Titel: Sauvage, über die Bereitung der für Hohöfen geeigneten Rothkohle.
Autor: Sauvage,
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XXVII. (S. 122–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/ar079027

XXVII. Ueber die Bereitung der für Hohöfen etc. geeigneten Rothkohle im Walde; von Hrn. Sauvage.

Aus den Annales des MinesTome XVI. S. 637.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Es wird jezt allgemein angenommen, daß man zum Schmelzen der Eisenerze ohne Anstand statt der im Wald bereiteten Kohle entweder natürliches, oder mehr oder weniger geröstetes Holz anwenden kann. Daß diese Stellvertretung nicht allemal mit Geldersparniß verbunden war, ist leicht begreiflich; es kann aber nicht geläugnet werden, daß in den meisten Fällen, und wenn die Versuche gut angestellt wurden, das geröstete Holz eine bedeutende Ersparniß in |123| dem frühern, auf Holz berechneten, Brennmaterial-Verbrauch herbeigeführt habe. Es ist ausgemacht, daß das alte Verfahren der Kohlenbereitung fehlerhaft war. Durch dasselbe ging beinahe die Hälfte des in dem rohen Holze enthaltenen Kohlenstoffes rein zu Verlust, also fast die Hälfte der in unsern Wäldern erzeugten Wärmekraft verloren. Wenn man einmal ein einfaches und wohlfeiles Verfahren, mehr oder weniger geröstete Rothkohle (charbon roux) im Walde ohne complicirte Vorrichtungen zu bereiten, auffinden wird, so ist damit eines der wichtigsten Probleme für den Hüttenmann gelöst; man würde hiedurch einen beträchtlichen Antheil des vegetabilischen Brennmaterials, das jezt immer seltner in den Eisenhütten wird, für den Gebrauch retten.

Nachdem ich den Verkohlungs-Proceß im Hohofen und die Anwendung der Rothkohle studirt hatte, entschloß ich mich zu Versuchen im Walde, in der vollen Ueberzeugung, daß glükliche Resultate zu hoffen seyn. Die Herren Ingenieure Gueymard und Diday machten im Isère-Departement Verkohlungs-Versuche in Meilern, erhielten aber nur unvollkommene Resultate. Es wurde zwar Rothkohle producirt, aber zugleich eine beträchtliche Menge schwarzer Kohle in der Mitte des Meilers. Herr Ingenieurs Gruner, welcher das österreichische Verkohlungsverfahren studirte, ist von den Uebelständen, welche die rund angelegten Meiler stets mit sich führen werden, überzeugt und zeigte, daß das Verfahren, die Verkohlung in rechtwinkeligen Haufen vorzunehmen, bei der Bereitung der Rothkohle, gegen jenes in gewöhnlichen Meilern unbestreitbare Vortheile voraus hat.

Wir machten in Gemeinschaft mit einem Hüttenmeister des Arondissements Vouziers (Ardennes) im Laufe des Jahres 1838 mehrere unfruchtbare Verkohlungsversuche in Meilern; wir hatten ähnliche Resultate wie die Herren Gueymard und Diday, d.h. wir erhielten Rothkohle, aber auch viel schwarze Kohle. Dadurch sahen wir ein, daß wir die Errichtung gewöhnlicher Meiler aufgeben mußten, die immer viel schwarze Kohle geben, was durchaus vermieden werden soll. Die Gleichförmigkeit des Products ist eine Hauptbedingung; ich sezte daher dem Hüttenmeister das österreichische Verfahren auseinander und schlug ihm vor, neue Versuche damit vorzunehmen. Er willigte ein, und wir waren eben daran damit anzufangen, als wir in Erfahrung brachten, daß ein belgischer Hüttenmann, Herr Echement, das uns beschäftigende Problem auf einfache Art gelöst habe. Er hatte soeben sein Verfahren in den Wäldern von Chehery (Ardennes) ins Werk gesezt. Ich beeilte mich dahin zu kommen und sah daselbst eine Kohlenbrennung ausführen. Ich habe dieses |124| Verfahren noch nicht vollkommen studirt und konnte mir noch keine bestimmte Rechenschaft über die bei dieser Operation erwachsenden Unkosten geben; aber so viel ersah ich, daß diese Methode für die Zukunft etwas verspricht, und wenn ich auch noch nicht behaupten kann, daß das Problem der Rothkohlen-Bereitung vollkommen gelöst sey, so glaube ich doch wenigstens, daß man auf dem Wege der Lösung ist. Dieß veranlaßt mich in Kurzem mitzutheilen, worin Herrn Echement's Verfahren besteht.

