Titel: Schlumberger, über die Befestigung der Eisenbeizen etc.
Autor: Schlumberger, Heinrich
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. LVII. (S. 275–291)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/ar079057

LVII. Ueber die Befestigung der Eisenbeizen auf den Baumwollenzeugen; von Heinrich Schlumberger.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 65.

Bei der Befestigung von Eisenbeizen (Eisenmordans) auf Baumwollenzeugen beobachtet man im Großen oft sehr wandelbare Anomalien, welche von mehreren Ursachen herzurühren scheinen. Besonders haben bei den zum Krappfärben bestimmten Eisenbeizen die geringsten Umstände während der Operationen, die kleinsten Veränderungen in der chemischen Zusammensezung auf das Gelingen dieser Farben oft einen sehr großen Einfluß, und gerade bei diesen muß man vorzugsweise die Bedingungen beobachten, wodurch eine vollkommene Befestigung des Eisenoxyds auf dem Baumwollenzeug bezwekt werden kann.

Bei Drukfarben mit Eisenbasis haben besonders folgende Umstände Einfluß auf die Resultate:

1) Die Natur der Eisenauflösung und ihr Oxydationsgrad in der Drukfarbe;

2) die Natur des Verdikungsmittels der Eisenbeize;

3) der Klebrigkeitsgrad der verdikten Beize;

4) der Zusaz verschiedener Substanzen zu den Eisenbeizen;

5) die oxydirende Einwirkung der Luft auf die Beize während des Drukens;

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6) der hygrometrische Zustand der Luft während des Drukens;

7) das Austroknen der auf den Zeug gedrukten Beizen;

8) die Dauer des Aufhängens der Stüke nach dem Bedruken;

9) das Aussieden oder Kühkochen der bedrukten Stüke.

Außer diesen Umständen hängt das Gelingen der Eisenfarben auch noch von den Operationen beim Färben und Aviviren ab, in welche wir aber hier nicht eingehen, indem wir uns gegenwärtig nur mit der Befestigung des Eisenoxyds auf den Zeugen beschäftigen wollen.

1) Zu Eisenbeizen, welche mittelst Krapp schwarz, püce (braun), violett etc. gefärbt werden sollen, verwendet man gewöhnlich essigsaures oder holzsaures Eisen, worin lezteres als Oxydul enthalten seyn muß. Wenn sich nämlich dieses Eisensalz entweder durch die Berührung mit der Luft oder aus einem anderen Grunde zu stark oxydirt hat, so läßt es sich nicht mehr vollständig auf den Zeugen befestigen, und liefert deßhalb helle und schäbige Farben.

Das holzsaure Eisen erhält sich wegen des in ihm enthaltenen Theers und brenzlichen Oehls viel leichter im oxydulirten Zustande, als das essigsaure (die sogenannte Eisenbrühe). Elfteres Salz ist deßhalb lezterem in vielen Fällen vorzuziehen, wo diese Oxydation durch die Berührung mit der Luft zu befürchten wäre.

Dessen ungeachtet können alle die verschiedenen Auflösungen von essigsaurem Eisenoxydul, welche man in den Kattundrukerein benuzt, je nach den verschiedenen Umständen bei ihrer Anwendung gute Resultate geben, wie aus folgenden Versuchen hervorgeht:

Ich bereitete Mordant für Püce, welcher aus essigsaurem Eisen und essigsaurer Thonerde besteht, ferner Mordant für Violett mit folgenden Eisenauflösungen.

Nr. 1. Essigsaures Eisen, durch doppelte Zersezung des Eisenvitriols und Bleizukers bereitet.

Nr. 2. Essigsaures Eisen, mit Essigsäure und metallischem Eisen bereitet.

Nr. 3. Essigsaures Eisen, mit Eisen und rothem Burgunder-Essig dargestellt.

Nr. 4. Reines holzsaures Eisen, mit gereinigter Holzsäure bereitet.

Nr. 5. Reines holzsaures Eisen, 5 Minuten lang gekocht.

Nr. 6. Rohes holzsaures Eisen, mit einem großen Ueberschuß von Theer, mit metallischem Eisen bereitet.

Nr. 7. Gemisch von rohem holzsaurem Eisen und reinem holzsaurem Eisen.

Alle diese Auflösungen wurden mit Wasser auf denselben Aräometergrad |277| verdünnt; ein Theil von jeder wurde mit Stärke und ein anderer mit Stärkegummi verdikt auf Baumwollenzeug gedrukt. Nachdem lezterer zwei Tage lang aufgehängt gewesen war, nahm man die Hälfte desselben durch ein Kühkothbad, die andere Hälfte ließ man vor dem Kühkothen noch 10 Tage an der Luft hängen. Nach dem Färben und Aviviren war kein Unterschied in den Resultaten bei den verschiedenen Mustern zu bemerken; alle lieferten gleich schönes, sehr dunkles und sattes Violett, und eben so ein gleich schönes Püce.

Es hängt also nicht einzig und allein von der Beschaffenheit der Eisenauflösung ab, ob man mehr oder weniger gute Resultate erhält, und zum Gelingen der Operation reicht es hin, daß die Auflösung im oxydulirten Zustand ist, oder doch demselben möglichst nahe kommt, wenn man sie auf den Zeug aufdrukt. Dessen ungeachtet kann die eine oder andere dieser Eisenauflösungen für manche Localitäten und für gewisse Artikel vorzuziehen seyn; so wird man zum Druk mit Mödeln (Handformen), wobei die Farben in den Sieben (Chassis) ausgebreitet, einige Zeit mit der Luft in Berührung bleiben, das holzsaure Eisen vorziehen; in einer Fabrik, wo man die Stüke kurze Zeit nach dem Bedruken auf der Walzendrukmaschine zu kühkothen (auszusieden) pflegt, wird man dagegen das essigsaure Eisen vorziehen. Kurz, nach Umständen wird man in einer Fabrik eine gewisse Eisenbrühe vorzugsweise anwenden, die man in einer anderen Localität mit Recht verwirft.

