Titel: Neues Verfahren Lichtbilder zu erzeugen; von Dr. Schafhäutl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XLIX./Miszelle 6 (S. 237–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078049_6
|238|

Neues Verfahren Lichtbilder zu erzeugen; von Dr. Schafhäutl.

Ueber die neuen photographischen Verfahrungsarten des Hrn. Dr. Schafhäutl, welche derselbe der British association for the advancement of science mittheilte, enthält das Athenaeum No. 675 Folgendes: Um ein sehr empfindliches Papier ziemlich schnell zu bereiten, empfiehlt er Penny's verbessertes Patent-Metallpapier zu benuzen und mit einer concentrirten Auflösung von salpetersaurem Silber (140 Gran bis 2 1/2 Drachmen geschmolzenes salpetersaures Silber in 6 Drachmen destillirten Wassers aufgelöst) zu überziehen, indem man das Papier lediglich über die Oberfläche der in einer weiten Schale enthaltenen Auflösung wegzieht. Um dieses salpetersaure Silber in Chlorsilber zu verwandeln, sezt er es den Dämpfen kochender Salzsäure aus, wodurch auf der Oberfläche des Papiers eine Schichte Chlorsilber von einem eigenthümlichen seidenartigen Glanz erzeugt wird, ohne daß diese in die Masse eindringt; und um dieser Schichte den höchsten Grad von Empfindlichkeit zu verleihen, wird sie getroknet und dann nochmals über die Oberfläche der salpetersauren Silberauflösung gezogen. Nach dem Troknen ist das Papier nun zum Gebrauch fertig und kann durch eine Wiederholung dieser Behandlung nicht mehr empfindlicher gemacht werden. Um endlich das Lichtbild auf dem Papier zu fixiren, verfährt er folgendermaßen: er taucht das Bild 5–10 Minuten lang in Alkohol, und nachdem er alle überflüssige Feuchtigkeit mittelst Fließpapier beseitigt und es vor einem Feuer etwas ausgetroknet hat, wird das so zubereitete Papier noch durch verdünnte Salzsäure gezogen, welche mit einigen Tropfen saurem salpetersaurem Queksilberoxyd vermischt ist. Beim Zusezen dieses lezteren ist große Vorsicht nöthig und man muß vor dessen Anwendung seine Wirkung auf Papierschnizeln, welche sich am Licht in verschiedenen Tönen färbten, erproben; denn wenn es in zu großer Menge zugesezt wird, verschwinden die schwächsten Schatten gänzlich. Nachdem das Papier durch die oben erwähnte Auflösung gezogen worden ist, wascht man es gut in Wasser aus und troknet es dann bei höchstens 56° N. oder so lange, bis sich seine weißen Stellen schwach gelblich färben. Das Erscheinen dieser Farbe beweist, daß das Bild permanent fixirt ist.

Um das Bild umzukehren, befolgt Sch. im Wesentlichen dasselbe Verfahren wie Talbot.

Es lassen sich aber Lichtbilder auf directe Weise darstellen, so daß sie nicht erst umgekehrt zu werden brauchen, wobei Sch. folgendermaßen verfährt: er benuzt dazu sein obenerwähntes Papier, läßt es in starkem Sonnenlicht sich dunkeln und weicht es wenigstens eine halbe Stunde lang in eine Flüssigkeit ein, welche er durch Vermischung von 1 Theil einer Auflösung von saurem salpetersaurem Queksilberoxyd mit 9–10 Theilen Alkohol erhält; dabei fällt basisches untersalpetersaures Queksilberoxydul nieder und die klare Flüssigkeit wird zum Gebrauch aufbewahrt. Das eingeweichte Papier wird aus der alkoholischen Auflösung genommen und schnell über die Oberfläche von verdünnter Salzsäure (1 Th. starke Säure auf 7–10 Th. Wasser) gezogen, sodann rasch in Wasser gewaschen und sorgfältig bei einer Wärme, welche den Siedepunkt des Wassers nicht übersteigt, getroknet. In diesem Zustande wird das Papier durch die Sonnenstrahlen gebleicht, und um das erhaltene Bild zu fixiren, braucht man das Papier nur einige Minuten in Alkohol einzuweichen, welcher den freien Queksilbersublimat auflöst. Das Einweichen darf nicht zu lange fortgesezt werden, weil das Papier sonst wieder anfängt sich zu dunkeln.

Ein zweites Verfahren, um positive Lichtbilder, wie sie Sch. nennt, zu erhalten besteht darin, Metallplatten mit einer Schichte (durch Auflösen in Alkohol und Fällung daraus) gereinigten Colophoniums so gleichförmig als möglich zu überziehen, zu welchem Ende das Blech erhizt werden muß. Die Platte wild dann in einem verschlossenen gußeisernen Behälter verkohlt und nach dem Erkalten durch zwei polierte Stahlwalzen gelassen. Hierauf taucht man die Platte in die oben erwähnte Auflösung von salpetersaurem Silber und bringt sie augenbliklich in die Camera obscura. Das Silber wird durch die Wirkung der Sonnenstrahlen vollkommen in metallischen Zustand übergeführt und die Lichter werden durch die verschiedene Dichtigkeit des milchweißen Silbers, die Schatten durch die schwarze verkohlte Platte ausgedrükt. In wenigen Secunden ist das Bild vollendet; und die Platte ist so empfindlich, daß die Reduction des Silbers sogar durch Kerzenlicht beginnt. Um das Bild zu fixiren, braucht man die Platte |239| nur in Alkohol zu tauchen, welcher mit etwas unterschwefligsaurem Natron oder Aezammoniak vermischt ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: