Titel: Schörg'scher Brodbakofen in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. LXXXII./Miszelle 3 (S. 395–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079082_3

Schörg'scher Brodbakofen in München.

Schon seit Jahren haben sich intelligente Gewerbsmänner in unserm Vaterlande mit Verbesserung der Brodbaköfen beschäftigt) noch hat man es aber bis jezt nicht dahin gebracht, einen Bakofen zum gewerblichen Gebrauche zu erfinden, der in seiner praktischen Anwendung größeren Anforderungen, den gewöhnlichen Lehmbaköfen gegenüber, entsprochen hätte. In den lezten Tagen des Monats Januar l. J. ist nun in der Werkstatt des Schlossermeisters Franz Schörg (Lerchenstraße Nr. 52) ein Bakofen vollendet worden, dessen Construction und Leistungen hier besprochen zu werden verdienen.

Dieser Brodbaköfen ist aus starkem Eisenblech angefertigt. Er umfaßt 96 Quadratfuß Bakflächen in zwei getrennten Räumen, ist 9 Schuh lang und 7 Schuh breit, sohin in dem Zimmer oder der Bakstube aufzustellen. Die Feuerherde sind unter den Bakräumen so angebracht, daß sie stets eine gleichförmige Hize bewirken, die nach Bedürfniß und wie es die Gattung des Brodes erfordert, beherrscht und regulirt werden kann.

In dem Ofen selbst, unter dem ersten Bakraum, ist ein 70 bayer. Maaß haltender kupferner Wasserbehälter angelegt, aus welchem außer der Benüzung des warmen Wassers, nöthigenfalls zu gewissen Bakwerken die Wasserdämpfe mittelst Röhren, sowohl in den untern so wie in den obern Bakraum geleitet werden können, während zugleich andererseits dafür gesorgt ist, die überflüssigen Broddämpfe fortzuschaffen oder sie wohl gar durch einen an das Ableitungsrohr am |396| Hintertheil des Ofens anzubringenden Kühlapparat zur Weingeistgewinnung aufzufangen und zu benüzen.

Um die Bakräume zu beleuchten, sind zwei geschlossene Leuchtlöcher statt der gewöhnlichen Leuchtfeuer angebracht, die ein Helles Licht durch ganz einfache Oehllampen über die beiden Bakräume verbreiten. Um die Rauchzüge zu reinigen, ist eine Vorrichtung getroffen, womit dieses von Zeit zu Zeit wesentlich notwendige Geschäft ohne alle Mühe und mit der größten Schnelligkeit bewerkstelligt werden kann. Ferner sind unter den Feuerherden bewegliche Behälter angelegt, in welche die reine Asche fällt, daher auch von dieser nichts verloren geht.

Unter die weiteren Vortheile dieses Bakofens verdient gezählt zu werden, daß:

a) bei gleichgroßer Bakfläche, den gewöhnlichen Lehmbaköfen gegenüber, mindestens die Hälfte oder 50 Proc. an Brennmaterial erspart wird. So hat die vor einigen Tagen vorläufig damit vorgenommene Bakprobe ergeben, daß dieser Bakofen in 1 1/2, Stunden auf den erforderlichen Hizgrad gebracht wurde, und aus 290 Pfd. Teig von fünf Qualitäten mehrere hundert Stüke verschiedener Brode vollkommen herausgebaken wurden. Diese Quantität Brode wurde in 2 1/2 Stunden, mithin unter Zuziehung der 1 1/2 Stunden Beheizungszeit, in 4 Stunden zum Genüsse fertig. An Brennmaterial wurden von 3 1/2 Schuh langem Fichtenholz, in der Länge zweimal abgesägt und dann in kleine Stüke gespalten, deren 120 Pfd. verwendet, wovon circa 2100 Pfd. eine bayerische Klafter geben, und die Klafter zu 7 fl. gerechnet, 24 kr. betragen. Nimmt man nun an, daß wenn der Ofen einmal den ersten Bakhizgrad erlangt hat, er mit noch 80 Pfd. Brennholz für weitere vier Abbakungen in Gang erhalten werden kann, so käme auf 12 Stunden Arbeitszeit ein Brennholzaufwand von 200 Pfd. mit 40 kr. in Anschlag, womit wenigstens 1200 Pfd. Brode herausgebaken werden können. Nach diesen Daten ist jeder Bäker leicht im Stande sich die Berechnung selbst zu machen, wie viel bei diesen Oefen, den gewöhnlichen Lehmbaköfen gegenüber, an Brennmaterial sowohl, als auch an Zeit erspart wird, welche sonst das Ausnehmen des Feuers und wiederholte Auskehren des Bakraums wegnimmt, was alles bei dem in Frage stehenden Brodbakofen wegfallt und entbehrlich wird;

