Titel: Ueber eine Verfälschung des Leinöhls mit Colophonium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXXVII./Miszelle 17 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078077_17

Ueber eine Verfälschung des Leinöhls mit Colophonium.

Denham Smith, Esq., fand, daß einige Leinöhlproben, welche er erhalten, völlig unbrauchbar seyen, indem sie, mit Bleiweiß angerührt, wie dieß bei Bereitung der Farben geschieht, nach ein paar Stunden ganz hart wurden. An Farbe waren diese Proben dunkler, vorzüglich aber an Consistenz viel zäher als |408| das gewöhnliche Leinöhl. Der Verf. vermuthete die Verfälschung mit Colophon und suchte sich davon zu überzeugen und zugleich den Weg der genauen quantitativen Bestimmung dieses Zusazes zu ermitteln. Nach vielerlei Versuchen schlug er folgende Methode ein, welche ihn am besten zum Zweke führte. Er löste 30 Gran des Harzes in einer kleinen Portion guten Leinöhls mit Beihülfe von Wärme auf, erschöpfte diese Auflösung durch gutes Mischen und Kochen mit Weingeist von 0.832 spec. Gewicht, wozu er zweimal 3 Unzen, dann noch zweimal 1 Unze desselben anwandte) die drei ersten, für sich erkalteten geistigen Flüssigkeiten wurden, da sie beinahe alles Harz aus dem Oehl gezogen hatten, gemischt. Die hellgelbe Flüssigkeit gab mit einer Auflösung von essigsaurem Blei in rectific. Weingeist einen, in Folge der vorgängigen Versuche die Verfälschung charakterisirenden, voluminösen, weißen Präcipitat. Dieser wurde wohl ausgewaschen und getroknet und betrug 17,7 Gran. Der aus 30 Gran Colophon erhaltene Niederschlag von Bleioxyd und Harz repräsentirte demnach 59 Proc. des Harzes. Bei einem zweiten Versuche mit 40 Gran Harzes wurden 26,7 des bleihaltigen Niederschlags = 66,7 Proc. des Harzes erhalten. Annähernd konnte er also die Quantität der verfälschenden Substanz auf diese Art ermitteln. – Holzgeist that den Dienst nicht wie Weingeist, indem er auf den Harzbleiniederschlag zu sehr auflösend einwirkt. – Unverfälschtes Leinöhl gibt, wenn es so behandelt wird, keinen Niederschlag, sondern wird nur getrübt. – Die untersuchten Oehlproben gaben 27,7, 21,0 und 26,3 Proc. des Niederschlags, was nach der Mittelzahl der beiden angeführten Versuche 44,1, 33,4 und 41,7 Proc. Harz entsprechen würde. – Wird ein Strom Schwefelwasserstoffgas in den in rectificirtem Weingeist suspendirten Niederschlag geleitet, so zersezt sich dieser, es bildet sich Schwefelblei, und die überstehende Flüssigkeit ist von hellgelber Farbe und gibt, abgedampft, einen braunen, brüchigen, dem Colophonium genau ähnlichen Rükstand. Die Abscheidung dieser Harzsäure vom Bleioxyd verdankt der Verf. der Anleitung des Hrn. Dr. Brett. Der Umstand, daß die alkoholische Auflösung mit salpetersaurem Silber keinen Niederschlag gibt, bis etwas Ammoniak hinzugesezt wird, führt den Verf. zu dem Schluß, daß die mit dem Bleioxyd verbundene Harzsäure Sylvinsäure sey. In einem bedekten Tiegel, jedoch unter möglichem Luftzutritt geglüht, gibt der Präcipitat, sey er nun durch obige Versuche oder aus dem verfälschten Oehle gewonnen, dieselbe Quantität Blei, nämlich 27 Proc. – Reines Leinöhl wurde mit genau so viel. Harz gemischt, als eines der verfälschten Muster der Analyse nach enthielt, nämlich mit 44,1 Proc.; es hatte hierauf dasselbe spec. Gew. wie dieses, nämlich 0,982, während reines Leinöhl nur 0,9518 zeigt. (Philosoph. Magazine, Oktbr. 1840, S. 289.)

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