Titel: Jeuch, über die Aufbewahrung des Eises in hölzernen Kästen in Gebäuden über der Erde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XIV./Miszelle 10 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078014_10

Jeuch, über die Aufbewahrung des Eises in hölzernen Kästen in Gebäuden über der Erde.

Die gewöhnliche Weise, das Eis in der Erde in gemauerten und mit Holz gefütterten Gruben aufzubewahren, ist mit manchen Kosten verbunden und leistet nur halbgenügende Dienste, auch ist dafür ein eigenes, im Schatten liegendes Grundstük und eine Grube mit Wasserabfluß nothwendig. Bei dieser Einrichtung fault alles Holz sehr bald, verursacht daher immerwährende, kostbare Reparaturen und das Eis hält sich nicht, wenn es nicht in sehr großer Masse vorhanden ist; denn die 6° R. Wärme, welche die Erde enthält, schmelzen dasselbe immerfort. Alle diese aufgezählten Nachtheile besizen die Eiskästen über der Erde nicht. Erst im September und Oktober beginnt das Eis ein wenig zu schmelzen, wo bald der Winter wieder eintritt, hält sich übrigens 2 Jahre lang frisch und braucht nur alle Jahre oben wieder nachgefüllt zu werden, entweder mit Eis, oder bei Mangel desselben bloß mit frischem Schnee.

Ein solcher Eisbehälter besteht aus einem hölzernen kubischen Kasten, 1000 Kubikfuß inneren Raum enthaltend (also von 10 Fuß), und von starken 2zölligen Bohlen oder Brettern wasserdicht zusammengefügt. Um diesen Kasten ist in einem Abstande von 4 bis 4 1/2 Zoll ein Mantel von 1zölligen Brettern gebaut und der hohle Zwischenraum fest mit Häksel (1 Zoll lang geschnittenes Stroh) ausgefüllt. An einer der Seitenwände ist so hoch oben als möglich ein doppeltes Thürchen von 2 Fuß Breite und 3 1/2 Fuß Höhe angebracht. Der Boden des inneren Kastens muß vorzüglich gut gefügt werden, damit der Häksel unter demselben nicht naß werden kann, in welchem Falle das Eis schmelzen und das Holz verderben würde. Auf diesen Boden ist ein hölzerner Rost gelegt und auf diesen das Eis fest wie Quadermauerwerk geschichtet; die Fugen werden mit Schnee ausgefüllt. Unter dem Roste auf dem Boden des Kastens ist eine kleine Ablaufröhre von der Ausflußweite eines Federkieles anzubringen und mit einem Hahne zu versehen, der zuweilen geöffnet werden muß, um das sich unter dem Roste sammelnde Wasser abzuzapfen. Noch ist zu bemerken, daß es gut ist, den inneren Kasten mit einer auch nur gemeinen Oehlfarbe anzustreichen, und eine Vorrichtung anzubringen, mittelst welcher der Raum unter dem Roste jedes Jahr gereinigt werden kann, denn die Unreinigkeiten des Eises sammeln sich hier zum Schaden desselben. – Der Raum, in welchem ein solcher Eisbehälter angebracht werden kann, soll die Schattenseite haben, troken und vor Luftwechsel verwahrt, überhaupt gegen alle äußeren Einwirkungen unempfindlich seyn. Aus diesen Gründen darf die Thüre des Kastens nicht der Thüre des ihn umgebenden Locales gerade gegenüber stehen; auch dürfen in lezterem keine Fenster angebracht werden, und endlich soll rings um den Kasten so viel Raum seyn, daß ein Mensch bequem durchgehen kann; denn die zu große Nähe der Mauern äußert sich sogleich nachtheilig am Eise im Kasten, wie die Erfahrung lehrt. (v. Ehrenberg's Zeitschrift, Bd. IV. S. 176.)

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