Titel: Ueber Clegg's Luft-Eisenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XLIX./Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078049_1

Ueber Clegg's Luft-Eisenbahn.

Der Ingenieur-Premierlieutenant C. Beyse, von welchem Bemerkungen über die sogenannte Luft-Eisenbahnen im vorhergehenden Hefte des polytechnischen Journals S. 156 mitgetheilt wurden, veröffentlicht im Kölner Organ für Handel und Gewerbe Nr. 118 folgende Thatsachen, welche ihm von einem in England wohnenden Freunde, der den Versuchen auf jener Eisenbahn selbst beiwohnte, zukamen:

Das 1/2 englische Meile lange Stük Probebahn (auf der Thames und Bristol-Junction-Eisenbahn) besteht aus zwei gegen den Horizont geneigten Ebenen, deren untere 1/120 und die obere 1/115 ansteigt. – Die Röhre enthält 9'' im innern Durchmesser, ist nicht ausgebohrt, sondern 1/10 Zoll dik mit gepreßtem Talg überzogen, |234| welcher den Kolben luftdicht hält. Der obere Schliz ist 1 1/2 engl. Zoll weit. Der Lederstreifen, welcher als Ventil dient, liegt auf einem der Röhre am Schliz angegossenen Rande, und wird durch auf diesen Rand geschraubte Eisenstäbe festgehalten, so daß er als ein Charnier wirkt. Auf der andern Seite des Schlizes liegt er in einem Falze, der, mit Bienenwachs und Talg ausgeschmiert, denselben luftdicht macht. Dieser Lederstreifen oder das Ventil ist oben und unten mit einer eisernen Platte versehen, wovon die obere etwas über den Schlizrändern vorsteht. Die untere Platte dagegen ist genau nach dem Kaliber der Röhre bearbeitet und mit gepreßtem Talg überzogen. Diese Platten sind unabhängig von einander. Ueber dem Ventil befinden sich Eisenplatten von 5'' Länge, welche sich wie Fischschuppen, der Länge der Röhre nach, überdeken, um Schnee und Regen abzuhalten.

In diese so zugerichtete Röhre paßt ein Kolben, und einige engl. Fuß hinter demselben sizen zwei stählerne Räder, welche das Ventil öffnen. 6 Fuß hinter dem Kolben ist die senkrechte Zugstange im rechten Winkel mit der Kolbenstange verbunden.

Hinter der senkrechten Stange befindet sich ein drittes stählernes Rad, welches die Ventile und Schuzplatten niederdrükt, und hinter diesem eine kupferne etwa 10' lange Röhre mit einem Zugofen, dessen Hize die Schmiere schmilzt und dadurch das Ventil genau luftdicht verschließt.

Eine stehende Dampfmaschine von 16 Pferdekraft mit 37 1/2zölliger Luftpumpe und 22 1/2 Zoll Kolbenhub, macht in der Minute 40 bis 43 Hube. Die Luftsaugeröhre hat 9'' Durchmesser, wie die Triebröhre, worin sich der Kolben bewegt, an welchem die Wagenzüge befestigt sind. Die Luftverdünnung wird in der 1/2 Meile langen Röhre in 1 1/2 Minuten bis auf 18 bis 20'' Queksilber bewirkt, so daß auf jeden Quadratzoll nur 9 Pfd. nuzbarer Atmosphärendruk gerechnet werden kann. Die 9zöllige Röhre hat 63,62 Quadratzoll Fläche, gibt 9 × 63,62 Pfd. = 572,58 Pfd. Kraft, wovon durch die Reibung etc. in jedem Fall noch viel verloren geht.

Der Apparat (als Kolben, Räder, Stangen, Röhre, Ofen) wiegt 1 Ton.
Zwei Wagen wiegen 4 –
35 Personen wiegen 3 –
–––––
Summa 8 Ton.

Die Bahn wurde in 20 Sectionen, jede zu 2 Ketten oder 44 Yards Länge abgetheilt. Am Fuße der Rampe von 1/120 wurde nun der Kolben in die Röhre gebracht, nachdem das Vacuum bis auf 18'' Queksilber hergestellt war. Die Maschine blieb im Arbeiten und der Zug sezte sich in Bewegung mit zwei Wagen oder 8 Ton. Last (7 Ton. ohne Apparat).

Es wurden durchlaufen:

Die erste Section in 7 Secunden oder mit 13 engl. Meil. Geschwind. per Std.
zweite 6 – 15
dritte 5 – 18
vierte 4 – 22 1/2
alle übrigen aber 4 –

Die Kraft war also bei dieser Geschwindigkeit von circa 38 engl. Fuß in der Secunde zu Anfang der Bewegung, nur circa 150 Pfd. zur Ueberwältigung der Steigung von 1/120 und es blieben für den Zug zur Ueberwältigung der Reibung in den Büchsen und auf den Schienen am Kolben etc. 422,58 Pfd. übrig.

Wurde nur 4 Wagen mit 18 Passagieren angehangen, so durchlief derselbe bei 4 1/2 Ton. Bruttolast, incl. Apparat

Die erste Section in 6 Secunden oder mit 15 engl. Meil. Geschwind. per Std.
zweite 5 – 18
dritte 4 – 22 1/2
vierte 3 – 30

Die Röhren sollen auf den Stationen, wo die Maschinen stehen, 100 bis 300 Yards von einander entfernt zu liegen kommen und die Züge sich durch ihr eigenes Beharrungsvermögen bis an die nächste Röhre bewegen, das Verschlußventil öffnen und nun wieder durch den luftleeren Raum fortgeschafft werden, wie in der ersten Röhre etc.

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