Titel: Ueber die Präexistenz des Farbstoffes in der Krappwurzel von Robiquet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 78, Nr. XCII./Miszelle 6 (S. 450–451)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj078/mi078092_6

Ueber die Präexistenz des Farbstoffes in der Krappwurzel von Robiquet.

Hr. Robiquet hatte sich seit einiger Zeit mit Untersuchungen über die Krappwurzel beschäftigt, als der Tod ihn mitten unter seinen Arbeiten überraschte und ihn den Wissenschaften raubte. In einer von ihm vorliegenden Notiz widerstreitet er mehrere von Hrn. Decaisne aufgestellte Behauptungen in Betreff der Präexistenz des Alizarins (rothen Farbstoffs) in der Krappwurzel. Nach diesem Botaniker nämlich wäre der Farbstoff dieser Wurzel ursprünglich gelb, und würde erst in Folge einer Oxydation an der Luft roth. Diesem sezt Hr. R. entgegen, daß man diesen Farbstoff leicht vom Rothen ins Gelbe, und umgekehrt, übergehen machen kann, ohne andere Einwirkung als die einer Säure. Die Verschiedenheit der Farbennuance, welche man an dem Safte verschiedener Wurzeln beobachtet, rührt nur von der Gegenwart gewisser fremdartiger Stoffe her. So ist die Elsäß'sche Krappwurzel, welche saurer ist als andere, sehr gelb, sogar im Pulverzustande, und um sie roth zu machen, braucht man sie nur mit kaltem Wasser auszuwaschen, welches alle auflöslichen Stoffe und unter Anderm auch die Säure mit fortnimmt. – Folgende Versuche sprechen ebenfalls gegen die Ansicht des Hrn. Decaisne. Wenn man einige dünne Scheiben der frischen Wurzel unter eine über Queksilber befindliche und mit trokenem Sauerstoffgas gefüllte kleine Gloke bringt, so findet keine Veränderung statt. Auch in oxygenirtes Wasser getaucht erfahren diese Scheiben keine Farbenveränderung.

Die Fixirung des Farbstoffes auf die Holzfaser verändert ebenfalls seine Farbe. So lange die Krappwurzel in ihrer natürlichen Organisation verbleibt, und ihr Farbstoff sich noch in den ihn enthaltenden Zellen befindet, kann sich die Holzfaser des Meditulliums (der Mitte des Durchschnitts) nicht mit ihm verbinden. Sobald |451| aber diese Gefäße geöffnet werden, und der in Freiheit gesezte Farbstoff in einem wässerigen Vehikel verbreitet wird, findet eine Verbindung, d.h. eine Färbung statt, und zwar eine um so dauerhaftere, als der Farbstoff von in der Flüssigkeit enthaltenen Kalksalzen gebunden wird. Diese Salze dienen als Mordant (Beizstoff). Keinem Färber ist die große Verwandtschaft des Färbestoffs zur Holzfaser unbekannt; denn jeder weiß, daß wenn man die Krappflotte kalt werden läßt, sie im Ton etwas nachläßt, weil der Färbestoff sich zum Theil auf die Holzfaser wieder übertragt.

Hr. Robiquet hat daher die feste Ueberzeugung, daß der Hauptfarbstoff der Krappwurzel, das Alizarin, durch den Vegetationsact gerade so hervorgebracht wird, wie er sich mit den verschiedenen Mordants zu den mannichfaltigen Farben verbindet, welche der Färber mit diesen schäzbaren Wurzeln darzustellen weiß. (Echo du monde savant) 1840, No. 582, S. 624.)

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