Titel: Jacobi, über Galvanoplastik.
Autor: Jacobi, Moritz Hermann
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XXI. (S. 110–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/ar078021

XXI. Die Galvanoplastik oder das Verfahren cohärentes Kupfer unmittelbar aus Kupferauflösungen auf galvanischem Wege niederzuschlagen; von Dr. M. H. Jacobi.

Im Auszug aus dem zu St. Petersburg in russischer Sprache erscheinenden Journal für Manufacturen und Gewerbe. April 1840, S. 57–139.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Einleitung.

Nachdem der Verfasser in dieser, zunächst für die industriellen Classen seines zweiten Vaterlandes geschriebenen sehr ausführlichen Abhandlung den Unterschied zwischen chemischer und galvanischer Zersezung auseinandergesezt und die galvanische Reihe der Metalle ausgeführt hat, worin sich im Allgemeinen jedes folgende Metall zu dem darüber stehenden wie das Zink zum Kupfer verhält, bemerkt er, daß außer den Metallen in technischer Hinsicht besonders noch die Kohle und der Graphit (welcher leztere nur als eine Kohle von besonderer Beschaffenheit zu betrachten ist) in Bezug auf ihr galvanisches Verhalten merkwürdig sind; diese beiden Substanzen stehen noch über dem Platin, so daß eine Kette aus Graphit in Verbindung mit Zink zu den stärksten gehört, die man kennt. Es ist schwer, sich den Graphit in größeren Massen oder Platten zu verschaffen; er bildet sich gelegentlich beim Eisenschmelzen im Hohofen und findet sich im Gußeisen eingesprengt. Höchst wahrscheinlich ließe sich aber eine Art Gußeisen darstellen, worin die Kohle in größerer Menge enthalten wäre als in dem gewöhnlichen, und dadurch dem Eisen Eigenschaften ertheilte, die es in galvanischer Beziehung dem Platin ähnlich machten. Zu galvanischen Apparaten bedürfte ein solches Gußeisen keiner besondern Festigkeit, sondern müßte nur einen solchen Zusammenhalt |111| haben, daß sich Platten oder cylindrische Gefäße daraus gießen ließen; vorzüglich müßte es aber die Eigenschaft haben, daß es eben so wenig wie der Graphit von concentrirter oder verdünnter Salpetersäure angegriffen würde. Man könnte den beabsichtigten Zwei vielleicht durch eine Art Cementation, oder durch ein Umschmelzen des Gußeisens mit noch mehr Kohle in geschlossenen Gefäßen erreichen.

Für die Metallgemische oder Legirungen lassen sich hinsichtlich des galvanischen Verhaltens noch keine allgemeinen Regeln aufstellen; das Messing verhält sich meistens entweder eben so gut oder noch besser als Kupfer in der galvanischen Reihe; andererseits ist das Zinkamalgam noch besser als Zink, am besten aber fand der Verf. eine Verbindung von 38 Theilen Queksilber, 22 Th. Zinn und 12 Th. Zink.

