Titel: Verfahren das Eisenblech so zu verzinnen, daß es vom Rost viel weniger angegriffen wird, als gewöhnlich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. LXIII./Miszelle 7 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079063_7

Verfahren das Eisenblech so zu verzinnen, daß es vom Rost viel weniger angegriffen wird, als gewöhnlich.

Bekanntlich ist das verzinnte Eisenblech, wenn es der feuchten Luft zu widerstehen hat, sehr dem Verderben ausgesezt, und die daraus verfertigten Geräthe werden, besonders wenn sie durch den Gebrauch auch nur an einzelnen Stellen des Zinns beraubt sind, vom Roste so stark angegriffen, daß selbst Theile, welche auf beiden Seiten ihre Verzinnung noch gut besizen, dadurch, daß das sich dazwischen befindliche Eisenblech ebenfalls oxydirt wird, brüchig werden. Hat die Oxydation (das Zerfressen) des Eisenbleches einmal begonnen, so geht sie weit rascher von statten, als dieß der Fall seyn würde, wenn dieses gar nicht verzinnt gewesen wäre. Die Ursache davon beruht auf einer galvanischen Einwirkung, welche zwischen den beiden Metallen und der dabei befindlichen Feuchtigkeit stattfindet. Der Sauerstoff des Wassers wird an dem elektropositiven Metalle, dem Eisen, der Wasserstoff dagegen an dem elektronegativen, dem Zinn, frei. Auf solche Weise ist leicht einzusehen, wie sehr das Rosten des Eisens begünstigt wird, welches das Mürbewerden desselben zur Folge hat. Eine ähnliche Einwirkung bemerken wir auch bei den aus Bronze verfertigten und vergoldeten Gegenständen, wie Büsten, Statuen u.s.w., die, wenn sie ihre Vergoldung theilweise verloren haben, der Oxydation weit mehr ausgesezt sind, als solche, welche ursprünglich nicht vergoldet waren.

Suchen wir ein Mittel, um diesem Nebel abzuhelfen, so finden wir solches im Zink. Wird nämlich das zum Verzinnen des Eisenbleches bestimmte Zinn mit 4–5 Proc. Zink legirt, so ändert sich die im ersten Fall stattgehabte Einwirkung; galvanische Reaction findet zwar noch statt, allein, während im ersten Fall das Eisen als elektropositiveres Metall erschien, so ist es jezt das Zink, welches aber bei der gewöhnlichen Temperatur der Einwirkung der feuchten Luft weit besser widersteht, als das Eisen. Von dem auf beide Arten verfertigten Eisenblech wurde von jeder ein Stük über ein Jahr lang in einem sehr feuchten Keller aufbewahrt. während das auf die gewöhnliche Weise verzinnte Eisenblech nicht nur mit Rostfleken bedekt und feines metallischen Glanzes beraubt, sondern auch ganz mürbe geworden war, so hatte das mit einem Zusaz von Zink verfertigte nicht nur seinen ursprünglichen metallischen Glanz beibehalten, sondern auch alle Eigenschaften, welche von einem guten Eisenblech erwartet werden können. Obgleich in manchen Fällen bei Anwendung des mit Zink versezten Zinnes Vorsicht zu empfehlen ist, so glauben wir doch seine Anwendung besonders für Geräthe, die zum äußerlichen Gebrauch bestimmt sind und die der nassen Luft und Feuchtigkeit zu widerstehen haben, als Waschbeken, Gießkannen und ähnliches Geschirr, empfehlen zu dürfen.

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8 Theile Zinn und 1 Theil Eisen geben eine Legirung, welche zwar etwas strengflüssig, aber zum Verzinnen, besonders von Gußeisengeschirr, dem bloßen Zinn weit vorzuziehen ist, indem die damit verzinnte Waare weit dauerhafter wird. In Frankreich bedient man sich häufig dieser Legirung und wendet dasselbe Verhältniß davon an. Auch bedient man sich dort einer eigenen Art, verschiedene Gegenstände von Eisen, wie Schnallen, Schrauben und Nägel, mit einem Ueberzug von Messing zu versehen, indem man dieselben in eine etwas saure Auflösung von schwefelsaurem Messing (eine Auflösung des Messings in mit Wasser verdünntem Vitriolöhl) bringt und, wenn ihre Oberfläche mit Messing bedekt ist, abwäscht und in Kohlenpulver umhüllt erhizt. Sie erhalten dadurch den Anschein, als wären sie ganz aus Messing und leisten auch in vielen Fällen denselben oder noch bessere Dienste. (Dr. Reuß in Riecke's Wochenblatt, 1841 Nr. 6.)

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