Titel: Eine neue Construction der Archimed'schen Wasserschraube.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XIV./Miszelle 4 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079014_4

Eine neue Construction der Archimed'schen Wasserschraube.

Bekanntlich hat die gewöhnliche Archimed'sche Wasserschraube (Tonnenmühle), die ursprünglich zum Heben des Wassers benuzt wurde, in der neueren Zeit auch anderseitige Anwendung zu Gebläsen etc. gefunden, und es ist wahrscheinlich, daß dieses sinnreiche System noch verschiedener Benuzung fähig ist. Außer der vollkommnern Anfertigung des Schraubenkörpers scheint die Archimed'sche Wasserschraube aber für den Zwek des Wasserhebens u. dgl. bisher keine besondere Verbesserung erhalten zu haben, welche eine merkliche Vergrößerung des Nuzeffectes zur Folge gehabt hätte.

Die Erfindung einer Archimed'schen Schraube, welche größere Vortheile als die bisherige gewährt, ist also immerhin wünschenswerth, und eine solche Verbesserung derselben ist mir gelungen. Zur Vergleichung des schon bekannten Systems mit dem neuerfundenen wurden folgende Versuche angestellt, welche die Sache auf eine einleuchtende Weise darstellen.

Man verfertigte zwei Schraubenmodelle von ganz gleicher Dimension, jedes 2 Fuß lang und von 3 Zoll Durchmesser mit zweifachen Gewinden. Das eine dieser Modelle war nach der bekannten Art, das andere hingegen nach der neuen Einrichtung construirt. Beide wurden in gleichen Gefäßen unter denselben Neigungswinkeln |76| aufgestellt; ihr unteres Ende tauchte gleich tief in eine Quantität (von 50 Pfd) Queksilber ein, welches gehoben werden sollte. Nun ergab sich, daß die verbesserte Schraube, bei gleicher Anzahl von Umdrehungen noch einmal so viel Queksilber auf dieselbe Höhe schöpfte, als die gewöhnliche.

So wie bei gleicher Größe der Schrauben ein doppelter Nuzeffect durch die eine hervorgebracht wird, so erspart man bei gleichem Nuzeffect die Hälfte an Raum, Material und Gewicht. Die Umdrehungen können mit bedeutender Geschwindigkeit vor sich gehen, ohne daß Flüssigkeit zurükfällt. Auch wäre die Ausführung der neuen Schraube im Großen nicht schwierig, vorzüglich wenn dieselbe aus Eisenblech verfertiget wird.

Dieses System z.B. auf eine Cagniardelle (Schraubengebläse) oder zur Leuchtgascompression angewendet, müßte den Effect auf das Zweifache steigern. Außerdem ist diese Schraube zu allen Anwendungen der bekannten Art ebenfalls fähig, besonders zum Heben von Flüssigkeiten, deren Dichtigkeit oder hohe Temperatur den Gebrauch der Pumpe nicht wohl zuläßt, zum Ausschöpfen schlammiger Grundwasser, Sümpfe u. s. a. Zu lezterm Zweke kann die Maschine auch mit einem Windmühlenrade verbunden und dadurch selbstthätig gemacht werden; das gehobene und gesammelte Wasser kann so anderseits als Kraft benüzt werden.

Die Frage, ob diese Spirale auch zum Treiben von Dampfbooten angewendet werden könnte, müßte vorerst näher untersucht werden. Was im Allgemeinen die Einrichtung dieser neuen Rudermethode an den Dampfbooten betrifft, so scheint es, als wenn bei derselben weniger die eigenthümliche Wirkungsart der Archimed'schen Wasserschraube, als vielmehr der Widerstand der sich bewegenden Spiralflächen gegen das Wasser benuzt werde. Würde aber das Princip der Wasserschraube selbst mit berüksichtiget, so könnte für diese Zweke übrigens nicht leicht eine vortheilhaftere Spirale gedacht werden, und es wäre wenigstens im Interesse der Wissenschaft, hierüber auch einige Versuche anzustellen.

Ein richtiges Modell von dieser neuen Schraube und weitere Auskunft ertheilt

Jos. Ottmaier, Mechaniker in Zürich.

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