Titel: Jackson, über die Cultur der Rosen und die Bereitung des Rosenwassers.
Autor: Jackson,
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XCIX. (S. 458–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/ar079099

XCIX. Ueber die Cultur der Rosen und die Bereitung des Rosenwassers und des Attars zu Ghazeepore; von Dr. Jackson.

Aus dem Edinburgh new philosophical Journal. Jan. – April 1840, S. 326.100)

Ghazeepore scheint wegen seines Attars (Rosenöhls) und feines Rosenwassers schon lange berühmt zu seyn und sich alle Mühe gegeben zu haben, seinen deßhalb erlangten Ruf zu bewahren. Die Cultur des Rosenstrauches reicht hin, um den Bedarf zu befriedigen, und da der durchschnittliche Preis gerade nur genügt für die Mühseligkeiten des Anbaues schadlos zu halten, so ist von den anliegenden Districten keine Concurrenz zu befürchten. Um den Ort Ghazeepore herum sind bei 300 Beegah, oder 150 Morgen, in kleine Felder eingetheilten Landes, lauter Rosengärten, welche auf allen Seiten sehr sorgfältig durch Lehmwände und stachelige Helen zur Abhaltung des Viehs geschüzt sind. Diese Grundstüke, welche den Zemindars (Generalpächtern) gehören, sind mit Rosenstauden bepflanzt, und werden jährlich für so und so viel für das Beegah Grund, und wieder so und so viel für die Stauden – gewöhnlich 5 Rupien (ungefähr 2 Shil.) für das Beegah, und 25 Rupien für die Rosensträucher, deren in jedem Beegah 1000 sind, verpachtet. Die weiteren Kosten des Anbaues belaufen sich auf 8 Shill. 8 Den. Wenn die Saison gut ist, soll dieses Beegah von 1000 Rosenstauden einen Lak Rosen liefern. Die Rosen werden immer per Lak gekauft. Der Preis wechselt gewöhnlich nach dem Jahrgang zwischen 40 und 70 Rupien.

Sobald die Rosen in Blüthe kommen, versammeln sich die Zemindars und Rosenbauer sowohl als die Kauflustigen in der Stadt, wo dem Bedarf und dem erwarteten Producte gemäß ein Nerick festgesezt wird, und die Käufer gehen dann mit den Bauern einen Vertrag auf so viele Lak Rosen zu einem gewissen Preise ein. Dieser Vertrag wird als bindend betrachtet und der Bauer ist verpflichtet, die bestimmte Quantität zu dem abgeschlossenen Preise abzuliefern; wenn |459| dieser erfüllt ist, kann noch ein zweiter abgeschlossen werden, welcher aber immer zu einem höhern Preis festgestellt wird. Die Rosen kommen mit dem Anfang März in Flor und derselbe dauert den April durch fort. Die Blumen werden früh Morgens von einer Anzahl Männer, Weiber und Kinder gepflükt und in großen Säken an die einzelnen Contrahenten zur Destillation verschikt. Die Anbauer selbst verarbeiten sie nur selten.

Der ursprüngliche Apparat zur Destillation des Rosenwassers ist höchst einfach. Er besteht aus einem großen kupfernen oder eisernen, wohl verzinnten Kessel (Destillirblase), welcher 8 bis 12 Gallons faßt (von der Form der irdenen Hoondahs, in welchen die Gomastahs ihr Opium verschiken), mit weitem Bauche, sehr engem Hals und einer ungefähr 8 Zoll weiten Mündung. Diesem Kessel wird der Helm aufgesezt, der nichts als ein altes Kochgefäß ist mit einem Loch in der Mitte, welches die Kühl- oder Schlangenröhre aufnimmt.

Diese Röhre ist aus zwei Bambusröhren zusammengesezt, die im spizen Winkel an einander befestigt und der ganzen Länge nach mit Bändern stark umwunden sind, welche mit (Lehm-) Erde, um die Entweichung des Dampfes zu verhindern, lutirt werden. Das kleinere Ende derselben, welches ungefähr 2 Fuß lang ist, wird in ein in der Mitte des Helms befindliches Loch gestekt und mit Mehl und Wasser wohl verklebt. Der untere Arm der Röhre reicht in ein langhalsiges Vorleggefäß, das in einem Kübel mit Wasser steht, welches man, wenn es heiß wird, durch frisches ersezt. Der Helm des Apparats wird an die Blase gekittet, und der lange Arm der Röhre ebenfalls, wo er in die Vorlage eintritt, mit einer diken Lage Leinwand umgeben, damit kein Dampf austreten kann. Die Blase ruht in einem irdenen Ofen. So ist das Ganze zur Operation hergerichtet.

Es herrscht eine solche Verschiedenheit unter dem im Bazar bereiteten Rosenwasser, und so vieles wird mit diesem Namen belegt, was nichts anderes ist, als eine Mischung mit Sandelöhl, daß man unmöglich ein Verfahren mit Bestimmtheit als das richtige angeben kann. Doch mag als das beste Rosenwasser im Bazar dasjenige angesehen werden, wo 1000 Rosen auf 1 Seer (12 Unzen Markgewicht) Wasser kommen. Am häufigsten werden von 1000 Rosen 1 1/2 Seer Rosenwasser destillirt und vielleicht sogar von diesem noch das Attar abgenommen.

Die Destillirblase faßt von 8 bis 12 oder 16,000 Rosen. An 8000 Rosen werden 10 bis 11 Seers Wasser geschüttet und 8 Seers Rosenwasser abdestillirt. Dieses kömmt nach der Destillation in eine |460| große Glasstasche und wird einige Tage der Sonne ausgesezt (wodurch es zu Puckah wird); hierauf wird sie mit Baumwolle verstopft und mit feuchtem Lehm bedekt, welcher, indem er erhärtet, verhindert, daß der Geruch entweiche. Der Preis dieses Products ist 12 bis 16 Rupien, und es ist das beste, welches man erhalten kann.

Um das Attar zu erhalten, werden die Rosen in die Destillirblase gebracht, und das Wasser geht nach und nach über, wie bei der Rosenwasser-Bereitung. Wenn Alles übergegangen ist, wird das Rosenwasser in ein großes metallenes Beten gestellt, welches mit befeuchtetem Musselin bedekt wird, der darüber gebunden wird, um es vor Insecten oder Staub zu schüzen. Dieses Gefäß stekt man 2 Fuß tief in die vorher mit Wasser befeuchtete Erde, worin man es die ganze Nacht läßt. Das Attar wird schon beim Beginnen der Saison, wenn die Nächte noch kühl sind, bereitet. Früh Morgens wird die dünne Haut von Attar, welche sich während der Nacht auf der Oberfläche des Rosenwassers gebildet hat, mit einer Feder weggenommen und sorgfältig in ein kleines Fläschchen gebracht; und Tag für Tag wird es, wenn die Sammlung vorüber ist, kurze Zeit in die Sonne gestellt, und wenn eine hinreichende Menge gesammelt ist, klar und ambrafärbig abgegossen. Reines Attar hat, nachdem es erst drei oder vier Tage abgenommen ist, eine blaßgrünliche Farbe, die es aber beim Aufbewahren verliert; nach ein paar Wochen wird es blaßgelb. In den ersten paar Tagen liefert die Destillation kein so feines Attar, wie später, woran der in dem Destillirapparat und der Röhre enthaltene Staub oder Schmuz, welcher sich ihm beimengt, Schuld ist. Uebrigens ist er leicht davon zu trennen, da er in dem Attar zu Boden sinkt, welches bei 23° R. schmilzt. Von einem Lak Rosen erhält man, wie gewöhnlich angenommen wird, 180 Gran (1 Tolah) Attar; mehr als dieß kann noch erhalten werden, wenn die Rosen recht ausgewachsen und die Nächte kalt sind, um das Erstarren zu begünstigen. Das Attar, welches man im Bazar kauft, ist gewöhnlich verfälscht und mit Sandelöhl oder Baumöhl vermischt. Auch der reichste Eingeborne zahlt den Preis nicht, um welchen allein das reinste Attar erhalten werden kann, und das reinste Attar, das producirt wird, verkauft man nur an Europäer. Während des vergangenen Jahres wurde es zu 80 bis 90 Rupien per Tolah verkauft; ein Jahr vorher kaufte man es für 50 Rupien. Die Destillirgeräthschaften der Eingebornen werden zu einem gewissen Preis für den Tag oder die Woche vermiethet, und es ist oft der Fall, daß die Residenten einiges Rosenwasser zu ihrem eigenen Gebrauche, als Geschenk für ihre Freunde, bereiten, um sie zu versichern, daß sie mit dem besten versehen werden. |461| Die Eingebornen nehmen nie die Kelche von den Rosen ab, sondern bringen sie ganz, wie sie aus den Gärten kommen, in den Brennapparat. Mir scheint es, daß man besser thun würde, diese zu entfernen, indem dann das Rosenwasser längere Zeit aufbewahrt werden kann und nicht durch den, dem Rosenwasser der Eingebornen oft eigenen säuerlichen Geruch verdorben wird. Man rechnet gewöhnlich 100 Flaschen auf ein Lak Rosen. Das Rosenwasser sollte immer zweimal destillirt werden. Ueber 10,000 Rosen darf Wasser geschüttet werden, um 16 bis 20 Flaschen davon zu erhalten. Den Tag darauf werden diese 20 Flaschen über weitere 8000 Rosen geschüttet und 18 Flaschen Rosenwasser destillirt. Dieses kann dann als das beste betrachtet werden, welches zu haben ist. Das Attar ist um so viel leichter, als das Rosenwasser, daß man dieses vor dem Gebrauche am besten einige Tage der Sonne aussezt, damit sie sich gut mischen; und Rosenwasser, welches 6 Monate aufbewahrt wurde, ist jederzeit besser als frischbereitetes.

Am Anfange der Rosen-Saison kommen Leute überall her, um ihre Einkäufe zu machen, und es werden sehr große Quantitäten bereitet und verkauft. Es sind bei 36 Stellen in der Stadt Ghazeepore, wo Rosenwasser destillirt wird. Diese Leute bringen gewöhnlich eine große Menge Sandelöhl in die Vorlage; das Oehl wird nachher sorgfältig gesammelt und als Sandel-Attar verkauft, das Wasser aber in große Flaschen gebracht und als Rosenwasser behandelt. Zur Verkaufszeit werden einige Tropfen Sandelöhls auf den Hals der großen Flasche gebracht, um ihr einen frischen Geruch zu ertheilen, und vielen Eingebornen ist es ganz gleichgültig, ob der Geruch nur von Sandel oder von Rosen kömmt. Große Quantitäten Sandelöhls kommen jährlich aus dem Süden und werden auf diese Weise verbraucht.

Der vorzüglichste Gebrauch, welchen die Eingebornen von dem Rosenwasser, oder dem Sandel-Attar, wie sie es nennen, zu machen scheinen, ist bei ihren Festen und Hochzeiten. Es wird hiebei reichlich unter den ankommenden Gästen ausgetheilt und in Menge in den Gemächern ausgesprengt. Eine große Menge Rosenwassers wird nach Benares verkauft, und viele eingeborne Rajahs schiken nach Ghazeepore wegen seines Einkaufs. Mit dem meisten Rosenwasser wird sogleich nach der Destillation aufgeräumt und sechs Monate nach der Bereitung ist nur an vier oder fünf Pläzen noch welches zu haben.

Man kann den Werth der zur Bereitung des Rosenwassers verlausten Rosen auf jährlich 15,000 bis 20,000 Rupien anschlagen; und der für das Rosenwasser gewöhnlich begehrte und dafür bezahlte Preis wirst einen auf 40,000 Rupien anzuschlagenden Profit ab. |462| Die Eingebornen gebrauchen das Rosenwasser sehr gern als Arznei, oder als Vehikel für andere Arzneistoffe und verwenden einen großen Theil der Blumenblätter zu der Rosenconserve (Goolcund nach ihrer Benennung).

Dieser für ein gegenwärtig erscheinendes Werk Indian Materia medica bestimmte Bericht ist dem Journal of the Asiatic Society of Bengal, Mai 1839 entnommen.

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