2) Das Verdikungsmittel der Beize hat ebenfalls einen großen Einfluß auf die Befestigung des Eisenoxyds. Bekanntlich fixirt unter gleichen Umständen die Stärke das Eisenoxyd mehr als das Stärkegummi, und dieses fixirt wieder mehr davon als das arabische Gummi. Lezteres hat nämlich die Eigenschaft, sich mit einem Theil des im Mordant enthaltenen Eisenoxyds zu verbinden, und diese Verbindung befestigt sich nicht auf dem Zeug, sondern fällt beim Reinigen oder Aussieden desselben ganz ab.

3) Der Klebrigkeitsgrad des verdikten Beizmittels hat keinen geringeren Einfluß auf das Gelingen der Verbindung des Eisenoxyds mit dem Zeug. Jede Farbe muß nämlich den für das Muster und den Artikel geeigneten Grad von Klebrigkeit erhalten, welchen man nur durch die Praxis kennen lernen kann.

4) Wenn man die Eisenbeizen noch mit verschiedenen Substanzen versezt, so muß dieß nothwendig die Resultate abändern. Ein solcher Zusaz kann zum Zwek haben, die Fixirung des Eisenoxyds auf dem Zeug zu begünstigen, eine zu leichte Oxydation der Eisenbeize vor ihrem Aufdruken zu verhindern, auf den hygrometrischen |278| Zustand der Luft nach dem Troknen der aufgedrukten Farbe zu wirken, oder endlich auf die Verdikungsmittel zu wirken und dadurch zu einem reineren und vollkommneren Druk beizutragen.

Wir wollen nun die Wirkungen einiger Substanzen, welche in diesen verschiedenen Absichten zugesezt werden, untersuchen.

In der Regel versezt man den zum Handdruk bestimmten Mordant für Schwarz (das sogenannte Aechtschwarz) mit einem Kupfersalz, welches zum Zwek haben kann, die Verbindung des Eisenoxyds mit dem Zeug zu begünstigen und zu beschleunigen. Gewöhnlich benuzt man dazu essigsaures Kupfer, aber schwefelsaures und salpetersaures geben dasselbe Resultat.

Das brenzliche Oehl und der Theer, welcher das holzsame Eisen enthält, tragen dazu bei, den Mordant auf einer niederen Oxydationsstufe zu erhalten.

Salzsaures Zink, welches man bisweilen dem Mordant für Schwarz zusezt, erzeugt direct kein auffallendes Resultat; es kann aber beitragen, daß sich das Verdikungsmittel besser hält und zugleich als hygrometrische Substanz wirken. Wenn man das holzsaure Eisen damit versezt, so hat es, besonders wenn auch noch ein wenig Oehl dazu kommt, zur Folge, daß die Rakeln und Walzen während des Walzendrukens stark angegriffen werden, so wie auch die Messingformen beim Handdruk.

Sezt man dem Mordant für Schwarz salzsauren Kalk, salzsaures Natron oder Farinzuker zu, so wirken sie eher schädlich als günstig.

Eisenvitriol, welchen man diesem Mordant zusezt, liefert eher ein schöneres Schwarz, wirkt aber nachtheilig auf die Stärke, wenn solche als Verdikungsmittel benuzt wird.

Ein Zusaz von salpetersaurem Eisen, salpeteressigsaurem Eisen gibt ein schönes Schwarz; die Farbe oxydirt und verändert sich aber schnell in den Sieben während des Drukens.

Bisweilen versezt man die Eisenbeize auch mit etwas essigsaurer Thonerde oder rothem Morant; dieses Gemisch oxydirt sich nicht so schnell im Sieb und färbt sich auch leichter als das bloße Eisensalz.

Als ich Mordant für Violett mit verschiedenen Substanzen versezte, gaben vergleichende Versuche folgende Resultate:

Der Mordant wurde mit reinem essigsaurem Eisen bereitet (aus Essigsäure und Eisenfeile dargestellt), mit Wasser verdünnt, mit arabischem Gummi verdikt und auf der Walzendrukmaschine gedrukt.

Zusaz von Salpeter (2 Loth auf 1 Maaß58) Mordant), Kochsalz |279| (2 Loth per Maaß) oder Salmiak (2 Loth per Maaß) haben nur einen geringen, aber günstigen Einfluß auf die Befestigung des Eisenoxyds.

Zukerkalk (1 Loth per Maaß) schlägt einen Theil des Eisenoxyds nieder und macht dadurch das Violett heller.

Zukersyrup (2 Loth per Maaß) gibt ein etwas dunkleres Violett; unter einigen Umständen liefert dieser Zusaz jedoch ein schlechtes Resultat.

Weinstein (1 Loth per Maaß) gibt ein schwächeres Violett, ohne eine lebhaftere Nuance zu erzeugen.

Kleesäure (1 Loth per Maaß) verhindert die Fixirung des Eisenoxyds nicht und die Farbe wird eben so dunkel wie ohne diesen Zusaz.

Weinsteinsäure (1 Loth per Maaß), Citronensaft von 5° Baumé (1/10 des Raums) verhindern die Fixirung des Eisenoxyds fast gänzlich.

Essigsäure und Holzsäure liefern bisweilen gute Resultate, indem sie die Eisenbeize in Auflösung erhalten; unter anderen Umständen ist ein Zusaz dieser Säure unnüz.

Bleizuker (2 Loth per Maaß) macht das Violett etwas dunkler, ohne seiner Lebhaftigkeit zu schaden.

Essigsaures Mangan (2 Loth per Maaß) bewirkt keinen auffallenden Unterschied und scheint eher zu schaden als zu nuzen.

Essigsaures Zinnoxydul, Queksilberoxydul, Chromoxyd, Zinkoxyd, Wismuthoxyd und essigsaurer Baryt (2 Loth von jedem dieser Salze auf 1 Maaß Mordant) wirken eher schädlich als nüzlich.

Salzsaures Zinnoxydul (1 Loth per Maaß) liefert ein helleres, matteres und röthliches Violett.

Salzsaures Zinnoxyd (1 Loth per Maaß) und salzsaures Zinnoxyd-Ammoniak oder Pinksalz (1 Loth per Maaß) machen das Violett nicht ganz so schlecht wie das salzsaure Zinnoxydul.

Salzsaures Zink (2 Loth per Maaß) und arsenige Säure (1/2 Loth per Maaß) haben beide keine Wirkung.

Salpetersaures Eisenoxyd (1 Loth per Maaß) macht das Violett heller und röthlicher.

Essigsaures, schwefelsaures und salpetersaures Kupfer, auch das Doppelsalz von arsenigsaurem Kupfer und Kalk (1 Loth von jedem auf 1 Maaß Mordant) schienen die Vereinigung des Eisenoxyds mit dem Zeug ganz besonders zu begünstigen, denn die violetten Farben wurden durch diese Zusäze fast doppelt so dunkel wie ohne sie.

Die Kupfersalze wirken in den Beizen für Violett besonders dann nüzlich, wenn man zu lezteren reines essigsaures Eisen verwendet |280| und hauptsächlich, wenn man sie mit arabischem Gummi verdikt. Sie scheinen die Verbindung des Gummis mit dem Eisenoxyd zu verhindern, welche ohne diesen Zusaz entstünde, und da sie sich nicht auf dem Zeug fixirt, rein verloren ginge. Bei anderen Verdikungsmitteln, und wenn man andere Eisenauflösungen, z.B. holzsaures Eisen anwendet, nuzt der Kupferzusaz nur sehr wenig.

Versezt man den Mordant für Violett mit einem Gemisch von salpetersaurem Kupfer und Salmiak, oder mit einem Gemisch von salpetersaurem Kupfer und Kochsalz, so liefert er ein helleres und matteres Violett als ohne diesen Zusaz. Diese Gemische greifen die stählernen Rakeln beim Walzendruk besonders stark an.

Oft muß man die Eisenbeizen für den Druk mit einem Farbstoffabsud (wozu meistens Blauholz angewandt wird) zeichnen oder blenden; diese Farbstoffe wirken desoxydirend und erhalten also das Eisensalz auf einer niedrigeren Oxydationsstufe. Wenn man schwachen Eisenbeizen aber zu viel davon zusezt, so können sie auch zur Fällung eines Antheils Eisenoxyd beitragen, indem sie damit einen Lak bilden.

Unter allen diesen Substanzen, welche wir den Eisenbeizen zugesezt haben, begünstigen also hauptsächlich nur die Kupfersalze in einigen Fällen die Vereinigung des Eisenoxyds mit dem Zeug. Wir müssen aber nochmals bemerken, daß unter eigenthümlichen, besonders in den Localitäten begründeten Umständen dieser oder jener Zusaz zu den Eisenbeizen nüzlich oder schädlich seyn kann.

5) Die oxydirende Wirkung der Luft auf die Eisenbeizen muß vor ihrem Aufdruken auf die Zeuge immer so viel als möglich vermieden werden. Die zu weit oxydirten Eisenbeizen verbinden sich nämlich nicht mehr mit dem Zeug und fallen großentheils oder vollständig bei dem Kühkothen davon ab. Besonders kann die Luft beim Druk mit Handformen oxydirend einwirken, wo oft nur wenig Farbe im Sieb ausgestrichen ist und ihr daher längere Zeit eine große Oberfläche darbietet, ehe sie auf den Zeug aufgetragen wird. Während des Walzendrukens ist diese Einwirkung der Luft ganz unbedeutend.

6) Der hygrometrische Zustand der Atmosphäre hat während des Aufdrukens der Eisenbeizen denselben Einfluß wie er schon von Hrn. Daniel Koechlin-Schuch (polyt. Journal Bd. XXX. S. 30) in Betreff der Thonerdebeizen auseinandergesezt wurde. Da der Erfolg der gleiche ist, so begnügen wir uns zu bemerken, daß ein feuchter Zustand der Luft beim Aufdruken der Eisenbeizen zum Gelingen der Farben oder zur Befestigung des Oxyds auf dem Zeug unumgänglich nöthig ist.

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Beim Walzendruk hat der hygrometrische Zustand der Luft auch noch einen indirecten Einfluß auf das endliche Resultat, denn die elektrischen Ströme, welche sich bei trokener Witterung in Menge entwikeln, veranlassen einen schlechten Druk. Das wollene Druktuch der Maschine ist oft so elektrisch, daß man in einer Entfernung von 4 – 6 Zoll Funken daraus ziehen kann.

7) Die guten Resultate nach dem Färben hängen zum Theil von dem mehr oder weniger schnellen Austroknen der aufgedrukten Eisenbeizen ab. Dieß läßt sich besonders beim Walzendruk beobachten. Es ist dabei unumgänglich nöthig, daß die Stüke rasch und bei einer geeigneten Wärme troknen, damit ein Theil der im Mordant enthaltenen Essigsäure frei und also das Eisensalz unmittelbar zum Theil zersezt wird. Ueberdieß muß das Troknen in einer etwas feuchten Atmosphäre statt finden, weil sonst das schnelle Troknen nicht nur nichts nüzen könnte, sondern eher nachtheilig wäre.

