Titel: Franchot's neue Luftmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XXXII./Miszelle 3 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078032_3

Franchot's neue Luftmaschine.

Die der Beurtheilung der Akademie unterstellte Luftmaschine hat folgende Zweke:

1) In einer konstanten Masse Luft oder irgend eines Gases in geschlossenem Gefäße raschen Temperaturwechsel hervorzubringen,

2) die abwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehung dieser Luftmasse als bewegende Kraft anzuwenden.

Wir erhalten in der Oekonomie eben so schnelle als vollständige Temperaturveränderungen in der gasartigen Flüssigkeit, indem wir sie durch einen Canal, dem eine mit der Menge des bewegten Gases in Verhältniß stehende Oberfläche gegeben wird, aufeinanderfolgend von einem warmen Zimmer in ein kaltes, und umgekehrt, treten lassen. Es geht hieraus hervor, daß die warme Luft, nach ihrer Ausbreitung im warmen Zimmer, ihren Wärmestoff in den Canal, der sie in das kalte Zimmer leitet, nach und nach absezt, gleichsam ausladet, und nachdem sie. sich in diesem zweiten Raume vermöge der Erkaltung und des Spieles der Maschine wieder zusammengezogen, den in dem zwischen beiden Räumen befindlichen Canal abgesezten Wärmestoff auf ihrem Rükwege in das warme Zimmer wieder aufnimmt.

Unser Verdrängungs- (deplacement) Verfahren, welches leicht begreifliche Wortheile darbietet, kann bei den Dampfmaschinen nicht angewandt werden, deßhalb läßt man den Dampf in die Luft oder in das Verdichtungswasser rein verloren gehen, während er noch nuzbare Mengen Wärme in sich schließt. – Der Verbrauch an Brennmaterial, welcher bei Anwendung der Luft als bewegende Kraft unter den so eben im Allgemeinen angegebenen Verhältnissen stattfindet, kann a posteriori berechnet werden; wir haben ihn aber jezt schon in der Annahme, daß durch unser Verfahren eine Absezung (emmagasinement) und eine vollständige Rükkehr alles nicht verbrauchten Wärmestoffs stattfindet, und nach Abzug des Verlustes durch Ausstrahlung u.s.w. a priori zu berechnen gesucht.

Es ist offenbar, daß nach dieser Hypothese der Verbrauch sich auf die durch die Ausdehnung des angewandten Gases bestimmte Verschlukung von Wärme reducirt, mit anderen Worten: daß die erste Bedingung des Maximums der Nuzbarmachung des Brennstoffs erfüllt wäre. Wir sagen die erste Bedingung des Maximums, weil man auch den Unterschied der Temperatur des Gases während seiner Ausdehnung und während seiner Zusammenziehung in Rechnung bringen muß, und |159| weil bei einem gleichen Verbrauch an Wärme der hervorgebrachte dynamische Erfolg um so viel beträchtlicher ist, als dieser Unterschied ausmacht, d.h. als man den Wärmestoff in einer jener des Herdes, von welchem er ausströmt, näheren Temperatur genommen hat, um ihn durch Vermittelung des bewegenden Gases zur Abkühlung zu bringen. Dieses scheint S. Carnot in einem kleinen: Reflexions sur la puissance motrice du feu betitelten Werkchen dargethan zu haben, in welchem er überdieß beweist, daß die bewegende Kraft der Wärme von den, um sie ins Werk zu sezen, angewandten Agentien, Gasen oder Dämpfen unabhängig sey.

Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet verwendet der Wasserdampf in den gewöhnlichen Maschinen von hohem oder niederem Druk nur Temperaturdifferenzen von 60 bis 70 Graden; und da die Absperrung oder Expansion des Dampfs in diesen Maschinen immer sehr unvollständig ist (was mit anderen Worten sagt, daß sie eine viel größere Menge Wärme verzehren, als die durch die Ausdehnung verschlukte), so ist es begreiflich, daß die Dampfmaschinen nur einen kleinsten Theil der absoluten motorischen Kraft des Brennmaterials in Wirksamkeit zu sezen gestatten.

Da wir nun mit unseren Apparaten Temperaturdifferenzen von 300 Graden nuzbar machen können und überdieß der ersten Bedingung des von uns aufgestellten Maximums nahehin genügen können, so hoffen wir, Watt's Dampfmaschine durch unsere vervollkommnete Luftmaschine ersezend, eine Ersparung an Brennmaterial zu gewahren, welche neun Zehntheile erreichen dürfte, aber unseren bisher noch sehr unvollständigen Versuchen zufolge schon auf drei Viertheile angegeben werden darf.

Um einigen Einwürfen zu begegnen, müssen wir bemerken, daß wir bei Errichtung unserer Apparate die Berührung der warmen Luft mit irgend einer schwebenden, sich hin und her bewegenden oder angepaßten Oberfläche u. dergl. vermeiden; denn diese Berührung war die Klippe, an welcher die vor uns auszuführen versuchten Luftmaschinen scheiterten.

Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß, wenn die Luft weit weniger Volum als das in Dampf verwandelte Wasser einnimmt, um auf gleich hohe Temperatur zu steigen, wir durch ihre vorgängige Compression und durch die Geschwindigkeit, mit welcher sie in unserer Maschine die Temperatur wechselt (was eine aus unseren Versuchen hervorgegangene Thatsache ist), mit geringeren Raum einnehmenden Apparaten einen jenem des Wasserdampfes gleichkommenden Krafteffect hervorbringen; denn am Ende ist die Kraft einer Maschine zu bestimmen durch den Druk p, unter welchem sich das Volum v während der Zeit t erzeugt, d.h. durch pv/t (Comptes rendus 1840, 2me Sem., No. 6.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: