Titel: d'Arcet, über Seifenfabrication.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. LXXVII. (S. 371–379)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/ar079077

LXXVII. Vorschläge zur Abänderung der gegenwärtigen Verfahrungsarten bei der Seifenfabrication; von Hrn. d'Arcet.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Febr. 1841, S. 12.

Ich wurde im Jahre 1812 beauftragt, in Paris eine Seifenfabrik in solchem Maaßstabe zu errichten, daß man täglich gegen 15,000 Kilogr. Seife darstellen konnte; es gelang mir nach reiflicher Ueberlegung der Sache, nicht ohne Mühe, das vorgestekte Ziel zu erreichen. In Paris bestanden nie große Seifensiedereien, und ich wußte, daß man in solchen Fabriken, im südlichen Frankreich, weder durch die Kälte bei den Operationen gehindert ist, noch der Frost auf die fast immer durchnäßten Gebäulichkeiten zerstörend einwirkt. Andererseits brachten mich der zur damaligen Zeit hohe Preis des Brennmaterials und der Soda in Paris und gewichtige chemische und industrielle Betrachtungen auf die Ansicht, daß es nicht zwekmäßig seyn dürfte, im nördlichen Frankreich die Seifenfabrication auf dieselbe Art wie in Marseille zu betreiben; ich versuchte unsere Seifenfabrik nach rationelleren Grundsäzen, die dem Klima und den industriellen und commerciellen Verhältnissen angemessener sind, anzulegen.

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Mehrere Seifensorten werden kalt bereitet, und es ist eine bekannte Thatsache, daß wenn man ein Stük Talg in caustische Lauge taucht, oder auch nur in eine Auflösung von kohlensaurem Alkali, es sich mit der Zeit bei der gewöhnlichen Temperatur in eine vollkommene Seife verwandelt, obgleich nur die Oberfläche des Talgs mit der Lauge in Berührung kommt. Dieß brachte mich auf den Gedanken, ob es nicht möglich ist, Seife im Großen auf die Art zu bereiten, daß man nur eine niedrige Temperatur anwendet, die bloß hinreicht, das Fett in flüssigem Zustande zu erhalten und indem man ferner durch eine rein mechanische Wirkung das Sieden ersezt, welches ein zu langsames und zu kostspieliges Mittel ist, um die nöthigen Berührungspunkte zwischen Flüssigkeiten von so verschiedenen Dichtigkeiten, wie es die Oehle und die Aezlauge sind, herzustellen.76)

Bei der Seifenfabrication kommen zwei Hauptoperationen vor; die erste hat zum Zwek, das Alkali mit den fetten Substanzen chemisch zu verbinden, während es sich bei der zweiten nur darum handelt, die bereits gebildete Seife auf den geeigneten Wassergehalt zu bringen und sie dann zu schmelzen oder zu marmornen, je nachdem man weiße Seife, die 50 Proc. Wasser enthält, oder marmorirte, welche nur 33 Proc. davon enthält, darstellen will.

Die erste Operation, das sogenannte Vorsieden, ist im Großen mit vielen Schwierigkeiten verbunden: man muß mit dem fetten Körper die nöthige Aezlauge nach und nach und von einer geeigneten Dichtigkeit zusammenbringen, damit die entstehende Seife sich weder in der Flüssigkeit auflösen, noch sich darin zu großen und harten Klumpen vereinigen kann. Wenn sich die erzeugte Seife in der kochenden Lauge auflösen würde, so müßte der ganze Seifenleim bald in Masse gestehen, die Seife würde am Boden des Kessels anbrennen, und die Operation wäre verfehlt. Wollte man hingegen beim Vorsieden zu viel Lauge oder zu concentrirte Laugen anwenden, so könnten durch das Sieden die Berührungspunkte zwischen dem Fett und der Lauge nur schwer gehörig vervielfältigt werden, was die Verseifung verzögern und die Unkosten für Brennmaterial, Handarbeit etc. erhöhen winde. Diese Notwendigkeit, die Seife während |373| der ganzen Dauer des Vorsiedens so zu sagen in der Lauge halbaufgelöst zu erhalten, macht, wie bemerkt, die Operation sehr schwierig und kostspielig, und zieht sie überdieß unnüzer Weise in die Länge; man wird aus dem Folgenden ersehen, wie es mir gelang, alle diese Uebelstände zu vermeiden.

Nach beendigtem Vorsieden schreitet man zum Klarsieden der Seife, d.h. man bringt durch Kochen die Lauge, worauf die Seife schwimmt, bis auf diejenige Stärke (Dichtigkeit), bei welcher die Seife gerade die nöthige Menge Wasser enthält; nach dem Vorsieden findet man darin über 50 Proc. Wasser, gegen das Ende des Klarsiedens ist sie aber mehr zusammengedrängt und enthält dann nur noch beiläufig 16 Proc. Wasser. Der Hauptzwek des Klarsiedens ist, in dem Korn der Seife nur die geeignete Menge Lauge zurükzulassen; zugleich wird durch diese Operation aber auch das Vorsieden vervollständigt, wenn dasselbe schlecht ausgeführt wurde und überdieß die Seife in allen ihren Theilen gleichartig gemacht. Die einzigen wünschenswerten Verbesserungen beim Klarsieben der Seife bestehen in der Anwendung zwekmäßiger metallener Kessel und einer solchen Construction der Oefen, daß an Brennmaterial erspart wird; auch in dieser Hinsicht entspricht meine Verfahrungsweise dem beabsichtigten Zwek.

Nach dem Klarsieden der Seife folgt das Schmelzen, wenn man sie in weiße Seife verwandeln will, oder das Marmoriren, wenn marmorirte Seife mit rother oder isabellfarbiger Außenseite77) fabricirt werden soll.

Die Schmelzung hat zum Zwek, das Seifenkorn zu erweichen, demselben gegen 55 Proc. Wasser einzuverleiben, anstatt der 16 Proc., welche beim Klarsieden darin zurükblieben, den Seifenleim fast flüssig zu machen und so während des Erkaltens der Seife im Formkasten das Absezen aller fremdartigen Körper zu begünstigen, damit diese Seifensorte weißer, sehr rein und gleichartig wird. Ich konnte diese Operation nur in Bezug auf die Sicherheit der Arbeiter |374| verbessern, so daß sie dabei nicht der Gefahr ausgesezt sind, in den Kessel zu fallen.78)

Wohl aber war ich im Stande, das Verfahren beim Marmoriren zu verbessern. Vauquelin war der erste Chemiker, welcher eine wissenschaftliche Erklärung dieser Operation versuchte; „der Schwefelwasserstoff“, sagt er, „vereinigt sich dabei mit dem Eisen und dem Oehl, wodurch eine grünlich-blaue Substanz entsteht, die sich nicht mit der Seife verbindet, aber, indem sie sich darin beim Kochen in kleinen Massen zerstreut, die Marmorirung hervorbringt.“

Diese Erklärung kann jedoch nicht als genügend betrachtet werden; ich glaube, daß dafür folgende substituirt werden muß: beim Vorsieden verbindet sich das in der schwefelhaltigen Sodalauge aufgelöste Eisen mit den fetten Säuren, und bildet eine Eisenseife; dasselbe geschieht, wenn man durch einen Zusaz von Eisenvitriol den zu geringen Eisengehalt der Laugen zu verstärken genöthigt ist. Andrerseits verwandeln sich die Thonerde und der Kalk, welche in den Laugen enthalten sind, ebenfalls in Seifen, und diese Eisen-, Kalk- und Thonerdeseifen losen sich beim Vorstehen in dem Gemisch von Oehl und fast flüssiger Seift auf.79) Später, wenn das Vorsieden beendigt ist, und selbst noch nach dem Klarsieden sind die Eisen-, Kalk- und Thonerdeseifen so gleichförmig in der ganzen Seifenmasse vertheilt, daß man sagen kann, sie seyen darin förmlich aufgelöst; sie färben sie durchgängig und gleichförmig schwärzlichblau, wenn die Lauge nicht aufhörte schwefelhaltig zu seyn; die rasch erkaltete Seife steht dann in dünnen Schnitten nassem Schiefer ganz gleich.

Die Seife ist nach beendigtem Klarsieden und wenn sie sich hinsichtlich der Färbung, in dem angegebenen Zustande befindet, durch die große Dichtigkeit der kochenden Laugen, worauf sie schwimmt, zu stark ausgetroknet; man muß sie daher wieder auf einen Wassergehalt von beiläufig 36 Proc. bringen, was durch die Operation des Marmorirens geschieht, deren Zwek ist, die Seifenkörner aufzublähen, gehörig zu erweichen, sie so zu sagen in einen Zustand von halber Auflösung zu versezen und diese Art Schmelzung bis in ihr Innerstes wirken zu lassen. Hiebei muß das Seifenkorn etwas mehr erhalten bleiben, als wenn weiße Seife dargestellt werden soll; deßwegen darf man das Marmoriren nicht ganz so weit treiben wie die Schmelzung.

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Nach beendigtem Marmoriren muß die Seifenmasse in allen ihren Theilen gleichmäßig von Wasser durchdrungen seyn; die Körner müssen weich, voluminös und kaum von der heißen Lauge getrennt seyn, auf welcher sie schwimmen und wovon ein großer Theil zwischen den gehörig erweichten Körnern eingeschlossen bleibt; man gießt die Seife alsdann in den Formkasten und die Operation ist beendigt: wir wollen nun sehen, was hinsichtlich der Marmorirung der Seife im Formkasten vorgeht.

Wenn man von der fertigen Seife in dem Augenblik, wo sie in den Formkasten gegossen wird, eine Portion zu einer dünnen Platte auslaufen läßt und schnell abkühlt, so erhält man nur eine gleichförmig blau gefärbte Seife, nassem Schiefer ähnlich; die Seife ist folglich in dem Augenblik, wo man sie in den Formkasten gießt, noch nicht marmorirt: das durch Schwefelwasserstoff gefärbte Gemenge von Eisen-, Thonerde- und Kalkseifen ist noch in der ganzen Masse aufgelöst; nach und nach aber und bei zunehmendem Erkalten der Seife trennt sich die Lauge davon und sammelt sich am Boden des Kastens; die Eisen-, Thonerde- und Kalkseifen, welche weniger auflöslich sind und nicht so leicht in Fluß kommen, wie die Natronseife, trennen sich von derselben und sammeln sich an einzelnen Stellen in der Seifenmasse an, wodurch mehr oder weniger große blaugefärbte Adern in der weißen Masse entstehen.

Wenn man zur Fabrication der weißen Seife schwefelhaltige Laugen anwendet, so erhält man dennoch ein ganz weißes Product, weil man durch weit getriebene Schmelzung den Seifenleim so flüssig macht, daß sich die blau gefärbten Eisen-, Thonerde- und Kalkseifen vollständig absondern und auf den Boden des Formkastens absezen können. Bei der Fabrication der marmorirten Seife, wo die Schmelzung nicht so weit getrieben wird, scheiden sich dagegen die unauflöslichen und gefärbten Seifen nur zum Theil ab und bilden darin Adern; die Anzahl, Größe und Form dieser lezteren hängt von dem Flüssigkeitszustand des Seifenleims und von der Dauer des Erkaltens der in den Formkasten gegossenen Seifenmasse ab.

Das Gemenge von Eisen-, Thonerde und Kalkseifen, welches in der gewöhnlichen Seife aufgelöst und durch die schwefelhaltige Lauge blau gefärbt ist, Verliert an der Luft – unter dem Einfluß des in der Seife enthaltenen Wassers und überschüssigen Alkali's – schnell seine Farbe; die blaue Farbe hinterläßt dann beim Verschwinden eine um so stärkere gelbliche Färbung, je mehr Eisen die Seife enthielt, denn nachdem die Marmorirung oder vielmehr das Gemenge von Eisen-, Thonerde-, |376| Kalk- und Natronseife entschwefelt wurde, ist es nur mehr durch reine Eisenseife gefärbt, die eine okergelbe Farbe hat.80) Wenn die gelben Stollen, welche die Marmorirung auf der Oberfläche der Seifentafeln zurükläßt, eine zu dunkle Farbe haben, so mißfällt eine solche Seife den Käufern und sie kann nur mit Verlust abgesezt werden. Man verlangt vom Seifensieder, daß er eine schön dunkelblaue Marmorirung gibt und will doch, daß die so gefärbten Stellen der Seife an der Luft weiß werden, d.h. man verlangt von ihm, daß er zwei einander ganz entgegengesezte Bedingungen zugleich erfülle.

Ich hatte lange gegen diese Schwierigkeit zu kämpfen, welche für mich um so größer war, weil ich ganz aus Eisenblech verfertigte Kessel benuzte und folglich nach der alten Fabricationsweise in meinem Seifenleim zu viel Eisenseife erhielt; es gelang mir aber sie zum Theil schon dadurch zu besiegen, daß ich das Verfahren beim Vorsieden abänderte, hauptsächlich aber dadurch, daß ich Bleiseife statt der Eisenseife zum Färben des Gemenges der unauflöslichen Seifen anwandte, welches die Marmorirung hervorbringt. Dieses neue Gemenge, worin sich immer zufällig mehr oder weniger Eisenseife befindet, färbt sich durch die schwefelhaltigen Laugen gut und gibt eine Marmorirung von sehr dunkler schwärzlichblauer Farbe, welche durch Einwirkung der Luft zerstört wird und dann die Außenseite der Seife ungefärbt läßt.

Bei dem Marmoriren der Seife kommt es also hauptsächlich darauf an:

1) daß in dem Seifenleim so viel Eisen- oder Bleiseife enthalten ist, als der verlangte Grad der Färbung erheischt;

2) daß die Eisen- oder Bleiseife auch mit einer gehörigen Menge Kalk- und besonders Thonerdeseife verbunden ist, damit die Marmorirung durchsichtig, gleichartig und von zarter, so zu sagen sammtartiger Färbung ausfällt;

3) daß beständig, besonders aber gegen das Ende des Siedens, ein gehöriger Ueberschuß von schwefelhaltiger Lauge mit der Seife in Berührung ist;

4) daß das Marmoriren des Seifenleims und das Erkalten der |377| Seife im Formkasten so bewerkstelligt werden, daß die verlangte Marmorirung entstehen kann.81)

Da ich keineswegs die Absicht habe, die Kunst des Seifensieders zu beschreiben, sondern bloß die Verbesserungen bekannt zu machen, welche ich in der Seifenfabrication gemacht habe, nebst einigen neuen Thatsachen hinsichtlich der dabei vorkommenden Operationen, so bin ich auch nur in diejenigen Details eingegangen, welche man kennen muß, um den Vortheil des neuen von mir angenommenen Fabrications-Systems gehörig würdigen zu können; ich will nun im Allgemeinen den von mir befolgten Plan auseinandersezen, welcher für große Seifenfabriken unter allen klimatischen Verhältnissen vollkommen anwendbar ist.

Anstatt das Vorsieden mit schwachen Laugen und in kegelförmigen und tiefen Kesseln vorzunehmen, wie es gewöhnlich geschieht, bewerkstellige ich diese wichtige Operation in großen Trögen von Eisenblech, die dreimal so lang als breit sind und von Unten bloß durch den Rauch und die verlorene Wärme der gewöhnlichen (zum Klarsieden und Marmoriren der Seife dienenden) Kessel erwärmt werden, und ich wende starke Laugen, die etwas Kochsalz enthalten, anstatt schwacher und stufenweise stärkerer Laugen an.82)

Die Blechkästen, worin das sogenannte Vorsieden geschieht, werden |378| höchstens auf 40° R. erwärmt oder überhaupt nur so weit, daß der fette Körper vollkommen flüssig bleiben kann.

Anstatt das Gemenge durch Sieden unter einander zu bringen, wie es in allen Seifensiedereien des südlichen Frankreichs geschieht, bediene ich mich eines geeigneten mechanischen Rührers, wodurch die Berührungspunkte zwischen dem flüssig gemachten fetten Körper und der Lauge, worauf er schwimmt, viel schneller und wohlfeiler als durch das Sieden vervielfältigt werben können. Das Bewegen oder Umrühren des Gemenges wird so lange fortgesezt, bis die chemische Verbindung, welche die Seife constituirt, gehörig bewerkstelligt ist, was man am Gehalt der Lauge erkennt, der sich nicht mehr vermindern darf, und auch an der vollkommenen Auflöslichkeit der Seife im kochenden destillirten Wasser. Die erzeugte Seife ist dann in kleine zugerundete Körner verwandelt, die nicht miteinander zusammenhängen und auf der angewandten überschüssigen Aezlauge schwimmen; hierauf ist das Vorsieden beendigt.83)

Der Trog oder Kasten, worin diese Operation vorgenommen wird, reicht mit seinem Rande 3 Fuß über denjenigen des großen und tiefen kegelförmigen Kessels, in welchem die Verseifung beendigt werden muß, hinauf; eine hölzerne Rinne wird von dem Rand des Troges auf den des großen Kessels gelegt, um in lezteren die Seife nach dem Vorsieden übergießen zu können; man zieht nun die gebrauchte Lauge, welche auf dem Boden des Troges zurükbleibt, ab, und kann darin sogleich wieder ein Vorsieben beginnen: die in den großen Kessel auf neue Lauge übergegossene Seife wird nun dafür behufs der vollständigen Verseifung auf gewöhnliche Art klargesotten, um hierauf in weiße oder marmorirte Seife verwandelt zu werden, ganz so wie es in den großen Seifenfabriken geschieht.

Soll weiße Seife fabricirt werden, so braucht man im Troge beim Vorsieden keinen Farbstoff zuzusezen; will man aber marmorirte Seife darstellen, so muß der Seifenleim im Troge schon beim Beginnen des Vorsiedens gehörig gefärbt werden. Diese Färbung bewerkstelligte ich folgendermaßen:

Ich bereitete in einem Kessel besonders ein Gemenge von Thonerde-, Kalk- und Bleiseife, indem ich Auflösungen von essigsaurem Blei, salzsaurem Kalk und Alaun oder schwefelsaurer Thonerde der |379| Reihe nach mit überschüssiger, in Wasser aufgelöster Seife zersezte. Das erhaltene Gemenge wurde unter Wasser aufbewahrt und der zu färbende Seifenleim im Troge schon beim Beginnen des Vorstevens mit einer hinreichenden Menge desselben versezt. Die zum Vorsieden angewandte schwefelhaltige Lauge ertheilte der Bleiseife schnell die gewünschte schwärzlichblaue Farbe.

Wenn man die großen Schwierigkeiten berüksichtigt, welche das Marmoriren der Seife darbietet und bedenkt, daß der Seifensieder bei aller Geschiklichkeit doch nie dafür stehen kann, daß er die beabsichtigte Art von Marmorirung wirklich erzielt, so fragt man gewiß, weßhalb denn die Käufer die marmorirte Seife der weißen Seife so hartnäkig vorziehen; dafür haben sie jedoch allerdings gute Gründe, wie ich sogleich zeigen werde.

Was ich über das Marmoriren der Seife sagte, beweist, daß die Schönheit oder Vollkommenheit der Marmorirung mit dem Wassergehalt der Seife unwandelbar zusammenhängt. Eine gut marmorirte Seife kann nicht über 33 bis 34 Proc. Wasser enthalten, die weiße Seife hingegen bedeutend mehr, ohne deßhalb schlecht auszusehen, und sie wird sogar um so weißer, je mehr Wasser sie enthält. Beim Ankauf gut marmorirter Seife ist der Consument also sicher, daß er immer ein gleich gutes und gleich wirksames Product hat, während er mit weißer Seife nur zu leicht betrogen werden kann.

Andererseits müßte man, um weiße Seife zu fabriciren, welche wie die marmorirte nur 33 Proc. Wasser enthält, ganz schwefelfreie Laugen anwenden, was die Kosten bedeutend erhöhen würde; es liegt daher eben so sehr im Interesse des Seifensieders wie des Käufers, die Fabrication der marmorirten Seife aufrecht zu erhalten. Ich glaubte hierauf aufmerksam machen zu müssen, weil man gewöhnlich annimmt, daß der der marmorirten Seife von den großen Consumenten zugestandene Vorzug lächerlich und unbegründet ist, während sie dabei im Gegentheil langer Erfahrung und ihrem wohlverstandenen Interesse folgen.

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Man sieht, daß ich in der Kunst des Seifensiedens eine analoge Abänderung machen wollte, wie sie in den Glasfabriken zu der Zeit vorgenommen wurde, wo man aufhörte, das Glas in einer einzigen Operation im Glasofen fertig zu machen und anfing, die Materialien zur Verfertigung desselben vor dem Schmelzen und Läutern zu pulverisiren und zu fritten. Es fragt sich, ob es nicht auch bei der metallurgischen Behandlung der Erze zwekmäßig wäre, das Beispiel des Glasmachers zu befolgen, nämlich die Gemenge zu pulverisiren und bei niedriger Temperatur zu fritten, ehe man sie entweder in den Kupolofen oder in den Hohofen bringt.