Wenn man auf Baumwollenzeug Mordant für Violett drukt und einen Theil desselben schnell an einem Ofen troknet, den anderen aber aufhängt, so daß er erst nach einigen Stunden austroknet, so bemerkt man nach dem Färben einen sehr großen Unterschied zu Gunsten des schnellen Troknens, wobei man ein dunkleres, satteres und schöneres Violett erhält, als bei dem langsamen Troknen. Als ich denselben Versuch jedoch bei sehr trokener Witterung wiederholte, lieferte er mir das umgekehrte Resultat; das langsame Troknen gab dann ein dunkleres und satteres Violett als das schnelle Troknen.

8) Die mit Eisenmordant bedrukten Stüke müssen nach der Beschaffenheit desselben (vor dem Kühkothen) mehr oder weniger lange hängen bleiben. Da eine mit reinem essigsaurem Eisen bereitete Farbe sich leicht oxydirt und zersezt, so brauchen die damit bedrukten Stüke auch nicht so lange zu hängen, wie bei einem aus holzsaurem Eisen bestehenden Mordant. Eben deßhalb muß man sie auch länger hängen lassen, wenn die Farbe Essigsäure, Weinessig oder Holzsäure in Ueberschuß enthält, als bei einem weniger sauren Mordant.

Die Dauer des Hängenlassens solcher Stüke richtet sich natürlich auch nach der Dichtigkeit oder dem Concentrationsgrad des Eisenmordants; so müssen die Stüke bei einem starken Mordant, wie man ihn zu Farben für Schwarz und Püce anwendet, länger an der Luft hängen als bei den schwachen Beizen für Violett und Lilas.

Während des Hängens der gedrukten Stüke ist auch der hygrometrische Zustand der Luft wohl zu beachten, damit eine vollkommene Verbindung des Eisenoxyds mit dem Zeug entsteht. Nur unter Mitwirkung der Feuchtigkeit der Luft zersezt sich das auf den Zeug |282| aufgedrukte essigsaure Eisen und entbindet einen Theil seiner Säure in gasförmigem oder dampfförmigem Zustande, während auf dem Zeug ein unauflösliches basisch essigsaures Eisen zurükbleibt, welches später bei dem Kühkothen vollständig zu Eisenoxyd wird. In dem Maaße, als sich die Essigsäure entbindet, erfolgt zugleich eine Oxydation des Eisenmordant, was man schon daran erkennt, daß die Farbe immer dunkler und gelblicher wird. Wenn man die Stüke sogleich nach dem Druken in einer sehr trokenen Atmosphäre aufhängt, wo keine Zersezung des Eisenmordant erfolgt, so befestigt sich lezterer auch nicht und es ist nachher sehr schwer, bei solchen Stüken die nothwendige Verdunstung von Essigsäure zu bewirken, selbst wenn man sie in einer sehr feuchten Atmosphäre aufhängt. Der Mordant, welcher in diesem Falle auf dem Zeug in neutralem oder saurem Zustande eingetroknet ist, verändert sich in mittelmäßig feuchter Luft nicht mehr; nur bei einem großen Ueberschuß von Feuchtigkeit in der Luft, und nach längerer Zeit wird der Druk nach und nach feucht, so daß sich das essigsaure Eisen zersezt.

Welches ist der geeignetste Oxydationsgrad des Eisens oder seines basisch essigsauren Salzes, damit es beim Färben lebhafte und satte Farben gibt? Wir werden durch Versuche zeigen, daß eine zu schwache Oxydation und eine zu weit vorgeschrittene gleich ungünstig auf das Resultat einwirken.

Wenn man als Mordant für Schwarz oder Violett holzsaures Eisen anwendet, das viel Theer enthält und folglich das Eisen hartnäkig auf dem oxydulirten Zustand erhält, so liefert derselbe in einigen Fällen nach dem Färben sehr schlechte Resultate; während unter denselben Umständen ein mit reinem essigsaurem Eisen vermischtes holzsaures Eisen, welches sich leichter oxydirt, sehr schöne Farben gibt. Derselbe Fall tritt bisweilen ein, wenn man die Eisenbeizen mit desoxydirend wirkendem Zukersyrup versezt.

Um den Einfluß einer zu starken Oxydation des Eisenmordant zu untersuchen, sezte ich bedrukte Zeugstükchen dem Dampfe des kochenden Wassers aus; sie gaben nach dem Färben im Krapp und Aviviren weniger schöne oder röthlichere Farben. Das Dämpfen ist dem Mordant für Püce noch nachtheiliger als den reinen Eisenbeizen. Eine Passage in einer Auflösung von doppeltchromsaurem Kali, die auf 48° R. erwärmt ist, schadet den Eisenbeizen noch mehr als das Dämpfen. Man erhält ein viel röthlicheres Püce und Violett, als bei dem vorhergehenden Versuch. Besonders auffallend wird der schädliche Einfluß einer zu starken Oxydation des Eisens, wenn man die bedrukten Zeuge zuerst dämpft und dann noch durch eine heiße |283| Auflösung von doppeltchromsaurem Kali passirt; man erhält dann ein schwaches und mattes Püce und Violett.

Nimmt man mit Eisenbeizen bedrukte Stüke durch eine mit vielem Wasser verdünnte und auf 32° R. erwärmte Chlorkalklösung, um das Eisen vollkommen zu oxydiren, so erhält man ein schlechtes, röthliches und helles Violett. Den Beizen für Püce schadet diese Passage jedoch weniger als die in chromsaurem Kali. Aehnliche Resultate liefern die Eisenbeizen, wenn man sie zuerst kühkothet und dann in Chlorkalklösung oxydirt.

Man könnte einwenden, daß solche Passagen in chromsaurem Kali oder Chlorkalk nicht bloß oxydirend wirken, sondern auch noch dadurch einen nachtheiligen Einfluß auf die Eisenbeizen äußern dürften, daß irgend eine chemische Verbindung durch diese Salze entsteht, so daß die ungünstigen Resultate beim Färben nur der lezteren Ursache zuzuschreiben wären. Dieß veranlaßte mich, eine neue Reihe von Versuchen anzustellen, wobei ich bloß den Sauerstoff der Luft als Oxydationsmittel benuzte. Dazu bereitete ich mir folgende Beizen.

Nr. 1. Reines essigsaures Eisen, mittelst Essigsäure und Eisen dargestellt und dann mit arabischem Gummi verdikt.

Nr. 2. Dasselbe essigsaure Eisen wie Nr. 1, aber mit Stärkegummi verdikt.

Ich wählte zu diesem Versuch eine Auflösung von reinem essigsaurem Eisen, weil sich eine solche am leichtesten in Berührung mit der Luft oxydirt; zur Vergleichung bereitete ich noch folgende zwei Farben mit einem nur schwierig sich oxydirenden Eisensalz, nämlich

Nr. 3. Holzsaures Eisen, mit Wasser auf denselben Aräometergrad wie das reine essigsaure Eisen Nr. 1 verdünnt und hierauf mit arabischem Gummi verdikt.

Nr. 4. Dasselbe holzsaure Eisen wie Nr. 3, aber mit Stärkegummi verdikt.

Diese vier Beizen wurden mit der Maschine auf Baumwollenzeug gedrukt und dann gut getroknet.

Da die Verdikungsmittel im Allgemeinen mehr oder weniger desoxydirend auf die Eisenbeizen wirken, so mußten sie die Genauigkeit meiner Versuche beeinträchtigen, was mich veranlaßte, auch noch folgende zwei Beizen zu bereiten und im unverdikten Zustande auf Baumwollenzeug aufzudruken.

Nr. 5. Reines essigsaures Eisen von 10° Baumé, mit 20 Theilen Wasser verdünnt.

Nr. 6. Holzsaures Eisen von 10° Baumé, mit 20 Theilen Wasser verdünnt.

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Mit diesen zwei Beizen wurden Baumwollenzeuge auf der Grundir- oder Klozmaschine getränkt und dann unter denselben Umständen getroknet, wie die mit den vorhergehenden Beizen gedrukten Stüke.

Nachdem diese sechs Beizen in möglichst kurzer Zeit auf die Zeuge aufgetragen und dann getroknet worden waren, hing man leztere sogleich an einem feuchten und temperirten Orte auf und ließ sie daselbst bis zu dem Augenblik, wo man die Reinigungsoperation (das Kühkothen) vornahm, hängen; lezteres geschah folgendermaßen:

1) Gereinigt nach 6stündigem Hängen;
2) 20stündigem
3) 2tägigem
4) 10tägigem
5) 27tägigem

Da das Reinigen mit Eisenbeizen imprägnirter Stüke, wie man unten sehen wird, einen sehr großen Einfluß auf die Befestigung des Eisens hat, so mußte ich alle Sorgfalt anwenden, um bei dieser Operation, welche mehrmals und zu sehr verschiedenen Zeiten wiederholt wurde, eine gleichförmige Wirkung zu erhalten. So konnte z.B. der Kühkoth im Verlauf der 27 Tage, welche ich zu den Versuchen gewählt hatte, in seiner Zusammensezung eine Veränderung erleiden; ich zog es daher vor, einen Theil der Beizen in einem Bad von phosphorsaurem Natron und Kalk, nebst etwas Kühkoth, zu reinigen, indem jenes Salz immer gleichförmig wirkt.

Es wurde daher die eine Hälfte der gebeizten Baumwollenstükchen in einem Bad gereinigt, welches aus

4 Maaß Wasser,

13 1/2 Loth Kühkoth und

2/3 Loth weißer Kreide

bestand; man erhizte dieses Bad auf 48° R. und ließ die Zeuge 4 Minuten lang darin.

Für die andere Hälfte benuzte man ein Bad, welches bestand aus:

4 Maaß Wasser,

1/5 Loth phosphorsaurem Natron und Kalk;

dasselbe wurde ebenfalls auf 48° R. erwärmt und die Zeuge 4 Minuten lang darin passirt.

Diese gereinigten Muster wurden ausgewaschen und getroknet, sodann miteinander in demselben Krappbade gefärbt. Nach dem Färben avivirte ich sie so, wie es beim Violett üblich ist.

Ehe ich die erhaltenen Resultate angebe, muß ich bemerken, daß ungeachtet des 27tägigen Aufhängens der Zeuge an einem feuchten Orte die holzsauren Eisenbeizen nach dem Reinigen sich bei weitem |285| nicht ganz oxydirt zeigten, und zwar weder die verdikt noch die unverdikt aufgetragenen. Die aus reinem essigsaurem Eisen bestehenden und verdikten Beizen waren nach 27tägigem Hängen viel höher oxydirt als das holzsaure Eisen, aber doch nicht gänzlich, denn beim Passiren durch Chlorkalk oxydirten sie sich noch mehr. Der aus reinem essigsaurem Eisen bestehende und nicht verdikte Mordant war nach 27tägigem Hängen am stärksten oxydirt, obgleich das Eisen bei der Chlorkalk-Passage noch Sauerstoff aufnahm.

Aus diesen Thatsachen ist ersichtlich, daß man selbst mit reinem essigsaurem Eisen auf der Oberfläche der Zeuge durch die Wirkung der Luft allein keine vollständige Oxydation des Eisens erhält, indem das entstehende basisch essigsaure Eisen viel beständiger als das ursprüngliche Salz ist. Die oxydirende Wirkung der Luft wird besonders durch den Einfluß der zum Aufdruken der Beizen angewandten Verdikungsmittel verzögert, theils weil dieselben als desoxydirende Körper wirken, theils weil sie auf mechanischem Wege die unmittelbare Berührung der Luft mit dem auf dem Zeuge befindlichen Oxyd oder basischen Salz verhindern.

Die Resultate meiner Färbeversuche ergaben, daß die Beizen in mehreren Fällen sich schon nach sechs Stunden mit dem Zeug gut verbunden hatten.

