim Krappfärben ein intensives Schwarz zu erhalten.

Für die auf der Maschine gedrukte Waare trifft man sehr große Hängen an. Lloyd und Price besizen eine derselben von 2000 Stüken Inhalt. Dieses Haus ist auch wohl das einzige in England, in welchem eine Perrotine angetroffen wird.

Die Hot-Flues, theils zum Troknen der auf der Walzendrukmaschine |104| Maschine gedrukten, theils zum Abtroknen der grundirten Waare, sind in Gestalt, in Höhe und Länge, je nach der Localität verschieden, und im Ganzen nichts anders, als ein Raum, der ohne daß ein Theil in ihm einem übermäßigen Grad von Hize ausgesezt würde, was bei andern Trokenanstalten (wie bei Ofen- und Röhrenheizungen) fast immer der Fall ist, in eine ziemlich hohe Temperatur gebracht werden kann. Sie bilden daher nichts Anderes, als ein Heizen mit erwärmter Luft. Die Temperatur wird gewöhnlich nicht höher als 40 bis 45° R. gesteigert. Man ist gerade nicht sehr sorgfältig in der Manipulation beim Abtroknen der grundirten Waare jeder Gattung, findet jedoch immer sehr starke Mordants vortheilhafter als schwächere, weil durch jene Streifen und Ungleichheiten ganz vermieden werden.

Die Hängen in den Türkischrothfärbereien sind denen in der Schweiz, fast analog. Ein gutes Mittel, die in der ersten Zeit feuchte, und das Troknen hindernde Luft hinwegzuschaffen, fand Baumgartner in Middleton, durch eine ungefähr 1 1/2 Fuß im Durchmesser haltende blecherne Röhre Fig. 33, die in ein oder zwei Eken des Trokenzimmers senkrecht ausgestellt, eine verschließbare Oeffnung hat. Sie selbst ist unter dem Boden aber fortgeleitet, und mündet in einen Kamin aus. Dadurch wird ein sehr starker Zug hervorgebracht, und man troknet in diesem Etablissement auf solche Art in einem nicht großen Raume 900 Pfd. mit Oehl gebeiztes Garn in 3 Stunden. Das Trokenzimmer ist dabei stets niedrig.

Die Farben für den Druk werden durchgängig mit Dampf gekocht. Gewöhnlich sind die Kessel fest und unbeweglich, daher unbequem zum Ausgießen der Farbe und zum Reinigen. Die freistehenden, die von den Dampfröhren selbst getragen werden, und sich um ihre halbe Achse bewegen lassen, haben die aus Fig. 34 ersichtliche Gestalt. a, a, a, a sind darin gut schließende Stopfbüchsen, in denen die Kessel b, b sich um die halbe Achse drehen lassen. Das Uebrige sind Dampfröhren.

In den Färbereien sind meist alle Gefäße von Gußeisen. Die Kufen für Säuren, saure Salze, Chlor- und Chromverbindungen u.s.w. sind meist von Stein, und dadurch von langer Dauer. Alle Waaren ohne Unterschied, wohin auch Türkischroth gehört, werden mittelst Dampfheizung gefärbt. Die Türkischrothfärbereien, und viele andere Fabriken, verarbeiten meist türkischen Krapp, und haben dafür ihre eigenen Krappmühlen. Sonst wird noch viel französischer und holländischer Krapp consumirt.

In den Blaufärbereien sind die Küpen alle vierekig, gewöhnlich 10 Fuß tief, sehr häufig von Stein, hin und wieder auch |105| von Eisen. Gewöhnlich werden zwei Stüke auf einmal aufgespannt darin gefärbt. Noch häufiger wird jedoch nach Art des Kühkothens über Rollen gefärbt, welches auch ausschließlich mit dem Fayenceblaufärben der Fall ist. Wood und Wright haben die größte Fayence-Färberei. Es stehen 27 Küpen in zwei Reihen neben einander; gewöhnlich werden 4 Stüke zusammengenäht, die abwechselnd von c, Fig. 35, auf die Walze d, und von der Walze d auf die Walze a 30 bis 40 Minuten lang in jede Küpe hineingehaspelt werden. In demselben Locale haben sie 8 Indigoblauküpen für Dunkelblau neben einander stehen, worin in jeder die Waare bis zum Gutfärben einen Zug erhält.

