Titel: Dr. Mohr's Verfahren Morphium zu bereiten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XLIX./Miszelle 7 (S. 239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078049_7

Dr. Mohr's Verfahren Morphium zu bereiten.

Hr. Dr. Mohr, Professor in Coblenz, hat der British association for the advancement of science ein Verfahren, das Morphium von Narcotin und allen anderen fremdartigen Substanzen zu trennen, mitgetheilt, welches im Wesentlichen darin besteht, es in überschüssigem Aezkalk aufzulösen und mit Salmiak niederzuschlagen. Man verfährt folgendermaßen: das Opium wird in Wasser gekocht, worin es sich leicht auflöst; der Absud wird durch Leinwand filtrirt und der Rükstand ausgepreßt; das Auskochen und Auspressen wird bei derselben Quantität Opium zweimal vorgenommen und die sämmtlichen Flüssigkeiten werden dann auf das vierfache Gewicht des angewandten Opiums eingedampft. Die concentrirte Auflösung wird noch warm mit Kalkmilch vermischt, zu deren Bereitung man so viel Aezkalk nimmt, als dem vierten Theil vom Gewicht des Opiums gleichkommt. Das Gemisch wird zum Kochen erhizt und noch heiß durch Leinwand filtrirt; die filtrirte Flüssigkeit ist hell braungelb. Sie wird noch heiß mit gepulvertem Salmiak in Ueberschuß versezt, wobei sich der Kalk mit der Salzsäure verbindet, das Ammoniak frei und das Morphium niedergeschlagen wird. Ist die Auflösung sehr concentrirt, so erfolgt der Niederschlag augenbliklich und beträgt fast die Hälfte vom Volum der Auflösung; ist die Auflösung aber weniger concentrirt, so entsteht anfangs kein Niederschlag, sondern es erscheinen beim Abkühlen derselben nadelförmige Krystalle und in einem gewissen Zeitpunkt bildet sich plözlich eine reichliche Masse Niederschlag. Das Eigenthümliche dieses Verfahrens besteht darin, daß es ein gut krystallisirtes und reines Morphium liefert, ohne daß man Alkohol anzuwenden braucht; dieß beruht darauf, daß das Ammoniak nicht in freiem Zustande beigemischt, sondern in unmittelbarer Berührung mit der Substanz, worauf es wirken soll, erzeugt wird. Das gewonnene Morphium ist fast farblos; löst man es in Salzsäure auf und dampft die Flüssigkeit zur Krystallisation ab, so erhält man salzsaures Morphium in vollkommen weißen und ganz reinen Krystallen. Die Kalkmilch darf der Auflösung des Opiums nicht beigemischt werden, während diese kochend heiß ist, weil sich sonst der Niederschlag an die Seiten des Gefäßes anhängt und dann nicht mehr vollständig wieder auflöst. Die das Morphium enthaltende Flüssigkeit soll beim Zusezen der Kalkmilch kalt oder nur lauwarm seyn; ist sie kochendheiß, so muß man sie in die Kalkmilch gießen, und nicht umgekehrt. (The Athenaeum, No. 675.)

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