Essigsaures und holzsaures Eisen, Nr. 5 und 6, im unverdikten Zustande angewandt, lieferten nach sechsstündigem Hängen ein eben so dunkles Violett wie nach 27tägigem Hängen.

Die aus reinem essigsaurem Eisen bestehenden und verdikten Beizen, Nr. 1 und 2, lieferten ein Violett, welches an Intensität sehr wenig verschieden war, die Zeuge mochten nur 6 Stunden oder 27 Tage gehangen haben; bei 20stündigem und 27tägigem Hängen war der Unterschied Null.

Bei Anwendung von verdiktem holzsaurem Eisen, Nr. 3 und 4, erfolgte die Oxydation langsamer und die Unterschiede waren nach bloß 6stündigem und mehrtägigem Hängen auffallender; sogar nach 48stündigem Hängen war der Unterschied noch merklich und das Violett wurde etwas heller als bei den Zeugen, welche 27 Tage lang aufgehängt blieben.

Hinsichtlich der Lebhaftigkeit der Farbe waren die Resultate hingegen sehr verschieden und oft sogar denjenigen entgegengesezt, welche man bezüglich ihrer Intensität erhielt. Besonders zeigten die unverdikten Beizen Nr. 5 und 6, bei welchen, wie bemerkt, die Oxydation am weitesten vorschritt, bedeutendere Unterschiede in den Resultaten. Nach 6-, 20- und 48stündigem Hängen lieferten die Zeuge nämlich ein reineres und lebhafteres Violett, als nach 10tägigem und besonders |286| 27tägigem Hängen. Bei dem aus reinem essigsaurem Eisen bestehenden Mordant war der Unterschied merklicher als bei dem holzsauren Eisen Nr. 6, welches sich nicht so stark oxydirt zeigte.

Bei den verdikten Beizen sind die Unterschiede in Folge des längeren Hängens bei weitem nicht so groß, aber doch noch sehr merklich bei den reinen essigsauren Eisenbeizen Nr. 1 und 2. Nach 6- oder 20stündigem Hängen ist das Violett davon lebhafter als nach 10tägigem, und besonders 27tägigem.

Es zeigt sich auch ein kleiner Unterschied im Violett bei den mit holzsaurer Eisenbeize Nr. 3 und 4 bedrukten Stüken nach der Zeit des Hängenlassens; doch ist derselbe viel weniger merklich, selbst nach 27tägigem Hängen, als bei den aus reinem essigsaurem Eisen bestehenden Beizen.

Nach diesen Thatsachen kann kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß eine zu starke Oxydation des aus den Zeugen befestigten Eisens für die Krappfarben nachteilig ist. Ueberdieß färben sich solche Stüke im Krapp auch nicht mehr so leicht.

Unter gewissen Umständen bemerkt man, daß während die Stüke hängen bleiben und die Eisenbeizen also sich oxydiren, die Baumwollenzeuge mehr oder weniger geschwächt werden. Entsteht diese Veränderung des Faserstoffs dadurch, daß derselbe an das Eisenoxydul Sauerstoff abgibt oder dem Metalloxyd solchen entzieht, oder ist sie die Folge irgend einer anderen Ursache?

Um hierüber ins Reine zu kommen, stellte ich folgende Versuche mit vier verschiedenen Eisenauflösungen an:

Nr. 1. Reines essigsaures Eisen, mit Essigsäure und Eisen bereitet.

Nr. 2. Rohes holzsaures Eisen, einen Ueberschuß von Theer enthaltend.

Nr. 3. Essigsaures Eisen, durch Zersezung von Eisenvitriol mit Bleizuker bereitet, einen Ueberschuß von Eisenvitriol enthaltend; man nahm nämlich auf 2 Maaß Wasser 41 2/3 Loth Eisenvitriol und eben so viel Bleizuker.

Nr. 4. Essigsaures Eisen, einen Ueberschuß von Bleizuker enthaltend; es wurde mit 2 Maaß Wasser, 1/2 Pfd. Eisenvitriol und 1 Pfd. Bleizuker angesezt.

Ein Theil von jeder dieser Auflösungen wurde auf 15° Baumé gebracht und ein zweiter mit Wasser auf 5° Baumé verdünnt. Ich ließ dieselben sodann auf Baumwollenzeug druken, und zwar

1) im unverdikten Zustande;

2) mit arabischem Gummi verdikt;

3) mit Stärkegummi verdikt.

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Als die bedrukten Zeuge troken waren, zertheilte man jeden in drei Theile; der erste wurde an einem feuchten und temperirten Orte im zerstreuten Licht aufgehängt; der zweite an einem warmen, trokenen und dunkeln Orte; der dritte endlich wurde den directen Sonnenstrahlen gusgesezt und den Veränderungen der Temperatur und Feuchtigkeit der Luft überlassen. Nach Verlauf von 6 Tagen wurde die eine Hälfte von jedem dieser Zeugstükchen gereinigt (gekühkothet), die andere aber ließ man 21 Tage hängen.

Ein Theil wurde in einem auf 40° R. erwärmten, der andere in einem zum Kochen erhizten Kühkothbad gereinigt.

Nachdem alle diese Muster gut ausgewaschen und gewalkt waren, zertheilte man sie nochmals in zwei Theile, wovon man den einen zurükbehielt, den anderen aber durch verdünnte und auf 32° R. erwärmte Chlorkalklösung passirte.

Als ich nun das Gewebe hinsichtlich seiner Veränderung oder Schwächung unter diesen verschiedenen Umständen untersuchte, fand ich:

1) daß der Zeug bloß durch concentrirte Eisenauflösungen ge schwächt wird; nur in einem einzigen Falle zeigte er sich durch Eisen beizen von 5° Baumé geschwächt, während er durch solche von 15° B. in der Regel auffallend geschwächt war.

2) Die Schwächung des Zeugs erfolgte durch alle vier zu den Versuchen angewandte Eisenbeizen; jedoch durch den Mordant Nr. 4, welcher einen Ueberschuß von essigsaurem Blei enthielt, meistens et was weniger als durch die drei anderen.

3) Die unverdikten Eisenbeizen schwächen den Zeug ohne Vergleich stärker als die verdikten.

4) Im Sonnenlicht wird der Zeug viel mehr und in kürzerer Zeit geschwächt, als an einem feuchten und temperirten Orte; und in lezterem Falle wieder mehr, als an einem warmen, trokenen und dunkeln Orte.

5) Durch eine Eisenauflösung von 5° B. wird der Zeug nur dann geschwächt, wenn man ihn den Sonnenstrahlen aussezt.

6) Nach zweitägigem Hängen ist die Schwächung des Zeugs meistens noch nicht sehr merklich, nach sechstägigem ist sie aber, besonders bei sehr starker Oxydation des Eisens, schon eben so bedeutend, wie nach 21tägigem. So schwächt sich auch der Zeug durch die essigsauren Eisenbeizen Nr. 1 und 3 viel schneller, als durch das holzsaure Eisen Nr. 2, weil sich die Beizen Nr. 1 und 3 schneller oxydiren; eben deßhalb beschleunigt auch ein Zusaz von Kupfersalz zur Eisenbeize die Veränderung des Zeugs.

7) Das Reinigen in einem kochenden Kühkothbad trägt mehr |288| zum Schwächen des Zeugs bei, als wenn lezteres nur auf 40° R. erhizt ist.

8) Eine Passage in Chlorkalklösung nach dem Reinigen (Kühkothen) begünstigt besonders die Veränderung des Zeugs.

Aus diesen Beobachtungen kann man schließen, daß die Schwächung des Gewebes nur daher rührt, daß lezteres dem Metalloxyd Sauerstoff entzieht oder an dasselbe abgibt; sie findet nämlich nur dann statt, wenn die äußeren Umstände von der Art sind, daß sie das Abtreten von Sauerstoff an das Eisenoxydul begünstigen; die Veränderung des Gewebes ist auch um so bedeutender, in je kürzerer Zeit die Oxydation bewerkstelligt wurde. So wird z.B. der Zeug geschwächt, wenn die Feuchtigkeit der Luft zur Absorption seines Sauerstoffs mithilft, deßgleichen durch die Passagen in Chloralkalien, welche kräftige Oxydationsmittel sind. Erfolgt hingegen die Oxydation der Eisenbeize sehr langsam, so ist auch die Schwächung meistens geringer.

Da diese Schwächung des Zeugs in geradem Verhältniß mit der Oxydation des Eisens und besonders mit der Stärke oder Concentration der Eisenbeizen steht; da sie ferner um so auffallender ist, in je kürzerer Zeit die Oxydation stattfindet, so müssen wir sie – ohne uns bestimmt über ihre unmittelbare Veranlassung auszusprechen – hauptsächlich den Agentien zuschreiben, welche bei der Verbindung des Eisenoxyduls mit Sauerstoff oder bei seinem Uebergang in Eisenoxyd eine Rolle spielen.

9) Das Reinigen oder Kühkothen der mit Eisenbeizen bedrukten Stüke hat zum Zwek, das Eisensalz vollkommen zu zersezen und das Verdikungsmittel wegschaffen. Ich habe mich durch mehrere Versuche und Analysen überzeugt, daß mittelst dieser Operation alle Essigsäure aus dem basisch essigsauren Eisen abgeschieden wird und das Eisen dann auf einer zwischen dem Oxydul und Oxyd die Mitte haltenden Oxydationsstufe zurükbleibt. Das Eisenoxyd-Oxydul ist eine sehr beständige Verbindung, welche sich in Berührung mit der Luft nicht mehr höher oxydirt.

Um zu erfahren, ob sich dieses Oxyd in hydratischem Zustande fixirt, und ob in diesem Falle ein solcher Zustand zur Erzielung einer schönen Farbe nöthig ist, bedrukte ich weiße Baumwollenzeuge auf der Maschine mit verschiedenen Eisenbeizen, ließ sie mehr oder weniger lange in feuchter Luft hängen und reinigte sie dann zum Theil in einem Kühkothbad und zum Theil in einem solchen von phosphorsaurem Natron und Kalk. Nachdem die Muster hierauf gut gewaschen und getroknet worden waren, erhizte man sie an mehreren Stellen bis auf 88° R. und an anderen auf 128° R., um dem |289| Eisenoxyd das allenfalls mit ihm verbundene Hydratwasser zu entziehen. Das Erhizen bewerkstelligte ich durch eine Eisenstange, die ich vorher in ein auf die gewünschte Temperatur gebrachtes Queksilberbad getaucht hatte; ich ließ nämlich den gebeizten Zeug mehr oder weniger lange mit diesem heißen Eisen in Berührung.

Die angegebene Temperaturerhöhung des auf dem Zeuge befestigten Eisenoxyds bewirkte jedoch nach dem Färben im Krapp und dem Aviviren keinen Unterschied in den violetten Farben, selbst nicht in den hellsten und zartesten Nuancen. Das Resultat war für die verschiedenen, im unverdikten Zustand auf den Zeug geklozten Eisenbeizen dasselbe.

Zum Reinigen oder Aussieden der Eisenbeizen benuzte man bisher hauptsächlich Kühkoth-, in einigen Fällen auch Kleie- oder Kreidebäder.