Bei einer galvanischen Kette ist die ununterbrochene Leitung von einer Platte zur anderen die erste Bedingung der galvanischen Thätigkeit; eine metallische Leitung kann aus verschiedenen Drahtenden oder Streifen bestehen, die verschiedene Dimensionen haben, ja sogar von verschiedenen Metallen seyn können, wenn sie nur recht innig metallisch mit einander Verbunden sind. Dieß geschieht gewöhnlich durch Löthung; oft reicht es aber hin die Enden, nachdem sie vorher blank gemacht worden, stark zusammen zu drehen. Wenn man die Verbindungen so einrichten will, daß sie leicht gelöst und auseinander genommen werden können, so kann man sich auch der Klemmschrauben oder kleiner Gefäße bedienen, welche mit Queksilber gefüllt sind, in welches man die mit einander zu verbindenden Drahtenden gemeinschaftlich taucht. Diese Gefäße können von beliebiger Größe und Gestalt, von hartem Holz, Glas seyn. Fig. 1 ist ein Queksilbergefäß, welches unmittelbar an einen Draht festgeschraubt werden kann, der an einer Platte des galvanischen Apparates angelöthet ist. Diese Figur bedarf eben so wenig einer weitern Erklärung als die Figuren 2, 3, 4 und 5, unter welchen Fig. 2 eine einfache, an einem Drahte angelöthete, die anderen aber eine doppelte Klemmschraube zeigen. Zu breiten Streifen ist die Klemmschraube Fig. 6 zu empfehlen; a, b ist ein messingenes oder kupfernes Plättchen, welches in der Mitte den mit Schraubengewinden versehenen Stift trägt. Der Streifen e, f wird mit einem Loche oder Einschnitt versehen aufgestekt und dann mit der Schraubenmutter festgeklemmt. Es ist gut, wenn man von diesen Vorrichtungen einen Vorrath hat und darunter Klemmschrauben von verschiedenen Durchbohrungen, um Drähte von verschiedenen Dimensionen einklemmen zu können; die Schrauben müssen mit geränderten Köpfen versehen seyn, um sie bequem anziehen zu können; übrigens sind die Abbildungen in natürlicher Größe.

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Die Galvanoplastik beruht auf der bekannten Eigenschaft der elektrischen Ströme, beinahe alle zusammengesezten Stoffe in ihre Bestandtheile zu zerlegen, besonders aber die Metalle aus ihren Verbindungen zu reduciren. Diese Eigenschaft kannte man schon seit dem Anfange dieses Jahrhunderts, man schenkte aber dem Aggregatzustande, in welchem sich die Metalle reduciren (gewöhnlich erhielt man sie in Pulverform, in kleinen Blättern oder warzenartig zusammengewachsenen Massen), nur wenig Aufmerksamkeit; jezt kennt man aber wenigstens die Bedingungen, unter welchen das Kupfer sich aus seinen Auflösungen unmittelbar zu regelmäßigen cohärenten Platten reduciren oder nach vorher bestimmten Formen bilden läßt.

Die galvanischen Säulen- oder Trogapparate, bei welchen Zink, Kupfer und eine Säure angewandt wird, sind zu technischen und auch zu vielen wissenschaftlichen Zweken deßhalb nicht anwendbar, weil sie in ihrer Wirksamkeit sehr veränderlich sind und ihre Kraft schon nach kurzem Gebrauche bedeutend abnimmt. Deßhalb kamen in neuerer Zeit Apparate in Gebrauch, bei welchen die beiden verschiedenen Metalle nicht in eine und dieselbe, sondern in zwei verschiedene Flüssigkeiten tauchen, die von einander durch eine poröse Scheidewand getrennt sind, welche dem elektrischen Strome Durchgang gestattet. Fig. 7 zeigt die Einrichtung eines solchen Apparates; a, b, c, d ist ein Behälter, welcher durch die poröse Scheidewand e, f in zwei Zellen getheilt ist; die eine Zelle, mit einer verdünnten Säure oder einer Salzauflösung gefüllt, enthält die Zinkplatte Z, die andere aber, worin sich die Kupferplatte K befindet, eine Auflösung von Kupfervitriol oder sonst einem Kupfersalze. Beide Platten werden durch eine Leitung verbunden und bilden so eine galvanische Kette. Bei den neuen Apparaten findet die Auflösung des Zinks gerade so wie bei den gewöhnlichen Trogapparaten statt; das Wasserstoffgas aber wird nicht frei, sondern dazu verwendet, das Kupfer in metallischer Form aus seinen Auflösungen wieder herzustellen und an der Oberfläche der Kupferplatte zu reduciren. Die auf solche Art construirten Apparate haben den großen Vorzug, in ihrer Wirkung ohne Vergleich beständiger zu seyn als die gewöhnlichen und Tage und Wochen lang in ununterbrochener Thätigkeit erhalten werden zu können.

Erste Methode, zum galvanischen Copiren kleiner Gegenstände anwendbar.

Eines nach diesem Princip construirten Apparates muß man sich auch bedienen, um festes und zusammenhängendes Kupfer unmittelbar aus seinen Auflösungen durch den galvanischen Strom zu reduciren. Fig. 8 ist die Abbildung eines solchen Apparates, wo a, b, c, d |113| ein hölzerner Behälter ist, welcher aber vollkommen wasserdicht und außerdem noch durch einen Asphaltkitt oder Pechüberzug vor dem Angriffe der Säure geschüzt seyn muß. In die Seitenwände dieses Kastens, die hiezu zwei Furchen haben können, wird eine Platte e, f von schwach gebranntem und unglasirtem Thon oder Porzellan so dicht eingekittet, daß die beiden Abtheilungen nicht mit einander communiciren. Die Beschaffenheit dieser Scheidewand muß von der Art seyn, daß sie dem elektrischen Strome zwar freien Durchgang, den beiden Flüssigkeiten, die durch sie getrennt werden sollen, aber nur eine sehr allmähliche Vereinigung gestattet; auch darf sie durch die Flüssigkeiten nicht aufgelöst oder zerstört werden.

Als Flüssigkeit in der Kupferzelle bedient man sich einer Auflösung von Kupfervitriol, welche möglichst gesättigt und also am besten heiß bereitet ist; da sich aber das Kupfer nach und nach aus der Auflösung reducirt, so muß man den vollen Sättigungsgrad durch einen Vorrath kleingestoßener Kupfervitriolkrystalle zu erhalten suchen. Dazu dient ein aus dünnen Brettchen bestehendes Kästchen g, h, dessen Boden und Seitenwände mit Löchern durchbohrt sind, und welches von den oberen Schichten der Flüssigkeit bespült wird, die immer weniger gesättigt sind als die unteren.

Für die Zinkzelle benuzt man Schwefelsäure oder eine Auflösung von Salmiak, Kochsalz, Glaubersalz u.s.w. als Flüssigkeit. Es ist immer gut, wenn man die Zinkplatte amalgamirt. Da die Flüssigkeit von Zeit zu Zeit erneuert oder mit Wasser verdünnt werden muß, weil sie sonst krystallisiren würde, so sind zum Ablassen derselben zwei mit biegsamen Kautschukgelenken versehene Röhren i, k, l und m, n, o angebracht.

Die Größe des Behälters hängt hauptsächlich von der Größe der Platten ab, doch ist es gut, die Zellen nicht zu eng zu machen, weil bei Anwendung einer größeren Masse die Wirkung gleichförmiger und beständiger ist. Ein sehr gutes Kennzeichen, ob der Reductionsproceß mit der gehörigen Regelmäßigkeit vorschreitet, ist die hellrothe Fleischfarbe des reducirten Kupfers; sobald diese dunkler wird und in schmuzig Braunroth übergeht, ist es ein Beweis, daß die Kupferlösung nicht gehörig gesättigt erhalten wurde. In diesem Falle muß man gewöhnlich den Strom schwächen, was am besten dadurch geschieht, daß man die Zinkflüssigkeit verdünnt.

Das Kupfer wird freilich um so fester und zäher, je schwächer der Strom ist, in praktischer Hinsicht ist es aber wünschenswerth, den Proceß so viel wie möglich zu beschleunigen, was nur dadurch geschehen kann, daß man den Inhalt des in die Kupferlösung getauchten Vorrathsbehälters möglichst groß macht, die Kupferkrystalle gehörig |114| verkleinert, und um ihre schnellere Auflösung zu bewirken, die Unterstüzung der Wärme anwendet.

