Titel: Mit Dampfkraft gebaute Häuser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXXVII./Miszelle 5 (S. 403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078077_5

Mit Dampfkraft gebaute Häuser.

Der durch seine industriellen Leistungen berühmte Hr. Jobard von Brüssel erzählt in einem Reiseberichte: Nahe am Hafen in Liverpool erhebt sich gegenwärtig ein immenses Gebäude von Quadersteinen. Es ist das Mauthhaus. Da ich keine Arbeitsleute sah, fragte ich, warum nicht gearbeitet werde. Allerdings wird gearbeitet, sagte unser Consul, und alle Arbeiter sind zugegen. Einer ist oben auf der Mauer, einer am Fuße des Krahns und der dritte steht an der Dampfmaschine, und diese 3 Männer verrichten so viel als 300 Maurer, die Baksteine legen. Wirklich sah ich Steine von 2000 Kilogr. sich bis zum zweiten Stokwerk erheben, sich da auf die Mauer niederlassen, wo sie der Arbeiter in Empfang nimmt, sie ohne Mühe handhabt, und wo sie sich dann auf Commando unverrükbar auf ihren Plaz begeben, kurz ich schöpfte die Ueberzeugung, daß die Idee des Bauens mittelst Dampfkraft verwirklicht sey. Man hatte damit angefangen, um dem Bauplaz eine einfache Eisenbahn zu ziehen, einen ungeheuren Krahn von mehr als 200 Fuß Höhe zu errichten, der wie ein Riese emporstrebt und das Gebäude beherrscht. Ungeheure, in weiter Entfernung befestigte Taue erhalten ihn stehend. Er hat dreierlei zusammengesezte Bewegungen, er hebt nämlich nach verschiedenen Seiten, perpendiculär in die Höhe, und endlich neigt er sich vorwärts – Man kann sagen, dieser Koloß habe Füße, Hände, Rumpf und Kopf, und der Mensch sey sein Gehirn. Nichts kann der Genauigkeit und dem Gehorsam des Dampfes verglichen werden, welcher die größten Lasten auf Befehl um eine Linie aufheben oder niederlassen kann. Es versteht sich daß die Klammern sich selbst losmachen, und daß man keine Bande unter dem Steine hervorzuziehen braucht. – Die ersten Anschaffungen, um mittelst Dampf zu bauen, sind etwas kostspielig; aber im Ganzen ergibt sich eine Ersparung über 50 Proc. an Taglohn. (Echo du monde savant 1840, No. 579)

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