Bei Wood und Wright findet sich auch eine Vorrichtung, das gewöhnliche Malerblau auf ziemlich leichte Weise zu druken. Sie gründet sich auf dasselbe Verfahren, welches Kurrer schon vor 20 Jahren ausübte, nämlich: statt die Farbe auf das Sieb zu streichen, liegt das Sieb hier unmittelbar auf der Farbe straff aufgespannt. Lezteres besteht aus einem ganz leicht durchdringlichen Zeuge (Flanell), so daß, wenn der Druker die Form einbringt, die Farbe durch das Zeug dringt, und wenn er sie wieder wegnimmt, wieder unter das Zeug zurüksinkt, wodurch die Oxydation der Farbe verhindert wird. Es versteht sich von selbst, daß der Druker in dieser Art zu druken eingeübt seyn muß. Wenn übrigens für große Massen beim Möbeldruk, welche auf diese Art gedrukt werden, die Fläche nicht ganz vollkommen rein ausgeglichen ist, so erscheint sie nichtsdestoweniger reiner, als durch das Einmalen mit dem Pinsel.

Gedämpft wird immer noch meist auf Cylindern, weil man bei Kattunen diese Art dem Dämpfen in den Kästen vorzieht.

Die Appretur wird auf den Trokenmaschinen gegeben, die meistentheils aus Zinncylindern bestehen. Weiße Waaren, die für den Verkauf bestimmt sind, werden gewöhnlich sehr stark gestärkt, und im trokenen Zustand die Appretur auf Riesenmangen gegeben, von welcher Größe sie sonst nirgends angetroffen werden. Bei den Trokenmaschinen, und wo es nur möglich, und eine Waare zu legen oder zu falten ist, geschieht dieses gewöhnlich durch die Maschinen selbst auf die mannichfaltigste Weise.

Es verdienen auch noch angeführt zu werden: die ungeheuren Schornsteine, von denen oft mehrere in einen geleitet werden, und dieser auf eine in der Nähe befindliche Anhöhe gesezt wird; dann die vorzüglich gut zubereiteten Farbholzextracte, nicht im concreten, sondern im liquiden Zustande, die zu den hauptsächlichsten Hülfsmitteln gerechnet werden, wodurch England so lange vorzugsweise vor uns in den Dampffarben excellirte. In den meisten Fabriken sind |106| auch Leute aufgestellt, bloß zur Durchsicht der Waare nach fast jeder Operation, die alles Anstößige ausschießen, und ein Comité aus dem Fabrikanten, Coloristen u.s.w. entscheidet über die Strafen in dieser Beziehung.

Daß alle Fabriken mit Gas beleuchtet werden, sezen wir als bekannt voraus.

Was übrigens die Ausführung und den Geschmak bei feinen Modemustern anbelangt, gestehen die englischen Fabrikanten selbst, daß ihnen die Franzosen, so wie mehrere andere Fabriken des Festlandes überlegen sind; eben so daß man in diesen Etablissements weit häufiger gründliche Chemiker und geschiktere Zeichner findet, wodurch die Erzeugnisse sowohl in Beziehung auf Kunst als Solidität und Geschmak stets vorwaltend sind.

Die Kattunfabriken in Schottland liegen meist an fließenden Wassern, was in England nicht zu finden ist. Sie haben vor den englischen dieß voraus, daß die Beschaffenheit ihres Landes sie besser zur Fabrication geeignete Orte wählen ließ, ohne sie von einer Centralstadt, wie Glasgow ist, gar zu weit zu entfernen. Die Glasgower Fabriken befinden sich in einiger Entfernung von der Stadt, einige fast im Hochlande. Sie liegen besonders zahlreich an einem kleinen Flusse, der aus dem See Loch-Lomond in dem Clyde fließt, dessen Wasser seiner Reinheit wegen berühmt ist. An diesem Flusse liegt auch die schöne Türkischrothfärberei von Ewing und Comp.

Die Schotten sind im Allgemeinen wie in Allem, so auch in ihrem Kattundruk hinter den Engländern zurükgeblieben. Besonders druken sie viel schlechter, wenn auch sonst die Fabricate gleich gut wären. In der Einrichtung stehen sie den Engländern kaum nach; sind aber, einzelne ausgenommen, meist nur Nachahmer derselben, ohne Eigenes zu thun. Ausgezeichnet haben sie sich vorzüglich in Türkischroth.

Die Flachpressen (Flat-Presses) sind Maschinen zum Druken für Hals- und Schnupftücher mit flacher Kupferplatte.

Die Aezpressen (Discharging-Presses) sind Maschinen, in welchen die zuvor schon Uni gefärbte Waare in Hals- oder Schnupftücher zusammengefaltet, zwischen zwei Bleiplatten, in welchen die Dessins durchlöchert erscheinen, gepreßt, und durch Eingießen einer äzenden Flüssigkeit (Discharging Liquor), wie Chlorkalk in liquider Form und mit Wasser stark diluirte Schwefelsäure, die ausgesparten Figuren entfärbt werden, und daher weiß erscheinen, oder auch gelbe Figuren erzielt werden, wenn Bleiauflösungen angewendet, und nachheriges Ausfärben im sauren chromsauren Kali stattfindet. In der Fabrik von Monteith Walker und Comp. waren im Jahre |107| 1839 sechzehn solche Pressen zum Aezen der türkischrothen Waaren in einer Reihe aufgestellt.22)

Die Oehlbeizen für Türkischroth werden hier alle mit Grundirmaschinen gegeben, wovon über ein Duzend neben einander stehen, die durch mechanische Kraft in Betrieb gesezt werden. Die Oehlbeizen befinden sich in einem erwärmten Zimmer ober den Grundirmaschinen, werden mechanisch stets gerührt, und es fließt nur so viel Beize hinab, als das Stük Waare consumirt.23)

Das Färben der Waare wird mittelst Dampf betrieben. Die Dekel der Farbekästen gehen bis zum Dach des Farbhauses, wodurch lezteres völlig dampffrei bleibt.

In der Türkischrothfärberei von Ewing und Comp. geschieht das Auswinden der Oehlbeizwaare dadurch, daß der Beizer das Stük ganz einfach durch ein an dem obern Theile seiner Beizschale angebrachtes Loch wie beim Drahtziehen durchzieht, wodurch, weil das Loch sehr enge ist, die Flüssigkeit in die Beizschale zurük gepreßt wird.

In den schottischen Bleichen wird alles Wasser, selbst das reinste, nur filtrirt verwendet.24) Die Druktische trifft man sehr häufig von Sandstein mit hölzernen Gestellen an.

Seit dem Zwiste mit den Drukern (1834) sind in Schottland viele Frauen zum Druken angestellt worden. Die Irländer haben seit mehreren Jahren ebenfalls Drukerinnen. In England konnte man es aber mit den Männern bis jezt nicht durchsezen, weibliche Individuen beim Druken anstellen zu können.

Kein Land der Welt erzeugt eine solche Masse gedrukter Baumwollenstoffe, als Großbritannien. Man kann dermalen das jährliche Erzeugniß auf 10 Millionen Stüke, das Stük zu 28 Yards annehmen. Manche Drukereien produciren jährlich mehrere hunderttausend Stüke, und einige Häuser, denen mehrere Fabriken gehören, können, wenn Begehr dafür eintritt, eine Million Stüke liefern. Es ist jedoch hiebei zu berüksichtigen, daß auch sehr viele geringe und falschfärbige Waare fabricirt wird, weil zum Theil für Gegenden gearbeitet |108| wird, wo man die Aechtheit der Farben weniger schäzt, und nur möglichst wohlfeile Waare haben will.

Man kann überhaupt im Ganzen annehmen, daß in Europa jährlich über 17 Millionen Stüke gedrukter Kattune erzeugt werden, die einen Werth von wenigstens 140 Millionen Gulden Conv. Münze repräsentiren, und 3 1/2 Millionen Menschen mit Einschluß der Spinn- und Weberei Beschäftigung gewähren.

Wir wollen jezt die Ursachen der Wohlfeilheit brittischer Drukwaaren beleuchten, die hauptsächlich in Nachstehendem ihren Grund haben.

1) In dem wohlfeilen Einkauf der weißen Waare, dann der meisten zur Fabrication derselben nöthigen Stoffe, als da sind: vor Allem das Brennmaterial, die meisten Farbstoffe, die Chemikalien, die im Lande in ungewöhnlich niederm Preise zu haben sind; die vervollkommneten und dabei überaus schnell fördernden Maschinen, Hülfswerkzeuge und Eisenwaaren jeder Gattung u.s.w. Von diesen sinken viele Erzeugnisse, z.B. Töpferwaaren, hauptsächlich dadurch sehr im Preise, weil durch die Fabriken, indem sie immer in großer Anzahl beisammen liegen, eine ungeheure Consumtion bewirkt wird. Auch ist von sehr vielen zur Fabrication nöthigen Stoffen kein zinsverzehrendes Lager hinzulegen, da Waaren aller Art aus den vielen Ungeheuern Doks, wo sie in Massen aufgehäuft, zu jeder Stunde zu beziehen sind.

