Titel: Cichorien-Kaffeebohnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XXXII./Miszelle 11 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079032_11
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Cichorien-Kaffeebohnen.

In einer großen Cichorienkaffee-Fabrik des Auslandes sahen wir vor Kurzem neben der Fabrikation des gewöhnlichen Cichorienpulvers, das in Päkchen verkauft wird, auch die Verfertigung künstlicher Kaffeebohnen. Dem Cichorienpulver wird zu diesem Zwek etwas Getreidemehl beigemischt und ein Teig daraus gemacht, aus welchem man zuerst längliche Streifen von der Breite und Dike einer Kaffeebohne bildet. Hieraus werden dann, so lange die Masse noch weich ist, die Bohnen durch eine Art Prägmaschine ausgepreßt, so daß sie ganz die Form der Kaffeebohnen mit einem Einschnitt auf der inneren Flächen Seite erhalten. Der Mechanismus ist dabei von der Art, daß der Teigstreifen, welcher in einer Rinne liegt, immer, sobald eine Bohne ausgeprägt ist, gegen den Prägstok sich vorschiebt, die ausgedrükten Bohnen aber in einen unten befindlichen Behälter hinabfallen. Mehrere solche Stempel zum Ausdrüken sind immer zugleich in Bewegung und das Ganze wird dort durch dieselbe Dampfmaschine, welche die Rösttrommeln und die Mahlsteine in Bewegung sezt, getrieben. Die fertigen Bohnen, die wir sahen, hatten ganz das Aussehen der ächten Bohnen, was besonders auch dadurch bewirkt wird, daß man dem Teig einen, wie wir hoffen wollen, unschädlichen grünlichen Farbstoff beimengt. Uebrigens werden die meisten dieser künstlichen Bohnen gleich geröstet, um in diesem Zustande verkauft zu werden, wo dann die Unterscheidung von achten Bohnen natürlich noch schwieriger ist.

Wir theilen diese neue Fabrikation hier nicht zur Nachahmung sondern zur Warnung fürs Publicum mit, denn es ist offenbar, daß das Kaffeesurrogat durch die Beimischung von Mehl etc. nicht besser, sondern schlechter wird, und da es auf der andern Seite durch die vermehrte Arbeit nothwendig theurer werden muß, so kann es dabei auf kaum etwas Anderes als auf Betrug abgesehen seyn. Wir glauben zwar gerne, daß die Fabrik ihr Product nur als Cichorienkaffeebohnen verkauft und verkaufen kann, aber an wen kann sie diese Bohnen verkaufen, als an Krämer, die sie in der Absicht an sich bringen, sie als ächte Kaffeebohnen wieder zu verkaufen, was besonders im gebrannten Zustand und in Vermischung mit achten nicht schwer fallen dürfte? (Riecke's Wochenblatt 1840, Nr. 47.)

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