Titel: Reider's Bericht über Reichenecker's Wasserleitungsröhren.
Autor: Rieder, Amédée
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XLVII. (S. 220–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/ar078047

XLVII. Ueber die irdenen Wasserleitungsröhren aus der Fabrik des Hrn. Reichenecker in Ollwiller; Bericht des Hrn. Amédee Rieder.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle des Mulhausen 1840, No. 64.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Am 25. Novbr. 1834 erstattete das Comité für Mechanik der Société industrielle (in Mülhausen) einen Bericht über die Mittheilungen des Hrn. Engelmann in Betreff der in Stuttgart gebräuchlichen Wasserleitungsröhren von gebranntem Thone. Man faßte damals den Beschluß, solche Röhren durch einen Töpfer in Mülhausen verfertigen zu lassen, um damit Versuche im Großen anstellen zu können. Es sind mehrere Jahre verflossen, ohne daß man sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigte, bis ich im Sommer 1838 mir selbst eine solche Wasserleitung legen ließ, die bedeutend genug war, um aus den Resultaten etwas schließen zu können.

Die Verfertigung gebrannter Thonröhren ging in der neuesten Zeit aus den Händen der Töpfer in die geschikter Fabrikanten über, welche durch die Wahl und die Verarbeitung der Erde, so wie durch die Anwendung gut zusammengestellter Apparate Röhren verfertigt haben, die nichts mehr zu wünschen übrig lassen. Seit einigen Jahren wendet man schon in Aarau Pressen an, um die Erde zu verdichten. Die HHrn. Ziegler und Comp. in Schaffhausen haben diese Apparate vervollkommnet und stellten sie in größerem Maaßstabe her, und mehrere Fabriken dieser Art sind auch in Deutschland eingerichtet worden. Im Jahre 1838 wurde unser Departement ebenfalls mit diesem nüzlichen Industriezweige versehen. Hr. Reichenecker in Ollwiller fand in der Umgegend der Ziegelhütte des |221| Hrn. Gros Thon, der sehr geeignet zur Fabrication von Röhren ist, und hat sich Apparate hergestellt, die durch ihn vervollkommnet wurden; er bedient sich unter anderen einer hydraulischen Presse zum Verdichten des Thons der Röhren. Die ersten dieser vervollkommneten Producte waren auf der lezten Industrieausstellung zu sehen.

Die ersten zwei Wasserleitungen, von denen ich berichten will, sind hergestellt: in Nixheim mit Röhren vom Hafner Jakob Ernst aus Aarau, und in der Papierfabrik in Rapenzwiller mit Röhren von M. Reichenecker in Ollwiller.

1) Röhren von Aarau von 5 Centimeter Oeffnung.

Länge der Leitung 1300 Meter.
Größter Druk in derselben 5 –
Länge jeder Röhre 0, 87
Durchmesser ihrer Oeffnung 0,m05
Aeußerer Durchmesser 0,m08
Gewicht einer Röhre 4 Kilogr.

Die Verbindungshülse ist jeder Röhre angepaßt, wie es die Abbildung auf Tab. III. zeigt.

Der Preis bis Mülhausen kann für den laufenden Meter zu stehen kommen, wie folgt:

Ankaufspreis in Aarau 0 75 Fr.
Transport nach Mülhausen mit Zoll 0,20 –
–––––
Im Ganzen 0,95 Fr.

2) Röhren von Ollwiller von 7,5 Centimeter Oeffnung.

Größter Druk in der Leitung 11 Meter
Länge jeder Röhre 1 –
Durchmesser ihrer Oeffnung 0,m075
Aeußerer Durchmesser 0,11
Gewicht der Röhre mit Einschluß der Verbindungshülse 14 Kilogr.

Die Verbindung geschieht durch eine vom Rohre getrennte Hülse.

Preis des laufenden Meters mit Einschluß der Hülse 1,60 Fr.
Transport von Ollwiller nach Mülhausen 0,11 –
–––––
Zusammen 1,71 Fr.

Um berechnen zu können, wie hoch eine Wasserleitung zu stehen kommt, muß noch angeführt werden:

Daß die Gräben im Mittel per laufenden Meter kosten 40 Cent.
Die Visitirröhren 40 –
Der erforderliche Kitt 6 –
Das Legen 20 –
––––––––––
Zusammen 1,06 Fr.

Ueber das Legen der Röhren.

Um die Röhren vor Verlezung durch Frost zu schüzen, haben wir sie in Gräben von 1 Meter Tiefe gelegt, deren Grund man bei jeder Verbindung mit einer festen Unterlage von Steinen oder Ziegeln |222| versah. Wir fanden die Verbindung von Ollwiller vorzüglicher als die von Aarau; die Stöße der Röhren sind besser bedekt, und die Ausbesserungen oder Auswechselungen derselben sind viel leichter zu bewerkstelligen. Wir hatten viel Mühe, den Kitt in dem Muff der Aarauer Röhren halten zu machen.

Zahlreiche Versuche mit verschiedenen Kitten ergaben folgende Resultate:

1) 10 Theile Pech von Bourgogne,
1 Theil Talg,
20 Theile gestoßene Ziegelsteine

heiß angewendet, geben eine sehr feste Verbindung, welcher man sich in Fällen bedienen kann, wo man nicht Zeit hat, den hydraulischen Kitt erhärten zu lassen. Aber gerade die Anwendung von Hize erzeugt wieder Nachtheile, hauptsächlich den, daß sich Luftblasen entwikeln, welche oft Blasen im Kitt verursachen, so daß Wasser entweichen kann.

2) Talg in Stüken, welchen man mit Baumwolle zusammenschlägt, bis er einen zähen Teig bildet. Diesen Kitt kann man bei Leitungen im Inneren von Gebäuden anwenden, er widersteht aber keinem sehr starken Druk.

3) 3 Theile hydraulischer Kalk von der besten Sorte,
1/2 Theil gestoßene Ziegelsteine,
1/2 Eisenfeilspäne.

Man sezt einige Kalbshaare, geronnene Milch und Wasser zu und verarbeitet alles in einem Mörser, bis der Kitt flüssig wird. Diese Arbeit ist langdauernd und schwer und erfordert viel Geschiklichkeit, um dem Kitt den richtigen Grad von Nässe zu geben, so daß er weich wird, ohne flüssig zu seyn. Er muß sogleich angewendet werden, und man kann nur für 5 bis 8 Verbindungen zum voraus davon bereiten. Dieser Kitt wird, wenn er gut bereitet ist, in zwei Tagen hart und widersteht dem Druk vollkommen gut, wird er aber nicht gut geschlagen oder nicht zur passenden Zeit angewendet, so erhärtet er schlecht und zerfällt zu Staub wie Erde.

4) 2 Theile Cement von Pouilly,
1 Theil hydraulischen Kalk,
1 gestoßene Ziegel.

Dieser Kitt wird wie Mörtel angerührt; er ist sehr leicht zu bereiten und anzuwenden. Um ihn zu verarbeiten, bedient man sich der spizen Mauerkelle, einer Spatel, und versieht die Hand mit einem ledernen Handschuh. Die Röhren müssen vor dem Legen gut naß gemacht werden, auch darf von dem Kitt nur so viel auf einmal angemacht werden, als zu zwei Verbindungen nöthig ist, damit er nicht |223| vor dem Auftragen erhärtet. Vier und zwanzig Stunden sind hinreichend, ihn so hart zu machen, daß er einem starken Druk widersteht. Diesen lezten Kitt haben wir beibehalten, und er hat bis jezt vollkommen gut gehalten; er verbindet sich mit den Röhren zu einem Ganzen, und man kann diese nicht mehr trennen, ohne sie zu zerbrechen.

Ich habe die Ehre, der Gesellschaft einige vereinigte Röhren von Ollwiller vorzulegen, welche fast ein Jahr unter der Erde lagen; das durchfließende Wasser hatte 11 Meter Drukhöhe. Diese Röhren sind die ersten aus der Fabrik von Reichenecker; obwohl sie im Inneren nicht glasirt sind, haben sie dennoch vollkommen ausgehalten und würden wahrscheinlich unbestimmt lange Zeit ausgedauert haben, wenn nicht eine Aenderung der Richtung eines kleinen Theiles der Leitung sie vor Kurzem herauszunehmen genöthigt hätte. Der gegenwärtige Zustand der Verbindungen dieser Röhren scheint mir sehr zu Gunsten derselben und des angewendeten Kittes zu sprechen.