2) Ein anderer Vortheil der englischen Fabriken besteht darin: daß das ungeheure Feld ihres Absazes ihnen in einzelnen Artikeln große Massen zu arbeiten erlaubt, weßhalb die meisten sich auch nur auf einige Artikel beschränken, die sie dadurch natürlich in größerer Vollkommenheit produciren, weil die Arbeiter damit vollkommen vertraut, und Ausschuß nur selten vorkommt, und dadurch auch die Kosten für theure Coloristen wegfallen. In vielen Fabriken sind besondere Leute aufgestellt, für nichts anderes, als zum Durchsehen der Waare selbst, wo alles Anstößige ausgeschossen wird.

Der Nachtheil des theuren Lebens, so wie der theuren Arbeiter gleicht sich durch die größere Geschiklichkeit derselben theilweise aus, theils wissen ihn die Fabrikanten auch auf andere Weise zu ersezen; so befindet sich z.B. in der Fabrik von Walter Crum nicht ein einziger Model, der zweimal abgeschlagen wird, wie dieses selbst bei den dunkelsten Wollengründen der Fall ist. Die Mödel sind überall in jeder nur etwas schweren Partie gefilzt, und mit Kupfer- oder Holzeinfassung versehen, wodurch der schwerste Deker nicht theurer bezahlt wird, als der Vordruk, oder die leichteste Paßfarbe, die alle in einem Preise, und zwar in Glasgow in folgendem Verhältnisse |109| stehen: ist das Stük 3 Mödel breit 6 1/2 Den. (19 1/2 kr. rheinisch), 4 Mödel 8 Den. (24 kr.), 5 Mödel 9 Den., 6 Mödel 10 Den. Die meisten Mödel sind daher sehr breit und auf 3 Reihen eingerichtet. Die Formschneider verlieren an ihrer Kostspieligkeit durch die unbegreifliche Schnelligkeit im Arbeiten; auch wird ihnen leztere dadurch erleichtert, daß alle Mödel von einer Art Ahorn oder Platane (englisch plane tree) gemacht werden. Das Holz wird aus dem schottischen Hochlande bezogen, indem das der Höhe dem des Flachlandes vorgezogen wird. Es ist für die feinste und zarteste Stecherei geeignet. Für Oesterreich, Bayern und die Schweiz dürften die Tyroler- und Schweizer-Gebirge dasselbe von gleicher Güte liefern.

In sehr vielen Fabriken Englands, welches in Schottland nicht der Fall ist, trifft man gar keine Taglöhner, sondern alles wird nach der Anzahl der Stüke bezahlt: Bleicher, Färber, Wascher, Manger u.s.w. Man nimmt dabei an, daß eine große Ersparung dadurch erwachse, und durch große Aufsicht, Strenge und Geldstrafen das Hudeln sehr leicht verhindert werde.

Ein anderer kostspieliger Artikel, besonders in England, sind zwar die Maurer, wo einer häufig wöchentlich 1 1/2 Pfd. St. verdient. Die englischen Fabrikanten wissen sie aber bei ihren Bauten möglichst entfernt zu halten, indem sie ihre Gebäude selten massiv herstellen, statt Mauerwerk im Innern gußeiserne Säulen, und selbst den äußern Theil erlaubt das gelinde Klima leichter als bei uns aufzuführen.

3) Einen weitern wesentlichen Vortheil: die Ersparung der Handlöhne, bieten die Maschinen dar, welche einfacher für Führung simpler Arbeiter eingerichtet sind, als bei uns. So wird z.B. eine 6 Farbenwalzendrukmaschine durch 2 gemeine Arbeiter versehen, denen nur noch zwei Knaben, die noch ein halb Duzend andere Maschinen im Ab- und Zutragen zu bedienen haben, beigegeben sind. Eine solche Maschine wird in derselben Zeit in Gang gebracht, als man bei uns eine zweifarbige in Betrieb sezt. Auch sind die Arbeiter sehr geschikt in der Nachahmung von jeder Art des Handdruks durch ihre Maschinen. Man sieht z.B. mit der Drei- und Vierfarbenmaschine Vordruk, Eindruk und Dekfarben zugleich druken; eben so Weißpapp und Chromorangepapp für Dunkelblau, dann die schwersten und dunkelsten Catechudeker u.s.w., viel auf dem Rouleau druken, wofür häufig ganze Walzen aus freier Hand gravirt werden, wie denn überhaupt das Graviren aus freier Hand in England viel mehr als auf dem Festlande vorkommt.

