Titel: Anwendung des Anthracits als Brennmaterial, besonders in Nordamerika und Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. XLIX./Miszelle 5 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079049_5

Anwendung des Anthracits als Brennmaterial, besonders in Nordamerika und Frankreich.

Im Jahre 1837 gelang es bekanntlich Hrn. Crane, ein Verfahren zu entdeken, um das Eisen mit Anthracit in Kupol- und Hohöfen auszuschmelzen (es ist im polyt. Journal Bd. LXVIII. S. 130 und Bd. LXX. S. 140 beschrieben); dabei ergab sich, daß von dem Anthracit nur 1/4 der sonst erforderlichen Steinkohle nöthig war, und überdieß erfolgte die Umwandlung des Erzes in flüssiges Roheisen viel schneller. Später gab ein anderer englischer Ingenieur, Hr. Player, besondere Ofenconstructionen an, um Dampfkessel, Schmiedefeuer, Feineisenfeuer etc. mit Anthracit zu betreiben (polyt. Journal Bd. LXXIV. S. 273). Endlich bildete sich in England eine Gesellschaft für die Anwendung des Anthracits bei der Dampfschifffahrt. Diese Gesellschaft ließ ein Schiff bauen, dem sie den Namen Anthracit gab und mit welchem die befriedigendsten Versuche angestellt wurden) man fand, 1) daß mit einem kleinen Kessel und einem viel niederern Schornsteine mehr Dampf erzeugt wird als auf den mit Steinkohlen geheizten Schiffen, 2) daß es keinen Rauch gab, 3) daß die Temperatur jenes Raumes auf dem Fahrzeuge, in welchem sich die Maschine befindet, nicht so hoch, mithin der Gesundheit der Arbeiter viel zuträglicher als gewöhnlich war, 4) daß Player's Speisungskammer die specielle Beschäftigung eines Mannes mit der Heizung überflüssig machte; der Schornstein selbst konnte als Aufschütttrichter dienen, 5) daß man nur 3 Kilogr. auf eine Pferdekraft in jeder Stunde verbrannte (Versuch von George Rennie), 6) daß man die Hand, ohne sich zu brennen, an den Schornstein legen konnte, was beweist, daß alle Hize im Feuerraume selbst beieinander ist. Lezteres erklärt sich durch die Abwesenheit bituminöser Bestandtheile im Anthracit.

Es gibt in Frankreich mehrere Lager magerer Steinkohle, welche die Mitte zwischen dem Anthracit und der eigentlichen Steinkohle halten. Wie der Anthracit so ist auch die Kohle dieser Gruben in einem viel älteren Erdreich, als die Steinkohlen, so daß die Existenz einiger dieser Lager lange Zeit völlig unbekannt war und sogar von mehreren Bergmännern geläugnet wurde.

Es folgt hier noch eine Zusammenstellung über den gegenwärtigen Verbrauch des Anthracits in den Vereinigten Staaten Amerika's sowohl als in Frankreich, und über die Zunahme dieses Verbrauchs seit einer Reihe von Jahren.

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Ausbeute in Pennsylvanien nach Tonnen (zu 1000 Kilogr.).

Textabbildung Bd. 79, S. 236

Ausbeute in Frankreich.

Textabbildung Bd. 79, S. 236

Es ist bekannt, daß in den Vogesen, vorzüglich in den Gegenden von Massevaux, Thann und Cernay mehr oder minder mächtige Anthracitadern sich befinden, deren Anthracit an Qualität eben so gut als der aus anderen Gegenden mit Erfolg benuzte ist, und es ist zu bedauern, daß man im Depart. des Oberrheins aus diesem Brennmaterial noch keinen Nuzen gezogen hat.

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