Titel: Verbesserung an den Maschinenstühlen zum Weben von Leinwand; von den Gebrüdern Meyer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. C./Miszelle 1 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079100_1

Verbesserung an den Maschinenstühlen zum Weben von Leinwand; von den Gebrüdern Meyer.

Die Erfahrung hat gelehrt, daß die ältern mechanischen, zum Weben von Baumwollengarn bestimmten Webestühle nicht mit Vortheil zum Weben anderer Stoffe angewendet werden können. Es war daher nöthig, an diesen Maschinen wesentliche Vervollkommnungen und ganz neue Einrichtungen einzelner Mechanismen anzubringen, um sie zum Weben aller Arten von Gespinnsten tauglich zu machen. Besonders erfordert aber die französische Leinenindustrie gute mechanische Webestühle, um der englischen die Spize bieten zu können.

Den HHrn. Meyer ist es gelungen, diese Aufgabe höchst einfach zu lösen, indem sie eine zwekmäßigere Vertheilung der verschiedenen Bewegungen anbrachten. Die Art der Bewegung der Lade und des Schiffchens bei den ältern Webestühlen ist zu stoßend, und kann nur bei einem so elastischen Stoffe wie die Baumwolle ist, gut thun. Bei dem neuen Webestuhle werden alle Bewegungen durch excentrische Scheiben hervorgebracht, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, die Geschwindigkeit oder den Druk, je nachdem man es nöthig findet, zu verändern; man hat in diesem Falle den Excentricis nur eine mehr oder weniger runde Form zu geben. Auf den Wellbäumen sizen die Bewegungsrollen; die Excentrica befinden sich außerhalb des Gestelles, sie stehen nicht parallel zu den Webebäumen, sondern durchschneiden ihre Achsen rechtwinkelig, und theilen ihre Bewegung durch Stängelchen oder Eisendrähte mit, welche an Winkelhebeln ziehen, die innerhalb des Webestuhles befestiget sind, um die verschiedenen Bewegungen zu erzeugen.

Aus diesen Einrichtungen folgt:

1) daß die Stühle viel breiter gemacht werden können, ohne daß ein Zittern zu befürchten wäre; alle Vorrichtungen des Stuhles werden bei 3 Stab Breite desselben mit eben so großer Genauigkeit bewirkt, als bei. einem Stuhle von 1 1/2 Stab Breite.

2) Gewahren sie eine Ersparniß von 20 Proc. an Triebkraft gegen die ältern mechanischen Webestühle.

Das Aufrollen des gewebten Stoffes wird durch die Reibung zweier Riemen bewirkt, welche den Zeugbaum mit dem Kettenbaum verbinden; und da diese Riemen nur durch den Druk des Rietblattes gegen das Gewebe angetrieben werden, so folgt, daß das Gewebe nicht mehr vorrükt, wenn kein Faden eingetragen wird, obwohl der Webestuhl noch fortgeht; dieses hat den bedeutenden Vortheil, daß jede Ungleichheit in dem Gewebe vermieden wird.

Was diesen Webestuhl hauptsächlich zum Weben glatter und dichter Stoffe geeignet macht, ist eine Einrichtung bei der Bewegung der Schafte, wodurch die Kette im Augenblik des Kreuzens sich theilt, so daß die Reibung, welche die Fäden der Kette erleiden, um die Hälfte vermindert wird.

Das Resultat aller dieser Combinationen ist, daß ein Webestuhl in 12 Stunden 12 bis 15 Stab Leinwand von mittlerer Feinheit und 30 bis 40 Zoll Breite weben kann. Ein Arbeiter, welcher zwei dieser Webestühle besorgt, kann also 24 bis 30 Stab Leinwand weben, während er auf dem Handstuhle nur 6 Stab weben kann. (Echo du monde savant, 1841, No. 611)

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