Titel: Ueber die verschiedenen Methoden des Talgausschmelzens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXII./Miszelle 9 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078062_9

Ueber die verschiedenen Methoden des Talgausschmelzens.

Im polytechn. Centralblatt Nr. 57 werden aus den Annales d'Hygène, Jul. 1840, folgende Bemerkungen von Gautier de Claubry über diesen Gegenstand mitgetheilt:

Die Unbequemlichkeiten und medicinalpolizeilichen Unzuträglichkeiten der älteren Talgschmelzmethode über freiem Feuer ohne Zusaz sind bekannt. Das Unangenehmste ist der üble Geruch, eine nothwendige Folge der Zersezung des Fettes sowohl als der Zellensubstanz durch die wiederholte und dennoch nie alles Fett liefernde Schmelzung bei einer sehr hohen, nicht gehörig regulirten und durch die Masse vertheilten Temperatur. – Man hat geglaubt, daß einige Talgschmelzereien diesen Geruch dadurch vermeiden, daß sie im Wasserbade schmelzen; dieß ist aber bloß ein Vorgeben, denn die zum Ausschmelzen des Talgs nothwendig erforderliche Temperatur kann gar nicht im bloßen Wasserbade erreicht werden. – d'Arcet hat zuerst vorgeschlagen, die zum Ausschmelzen des Talgs nöthige Temperatur dadurch herabzusezen, daß man die Zellen auf chemischem Wege zerstört. Es ist dann nur die Schmelztemperatur des Fettes an sich erforderlich. Das hiezu anwendbarste Mittel ist verdünnte Schwefelsäure. Die Anwendung derselben ist auch einem gewissen Lefèvre in Rouen patentirt worden.51) – Ob nun gleich diese Methode mit geringerem Aufwande an Brennmaterial und Arbeitslohn verbunden ist, auch die Pressen ganz überflüssig macht, so hat sie doch nicht sehr Eingang gefunden; einmal, weil die Fabriken dieser Art ohnehin ihre Arbeiter nicht continuirlich beschäftigen, dann, weil die Arbeiter selbst sich der Gewohnheit wegen aus dem üblen Geruche nichts machen, endlich und namentlich, weil man nicht so große Quantitäten Talg auf einmal behandeln kann. Dazu kommt, daß die Praktiker behaupten, der mit Schwefelsäure ausgeschmolzene Talg sey schlechter und gleich durch den Geruch, welchen er beim Reiben zwischen den Fingern gibt, von dem andern zu unterscheiden. Lezteres ist nicht zu bezweifeln, wenn man den Unterschied der bei beiden Bereitungsarten angewendeten Temperatur bedenkt, spricht aber nicht gegen, sondern für die d'Arcet'sche Methode. Uebrigens gibt es Pariser Etablissements, welche Talg mit Schwefelsäure ausschmelzen und auch selbst zu Kerzen verarbeiten, ohne daß man ihre Producte schlechter fände. Auch daß der mit Schwefelsäure ausgeschmolzene Talg beim Umschmelzen mehr an Gewicht verliere, daß er, der weißer ist, sich schlechter bleiche als der andere grünlichere, |319| hat sich nicht bestätigt. – Ob nun gleich bei der d'Arcet'schen Methode, wenn sie ganz sorgfältig ausgeführt wird, fast gar kein Geruch entsteht, so läßt sich doch, wie sie in praxi getrieben wird, ein Geruch nicht abläugnen, wenn er auch viel unbedeutender ist, als bei der alten Methode. Man kann dem sehr gut vorbeugen, wenn man einerseits, um das Umrühren zu ersparen, die Erhizung der Masse durch hineingeleitete Dämpfe bewirkt, andererseits aber den Kessel mit einem Dekel oder Helm bedekt und die Dämpfe entweder durch ein Rohr in die Esse, oder noch besser unter die Feuerung führt, oder endlich in einen Condensationsapparat leitet. – Der patentirte Apparat von Taulet besteht aus einem äußeren, mit Wasserstandszeiger versehenen, als Wasserbad dienenden Kessel und einem inneren, der den Talg aufnimmt und mit dem vorigen durch einen Rand so verbunden ist, daß ein mit Sicherheitsventil zu versehender Raum entsteht. Aus dem äußeren kann in den inneren Kessel durch eine Röhre der Dampf unmittelbar eingeleitet werden. Wenn der innere Kessel mit dem rohen Talg und der verdünnten Schwefelsäure gefüllt ist, wird der an Rollen aufgehängte Kessel herabgelassen. Die Dämpfe entweichen am Rande oder durch ein Ventil, ohne condensirt zu werden. – De Changy's Apparat für sehr große Etablissements besteht aus einem Dampfkessel und einer Reihe hölzerner, durch Dekel verschlossener Kufen, welche man mit Talg und verdünnter Schwefelsäure füllt und welche alle durch in die Dekel gefügte Röhren mit Condensationsapparaten in Verbindung stehen. – Die folgenden Versuche haben ergeben, daß nicht nur die neue Methode bei Anwendung geeigneter Apparate geruchlos und gar nicht feuergefährlich ist, auch zu keiner Zersezung des Fettes Veranlassung gibt, sondern daß sie auch pecuniär vortheilhafter ist.

Man schmolz 1014 Kilogr. rohen Talg in einem Kessel über freiem Feuer aus; man erhielt 835 Kil. Talg und 48 Kil. fetthaltigen Zellenrükstand (creton). Der Gestank war der gewöhnliche.

Eine gleiche Menge roher Talg gab im Taulet'schen Apparate 854 Kil. reinen Talg ohne Rükstand.

Bei einem zweiten Versuche gab von 608 Kil. rohem Material das Ausschmelzen mit Schwefelsäure über freiem Feuer 513 Kil., das Ausschmelzen nach Taulet mit etwas Kali und Schwefelsäure 517 Kil. Talg; in einem dritten von 763 Kil. die alte Methode 623, die Methode von Taulet, bloß mit Schwefelsäure, 658 Kil.

Bei der Untersuchung zeigte der Talg der alten Methode grünliche Färbung und starken Kupfergehalt, er begann schon bei 23° C. zu schmelzen, durch Kochen mit Salzsäure wurde er weiß und der Schmelzpunkt stieg auf 33° C. – Der nach der neuen Methode erhaltene Talg enthielt kein Kupfer, war weiß, schmolz schon ursprünglich bei 32–34° C; durch Behandlung mit Salzsäure wurde er ganz durchsichtig und sein Schmelzpunkt stieg nur wenig.

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D'Arcet's Verfahren besteht darin, in den Kessel zugleich mit der fetten Substanz Wasser und Schwefelsäure in folgendem Verhältniß zu bringen

Talg150Pfd.
Wasser 75
Schwefelsäure 2 1/2

Man läßt dieses Gemenge so lange kochen, bis der Talg von den ihn einschließenden Zellen gehörig getrennt ist, läßt absezen und dann entweder das Wasser, welches den unteren Theil einnimmt, mittelst eines Hahns ablaufen, oder man nimmt auch den auf dem Wasser schwimmenden Talg weg und läßt ihn auf einem Sieb abtropfen.

A. d. R.

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