Titel: Neues Verfahren der Bildnern in Marmor, von Hrn. Moreau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. LXXVII./Miszelle 8 (S. 404–405)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078077_8

Neues Verfahren der Bildnern in Marmor, von Hrn. Moreau.

Bei diesem Verfahren erhält der Marmor die gewünschte Form, wie wenn er in einem Model geformt würde; in der That wird ein gußeiserner Model unaufhörlich gegen den Marmor gestoßen, während feiner Sand und Wasser zwischen die leiden Körper fließen, durch welche Operation die Bildhauerarbeit sich gestaltet. – Sucht man sich über diesen mechanischen Effect Rechenschaft zu geben, so kann man jedes Staubkörnchen in dem Augenblik, wo es den Stoß der gußeisernen Form erfährt, wie eine sehr feine Spize, welche in unendlich geringem Abstand in die Masse dringt, dann, so zu sagen zur selben Zeit, als sich in kleine Stüke theilend, betrachten, deren jedes, indem es sich hinwegbegibt, auf den Marmor eine ähnliche Wirkung übt, wie der Sand unter der Säge des Steinschneiders. Diese beiden, bei jedem Stoß der Form wiederholten Wirkungen, |405| und diese in jeder Minute 600 Mal wiederholten Stöße bringen in sehr kurzer Zeit einen mit so vieler Vollkommenheit gehauenen Marmor zu Stande, daß derselbe nur in einigen besonderen Fällen einer Ueberarbeitung bedarf. Hr. Moreau hat gezeigt, daß er, ohne ein Abmessungsinstrument zu Hülfe zu nehmen, eine runde Bildhauerarbeit ausführen kann. Die als Kragsteine (consoles) dienenden Köpfe, welche er in der jüngsten Ausstellung von 1839 zeigte, waren in drei Stüken verfertigt, und die Zusammenfügungslinien unsichtbar. Es können nun Statuen auch durch dieses Verfahren hergestellt werden; man erhält immer mit der Form ganz identische Figuren, ohne daß sich an den Dimensionen etwas ändert. – Hr. Moreau erhielt von der Ausstellungsjury die silberne Medaille. (Echo du monde savant 1840, No. 580.)

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