Titel: Soyer's galvanisches Verfahren zum Copiren von Bildhauergegenständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XLIX./Miszelle 5 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078049_5
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Soyer's galvanisches Verfahren zum Copiren von Bildhauergegenständen.

Hr. Soyer hat die über Jacobi's Verfahren erschienenen Nachrichten mit so vielem Erfolge benuzt, daß er im Echo du monde savant (1840, Nr. 569) eine ausführliche Anleitung zu geben im Stande ist. Er ist weit entfernt, sich de Erfindung anmaßen zu wollen, und hat den Apparat nur modificirt, welchen er, wie folgt, beschreibt.

In einem bleiernen Gefäße befindet sich ein Behälter von roher Thierhaut, welcher wieder einen Cylinder von Zink umschließt, der von Innen und Außen mit verdünnter Schwefelsäure umgeben ist. Dieß Alles ist zu einer galvanischen Batterie angeordnet.

In einem in der Nähe dieser Batterie stehenden, hinlänglich weiten Gefäße befindet sich schwefelsaures Kupfer, in Wasser aufgelöst, und das entweder vertieft oder en relief gearbeitete, nachzubildende Modell.

Die Leitung wird mittelst einer Bleiplatte hergestellt, welche das mit einem metallischen Präparat überzogene Modell mit dem Bleigefäße in Verbindung sezt und mittelst Kupferblechen, welche das Modell umgeben und bedeken, und mit dem Zinkcylinder (durch Kupferdrähte) communiciren. – Sobald diese Verbindung hergestellt ist, beginnt der Proceß; er muß langsam und mit Genauigkeit geleitet werden, indem man darauf Acht gibt, die Flüssigkeiten immer in derselben Stärke zu erhalten, was durch den Galvanometer ermittelt wird. Geschieht der Proceß zu stürmisch, so werden die Oberflächen rauh und gestreift; die metallischen Theilchen sezen sich ungleichförmig nieder, verlezen die Reinheit der Formen und bekommen das Ansehen von Sandkörnern. – Nach der Beendigung des Processes ist die Kupferkruste, welche das Modell überall bedekt oder dessen Räume ausfüllt, zerbrechlich; um sie hämmerbar zu machen, braucht sie aber nur einem gewissen Hizgrad ausgesezt zu werden. Dieser vernichtet zugleich das Modell, sey dieß nun eine rund erhabene Arbeit, ein Blüthen- oder ein Blattzweig, und es bleibt nichts zurük als die kupferne Hülle, deren Feinheit nach Willkür erzielt werden kann. – Ist das Modell nicht von Metall, so muß es einer Präparation unterliegen, die es geeignet macht, die Kupfertheilchen anzuziehen. Ist es von Gyps, so überzieht man es mittelst eines Pinsels mit Kupferstaub; ist es ein Pflanzentheil, so taucht man diesen in ein harziges Oehl und bedekt ihn ebenfalls mit unfühlbar seiner Kupferfeile. Ohne diese Maßregel würde die Operation nicht gelingen und alle nicht überzogenen Stellen würden auch nicht mit Metall bedekt werden.

Jeder einzelne Punkt dieses Verfahrens ist unerläßlich, und das Umgehen eines solchen würde Streifen, grobkörnigen Ansaz und Abweichungen von der Form veranlassen. Die am 17 Aug. der französischen Akademie übergebene Büste des jungen Herkules ist im Gesichte ganz von diesen Fehlern frei; ein grobkörniger Ansaz ist nur am Haare zu bemerken, was von der Eile herrührt, mit welcher man die Operation noch vor der Sizung des Instituts vollenden mußte.

Die Zukunft der Galvanoplastik scheint sich für die Industrie sehr bedeutend zu gestalten; schon gegenwärtig bietet das bekannte Verfahren so hinlängliche Sicherheit und so namhafte Ersparungen dar, daß Hr. Soyer keinen Anstand nahm, dem Municipalrath von Paris die Ausführung des kolossalen Elephanten der Bastille um 200 000 Fr. anzubieten, welche bei dem gewöhnlichen Gußverfahren nicht unter 600 000 Fr. zu stehen käme. Mit desto größerem Rechte kann man die Statuen, welche heutzutage alle öffentlichen Monumente zieren, auf diese Weise darstellen; sie brauchten nur 1 statt 2 bis 3 Millimeter dik zu seyn. – Auch Industriezweige geringerer Art, wie die Blumenmacherei, die Verfertigung kupferner Instrumente, die Goldarbeiterei und Bijouterie (denn das Verfahren ist nicht nur allein für Kupfer, sondern auch für Gold, Silber und Platin anwendbar) haben ungemeinen Nuzen von der Galvanoplastik zu erwarten, mit welcher man gleichsam auf den ersten Guß und nach der Natur Matrizen für Blumen, dann Guirlanden, allerlei Zierrathen Aehren, Blätter, Früchte, Blumen für Bijouterie, Puz, Meubles so fein wie in der Natur, ferner Trombons, Hörner, Trompeten, Ophicleide, alles aus Einem Stüke darstellen kann. (Nachdem wir im vorhergehenden Hefte des polyt. Journals eine ausführliche Beschreibung von Jacobi's galvanoplastischem Verfahren mitgetheilt haben, glauben wir, obige Notiz als in historischer Hinsicht interessant nachfolgen lassen zu müssen.

D. Red.)

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