4) Zu den Hülfsmitteln, die zur Wohlfeilheit brittischer Drukwaaren beitragen, gehört noch die gute Haushaltung in den Fabriken selbst. Sehr viele Fabrikanten bereiten sich z.B. ihr Wachstuch für |110| die Siebe selbst. Mit großer Sparsamkeit wird die chromgelb oder indigoblau gefärbte Waare erst in einer Kufe ausgewaschen und nach einiger Sättigung die Flüssigkeit wieder verwendet, oder bei leztern der Indig mittelst einer Säure niedergeschlagen, durch welches Verfahren, besonders bei Dunkelblau, manches Pfund Indig wieder gewonnen wird.

Auf die Reinigung und Conservirung der Siebe und Druktücher wird gleichfalls besondere Aufmerksamkeit verwendet.

Uebrigens versteht es sich von selbst, daß zur Vollendung der Ursachen der wohlfeilen englischen Waaren noch die leichte Communication im Lande und die leichte Versendung beiträgt.

Aus der:„Geschichte der Zeugdrukerei, der dazu gehörigen Maschinen und Hülfswerkzeuge und der Erfindungen im Gebiete des Colorits für den Baumwollen-, Leinen-, Seiden- und Schafwollendruk bis auf die neueste Zeit. Von Dr. Wilhelm Heinrich v. Kurrer, mit Beiträgen von Dr. K. J. Kreutzberg. Nürnberg 1840, bei I. L. Schrag.“ In diesem interessanten Werk wird zuerst die Entstehung und der gegenwärtige Bestand der Kattundrukereien in allen europäischen Ländern behandelt; ein besonderes Capitel ist den Fortschritten, welche nach und nach sowohl im mechanischen als chemischen Theile der gesammten Zeugdrukerei bis auf die neueste Zeit gemacht wurden, gewidmet, und ein Anhang enthält die in Frankreich und England zur Sicherung des Eigenthums an Originalmusterzeichnungen bestehenden gesezlichen Maßregeln; endlich wird in Tabellenform eine Uebersicht der Druklöhne in verschiedenen Ländern und des Umfanges der Kattundrukerei in Europa mitgetheilt. A. d. R.

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Ein Fabrikant, welcher sich diesen kostspieligen Bleichapparat vom Erfinder selbst verschaffte, versichert uns, daß er nicht nur vollkommen mit der im polyt. Journal (1839) Bd. LXXIV. S. 359 gelieferten Beschreibung und Abbildung übereinstimmt, sondern daß es sich auch herausstellte, daß man bei der Anwendung desselben die sonst erforderlichen Hülfsapparate, als Waschräder, Trokencylinder, Chlor- und Säurekufen keineswegs entbehren kann, indem dieser sogenannte Bleichapparat lediglich als ein Laugapparat mit Hochdrukdampf zu betrachten ist, wie es a. a. O. schon bemerkt wurde; endlich hat sich der Erfinder desselben, Hr. Wright in Manchester, zu seinem großen Schaden auch bald überzeugt, daß sein Apparat zum raschen Bleichen von Flachsgarn und Leinengeweben keineswegs anwendbar ist. A. d. R.

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Dieser selbstthätige Strekapparat, welcher im Wesentlichen ganz mit dem im ersten Septemberheft des polytechnischen Journals (Bd. LXXVII. S. 327) beschriebenen übereinstimmt, bildet ohne Zweifel die wichtigste Verbesserung, welche seit langer Zeit an den Walzendrukmaschinen gemacht wurde.

A. d. R.

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Die Aezpressen bei den HHrn. Monteith und Comp. wurden eingeführt, ehe das Verfahren, türkischrothe Zeuge durch Aufdruken von Weinsteinsäure und Passiren in der Chlorkalkküpe weiß zu äzen, entdekt und bekannt war; man findet eine Beschreibung derselben im polytechn. Journal Bd. XII. S. 72. Die genannte Fabrik scheint sich dieses Apparates nur deßwegen noch immer zu bedienen, um aus dem bedeutenden Capital, welches auf die höchst zwekmäßige und solide Herstellung desselben verwendet wurde, den möglichsten Nuzen zu ziehen.

A. d. R.

|107|

In den bedeutendsten Türkischrothfärbereien der Schweiz ist schon seit mehreren Jahren dasselbe Verfahren gebräuchlich. A. d. R.

|107|

Solche Filtrirapparate sind im polytechn. Journal Bd. LXVII. S. 140 beschrieben. A. d. R.

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