Man stellt eine rechtwinkelige Fläche her, durch deren Mitte in der Richtung der Länge man einen keinen Canal a, b (Fig. 1 bis 3) gräbt. Die Fläche neigt sich auf beiden Seiten leicht gegen diesen Canal. Der Durchschnitt dieser Rinne stellt ein Vierek von ungefähr 0,20 Meter (7'' 4'''') großen Seiten dar. Man bedekt den Canal mit Gußeisenplatten, welche so gelegt werden, daß rechts und links der ganzen Länge nach eine Oeffnung gegen die Fläche hin bleibt. Vorne gräbt man in die Erde eine kleine Grube und legt in den Theil c, d derselben einige Eisenstangen, um einen Herd zu bilden. Das zu röstende Holz wird sorgfältig horizontal und senkrecht zum Canal a, b geschlichtet, über welchem man seiner ganzen Länge nach eine kleine Wölbung von 50 bis 60 Centimeter Halbmesser (1'6 1/2'' bis 1'10'') offen läßt. Damit der Haufen eine ebene Oberfläche bilde, bedekt man die äußern Wände mit kleinem Holze, welches man geneigt auflegt. Endlich überdekt man den Haufen wie gewöhnlich mit Erde und Moos, läßt aber über die ganze Höhe hin einige Ausgänge offen. Wenn dieses geschehen, bedekt man den Herd F mit einer Platte, so daß alle Gase der auf dem Roste vorgehenden Verbrennung in den Canal a, b übergehen. Die beiden äußern Enden der Wölbung über diesem Canal werden ebenfalls mit Zaken, die mit Lehm verstrichen werden, verschlossen. Endlich treibt ein kleiner, hölzerner Ventilator, welchen ein Kind in Bewegung sezen kann, einen künstlichen Luftstrom unter den Rost, auf welchem ein Feuer mit kleinem Holz, Astwerk und Reisholz, welches man auf diese Weise benüzt, unterhalten wird. Alles durch die Verbrennung erzeugte Gas und alle auf dem Herde sich erhizende Luft werden also in den Canal getrieben, entweichen hier auf beiden Seiten der Rinne durch den einige Millimeter (ein paar Linien) weit frei gelassenen Ausgang und verbreiten sich in der Holzmasse. Wenn die erste Dunstentwikelung, wie deren bei allen Haufen stattfinden, nachläßt, so wird der Haufen, und zwar von oben anfangend, gut bedekt. Die Gase verlassen den obern Theil und ziehen sich nach Maaßgabe der Bedekung immer mehr herab. Auf diese Weise erhält man ein gleichförmiges Resultat. Es wird einleuchten, daß man |125| an jede beliebige Stelle des Haufens Hize hinleiten kann, da die erwärmten Gase, durch den künstlichen Luftzug getrieben, keinen andern Ausweg, als den ihnen an den verschiedenen Punkten der Oberfläche des Meilers gegebenen haben. Mittelst eines langen Hakens und des Oeffnens des vordern Theils der Wölbung werden die den Canal bedekenden Zaken mehr oder weniger aufgehoben und den erhizten Gasen an jeder beliebigen Stelle ein größerer oder kleinerer Ausweg verschafft.

Es werden auf diese Weise in 24 Stunden 30 Störe fertig gemacht und der Holzverbrauch auf dem Herde mag ungefähr 3 Störe, mithin 1/10 des gerösteten Quantums betragen. Bei der in meiner Gegenwart vorgenommenen Röstung wurde die Hauptmasse gleichartig und das Holz bis in die Mitte hinein braun, mit Ausnahme desjenigen, welches an den Punkten x und y den Boden berührte und weniger stark geröstet war als die Hauptmasse. Man wird auch diesem Mangel wahrscheinlich noch abhelfen können; oder könnte jedenfalls, wenn dieß nicht vollkommen möglich wäre, das weniger verkohlte Holz für die nächste Röstung aufbewahren, wo es auf dem Rost verwendet würbe. Die erhaltene Rothkohle befand sich ungefähr in dem in meiner Abhandlung (polytechnisches Journal Bd. LXVIII. S. 209) mit B bezeichneten Zustande, d.h. sie hatte an Gewicht 43 Procent verloren, enthielt 38 Procent flüchtige Stoffe und besaß eine Wärmekraft –0,58. Wahrscheinlich kann sie übrigens auf einen vorgerükteren Zustand gebracht werden, wie mir Herr Echement bei früheren Brennungen sie erhalten zu haben versichert. Man erhält kein Stäubchen schwarzer Kohle.

Ich habe noch nicht alle Data zur Berechnung des Kostenbetrags der so bereiteten Rothkohle bei einander; aber so viel ist schon ersichtlich, daß die Bereitungskosten nicht sehr hoch kommen:

1) ist die Aufrichtung des Haufens so einfach, sogar noch einfacher als die der Meiler;

2) die Wartung desselben scheint um vieles leichter zu seyn, weil das Feuer nicht in der Masse ist;

3) geschieht die Röstung derselben Quantität Holz viel schneller als deren Verkohlung auf gewöhnliche Weise;

4) ist das zur Anschaffung der Vorrichtung nothwendige Capital unbeträchtlich, indem es nur in einigen gußeisernen Platten von geringem Werthe und einem 30 bis 40 Francs kostenden Ventilator besteht. Mit drei solchen Ventilatoren kann die für den Hohofen in einem Jahre nothwendige Kohle bereitet werden.

5) Scheint die zur Darstellung der Rothkohle nothwendige Menge Brennholz nicht über ein Zehntheil des zu röstenden Holzes zu betragen.

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