Titel: Ueber Faivre's vereinfachte Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XIV./Miszelle 2 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078014_2
|73|

Ueber Faivre's vereinfachte Dampfmaschine.

Wir haben dieser Dampfmaschine bereits im polyt. Journal Bd. LXVIII. S. 323 erwähnt und bemerkt, daß sie in der Werkstätte von Derosne in Paris (rue des Batailles, 7) verfertigt wird. Hr. Dr. Hermann sagt in seinem Berichte über die lezte Industrieausstellung in Paris (Nürnberg 1840) darüber Folgendes: „Unter allen vorgelegten äußeren Modificationen der Dampfmaschine schien uns keine so eigenthümlich und neu zu seyn, wie die von Faivre, welche vor vier Jahren erfunden, seitdem in der Anwendung sich erprobt hat. Hier ist unstreitig die Dampfmaschine auf die einfachste Form gebracht; denn außer dem Dampfkessel sieht man gar nichts als den Cylinder, der mit seinem etwas über halbkugeligen Ende oder Fuß senkrecht in einer concentrischen Pfanne steht, die in geringer Höhe über dem Boden angemessen befestigt ist. In dieser Pfanne oscillirt der Cylinder, so daß sein Kolbenstiel unmittelbar die Kurbel des Schwungrades treibt, womit zugleich das Maaß der Schwankungen gegeben ist. Statt der Steuerung befinden sich in dem kugeligen Fuße des Cylinders, so wie in der Pfanne angemessen gestellte Oeffnungen, die, indem der Cylinder oscillirt, abwechselnd über einander stehen und geschlossen werden, so daß der Dampf durch die eine Pfannenöffnung ein-, durch die andere ausgeht. Ohne den Dampfkessel nimmt eine solche Maschine von 6 Pferdekraft, bei 6 Fuß Höhe nur etwa 3 Quadratfuß Raum ein, so daß in Derosne's Werkstätte an vier verschiedenen Drehbänken und anderen Vorrichtungen vier solche Maschinen standen, die alle aus einem Kessel gespeist wurden. Es leuchtet ein, daß bei dieser Construction weit weniger Reparaturen als bei künstlicher Steuerung vorkommen müssen, und sie weit größere Festigkeit gewährt als Cylinder, die in Achsen hängen. Der Fuß des Cylinders und die Pfanne reiben sich zwar nach längerem Gebrauche aus, bleiben aber stets concentrisch und können am Ende leicht ersezt werden. Seit vier Jahren sollen die erwähnten Maschinen bei Derosne, ohne Abnüzung des Fußes und der Pfanne, arbeiten. Sie eignet sich besonders da, wo man nur wenig Pferdekräfte nöthig hat und wenig Raum zur Aufstellung besizt; wegen der Leichtigkeit ihrer Aufstellung auch in solchen Fällen, wo man bloß momentan eine Dampfmaschine bedarf, z.B. bei Bauten, zum Steinsagen etc. Sie soll unter allen, bei kleiner Kraft, am wenigsten Feuerung bedürfen und hiedurch die Anwendung kleiner Maschinen gleich vortheilhaft, wie die der stärkeren machen; im Ankaufe kommt sie zugleich wohlfeiler als jede andere:

für Pferdekräfte 1 2 3 4 8 12
kostet sie mit Kessel 2400 3300 4100 4900 7600 9700 Fr.

Bereits sind 24 solche Maschinen, von zusammen 160 Pferdekräften, für verschiedene Fabriken gefertigt worden. Zu mehr als 12 Pferdekräften ist die Construction weniger geeignet. Der Preis einer solchen Maschine ist so mäßig, daß es wohl des Aufwandes werth wäre, sie durch Ankauf zu uns zu verpflanzen.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: