Titel: Pellatt, über die Fabrication des Flintglases in England.
Autor: Pellatt, Apsley
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XI. (S. 48–53)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/ar079011

XI. Ueber die Fabrication des Flintglases; von Apsley Pellatt.

Aus den Verhandlungen der Institution of Civil Engineers im London Journal of arts, November 1840. S. 169.

Das Flintglas besteht aus Kieselerde (woher sein englischer Name: Flint, Kiesel, Feuerstein) mit einem Zusaz von kohlensaurem Kali und Bleiglätte oder Mennig; dem leztern Ingrediens verdankt es nicht nur seine große specifische Schwere, sondern auch seinen höhern Glanz, seine Dehnbarkeit und Refractionskraft.

Zu optischen Zweken muß das Flintglas vollkommen frei von Streifen seyn, widrigenfalls die durch dasselbe gehenden Lichtstrahlen divergiren und falsche Richtung erhalten, und dieser Fehler wird durch den Mangel an Gleichartigkeit in der geschmolzenen Masse |49| veranlaßt, woran die Schwierigkeit einer vollkommenen Schmelzung von Substanzen, welche an Dichtigkeit so verschieden sind, Schuld ist. Die gehörig präparirten Substanzen werden nach und nach in einen 1600 Pfund des geschmolzenen Glases haltenden Schmelztiegel von Stourbridge-Thon eingetragen. Die Mündung des Tiegels wird hierauf mit einem doppelten Dekel bebekt, aber nicht lutirt, damit die in den Substanzen zurükbleibende Feuchtigkeit sowohl als die Kohlensäure und der überschüssige Sauerstoff entweichen können. Es ist eine 50 bis 60 Stunden lang unterhaltene, rasche, starke und gleichmäßige Hize nöthig, um die Substanzen in vollkommenen Fluß zu bringen und alles Gas auszutreiben; während dieser Zeit werden die ungeschmolzenen Theile und der Salzüberschuß, welche sich auf die Oberfläche begeben, abgenommen. Den Fortschritt der Schmelzung kann man nicht beobachten, auch kann man zu keinem mechanischen Hülfsmittel, um die Substanzen während des Schmelzens untereinander zu rühren, die Zuflucht nehmen (?), damit die Intensität der zur Erzeugung eines vollkommen gleichartigen Glases erforderlichen Hize hiedurch nicht vermindert werde; denn die Qualität des Products leidet durch jede Unaufmerksamkeit von Seiten des Heizers sowohl, als dieß auch durch den Zustand der Atmosphäre oder des Windes möglich ist. Man behauptet, daß ein gewisser Punkt oder eine Krisis der Schmelzung eintritt, in welcher die geschmolzene Masse erhalten werden muß, wenn man sich eines zu optischen Zweken tauglichen Glases versichert halten will, und gerade wenn dieser Punkt erreicht ist und man mehrere Stunden hindurch ein schönes Glas aus dem Schmelztiegel erhalten will, muß eine solche Verminderung der Hize eintreten, daß es nothwendig wird, den Ofen zu schließen; was nachher in dem Tiegel oder Glashafen von der Masse zurükbleibt, wird dik und streifig, und daher für den Gebrauch untauglich. Derselbe Fall ist es mit dem für flachausgehöhlte Thermometerröhren bestimmten Glas, welches nie in den Kühlofen gebracht wird, weil der Rauch des Kühlofens den innern Theil der Höhlung zur Aufnahme des Queksilbers unfähig machen würde. Diese Röhren können nur dann die Löthrohrhize vertragen, wenn sie von einer unter allen oben beschriebenen günstigen Umständen erzeugten Masse verfertigt wurden. Daraus geht also hervor, daß das höchst gleichartige und fehlerfreie Flintglas nur durch einen intensiven und gleichmäßigen Hizgrad erzeugt werden kann, und daß jede Ueberschreitung oder Verringerung dieser Hize nachtheilig auf dessen Qualität einwirkt.

