Titel: Einfaches und leichtes Verfahren der Flachs- und Hanfröstung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. LXXXII./Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079082_10

Einfaches und leichtes Verfahren der Flachs- und Hanfröstung.

Da die Röstung zum Zweke hat, die schleimige Substanz durch die faule Gährung zu zerstören und die Trennung der nuzlosen Substanz von der Hede (Fadensubstanz) zu erleichtern, so wird man mittelst der von Hrn. Scheid-Weiler, |400| Professor der Botanik zu Cureghem-les-Bruxelles, angegebenen Vorrichtung diesen Zwek auf die befriedigendste Weise erreichen. Diese besteht in einem 6 Schuh hohen und breiten Kasten, durch dessen Boden ein Loch geht, in welches ein Stopfer gepaßt ist, 5 oder 6 Zoll über dem Boden befindet sich ein durchlöcherter falscher Boden, durch dessen Löcher die Gährungsproducte entweichen. Auf diesen falschen Boden legt man eine 3 bis 4 Zoll dike Lage Stroh, auf welches der Flachs oder der Hanf so gleich wie möglich, und ohne Zwischenräume zwischen den Stengeln zu lassen, gelegt wird, bis der Kasten zu drei Viertheilen voll ist. – Nach dieser Aufschichtung des Flachses wird eine mit der untern gleich dike Lage Stroh darüber gebreitet. Hierauf füllt man den Kasten mit Fluß- oder noch besser mit Regenwasser und verschließt ihn mit einem ebenfalls durchlöcherten Dekel.

Je nach der Temperatur und dem Grade der Trokenheit des Flachses läßt man ihn 24 oder 48 Stunden in Maceration; dann zieht man den Stopfer aus und tritt, wenn das Wasser abgeflossen ist, den Flachs mit den Füßen ein. Der so eingetretene und mit Stroh bedekte Flachs wird, je nach der Temperatur der Luft, mehr oder weniger schnell in Gährung übergehen. Das Wichtigste bei diesem Röstverfahren ist, die Gährung so zu leiten, daß die innere Wärme 30 – 36° Reaum. nie übersteigt. Am ersten Tage ist diese Wärme gleich der Lufttemperatur; am andern Tag steigt sie auf 20° und sie würde bis 70° fortsteigen, wenn man nicht durch Hineinschütten von 12 oder mehr Eimern kalten Wassers, nach der Menge des zu röstenden Flachses, sie mäßigen würde. Wenn die Vorrichtung an einem warmen Orte steht und kalte Winde nicht zutreten können, so muß man gewöhnlich zweimal innerhalb 24 Stunden die Temperatur herunterbringen, wo hingegen, wenn es kalt ist, dieß nur einmal zu geschehen braucht. Man muß von Zeit zu Zeit den anfangs gleich in die Mitte des Haufens gestekten Thermometer beobachten, damit die Wärme ja nicht über 36° steigt, indem eine Wärme über 40° R. sehr nachtheilig auf die Fadensubstanz einwirken würde. Am dritten Tag zieht man einige Stengel aus der Mitte des Haufens heraus, um zu untersuchen ob die schleimharzige Substanz schon hinlänglich zersezt sey und ob die Hede sich von den holzigen Theilen schon loszutrennen anfängt.

Um die schleimige Substanz zu entfernen, breitet man auf die obere Strohlage eine 4 bis 5 Zoll dike Lage Holzasche aus und gießt portionenweise und in geringer Menge Wasser darauf; das in der Asche enthaltene Kali führt die schleimige Substanz vollkommen mit fort, ohne die Hede zu beschädigen; nachdem man zulezt noch einige Eimer Wasser darüber geschüttet hat, nimmt man den Flachs aus dem Kasten, wäscht und troknet ihn entweder an der Luft oder in einem nur sehr schwach geheizten Ofen. Die Anwendung der Holzasche ist gerade nicht absolut nothwendig; aber die Hede wird durch sie sauberer und man erhält deren mehr und dagegen weniger Werg.

Wenn die schleimharzige Substanz beim Durchziehen eines Flachsstengels durch die Finger noch mit grüner Farbe und klebrig erscheint, so ist dieß ein Zeichen, daß die Röstung noch nicht vollendet ist und man muß den Flachs noch bis zum andern Tag in dem Kasten lassen. – Indem man die Holzasche einen zweiten Tag anwendet, kann man die Röstung beschleunigen. Man kann das ganze Jahr rösten, vorzüglich wenn man Gelegenheit hat, den Flachs in einer Trokenkammer oder im Bakofen zu troknen. Da das Rösten nur 3 bis 4 Tage dauert, so könnten alle Leinbauer eines Ortes bei diesem Verfahren ihren Flachs in derselben Vorrichtung rösten; die schädlichen und ungesunden Folgen des gewöhnlichen Verfahrens wären vermieden; ein einziger Privatmann könnte sich mit der Röstung für eine ganze Gemeinde beschäftigen. (Echo du monde savant, 1840, No. 604.)

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