Visitirröhren (Brunnenstuben). Wie bei allen guten Wasserleitungen haben wir in Entfernungen von 25 bis 30 Meter Visitirröhren angebracht, um die Röhren im Innern reinigen zu können. Die Wahl der Visitirröhren wurde durch eine lange Erfahrung bestimmt. Wir haben Stein dem Gußeisen vorgezogen, weil die Schrauben, die man zum Befestigen der gußeisernen Dekel anzuwenden genöthiget ist, durch den Rost zu sehr angegriffen werden, wenn sie einige Jahre unter dem Boden gelegen sind, so daß man die Apparate nicht mehr auseinander nehmen kann, ohne befürchten zu müssen, daß alles zerbricht. Ueberdieß sind gehauene Steine wohlfeiler als Guß. Wir haben für das Stük unserer Brunnenstuben oder Visitirröhren 10 Fr. bezahlt, was auf 25 Meter vertheilt, 40 Cent. für einen Meter der Leitung beträgt. Die Dekel der Visitirröhren sind von Eichen- oder Fichtenholz; sie gehen strenge in die Oeffnung der Röhre; man belegt sie mit Leinwand, die mit Talg getränkt ist; diese Verbindung ist alsdann genügend für niedere Druke, während man für einen Druk von 3 oder 4 Meter diese Dekel durch Schließen festhalten muß. Diese Visitirröhren sollen einen festen Grund von Mauerwerk erhalten; sie werden mit den anderen Röhren durch denselben hydraulischen Kitt verbunden, dessen man sich bei der ganzen Leitung bediente. Man kann in das Innere der Visitirröhren ein kleines konisches Sieb sezen, welches den Durchgang von Unreinigkeiten verhindert, die das Wasser mitführen könnte. Krümmungen von großen Halbmessern werden durch die Röhren selbst gebildet, aber für merklichere Krümmungen hat man Bogenstüke von |224| allen Biegungen. Es ist übrigens sehr passend, die Visitirröhren in die Scheitel der Winkel von der Leitung zu sezen, um das Reinigen zu erleichtern. Wenn man eine Visitirröhre mit mehreren Leitungsröhren verbindet, so kann man leicht eine Leitung in mehrere Arme theilen.

Ich schlage vor, diese Röhren aus gebranntem Thone einer neuen Prüfung zu unterwerfen. Unter den nüzlichen Anwendungen, die man von ihnen machen könnte, führe ich vor Allem ihre Benuzung als Gasleitungsröhren an, wo sie eine sehr bedeutende Ersparniß bezweken würden. Ich weiß, daß eine Probe in Roubaix gemacht worden ist, und daß man die Thonröhren wieder durch gußeiserne ersezen mußte; dieser Umstand ist jedoch keineswegs der Materie, die zu den Röhren verwendet wurde, zuzuschreiben, sondern allein der Nachlässigkeit, mit welcher das Legen und hauptsächlich die Verbindungen bewerkstelligt wurden.

Beschreibung der Abbildungen.

Fig. 72 ist ein Durchschnitt eines Theiles der Wasserleitung mit Röhren von Hrn. Reichenecker und einer Visitirröhre.

Fig. 73 eine obere Ansicht derselben.

Fig. 74 eine Seitenansicht.

Fig. 75 ein Theil einer Wasserleitung mit Röhren von dem Töpfer Jakob Ernst in Aarau.

Fig. 76 ein Kern, welcher beim Verbinden zweier Röhren eingeschoben wird, um beide in eine Achse zu bringen.

Fig. 77 eine Vorrichtung zum Herausnehmen der Kitttheile aus dem Innern der Röhren.

A, A gebrannte Thonröhren aus Ollwiller.

B, B Verbindungshülsen.

C Visitirröhre von gehauenem Steine.

E Dekel dieser Röhre.

F ein Keil, welcher zur Befestigung dieses Dekels dient.

G Schließe zum Zuhalten des Dekels. Sie besteht aus zwei Querriegeln von Eichenholz, die durch zwei eiserne Bänder vereinigt werden.

Bericht des Hrn. Josua Heilmann über die von Hrn. Reichenecker in Ollwiller verfertigten Thonröhren.