Es ist von großer Wichtigkeit, sich immer von dem Grade der Wirksamkeit des Apparates überzeugen zu können; man schaltet daher eine Galvanometerbussole ein, um nach der Ablenkung der Nadel die Stärke des Stroms beurtheilen zu können25) und die ihr proportionale Reduction des Kupfers, welche in einer gegebenen Zeit stattfindet. Ein solches Instrument wird am einfachsten construirt, wie Fig. 9 zeigt; a, b ist ein kreisrundes Brett von hartem und trokenem Holze, mit 3 Stellschrauben versehen, um es horizontal zu stellen; in der Mitte befindet sich eine feine Stahlspize c, auf welcher eine mit einem Hütchen versehene Magnetnadel frei schwebt. Unter dem Brettchen ist genau in der Mitte ein etwa 1 1/2 bis 2 Linien diker Draht befestigt, welcher an den Enden zwei Queksilbergefäße d und e trägt. Auf der Oberfläche des Brettchens befindet sich ein eingetheilter Kreis. Der Draht muß so liegen, daß er sich genau unter dem Nullpunkte der Eintheilung und folglich im magnetischen Meridian befindet, wenn das Instrument so eingestellt wird, daß die Nadel gerade auf Null zeigt. Wenn man nun die von den Erregerplatten ausgehenden Drähte in die Gefäße d und e taucht, so wird die Nadel abweichen und nach mehreren Schwingungen auf irgend einem Grad der Eintheilung stehen bleiben. Die Abnahme dieser Abweichung zeigt an, daß die Kraft schwächer geworden ist; man muß dann entweder die Flüssigkeiten erneuern oder Kupferkrystalle hinzuthun, oder wenn die Poren der Scheidewände sich verstopften, die Thonplatten auswechseln.

Bei der beschriebenen Methode ist man jedoch in Bezug auf die Größe der darzustellenden Platten oder Oberflächen sehr beschränkt, weil sich – um eine constante und ökonomische Wirkung zu erhalten – zwischen dem Zink und dem Original immer eine der Form des Gegenstandes angemessene Scheidewand, welche die Flüssigkeiten trennt, befinden muß, die zwar porös seyn, aber doch nur eine äußerst langsame Filtration gestatten darf. Bei kleinen Gegenständen ist das leicht, bei größeren aber mit vielen Schwierigkeiten verknüpft, welche |115| sich nur bei Anwendung einer anderen Verfahrungsart beseitigen lassen.

Zweite Methode, zum Copiren großer Gegenstände anwendbar.

Diese Methode beruht auf Folgendem: Die chemische Thätigkeit, welche innerhalb der geschlossenen Kette und zwar in den Zellen, worin sich die Erregerplatten befinden, Statt hat, beschränkt sich nicht an diese Stelle, sondern läßt sich auf irgend eine andere im galvanischen Kreise eingeschaltete Zelle übertragen, die mit einer leitenden Flüssigkeit gefüllt ist, durch welche man vermittelst gleichartiger Metallplatten den Strom hindurchleitet, wobei das Gesez stattfindet: daß der Wasserstoff der Flüssigkeit, oder der Bestandtheil, welcher seine Stelle vertritt, sich an der Metallplatte entwikelt, welche mit dem Zinkpole, der Sauerstoff aber, oder das, was seine Stelle vertritt, an die Metallplatte geht, welche mit dem Kupferpole der Batterie verbunden ist. Für diese Platten, zwischen welchen sich die Flüssigkeiten zersezen, hat Faraday die Benennung Elektroden eingeführt, und zwar nennt er die mit der Zinkplatte verbundene die Kathode, die mit der Kupferplatte verbundene aber die Anode. In Fig. 10 stellt A, B eine galvanische Batterie vor; C, D ist ein mit verdünnter Schwefelsäure gefüllter Behälter, und a und c sind die zwei Platinelektroden; nämlich a die Anode und c die Kathode; an c wird wird sich also Wasserstoffgas und an a Sauerstoffgas entbinden. Nimmt man nun statt der Platinelektroden zwei Kupferelektroden und bringt statt verdünnter Schwefelsäure in die Zelle eine beinahe gesättigte Kupferlösung, so löst sich die Anode auf, die Kathode aber bedekt sich mit vollkommen cohärentem hellrothem Kupfer ganz so wie bei Anwendung der ersten Methode. Die Kupferlösung bleibt hiebei immer gesättigt, weil in demselben Maaße, als die Reduction vor sich geht, das der Flüssigkeit entnommene Kupfer durch die Auflösung der Anode wieder ersezt wird.

