Titel: Guigo's mechanische Seidenweberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XCII./Miszelle 2 (S. 447–448)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078092_2

Guigo's mechanische Seidenweberei.

Hrn. Guigo ist es gelungen, auf seinem Webestuhle Seide mit der äußersten Regelmäßigkeit zu weben, ohne daß ein an den Webestuhl gebannter Arbeiter mit seinem Fuße das Pedal trete, um die Schäfte zu heben, die Laden schlage und das Schiffchen bald mit der einen, bald mit der anderen Hand durchwerfe. Diese drei Hauptbewegungen geschehen hier mit einer die Schnelligkeit nicht ausschließenden Pünktlichkeit. Bei wiederholtem Zählen der Durchwürfe des Schiffchens ergaben sich ein wenig mehr als hundert für die Minute, was für die Stunde mehr als einen Meter des Gewebes fertig zu machen und Tagwerke von 10, 12, 15 Meter und mehr zu bestimmen möglich macht, je nach dem zu fabricirenden Artikel und auch nach der Schönheit der zu verarbeitenden Seide.

Man sieht in seiner Werkstatt, in welcher 25 bis 30 Webestühle durch eine sehr kleine Kraft in Bewegung gesezt werden, zu Parapluis bestimmten Taffet mit Bordüren, Sarsche oder croisirtem Zeug zu Futter, und sehr schönen Atlaß von allen Farben und Qualitäten. Die gewebten Stüke haben 2800 bis 6400 Kettenfäden auf die Breite des Zeuges, welche einen halben Meter beträgt, deren Abstände also zwischen 56 und 128 Faden auf den Centimeter variiren. Diese Stoffe sind von außerordentlich regelmäßiger Textur und großer Frische, namentlich die Atlasse von weißer, rosenrother und anderen zarten Farben, was sehr leicht begreiflich ist, da der das Schiffchen in Bewegung sezende Mechanismus niemals so ausdünstet, wie die menschliche Hand.

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Das Wort mechanische Weberei darf nicht zu dem Glauben verführen, daß diese Webestühle ohne alle Beihülfe arbeiten können; man braucht wegen der Beschaffenheit der Seidenfasern eine Person zur Beaufsichtigung, und wird, wenn auch nicht immer, doch noch lange Zeit, für jeden Webestuhl eine solche brauchen, welche alle fünf bis sechs Minuten die Röhre zu wechseln hat, auf welcher der Einschlag in dem Schiffchen aufgewikelt ist, die mangelhaften Kettenfäden wegnimmt und die gerissenen wieder zurechtbringt. Der große Vortheil dieser neuen Weberei, die Hauptverbesserung, zu welcher sich die Freunde der arbeitenden Classe Glük wünschen werden, ist, daß der Arbeiter nicht mehr der unglükliche, an den Stuhl hin gekauerte zu seyn braucht, von welchem er einen Theil auszumachen scheint, und wo er von Morgens bis Abends seine Arme zu einer rein maschinenmäßigen Bewegung hergeben muß. (Echo du monde savant 1840, No. 582.)

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