Titel: Leserré's apothetisches Tintenfaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XIV./Miszelle 12 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078014_12

Leserré's apothetisches Tintenfaß.

Bekanntlich verdirbt die Tinte sehr gern in den bisher bekannten Tintenfässern in Folge des Einflusses der atmosphärischen Luft, welche das gerbstoffsaure |77| Eisenoxydul beständig höher zu oxydiren strebt. Die feine Vertheilung des färbenden Stoffes leidet darunter. Die Tinte verdikt sich ferner durch Verdampfung ihres Wassers, sie zersezt sich, sezt Schimmel an, u.s.f. Um allen diesen Uebelständen zu begegnen, hat Hr. Leserré folgendes Tintenfaß erdacht.

Dasselbe besteht 1) aus einem Reservoir von Porzellan oder Glas von beliebiger Form, jedoch mit einem kurzen Halse, wie ein Becher, endigend. Die Mündung dieses Theiles ist von einem messingenen Reife umgeben, in welchem ein Ventil mit Knopf angebracht ist, um beim Bedarfs Luft einlassen zu können. 2) besteht es aus einem das Becherchen (godet) genannten, unten mit einem Boden versehenen, cylindrischen Rohre, durch welchen Boden ein sehr kleines Löchlein geht. Die obere Oeffnung desselben ist mit einem messingenen Gehäuse umgeben, auf welches ein genau schließender und sich leicht öffnender Dekel paßt. Wenn man nun Tinte in das Reservoir bringt, so muß ein Theil des Raumes leer gelassen werden, welchen das Becherchen ausfüllt. Nun folgt, daß, wenn das Becherchen wohl verschlossen in das Reservoir gestekt wird, es zugleich mittelst eines Schraubenganges, mit welchem es versehen ist, dasselbe auch verschließt; daß aber, sobald man den Dekel des Becherchens öffnet und den Knopf am Ventile des Reservoirs drükt, die Luftsäule auf die Oberfläche der Tinte drüken und sie zwingen muß, durch das unten am Becherchen angebrachte Loch einzudringen. Folglich kann die Tinte nach Wunsch und in beliebiger Menge in das Becherchen gebracht werden, wo sie die Einwirkung der Luft nur auf einer sehr kleinen Oberfläche zu erleiden hat, welcher man auch zu jeder Zeit, indem man das Becherchen nach dessen Gebrauche verschließt, Einhalt thun kann.

Auch zum Gebrauche anderer farbiger Tinten mit flüchtigen Bestandtheilen ist dieses Tintenfaß zu empfehlen; ganz vorzüglich aber zum Gebrauche unauslöschlicher Tinte, deren färbender Bestandtheil Kohle ist, die, im Wasser unauflöslich, sich immer auf den Boden sezt und beständiges Aufrühren nothwendig macht. Da durch das Becherchen die Tinte heraufgezogen wird, welche sich auf dem Boden des Reservoirs befindet, so ist man sicher, immer gleich dike und gleich gehaltreiche Tinte zu haben. (Bulletin de la Société d'Encouragement August 1840.)

Es befindet sich bereits eine neue Art Tintenfässer im Handel, die zwar von dem oben beschriebenen etwas verschieden sind, aber auf demselben Principe beruhen. Ueber einer gewissen, von Innen bezeichneten Höhe des Reservoirs nämlich befindet sich ein Loch, durch welches das Reservoir mit einem an der Außenseite angebrachten kleinen Näpfchen communicirt. Ein im Dekel des Reservoirs mittelst einer Schraube auf und ab bewegbarer (unten geschlossener) Cylinder bewirkt, wenn er sich abwärts bewegt, einen Druk auf die Tinte, mit welcher das Reservoir nur bis zum Zeichen angefüllt seyn darf, so daß die Tinte sich über ihr Niveau erhebt und durch das Loch in das äußere Näpfchen läuft, welches nach dem Gebrauche ebenfalls bedekt werden kann. Dieses Product der eleganten Industrie ist von Porzellan mit Goldverzierung, die Dekel mit dem Schraubenkopfe von Messing sehr zierlich gearbeitet und existirt unter verschieden modificirten äußeren Ausstattungen.

– x.

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