Das englische Verfahren bei der Darstellung der Flintglas-Platten zu optischen Zweken wird folgendermaßen beschrieben: |50| ungefähr 7 Pfd. der Masse werden mit einem konisch geformten Schöpflöffel bei dem gehörigen Punkt der Schmelzung aus dem Glashafen genommen, zu einem hohlen Cylinder geblasen, ausgeschnitten, und in eine Glasplatte von ungefähr 14 Zoll Breite auf 20 Zoll Länge und in der Dike von 3/8 bis 1/4 Zoll, geformt. Erst jezt wird die Platte in den Kühlofen gebracht, und geht dann in die Hand des Optikers über, welcher sie in die erforderliche Form schneidet und schleift. Wenn man das Feuer in einem Glasofen ausgehen läßt, so läßt man ganze Häfen voll Glas manchmal drinnen stehen, und langsam abkühlen. Nachdem die Häfen zerbrochen worden sind, können noch Glasstüke aus der Masse ausgesprengt, durch Erhizen erweicht und in die beliebige Gestalt geformt und dann endlich geschliffen werden. Man glaubt, daß die ausgezeichneten Frauenhofer'schen Gläser und andere Fabricate des Continents auf solche Weise verfertigt werden. Wenn man das Glas zu schneiden versucht, so sieht man leicht, ob es lange genug abgekühlt ist; ist dieß nicht der Fall, so wird es in lauwarmes Wasser gelegt, welches man erhizt und einige Stunden lang auf dem Siedepunkt erhält, worauf man es nach und nach erkalten läßt. Dieses Verfahren ist besser, als es ein zweitesmal auf die gewöhnliche Weise abkühlen zu lassen. Ein 40 Zoll langes Stük einer nicht abgekühlten Barometerröhre zog sich, nachdem man es erhizte und schnell wieder erkalten ließ, nur um 1/16 Zoll zusammen, während ein gleiches, aber auf die gewöhnliche Weise abgekühltes Stük sich beinahe um 1/8 Zoll zusammenzog. Unabgekühltes Flintglas bekömmt, wenn man es erhizt und plözlich in Wasser erkalten läßt, das Aussehen einer Masse von Krystallen; daraus geht also hervor, daß der Abkühlungsproceß das Glas compacter und fester macht; es wird dadurch polarisationsunfähig.

Da das Flintglas so bedeutend elastisch ist, hat man es zu Chronometern angewandt. Um seine Elasticität zu prüfen, ließ man eine hohle Kugel von ungekühltem Glas von 3 Zoll Durchmesser und beiläufig 16 Unzen schwer, nach dem Erkalten, von einer Höhe von 7 Fuß auf einen Steinboden fallen; sie prallte, ohne Schaden zu leiden, ungefähr 3 1/2 Fuß weit zurük, zerbrach aber, als sie nach dieser Rükprallung wiederholt zu Boden fiel. Gleiche Kugeln, eine weiß- und eine rothglühende, ließ man von derselben Höhe fallen und beide zerbrachen sogleich ohne allen Rükprall; dieß beweist, daß die Elasticität des Glases nur so lange anhält, als es kalt ist. Da das Glas beim Wiedererhizen manchmal verdirbt, nicht nur in Betreff seiner Farbe, sondern auch hinsichtlich seiner Schweißbarkeit, woran der in den Steinkohlen oder |51| Kohks enthaltene Schwefel schuld ist, so beugt man diesem durch Einsprengen von ungefähr einem Quart kalten Wassers in das Feuer vor; der dadurch entstehende Dunst schafft die schwefliche Säure fort.

Der Abkühlungsproceß hat die merkwürdige Eigenthümlichkeit, dem Glase den ihm durch Mangan ertheilten röthlichen Ton zu nehmen; bei großen Massen verschwindet dieser röthliche Ton nicht nur, sondern das Glas wird manchmal grün oder blau, wahrscheinlich durch die Einwirkung des schweflichsauren Gases von den Kohks. Es kehrt jedoch der röthliche Ton wieder zurük, und es verschwindet der grünliche Ton wieder, wenn das abgekühlte Glas noch einmal erhizt oder geschmolzen wird. Sollte der Tiegel während des Schmelzens reißen und die Flamme oder der Nauch mit der geschmolzenen Masse in Berührung kommen, so ist ein grüner Ton und eine Menge dichter Streifen die Folge davon. Ein solcher Unfall kann nur dann wieder gut gemacht werden, wenn man dem Risse zukann und kaltes Wasser auf die ausschwizende Masse sprengt, welche sich dadurch allmählich abkühlt, und selbst einen Kitt bildet, so daß die Fortsezung des Schmelzprocesses möglich wird. Lange Erfahrung hat bewährt, daß das beste Brennmaterial zum Schmelzen des Glases in Oefen in starkgebrannten Kohks mit einer kleinen Quantität grobgesiebter Steinkohlen gemengt besteht.

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Herr Pellatt zeigte auch verschiedene, die Krystallisations-Wirkungen erläuternde Proben vor; unter diesen waren feste cylindrische Stüke von Flintglas, deren Inneres durch schnelle Abkühlung mittelst Eintauchens in kaltes Wasser völlig verschoben war und die nur durch den äußern Ueberzug zusammengehalten wurden; Röhrenstüke, welche gleiche Einwirkung erlitten hatten; ein Stük von einem Gefäß aus weißem Glas, welches in blaues Glas von größerer Dichtheit getaucht (mit blauem Glas überfangen) worden war – das innere weiße Glas erschien durch die Zusammenziehung des äußern Ueberzugs zerdrükt; ein ähnliches Gefäß von weißem und blauem Glas von gleicherer Dichtheit ließ sich nach dem Abkühlen schneiden, ohne zu zerbrechen; eine Masse optischen Glases, mit Streifen, Fleken und Unvollkommenheiten; über alles dieses, in Verbindung mit den Fabricationsweisen, gab er Erklärungen.