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Wird rother Oker dem Seifenleim zugesezt, welchen man in blaue Seife mit rother Außenseite (á manteau rouge) verwandeln will, so vermengt er sich bloß mit der Marmorirung; seine Farbe wird durch die schwefelhaltige Lauge nicht verändert, verschmilzt sich aber mit derjenigen der Marmorirung, so daß diese in Violett übergeht. Bei der Schmelzung und dem Marmoriren dieser Seife wird ihr der rothe Oker noch inniger einverleibt und ihre Farbe folglich noch dunkler; wenn sodann die blaue Farbe der Marmorirung durch die Einwirkung der Luft an der Außenseite der Seifentafeln zerstört wird, erscheint die Farbe des Okers wieder (wodurch der sogenannte manteau rouge entsteht); in diesem Falle ist die gelbe Farbe der Eisenseife durch die des rothen Okers verdekt.

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Meine hierüber erschienene Abhandlung ist in den Annales d'hygiène Bd. XXI. S. 123 enthalten.

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Die fetten Säuren zersezen das schwefelwasserstoffsaure Natron, und es entwikelt sich beim Vorsieden des Seifenleims beständig Schwefelwasserstoff nebst ein wenig schwefelwasserstoffsaurem Ammoniak.

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Ein ähnliches Verhalten zeigt der Pariser Koth im Sommer; er ist durch Schwefeleisen schwarz gefärbt, verliert diese Farbe an der Luft und gibt, wenn er austroknet, ein bloß grau gefärbtes Pulver.

Nachdem die Farbe der Marmorirung durch die Einwirkung der Luft auf der Oberfläche einer Seifentafel zerstört worden ist, genügt es, um sie wieder herzustellen, die Seife in eine schwefelhaltige Lauge von 1040 bis 1050 spec. Gew. einzuweichen.

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Durch ein zu gemäßigtes Marmoriren und ein zu schnelles Erkalten erhält die Seife das Aussehen des Granits. Treibt man hingegen das Marmoriren zu weit und erkaltet der Seifenleim zu langsam, so bekommt man eine Seife, welche nur einige große blaue Adern enthält und die im äußersten Falle selbst gar keine mehr besizen, folglich der weißen Seife ganz gleich seyn kann.

Die verschiedenen in der angewandten Lauge enthaltenen Salze haben ebenfalls einen großen Einfluß auf die Marmorirung der Seife, denn die schwefelsaure Natronlösung macht die Seife so flüssig, daß sie durch feine Leinwand passirt werden kann, während bei gleicher Dichtigkeit und Temperatur die Kochsalzlösung die Seite körnt und sie sehr troken und hart macht; ich habe diese Wirkung der Glaubersalzlösung auf die Seife benuzt, um ihr den sogenannten zarten Schnitt (coupe douce) zu ertheilen, ohne genöthigt zu seyn, bei jedem Sieden eine große Menge fetten Samenöhls zuzusezen, wie es gewöhnlich geschieht, seitdem die rohe Soda nicht mehr kalihaltig ist.

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Damit möglichst wenig Eisenseife in die Marmorirung kommt, darf man die großen Blechtröge nicht viel tiefer machen, als es gerade nöthig ist, daß sie alle zu einem Sud erforderliche Lauge auf Einmal fassen können. Man versieht sie dann noch mit einem aus Mauerwerk (mittelst guter Baksteine und hydraulischen Kalks) verfertigten Aufsaz; so kommt die Seife nie mit Eisenblech in Berührung, welches der Luft ausgesezt ist. In den Seifensiedereien zu Marseille wird dieses System auch bei den großen Kesseln angewandt; dort ist es aber mit vielen Uebelständen verbunden, weil es für solche Kessel nicht dauerhaft genug ist und einen ungeheuren Verlust an Zeit, Brennmaterial, allgemeinen Kosten etc. zur Folge hat, während es auf die Blechkästen angewandt – die nur schwach und bloß durch den mittleren Theil ihres Bodens erhizt werden – alle wünschbaren Vortheile darbietet. Man könnte diese Kästen auch ganz aus Mauerwerk verfertigen und darin die Lauge und die Seife mittelst Dampf erhizen.

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William Hawes ließ sich im Jahr 1839 in England ein Verfahren patentiren, wodurch er die Verbindung des Fettes mit dem Alkali bei niedriger Temperatur auf mechanischem Wege bewirkt; seine Methode und der von ihm angewandte Rührapparat ist im polytechn. Journal Bd. LXXVII. S. 214 beschrieben.

A. d. R.

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