Die Temperatur des Kühkothbades hat bisweilen einen auffallenden Einfluß auf die Fixirung des Eisenoxyds. Ich zertheilte Zeuge, die auf der Maschine mit Beizen für Violett bedrukt worden waren, in drei Theile, um sie dann in verschiedenen Kühkothbädern zu passiren, die auf 48° R., 68° R. und zum Kochen erhizt waren. Nach dem Färben in Krapp und dem Aviviren ergab sich, daß das Kühkothen bei 48° R. viel zwekmäßiger ist, indem man dann ein dunkleres und schöneres Violett erhält, als bei 68° R. und beim Siedepunkt. Als ich später denselben Versuch wiederholte und dabei alle Sorgfalt anwandte, um die bedrukten Zeuge schnell und in einer feuchten und warmen Luft zu troknen, worauf sie überdieß noch einige Tage in einer geeigneten Atmosphäre aufgehängt wurden, ergab sich jedoch ein kaum bemerklicher Unterschied in den Nuancen, nach dem Kühkothen bei 48° R. und bei dem Siedepunkt. Die Farben waren alle sehr schön und ganz satt.

In der Regel soll man daher beim Kühkothen der Eisenbeizen eine zu hohe Temperatur vermeiden, weil dasselbe bei niedrigerer Temperatur bessere Resultate liefert, besonders wenn die Stüke nach dem Bedruken nicht den geeigneten Umständen ausgesezt worden sind. Dieselben Versuche beweisen auch wieder, wie wichtig es ist, die Stüke gehörig zu troknen und sie während des Hängenlassens mit feuchter Luft in Berührung zu bringen.

Beim Kühkothen der Eisenbeizen ist ferner darauf zu achten, daß das Bad durch die freiwerdende Essigsäure nicht sauer wird, indem dieselbe das auf dem Zeuge befestigte Eisenoxyd zum Theil wieder abziehen würde. Man verhindert dieß durch einen Zusaz von Kreide, welche überdieß die Fixirung des Eisenoxyds begünstigt.

Versezt man das Kühkothbad mit ein wenig Aezkali, so erhält |290| man bei Eisenbeizen für Krappfarben ein schlechtes Resultat: das Violett bekommt einen röthlichen Stich.

Schon im Jahre 1834 versuchten die HHrn. Gebrüder Koechlin sowohl im Kleinen als im Großen einen Zusaz von arseniksaurem Kali beim Aussieden von Eisenbeizen im Kühkothbad, wobei sie fanden, daß das Eisenoxyd besser fixirt wird, als mittelst Kühkoth allein; man gab aber damals die Anwendung dieses Salzes wegen seines zu hohen Preises wieder auf.

Vor einiger Zeit machten auch die HHrn. Merser und Bleede, Kattundruker bei Manchester, den Vorschlag zum Aussieden mit Beizen überhaupt bedrukter Stüke arseniksaures Kali anzuwenden, oder es, was sehr vorteilhaft ist, durch ein Gemenge von phosphorsaurem Natron und phosphorsaurem Kalk zu ersezen (polyt. Journal Bd. LXXVII S. 291). Diese Salze können die Stelle des Kühkoths sehr gut vertreten, und besonders bei den Eisenbeizen, welche im Krapp gefärbt werden sollen. Beim Passiren der Stüke in einem solchen Bad verbindet sich ein wenig Phosphorsäure mit dem auf dem Zeug befestigten Eisenoxyd. Ich fand nämlich in der Asche von Zeugen, welche mit Eisenbeizen bedrukt, in einem Bad von phosphorsauren Salzen gereinigt, gewalkt und gut ausgewaschen worden waren, nach der Methode von Berzelius mittelst des Löthrohrs Phosphorsäure. Ich untersuchte auf diese Art nicht nur Zeuge, die in einem trüben phosphorsauren Bad gereinigt worden waren, sondern auch solche, wobei ein klares und filtrirtes phosphorsaures Bad angewandt worden war, so daß sich kein unauflösliches Phosphat mechanisch an sie anhängen und der Genauigkeit des Versuchs schaden konnte. Nach diesen Passagen wurden die Zeuge sehr sorgfältig ausgewaschen, so daß nur die innig mit dem Eisenoxyd und dem Zeug verbundene Phosphorsäure zurükbleiben konnte. Das Resultat war, daß sich in beiden Fällen Phosphorsäure mit dem Mordant verbunden hatte. Die Quantität der mit dem Eisenoxyd verbundenen Phosphorsäure habe ich nicht bestimmt, sie ist aber jedenfalls sehr unbedeutend, indem auf den Zeugen ein mit freiem Eisenoxyd vermengtes basisch phosphorsaures Eisen zurükzubleiben scheint.

Nach allen diesen Thatsachen und Beobachtungen sind die wesentlichen Bedingungen einer guten Fixirung der Eisenbeizen auf den Baumwollengeweben:

1) daß man die Eisenbeizen im oxydulirten Zustand auf die Gewebe aufdrukt;

2) daß die Luft in der Drukstube etwas feucht ist und die Stüke schnell troknen;

3) daß man die bedrukten Stüke lange genug an der Luft hängen |291| läßt, damit das essigsaure Eisenoxydul in basisch essigsaures Eisenoxyd übergehen kann;

4) daß man eine zu schwache und auch eine zu starke Oxydation des auf dem Zeug befestigten Eisens vermeidet;

5) daß man die gedrukten Stüke reinigt (aussiedet), um das Verdikungsmittel der Beize wegzuschaffen und das auf dem Zeug befestigte basisch phosphorsaure Eisen vollkommen zu zersezen.

6) Bei dem Aussieden in einem Kühkothbad bleibt das Eisen auf dem Zeug als Oxyd-Oxydul zurük.

7) Beim Aussieden in einem phosphorsauren Alkali bleibt auf dem Zeug basisch phosphorsaures Eisen, mit einem Ueberschuß von freiem Eisenoxyd gemengt, zurük.

8) Concentrirte Eisenbeizen greifen bei ihrer Befestigung auf dem Baumwollenzeug dessen Faser an und schwächen sie.

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Die Maaß gleich dem Raum, welchen 2 Pfd. Wasser einnehmen.

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