Titel: Nasmyth's Verfahren Scheiben von belegtem Spiegelglas durch den Luftdruk in concave oder convexe Spiegel zu biegen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XIV./Miszelle 7 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078014_7

Nasmyth's Verfahren Scheiben von belegtem Spiegelglas durch den Luftdruk in concave oder convexe Spiegel zu biegen.

Die Schwierigkeit, große Spiegel für Teleskope zu erhalten, verbundem mit dem Umstande, daß das gewöhnliche Spiegelmetall sehr schwer, spröde und leicht oxydirbar ist, veranlaßte Hrn. Nasmyth, mit Folie belegtes Spiegelglas zu |75| Teleskopen zu benuzen, welches bekanntlich auch mehr Licht als alle Metallspiegel reflectirt. Um einer Scheibe von Spiegelglas eine concave oder convexe Form zu geben, muß ein gewisser Druk gleichförmig auf ihre Oberfläche wirken, wozu Nasmyth (wie bereits im polyt. Journal Bd. LXXIV. S. 442 erwähnt wurde) das Gewicht der Atmosphäre benuzt. Eine Scheibe von mit Folie belegtem Spiegelglas, welche 39 engl. Zoll im Durchmesser hat und 3/16 Zoll dik ist, wird in eine wenig tiefe gußeiserne Schale eingepaßt und eingekittet, so daß der Raum oder die Kammer hinter dem Glase vollkommen luftdicht ist; durch eine mit dieser Kammer communicirende Röhre kann man dann beliebig Luft ausziehen oder einblasen.

Um einen concaven Spiegel zu erzeugen, ist so wenig Kraft erforderlich, daß wenn man mit dem Munde die Luft aus der Kammer durch die Röhre auszieht, das Gewicht der Atmosphäre, welches in diesem Falle 3558 Pfd. beträgt, die mit gleichem Druk auf eine Fläche von 1186 Quadratzoll wirken, das Glas nöthigt, eine Concavität von beinahe drei Viertel eines Zolles anzunehmen, was bei einem Durchmesser von 39 Zoll weit mehr ist, als man für teleskopische Zweke jemals braucht. Wenn man wieder Luft zuläßt, erhält das Glas sogleich seine frühere ebene Oberfläche, und treibt man durch die Kraft der Lungen Luft ein, so wird es beinahe in demselben Grade convex, als es vorher concav war. Man könnte die concave Form dadurch constant machen, daß man in die luftdichte Kammer eine eiserne Scheibe bringt, welche in der gewünschten Form abgedreht ist, und durch den Luftdruk das Glas in der ihm bei seiner festen Berührung mit der eisernen Scheibe gegebenen Form erhält. (London Journal of arts. Sept. 1840, S. 40.)

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