b) sind die Feuerräume oder Herde an diesen Oefen so angelegt, daß jede Gattung Brennholz verwendet, auch Torf und andere Brennholz-Surrogate zur Beheizung benuzt werden können;

c) hat der Ofen bei seiner Bauart noch den wesentlichen Vortheil, daß er in zwei Bakräume getheilt ist, so daß, und weil nicht alle Brode einen gleichen Hizgrad erfordern, das Anhaken in dem untern, und das Ausbaken im obern Bakraum, der beständig einen etwas mäßigeren Hizgrad hält, zu gleicher Zeit geschehen kann.

Zur Erzielung der sogenannten Schwelle ist ebenfalls eine ganz einfache und bequeme Vorrichtung angebracht;

d) ist der Ofen in jedem Zimmer aufzustellen, in welchem sich ein Kamin in der Nähe befindet, um die Rauchröhren hineinzuleiten, was ohne alle Gefahr in jeder Miethwohnung geschehen kann, weil der Ofen von allen Seiten freigestellt wird und seine Hize nur den innern Bakräumen zuwendet, die äußern Flächen aber nur mäßig erwärmt bleiben. Der Baker hat also auch nicht nöthig ein eigenes Haus zu besizen, um sein Gewerbe auszuüben. Dieses kann daher in einer Miethwohnung geschehen und der Ofen als tragbar, wie jedes andere Hausgeräthe in Miethveränderungsfällen mitgenommen werden. Nicht minder ist auch dieser Ofen zugleich geeignet, die Bakstube, in der er aufgestellt ist, zu erwärmen; den Teig mit den Bakbrettern, behufs der schnellern Gährung, namentlich im Winter, mittelst eines Gerüstes auf und um denselben zu legen, und das zum Anmachen des Teigs erforderliche warme Wasser aus dem unter dem Bakraum angebrachten Behälter holen zu können;

e) kann dieser Ofen neben der stärksten Brodbäkerei auch als Koch – und Bratofen für Bakgäste benuzt werden, weil er ununterbrochen zu jeder Tagszeit im Gang erhalten werden kann, und dem Baker zugleich vom Morgen bis an den Abend zu jedem beliebigen Gebrauch zu Diensten steht und immer frisches Brod liefert. Hieraus ergibt sich, daß ein solcher Ofen außer der gewöhnlichen gewerblichen Brodbäkerei auch als Gemeindebakofen, so wie für Arbeitshäuser, Spitäler, insbesondere für Commerzialbäkereien zur Lieferung von Zwiebak, dann auf Schiffen, zugleich als Koch- und Bratofen, endlich für Armeen mit großer Brennholz- und Zeitersparung benüzt werden kann. Gleich einer Feldschmiede |397| kann man diese Art Oefen auf ein Wagengestell sezen und damit unter freiem Himmel oder einem Zelte, wo immer angehalten oder gerastet werden will, sofort Nahrung für die Mannschaft baken, so wie man sie in Schiffen mittelst Flaschenzügen aufhangen kann, wodurch dem Ueberschießen selbst flüssiger Speisen vorgebeugt wird.

Der Erfinder dieses Brodbakofens fertigt deren auf Verlangen in allen Dimensionen von 250, 350, 450, 550, 650. 750 bis 850 preußische Thaler das Stük. Auch ist er bereit, gegen portofreie Antrage und für eine verhältnißmäßige Vergütung eine genaue Zeichnung mit Beschreibung aller Bestandtheile oder Musteröfen in verjüngtem Maaßstabe zu liefern, wonach mit aller Sicherheit ähnliche Oefen gebaut werden können.

Am 21. Februar 1841 wurde in diesem Ofen eine zweite Bakprobe in Gegenwart von Commissarien des polytechnischen und landwirthschaftlichen Vereins unter der Aufsicht eines Bäkermeisters im Beiseyn mehrerer Sachverständigen vorgenommen und eine bedeutende Quantität verschiedener Gattungen Brode mit einem Brennholzaufwande von 108 bayerischen Pfunden Fichtenholz in 3 1/2 Stunden zur Zufriedenheit Herausgebaken. M. St.

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