In Betreff der Anwendung der Tafelglases zu Nasmyth's pneumatischem Spiegel (polyt. Journal Bd. LXXVIII. S. 74) bemerkte er, daß, in Folge der Abwesenheit des Bleigehaltes, das Tafelglas reiner und gleichartiger als das Flintgas sey, und daß wegen der durch Schleifen und Poliren bezwekten Gleichheit seiner |52| Dike, die durch den Druk der Atmosphäre hervorgebrachte Krümmung sehr regelmäßig werden.

Die Anwendung von Kohks zur Feuerung trägt, wegen ihrer regelmäßigen Verbrennung, wesentlich zur Erzielung eines guten Resultates bei und begegnet dem gewöhnlich aus der Verschiedenheit der Heizkraft mehrerer Steinkohlenarten entspringenden Nachtheil; unglüklicherweise verursacht die Gestalt der Oefen, daß die größte Hize sich in ihrem Mittelpunkt befindet, und daher sehr stark auf den Rüken der Glashäfen wirkt, statt sich rings um dieselben gleichmäßig zu verbreiten, was wünschenswerther und sicherlich von besserm Erfolge wäre.

Herr Pellatt nimmt stets neun Theile Kohks, gemengt mit einem Theil Steinkohlenbrökeln, was er jeder andern Feuerung vorzieht. Die Anwendung von Gaskohks hat er aufgegeben und er kauft nun Steinkohlenklein zu einem billigen Preis, welche er in mäßig harte Kohks von etwas weniger Dichtigkeit, als man sie zum Eisenschmelzen anwendet, verwandelt. Im Norden Englands bleibt eine Beschikung Steinkohlen gewöhnlich 48 Stunden im Calcinirofen; in London nur 36 Stunden; Herrr Pellatt machte die Beschikungen kleiner und verkohkste sie in 24 Stunden. Er fand stets die Heizkraft von 8 oder 9 Pfd. Kohks gleich jener von 12 Pfd. Steinkohle, und 20 Cntr. Steinkohlen gaben in seinen Oefen 14 Cntr. Kohks.

Herr Parkes fragte, welches das beste Verfahren zum Haltbarmachen der Manometerröhren für Dampfkessel sey? Er brauche gewöhnlich die von Herrn Adie zu Liverpool verfertigten, welcher sie durch Einlegen in kaltes Wasser und Erhizen desselben bis zum Siedepunkte, worauf es 24 Stunden lang erhalten werde, brauchbar mache; doch seyen ihm troz dieses Verfahrens, das in der Regel den Zwek erfülle, zwölf dieser Röhren in Einem Tag zerbrochen, während eine scheinbar schlechte Röhre sechs Wochen lang aushielt; dünne Röhren habe er dauerhafter als dikere befunden. Er pflegte sonst die von dem trüben Wasser auf seinen Kesselröhren zurükgelassenen Fleken durch Puzen mit Schmirgel zu entfernen; sie brachen aber dann alle, wenn sie wieder erhizt wurden; nach vielen Versuchen wandte er hiezu Säuren an, und die Röhren brachen dann nicht mehr.

Herr Pellatt empfiehlt das Aussieden als eine sichere und gute Methode, alle Arten Glas haltbar zu machen; bei dem gewöhnlichen Verfahren der Abkühlung wird das dike wie das dünne Glas oft demselben Proceß unterworfen und es bleiben beide gleich lang in der dazu bestimmten Abtheilung des Kühlofens; dadurch |53| erklärt sich die längere Dauer der dünnen Röhren. Er schreibt das Brechen der Röhren der Spannung der äußern Schichte und der durch das Reinigen erzeugten Schwingung zu; dieß ist so bekannt, daß Niemand alte Röhren kaufen will, weil sie gewöhnlich bei der Reinigung zerbrechen.

Hr. Hawkins bemerkte, daß die Röhren beinahe immer bei der bloßen Reinigung ihrer innern Wände vom Staube zerbrechen, geschehe dieß nun durch Puzen mit einem festen Bausch oder durch leichtes Auswischen. Bei einigen Versuchen über die Erzeugung von comprimirtem kohlensaurem Gas bediente er sich Glasröhren von 3/4 Zoll Durchmesser im Lichten und 1/4 Zoll Dike; sie hielten einen Druk von 100 Atmosphären aus. Einige Röhren von Stabeisen, in welche Löcher von 1/4 Zoll Durchmesser gebohrt und Glasstüke eingesezt worden waren, hielten den Druk von 600 Atmosphären aus.

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