Titel: Ueber das nothwendige Niedererstellen der Wägen auf den Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXXVII./Miszelle 4 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078077_4

Ueber das nothwendige Niedererstellen der Wägen auf den Eisenbahnen.

Eine der Veranlassungen der Unglüksfälle auf den Eisenbahnen ist der hohe Stand der Wagenkästen über den Rädern, welcher sehr unnüz ist, da die Waggons niemals umzukehren haben, wie andere Wägen. Es ist erwiesen, daß sie mit 8 bis 10 Zoll hoch genug über dem Boden stehen, wodurch dann alle Antritte und Treppen erspart wären; es müßte so gemacht werden, daß die Bänke gerade oberhalb der Räder angebracht würden, und wäre leicht zu machen, da Hr. Ridder in Belgien es schon ausgeführt hat. Hören wir aber einen andern Eisenbahndirector darüber.

„Im Jahre 1835 hatte ich die Direction der Eisenbahn von London nach Greenwich; die Wagen waren eben so hoch gebaut, es ereignete sich ein Unglüksfall ähnlich jenem in den westlichen Grafschaften, wobei Passagiere das Leben verloren, andere grausam gequetscht wurden, und beinahe der ganze Train über die Brustwehr geschleudert wurde. Seitdem wendete ich ein Mittel an, um dieser Gefahr nicht mehr ausgesezt zu seyn. Wenn auch oft Räder und Achsen brachen, und Räder aus den Schienen wichen, fuhren doch 7 bis 8 Millionen Reisende gesund und wohlbehalten über die Bahn. – Mein Mittel bestund darin, daß ich den Schwerpunkt unter die Achsen herab versezte und den Wagenkasten auf einem |403| sehr festen Gestell 4 bis 5 Zoll innerhalb der Schienen aufhing, so, daß in dem Augenblik, wo ein Unglüksfall sich ereignet, und die Räder aus den Schienen treten, die Gabeln eins Art Schlitten bilden, und der einzige Unterschied, der den Passagieren fühlbar wird, ist der in der Bewegung, indem man sich statt fortgerollt fortgeschleift fühlt, bis der Zug anhält. Durch diese Gabeln sind auch die Maschinen davor geschüzt, über die Brustwehr oder den Damm geschleudert zu werden. Diese Wägen haben dieselbe Räderhöhe, wenn sie schon 2 1/2 Fuß niedrer sind als die anfänglich gebauten. Dieses baut der zitternden Bewegung vollkommen vor; auch vermindert die nähere Stellung zum Boden die Einwirkung des Windes auf den Train, welcher auf einem erhöhten Damm oder einem Viaduct ihn im Laufe hemmt oder ihm gefährliche Stöße gibt. – Georges Walter, Director der London-Greenwicher-Eisenbahn.“ (Echo du monde savant, 1840, No. 583.)

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