Titel: Ueber das Mattäzen von Glastafeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXII./Miszelle 8 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078062_8

Ueber das Mattäzen von Glastafeln.

Schon seit längerer Zeit bedient man sich für Corridors, Galerien, Kirchen etc, überhaupt für Räume, in denen es nicht um eine Aussicht, sondern um ein mildes, nicht blendendes Licht zu thun ist, der matt geschliffenen Glastafeln. Diele sind jedoch der mühsamen Bearbeitung wegen ziemlich kostspielig, wodurch ein deutscher Architekt, bei Gelegenheit der Restauration einer Kirche aus dein Mittelalter, auf den Gedanken geführt wurde, sämmtliche Glastafeln der zum Theil gefärbten Fenster mit Flußspathsäure matt äzen zu lassen, eine Operation, die mit dem glüklichsten Erfolge gekrönt wurde. In England befolgt man jezt dasselbe Verfahren, und hat es auf eine recht anmuthige Art modificirt. Man zeichnet nämlich mit einer in Terpenthinöhl bewirkten Auflösung von Asphalt und Wachs (oder Bernsteinfirniß mit etwas Kienruß) verschiedene Ornamente auf die eine Seite der Glastafel, welche matt geäzt werden soll, während man diejenige |318| Seite derselben, welche blank bleiben und in Zukunft die Außenseite bilden soll, gänzlich mit jener Auflösung dekt. Nachdem was sehr schnell geschieht, der Ueberpuz und die Zeichnung getroknet sind, taucht man die Tafel etwa eine Minute lang in Flußspathsäure, worauf man sie aushebt und mit Lauge oder Terpenthinöhl reinigt. Dann erscheint dieselbe, von Außen angesehen, mit einem silberartigen Glanze, und die Ornamente, welche durchsichtig bleiben, da die Flußspathsäure sie nicht angreifen konnte, erscheinen dem Beschauer schwarz.

Die dabei nöthige Flußspathsäure kann man sich auch auf der Tafel selbst gleich aus Flußspath erzeugen. Man wählt hiezu ganz reine Krystalle, pulvert sie höchst fein und vermischt hievon in einem bleiernen Gefäß 1 Theil mit einer wieder erkalteten Mischung von 1 Th. Schwefelsäure und 1/2 Th. Wasser, übergießt damit die Glastafeln und läßt sie in mittlerer Temperatur 12 Stunden stehen. Hiebei entstehen nur wenige flußsaure Dämpfe (welche sehr nachtheilig sind), da die sich entwikelnde Flußsäure von der Kieselerde des Glases angezogen wird. (Mittheilungen des Gewerbeverins in Lahr.)

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