Zu allen Zeiten hat man der Verfertigung guter Wasserleitungsröhren eine große Wichtigkeit beigelegt, aber um Vieles ist diese wichtige Aufgabe noch erhöht worden, seit der großen Entwikelung, |225| welche die Industrie genommen hat, besonders seitdem sie auch zu Gas- und Dampfleitungen benuzt werden. Die Société d'Encouragement in Paris sezte schon im Jahre 1829 fünf Preise in Bezug auf diesen Gegenstand aus, welche zusammen die Summe von 13,500 Fr. betrugen.

Wir waren überrascht von der wohlgeordneten Einrichtung der Fabrik in Ollwiller; überall herrscht Ordnung, Reinlichkeit und eine wohlcombinirte Aufeinanderfolge bei den Arbeiten; aber hauptsächlich sind es die mechanischen Vorrichtungen, welche sie zu einer wahren Manufactur machen.

Ein hinlänglich großes Gebäude enthält zwei Brennöfen, welche mit Galerien zum Troknen umgeben sind; die andere größere Hälfte des Gebäudes ist den Werkstätten und Maschinen gewidmet. Zu ebener Erde sind in dieser zweiten Hälfte sorgfältig ausgeplattete Gruben angebracht, welche zum Mengen und zur Zubereitung des Thones dienen. Zwischen zweien derselben ist eine Knetmaschine gesezt, die durch Pferde bewegt wird. Diese Knetmaschine besteht aus zwei horizontalen Cylindern, welche unter einander stehen und eine Entfernung zwischen sich lassen, die durch eine Schraube regulirt werden kann. Die Bewegung des einen Cylinders theilt sich dem anderen durch Zahnräder mit, aber in der Art, daß ihre Geschwindigkeit merklich verschieden ist. Diese mechanische Wirkung ist es, welche eigentlich das Kneten bewirkt, hauptsächlich aber eine innigere Mengung der verschiedenen Qualitäten des Thones, die zum Teig verwendet werden, erzeugt. Ein Mühltrichter, der am oberen Theile angebracht ist, nimmt den bereits in einer Grube gemengten Thon auf; nach dem Austreten aus der Maschine fällt die Mischung in eine Grube an der Seite. Vor dem Vermengen der Erden muß man diejenigen, welche in einem trokenen Zustande sind, pulverisiren; man bedient sich zu diesem Zwek einer Reibvorrichtung mit verticalen Mühlsteinen, ebenfalls durch die Pferde bewegt. Diese Maschine dient auch zum Pulverisiren von Bruchstüken der Ausschußröhren.

Die Bewegungsvorrichtung ist sorgfältig construirt, fest und zierlich; sie sezt auch eine kleine horizontale Mühle zum Reiben der Glasur in Bewegung, ferner den Rührer einer Waschkufe und ein Cylindersieb. Alle diese Maschinen befinden sich zu ebener Erde.

In der ersten Etage sieht man eine hydraulische Presse, welche nicht allein zum Zusammendrüken des Thones dient, um ihm eine große Festigkeit zu geben, sondern auch um Röhren, Platten und andere Stüke von jeder Länge und in verschiedenen Größen fortwährend zu erzeugen (zu formen). Dieser Theil der Fabrik ist der interessanteste; wir bedauern nur, daß es uns untersagt ist, einige Verrichtungen |226| zu erwähnen, welche dabei die Arbeiten erleichtern. Dagegen hat uns Hr. Reichenecker ermächtigt, einige wichtige Details seiner Fabrication mitzutheilen, namentlich in Betreff der Mischung der Thone.

Die Dichtigkeit, welche die hydraulische Presse bei diesem Verfahren dem Thone mittheilt, erfordert Vorsichtsmaßregeln, welche den meisten Personen, die gewöhnlich mit dieser Materie umgehen, unbekannt seyn dürften.

Erstens ist es sehr wichtig zu wissen, in welchen Verhältnissen der ganz reine bildsame Thon mit dem mit Eisenoxyd und Sandbrökeln vermengten Thon vermischt werden soll. Die Erfahrung allein kann diese Verhältnisse bestimmen, und sie hängen eben sowohl von den verschiedenen Gegenständen ab, welche man sich zu verfertigen vornimmt, als von den Erdarten, welche man zur Verfügung hat.

Der reine Thon erfordert keine besondere Vorbereitung, aber nicht so verhält es sich mit dem anderen. Findet man lezteren im trokenen Zustande, so muß er vorher mittelst der erwähnten Maschine gepulvert, dann, um ihn von den Kiestheilchen zu befreien, gewaschen werden. Zu diesem Ende zertheilt man ihn im Wasser zu einem dünnen Brei, was in der mit einem Rührer versehenen Kufe geschieht; in diesem Zustande wird er dann durch das Cylindersieb geleitet, in welchem der Kies zurükbleibt, während die Flüssigkeit von einer Grube aufgenommen wird. In lezterer sezen sich die erdigen Theile ab und nach einiger Zeit wird das Wasser behutsam abgelassen. Der Bodensaz wird dann heraus geschafft und getroknet, was im Sommer in freier Luft und im Winter im Hause geschieht.

Hiebei bieten sich nun einige Schwierigkeiten dar: die Austroknung muß bis zu einem gewissen Grade gesteigert werden, und weit über die Gränze, welche in der gewöhnlichen Töpferei nöthig ist; denn da das Wasser beinahe unzusammendrükbar ist, so macht seine Gegenwart im Thone diesen auch unzusammendrükbar. Hierin liegt also die große Abweichung der neuen Fabricationsweise. Der große Widerstand der nach der neuen Methode gefertigten Gegenstände rührt einzig von der innigeren Annäherung der einzelnen Theilchen her. Diese Annäherung läßt sich nur mittelst einer Drukkraft bewerkstelligen; den Thon des Töpfers würde man vergeblich pressen; da er zu feucht ist, so würde er weder vor noch nach dem Brennen mehr Consistenz annehmen. Je geringer aber die Feuchtigkeit im Thone wird, desto schwieriger ist es, sie gleichförmig zu erhalten, welches auch die Gestalt oder die Größe der Masse sey. Die inneren Theile bleiben zu feucht, und die äußeren streben sich zu verhärten, was dem Fabricat schaden würde.

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Um diesem abzuhelfen, bildet man zuerst kugelige Massen, Ballen genannt, von ungefähr 2 Decimeter (7 1/2 Zoll) Durchmesser. Wenn diese Kugeln einen Theil ihrer Feuchtigkeit verloren haben, bringt man sie auf einen Mühlstein, wo sie stark geschlagen werden, wodurch sie sich fortwährend ausdehnen, und läßt ihnen dann die Form eines sehr dünnen Kuchens. Durch dieses Verfahren treibt man aus dem Thone die Luftbläschen aus, welche darin verborgen waren, und in der neuen Gestalt ist er fähiger, abermals einen Theil seiner Feuchtigkeit zu verlieren; nach einiger Zeit schneidet man die Kuchen sogar in der Mitte durch und verbindet sie wieder so, daß das Innere nach Außen kömmt, um sie alsdann von Neuem der Luft auszusezen. Dadurch allein wird der Thon zu dem Zwek geeignet, zu welchem er bestimmt ist.

Nachdem endlich die Röhren ihre Form durch die hydraulische Presse erhalten haben, ist neue Vorsicht während des Troknens nöthig; die Röhren werden vertical auf Ringe von gebranntem Thone gesezt, welche behufs der Circulation der Luft durchlöchert sind. Die großen Galerien, welche die Oefen umgeben, sind zu diesem Austroknen bestimmt, und fassen eine große Zahl von Röhren.

Die verticale Stellung ist die einzig geeignete; jede andere würde die Form der Röhre ändern, und es ist zu bemerken, daß bei der gewöhnlichen Hafnererde die Form sich in keiner Lage erhalten könnte, da sie wegen der Weichheit des Teiges unter ihrem eigenen Gewichte sich biegen würde.

Nachdem die Lufttroknung vollendet ist, werden diejenigen Röhren, welche eine Glasur erhalten sollen, vorläufig in dem Obertheile der Oefen einem ersten Brennen ausgesezt; ohne diese Vorsicht würde die Feuchtigkeit der Glasur den Teig auflösen und ihm die wichtigste Eigenschaft, seine Dichtigkeit, nehmen. Ueberdieß gelingt die Auftragung der Glasur auf die rohe Masse nicht so gut als auf das Biscuit (so nennt man die aus dem ersten Brennen hervorgegangenen Gegenstände). Das Fertigbrennen wird hierauf in dem unteren Theile des Ofens vorgenommen. Man begreift leicht, daß diese Operation ohne die früheren Vorsichtsmaßregeln schlecht gelingen würde: das kleinste, in: Innern des Teiges eingeschlossene Luft- oder Wasserbläschen würde in der Hize Risse verursachen, während bei einem schwammigen Teige diese Bläschen unschädlich entweichen könnten.

Alle Risse, welche bei diesen Röhren vorkommen, geschehen nach der Länge; dieß kömmt vielleicht daher, daß diese Fabricationsweise die Theile in der Längenrichtung inniger unter sich verbindet, weil in dieser Richtung der Druk ausgeübt wird. Es könnte auch eine |228| Folge der durch die Hize verursachten ungleichen Zusammenziehung seyn, oder endlich wie Hr. Reichenecker glaubt, die Wirkung der Auftragung der Glasur; denn wenn sie auf die rohe Waare aufgetragen worden, so ist dieser Vorfall häufiger und er kann alsdann von der Längeneinsikerung herrühren, weil die Röhren im Augenblike des Auftragens sich in verticaler Stellung befinden, was zu kleinen Canälen Veranlassung gibt, unter welchen das Eindringen stärker als anderswo stattfinden muß.

Hinsichtlich der Zusammenfügung dieser Röhren ist Hr. Rieder so sehr in die praktischen Details eingegangen, daß wir es für überflüssig halten, weiter davon zu sprechen; wir fügen nur bei, daß die Methode der losen Hülsen nicht allein die bequemste und leichteste, sondern auch eine nothwendige Folge der Fabricationsart ist. In der That, wollte man diese Hülsen vor dem Brennen mit dem Rohre verbinden, so müßte man von Neuem Rohr und Hülse benezen, um sie an einander haften zu machen, und dieses Verfahren, indem es die Masse erweicht, würde sie wieder in den Zustand des Töpferteiges zurükführen, indem sie ihm die durch die Presse erlangte Qualität benimmt.

Der Druk, welchen die so verfertigten Röhren ertragen können, ist in der That außerordentlich; während die früheren Töpferöhren selbst bei der kleinsten Weite kaum einige Atmosphären aushalten konnten, und sie über diesen Druk mit einem beträchtlichen Mauerwerk umgeben werden mußten, konnten die des Hrn. Reichenecker, wie man behauptet, bei verschiedenen Durchmessern bis zu 35 und selbst 40 Atmosphären ertragen. Heißt dieses nicht dem Thone die Stärke eines Metalles geben?

Sie gewähren auch hinsichtlich des Preises einen bedeutenden Vortheil. Nach dem Programm der Société d'Encouragement kostet ein Meter Länge, bei einem Decimeter Durchmesser, das Legen inbegriffen, von:

Thonröhren 19 Fr. 29 Cent.
Gußeisernen Röhren 17 – 3 –
Holzröhren 6 – 39 –

während die Röhren des Hrn. Reichenecker nur auf

2 Fr. 65 Cent. ohne Glasur,

3 – 65 – mit –

zu stehen kommen.

Man glaubte gegen den Gebrauch der irdenen Röhren einwenden zu müssen, daß bei ihnen bisweilen eine innere Verstopfung vorkömmt; dieß geschieht durch Wurzeln oder Aeste von Bäumen oder Kräutern, welche bei der Wasseraufnahme mit eintreten; außerdem |229| aber, daß dieser Umstand nur bei den nicht glasirten Röhren öfter vorkömmt, genügt es, gute Verbindungen herzustellen, um ihn zu vermeiden, und die Leitungen mit einer hinlänglichen Anzahl Visitirröhren zu versehen.

Schon sind zehn mehr oder weniger große Wasserleitungen mit ähnlichen Röhren in unserem Departement hergestellt worden, und alle, die mit der nöthigen Sorgfalt gelegt wurden, haben gut entsprochen. Mehrere Versuche sind auch über ihre Anwendung zur Gasleitung gemacht worden, und alles läßt erwarten, daß diese vollen Erfolg haben werde.

Das Comité schlägt der Gesellschaft vor, Hrn. Reichenecker für die Einführung eines neuen und so nüzlichen Industriezweiges in Frankreich, so wie für seine Verbesserungen darin, eine silberne Medaille zuzuerkennen.

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