Titel: Mittel gegen das Zusammenstoßen der Schiffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XXXII./Miszelle 3 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079032_3
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Mittel gegen das Zusammenstoßen der Schiffe.

In Folge der in jüngster Zeit auf der Manche und dem Rhein durch das Zusammenstoßen der Schiffe entstandenen schweren Unglüksfälle schlägt die Zeitschrift la Phalange folgende Mittel vor, um dieses Zusammenstoßen zu vermeiden. Der erste Gedanke, welcher sich darbietet, ist die Erhöhung der Leuchtkraft der auf dem Schiffe befindlichen Lichter, vorzüglich aber in der Richtung, wo solche Unglüksfälle zu befürchten sind, d.h. in der Richtung der Bewegung des Schiffes; was verhindert uns aber, an die Spize des Schiffes einen keinen Leuchtthurm mit einer einzigen Linse, welche einen starken Lichtbüschel parallel mit der Richtung des Schiffes aussendete, zu errichten? Das aufeinanderfolgende Erscheinen einer Reihe durch die Längenschwankung hervorgebrachter Blize würde dann die Ankunft eines Schiffes in gerader Linie anzeigen; die Zwischenzeit zweier so aufeinanderfolgenden Blize würde von der Dauer der Schwankungen des Schiffes abhängen und die Dauer jedes Blizes im Verhältniß der Annäherung des Schiffes zunehmen.

Man kann dagegen die Nuzlosigkeit aller Lichtsignale im Nebel einwenden; wenn aber die Nebel sehr stark sind, so kann ja ein Tonsignal vorgezogen, oder noch besser zu gleicher Zeit angewandt werden. So könnte man z.B. einen Theil des in den Schornstein entweichenden Dampfes der Dampfboote beim Austritt aus der Maschine in eine sehr große, wie ein Sprachrohr ausmündende Orgelpfeife leiten, und hätte dann eine kräftige, vor dem Schiffe hergehende Tonsäule. – Von der zur Hervorbringung einer hinreichenden Wirkung nöthigen Kraft wird man eine richtige Vorstellung bekommen, wenn man bedenkt, daß eines einzigen Menschen Kraft hinreicht, um die enormen Tonmassen der großen Orgel eines Domes hervorzurufen. Eine Dampfmaschine von 100 bis 200 Pferdekräften könnte doch ohne Anstand eine solche Pferdekraft ablassen und dazu verwenden, die von dem Fahrzeug zu betretenden Räume in tönende Schwingung zu versezen. Dieses Tonsignal würde im Großen den Dienst des Posthorns der Diligencen verrichten. Wollte man verschiedene Zeichen geben, so könnte man sehr leicht einige mit Klappen versehene Löcher in den Wänden des Dampfsprachrohrs anbringen, welche Klappen von Unten mittelst Bindfaden oder Drahten, die zum Schuz gegen den Wind in einem Rohr eingeschlossen seyn müßten, regiert würden. Es scheint nicht, daß man je an Segelschiffen solche Tonsignale, welche mächtig genug wären, um sich einige Hundert Meter weit hören zu lassen, wird anbringen können; doch ist die Unmöglichkeit noch nicht dargethan. Jedenfalls aber wäre das Dampfsprachrohr ein besseres Zeichen, als die auf den Fahrzeugen benuzten Gloken.

Es wird ferner ein ganzes System von Sprachröhren zur Beförderung der Befehle des Capitäns anempfohlen, wie ein solches in manchen Fabriken gebräuchlich ist, wo der Chef von seiner Schreibstube aus seine Befehle ertheilt. (Echo du monde savant, 1840, No. 589.)

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