Auf diese Art ist also der Apparat, in welchem die Bildung der Kupferplatten vor sich geht, von der Batterie gänzlich getrennt, und es wird in demselben die Anwendung poröser Scheidewände gänzlich entbehrt, so daß man hinsichtlich der Größe und Gestalt der Originale, wovon man galvanische Copien machen will, ganz unbeschränkt ist. Auch kann man die Zeit der Operation verkürzen und täglich eine beinahe 1/6 Linie oder 1/60'' dike Schicht (gleich der Dike eines starken Kartenblatts) erzeugen.

Bei der Zersezung der Kupferlösungen zwischen Kupferelektroden |116| braucht die Batterie nur aus einem Plattenpaare zu bestehen, man kann aber auch, um die Wirkung zu beschleunigen, mehrere Plattenpaare hinter einander anwenden. Die zwischen den Elektroden befindliche Kupferlösung muß bis auf einen gewissen Grad verdünnt seyn; auch ist es bisweilen gut, sie mit ein wenig freier Schwefel- oder Salpetersäure zu versezen. Die Anode oder die Kupferplatte, welche sich auflöst, bedekt sich gewöhnlich mit einem schwärzlichen oder braunrothen Pulver, welches, wenn es auf die Kathode niederfällt, bewirkt, daß das reducirte Kupfer brüchig wird; man vermeidet dieses leicht, wenn man Leinwand, Flanell etc. dazwischen bringt.

Apparat. Der Apparat besteht also im allgemeinen nur aus einem mit Kupfervitriol gefüllten Behälter, worin zwei beliebig geformte Kupferplatten, welche mit einem galvanischen Plattenpaare verbunden sind, sich gegenüberstehen. Fig. 11 ist die Abbildung eines solchen Apparates, worin die Platten horizontal liegen. a, b, c, d ist ein mit Kupfervitriol gefüllter Behälter, welcher mit einem Ablaßrohre versehen ist; er kann aus Porzellan oder Glas bestehen, oder auch aus holz angefertigt und mit Asphaltkitt ausgegossen werden. e, f ist die Kathode, welche als Original dient und deren Oberfläche mit Kupfer bedekt werden soll; sie ist durch die Leitung f, g, h mit dem Zinkpole der Batterie verbunden, die, wie gesagt, bloß aus einem einzigen, mehr oder weniger großen Plattenpaare zu bestehen braucht. i, k ist ein mit Leinwand oder Flanell überzogener hölzerner Nahmen, worin sich die Kupferplatte l, m befindet, welche mit dem Kupferpole der Batterie durch die Leitung n, o verbunden ist. y ist eine im galvanischen Kreise eingeschaltete Bussole. Die Entfernung der Platten soll nicht weniger als 1 1/2'' bis 2'' betragen; sind aber die Dimensionen ziemlich beträchtlich, z.B. 1 1/2 – 2' im Quadrat, so möchten auch 3''– 4'' nicht zu viel seyn.

Die Anwendung der Bussole ist nicht genug zu empfehlen; verbindet man mehrere Zersezungsapparate von gleichen oder ungefähr gleichen Dimensionen und eben so viele Batterien hinter einander zu einem galvanischen Kreise, so bedarf man nur einer einzigen Bussole; Fig. 12 zeigt die Anordnung für diesen Fall.

Galvanische Batterie für den Apparat. eine einfache und ihrem Zwek vollkommen entsprechende Batterie ist in Fig. 13 abgebildet. a, b, c, d ist ein vierekiger Kasten aus Kupfer oder Blei; e, f, g, h ein Cylinder aus Blei oder dünnem Kupferblech, welcher die drei Wände des Kastens berührt; den Cylinder läßt man offen, auch lochet man ihn nicht zusammen, damit er leicht aus einander gebogen werden kann, wenn das reducirte Kupfer, welches |117| sich an ihn ansezt, abgelöst werden soll. i, k ist ein Thoncylinder und l, m ein hohler Zinkcylinder; n, o ein Kästchen von Blei oder Kupfer, mit durchlöcherten Wänden und Boden, welches als Vorrathsbehälter der Kupferkrystalle dient.

Die Einrichtung zum Ablassen der Flüssigkeit zeigt Fig. 14; sie beruht auf dem Princip des Hebers 26); a, b, c, d ist ein Gefäß mit dem Ablaßrohre e, f, welches durch den Boden geht und dessen obere Oeffnung mit dem Niveau der Flüssigkeit gleich steht. g, h ist ein oben geschlossenes, unten mit Ausschnitten versehenes Rohr, welches ich das Stülprohr nenne; es wird weggenommen, während der Apparat in Thätigkeit ist, damit die minder gesättigte Kupferlösung oben abfließen kann. Wenn an einem Apparat kein Vorrathsbehälter angebracht ist, muß man die gesättigte Kupferlösung durch einen Trichter mit langem Halse zugießen, so daß sie von Unten zutritt und die minder gesättigte oben heraustreibt. Soll die Flüssigkeit ganz abgelassen werden, so sezt man das Stülprohr auf und gießt noch etwas Flüssigkeit hinzu, so daß sie über der Oeffnung des Rohres e zu stehen kommt, dasselbe anfüllt und so einen Heber bildet, wodurch die ganze Flüssigkeit bis auf die Höhe der Ausschnitte abfließt; es versteht sich, daß der zwischen der oberen Oeffnung des Abflußrohres e, f und dem Stülprohre g, h vorhandene schädliche Raum nicht mehr vermindert werden muß, als es der freie Abfluß der Flüssigkeit erlaubt. Wenn Alles das gehörige Verhältniß hat, ist das Zugießen der Flüssigkeit über das Niveau der oberen Oeffnung kaum nöthig, weil einige Bewegungen des Rohres g, h auf und nieder genügen, um das Rohr e, f anzufüllen und den Heber in Thätigkeit zu sezen. Diese Vorrichtung ist auch sehr bequem, um mehrere Gefäße auf einmal zu entleeren; man befestigt dann sämmtliche Stülpröhren an einem gemeinschaftlichen Rahmen, um sie auf einmal niederlassen zu können. Das Ausflußrohr e, f darf nicht zu weit seyn, damit es sich leicht von selbst füllt. Um die Zinkflüssigkeit von Zeit zu Zeit zu erneuern oder wenigstens mit Wasser zu verdünnen, muß man sich ebenfalls eines Trichters mit langem Halse bedienen, damit die verdünnte Flüssigkeit von Unten zutritt und sich mit der gesättigten besser vermischt. Will man die Flüssigkeit gänzlich entleeren, so muß man das Thongefäß herausnehmen. Fig. 15 zeigt einen ähnlichen unterbrochenen Heber für die Zinkflüssigkeit. Der Boden des Kupfergefäßes a, b, c, d ist mit einem kleinen Ansazrohre versehen, in welchem ein ähnliches Ansazrohr, welches sich am Boden des Thoncylinders |118| e, f, g, h befindet, eingekittet ist. In der Oeffnung des lezteren ist wiederum ein Glasrohr i, k, l, m eingekittet, das bis zum Niveau der Flüssigkeit hinaufreicht. Das oben offene und unten mit Ausschnitten versehene (gläserne) Stülprohr n, o, p, q ist gehörig befestigt oder vor dem Schwanken gesichert und bleibt immer aufgestekt, damit beim Zugießen frischer Flüssigkeit die mehr gesättigte nach der Richtung der Pfeile abfließen kann. Sott die ganze Flüssigkeit abgelassen werden, so wird dieses Rohr weggenommen, und ein anderes, ganz wie das in Fig. 14 angegebene Rohr g, h aufgestülpt, wodurch das Abfließen ganz wie früher vor sich geht. Wenn Plaz genug vorhanden ist, kann das Rohr e, f, g, h, Fig. 15, so weit seyn, daß das zweite oben geschlossene Stülprohr bequem dazwischen geht.

Die Thongefäße sollen alle 5 bis 6 Tage mit Wasser ausgelaugt werden, um ihre Poren zu reinigen.

Die Größe der hier beschriebenen Apparate wird dadurch beschränkt, daß es schwer ist, sich Thoncylinder von ansehnlichen Dimensionen und zugleich mit dünnen Wänden zu verschaffen, indem dike Wände dem Strome vielen Widerstand darbieten. Man thut daher besser, mehrere kleinere Apparate zu einer gemeinschaftlichen Wirkung zu Vereinigen, und alle Kupfer- und alle Zinkcylinder unter sich zu verbinden. Fig. 16 stellt einen solchen Apparat dar, wo 9 Elemente in einem gemeinschaftlichen Behälter angebracht (und durch Klemmschrauben, die in der Zeichnung fehlen, vereinigt) sind, so daß sie ein Plattenpaar von 9facher Oberfläche bilden. Diese Apparate erfordern zwar viel Flüssigkeit, sind aber um so beständiger und wirksamer.

Um 40 Pfd. Kupfer in cohärenten Platten etc. zu erhalten, bedarf man etwa 41 Pfd. Zink, 51 Pfd. concentrirte Schwefelsäure und eine gehörige Menge Wasser, welche beiläufig 184 Pfd. krystallisirten Zinkvitriol geben.

Anwendung der Galvanoplastik.

Keine bisher bekannte Methode Copien durch Abguß oder Abdruk zu erhalten, bietet eine solche Sicherheit, Schärfe und Genauigkeit dar, wie die Galvanoplastik; auch fällt bei galvanischen Güssen jedes Nacharbeiten oder Ciseliren weg.

Das Ablösen der Copien vom Original geht (nach den: Abfeilen des übergreifenden Randes) immer gut von statten, wenn die reducirte Platte die gehörige Dike erlangt hat und das Kupfer des Originals selbst nicht schwammig, porös oder blättrig war, ferner die Züge nicht zu steil gravirt waren. Man kann auch leicht galvanische, eigens zum Graviren bestimmte Kupferplatten anfertigen, bei |119| welchen man das Schleifen und Poliren ganz ersparen kann, wenn man sich einer Originalplatte von den erforderlichen Eigenschaften bedient. Ist das Kupfer des Originals von schlechter Beschaffenheit, so kann man das Ablösen der Copie dadurch erleichtern, daß man die Originalplatte vorher mit einer sehr dünnen Fett- oder Oehlschicht überzieht; auch kann man sie mit dünnen Goldblättchen oder Goldschaum belegen.

Auch Originale aus anderen Metallen lassen sich zur Galvanoplastik benuzen, namentlich solche aus Platin, Gold, Silber, Blei, Letternmetall und d'Arcet'schen Legirungen; Modelle aus Eisen und Zink sind hingegen zu galvanischen Reductionen nicht zu brauchen.

Unter den nicht metallischen Körpern ist besonders der Graphit als Kathode zu gebrauchen, um von unglasirtem Thon, Porzellan, Gyps (welcher zuvor in einer heißen Mischung von Stearin und Wachs getränkt wurde), Wachs, Stearin, Holz etc., welche man mit Graphitpulver überzieht, Copien in Kupfer zu erhalten; in diesem Falle muß man aber die Berührungspunkte des metallischen Leiters vermehren, indem man das Modell mit einem Streifen von dünn gewalztem Blei oder Kupfer, der sich leicht anschmiegt, in Berührung bringt Originalen von ansehnlicher Größe und bedeutendem Relief gibt man am besten eine horizontale Lage.

Außer den Copien von Medaillen kann man auch kupferne Matrizen zu einzelnen Lettern oder zu ganzen Stereotypplatten unmittelbar über einem Letternsaz reduciren. Dieser Matrizen kann man sich bedienen, entweder um auf gewöhnliche Art Letternmetall hineinzugießen oder den Saz selbst in galvanischem Kupfer anzufertigen.

Die Stempel zu den Initialen oder anderen typographischen Ornamenten oder solcher, deren sich die Buchbinder bedienen, brauchen künftig nur in hartem Holze geschnitten zu werden, weil man unmittelbar vom Holze kupferne Matrizen und dann wieder die Typen selbst aus Kupfer erhalten kann. Holzschnitte jeder Art lassen sich viel schärfer vervielfältigen, als durch die Methode des Clichirens. Formen zum Kattun- und Tapetendruk werden sich auf solche Art leicht herstellen lassen. Auch kann man sich jezt leicht Metallformen zur Anfertigung von gebrannten Steinen oder anderen mit erhabenen Verzierungen versehener Thonwaaren verschaffen. Endlich gestattet uns die Galvanoplastik, künftig unsere Gebäude im Innern und Aeußern mit wohlfeilen Ornamenten in Bronze auszustatten.

Bisher wurde nur von einfachen Copien gesprochen, die sich von den Originalen, worauf sie erzeugt wurden, leicht abheben lassen; |120| die Anfertigung ganzer Figuren ist freilich mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden. Von einer in Wachs bossirten Büste en haut relief wurde auf folgende Art ein ziemlich guter galvanischer Abguß erhalten. Nachdem dem Original mit Graphit eine reducirende Oberfläche gegeben war, unterwarf man es mit einem Leiter versehen dem galvanischen Processe; als es sich vollständig, aber nur in einer dünnen Schichte mit Kupfer überzogen hatte, wurde das Wachs ausgeschmolzen, wodurch man eine hohle Form erhielt, welche, nachdem sie im Innern durch Terpenthinspiritus gereinigt worden war, wieder als Kathode gebraucht wurde, um im Innern die Reduction zu bewirken. Nachdem dieses in hinreichender Dike geschehen war, wurde die dünne äußere Hülle, welche als Form gedient hatte, abgelöst, was stükweise und an manchen Stellen mit Gewalt geschehen mußte. Auf diese Art erhielt man die wahre, dem Original ganz gleiche Copie, welche an einigen Stellen jedoch durch Unvorsichtigkeit beschädigt worden war, freilich mit Verlust des Originals und der zuerst gebildeten kupfernen Form.27)

|114|

Eine auf einer Spize frei schwebende Magnetnadel richtet sich bekanntlich nahe zu nach Norden oder Süden; denkt man sich nun den Schließungsdraht, welcher die Zink- und Kupferplatte einer galvanischen Kette mit einander verbindet, nach der Richtung der Magnetnadel ausgespannt, so weicht die Magnetnadel, so bald die Kette geschlossen wird, von ihrer früheren Richtung ab, stellt sich aber sogleich wieder ein, wenn die Kette geöffnet wird. Je stärker die galvanische Kraft wirkt, desto größer ist auch die Abweichung der Nadel von ihrer sonstigen Richtung, und die Magnetnadel ist daher ein unschäzbares Werkzeug, um sich sogleich von der Thätigkeit der Kette durch den bloßen Anblik zu überzeugen.

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Diese sehr sinnreiche Einrichtung läßt sich zu vielen Zweken in den chemischen und anderen Fabriken benuzen. A. d. R.

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Dieser Auszug aus Jacobi's vortrefflicher Anleitung zur Galvanoplastik, welche auf Befehl der russischen Regierung in russischer Sprache bekannt gemacht wurde, war bereits vollendet, als uns eine vom Verfasser selbst herausgegebene deutsche Uebersezung derselben (in Commission bei F. A. Herbig in Berlin) auf dem Wege des Buchhandels zukam. A. d. R.

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