Titel: Rigaud's Vorschlag Häuser von Eisen zu bauen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. C./Miszelle 2 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079100_2
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Rigaud's Vorschlag Häuser von Eisen zu bauen.

Der bekannte Belgier Jobard hat in den Courrier belge Folgendes einrüken lassen:

„Die Eisenbahnen haben seit fünf Jahren unsere Hüttenwerke emporgebracht, aber es naht die Zeit, wo dieser Absazweg sich verschließt) man muß deßhalb darauf bedacht seyn, der Menge des Gußeisens, welches unsere Hohöfen liefern, einen neuen Abfluß zu verschaffen. Wir müssen Häuser, Brüken, Schiffe daraus machen; man hat in England und Amerika schon angefangen, läßt uns nicht zurükbleiben, denn endlich ist unser Gußeisen auf einen Preis gesunken, daß man erwarten darf, Häuser davon bauen zu können, welche bequemer, solider, im Winter wärmer und im Sommer kühler, als die Häuser von Baksteinen sind. Sie gewahren jedoch noch größere Vortheile: sie schüzen uns gegen Feuersgefahr, ersparen uns die Assecuranzen; ferner gegen den Bliz, wie auch bei Erdbeben und Ueberschwemmungen. Sie können schnell hergestellt werden, während man sonst lange auf das Austroknen der Materialien warten muß; schichtenweise übereinander gesezt und untereinander verbunden, ersparen sie den Grundbau und sind weder dem Einsinken, noch dem Einstürzen unterworfen; da sie sehr leicht zu transportiren sind, entheben sie uns der Unannehmlichkeit, die ganze Lebenszeit hindurch zwischen zwei unruhigen oder schlechten Nachbarn zu wohnen. Wenn ein Land uns nicht gefällt, so nehmen wir unsere Wohnung auseinander und versezen sie in ein anderes. Der Rost ist seit der Erfindung galvanischer Ueberzüge nicht mehr zu fürchten; die Häuser dauern ewig und behalten immer ihren Werth. Wenn uns der architektonische Styl nicht mehr gefällt, läßt man sie umschmelzen, um den Launen des Geschmakes und der Mode zu folgen. Die flachen mit Rasen belegten Dächer können uns zum Aufspannen und Bleichen der Wäsche, außer dem Bereiche der Diebe, dienen. Wünscht man endlich ein Haus sogleich zu besizen, so wird dasselbe acht Tage nach der Bestellung zu Couillot gegossen seyn, und acht Tage später wird es an Ort und Stelle geschafft, aufgestellt und bewohnbar seyn. Mit welcher Leichtigkeit wird man ganze Städte auf dem Boden der Schiffe als Ballast in die neuen Kolonien schaffen können; welche Bestellungen werden nicht von allen Seiten in Belgien einlaufen, sobald man das erste neue Haus gesehen haben wird, welches sich ohne Zweifel in der Stadt Leopold erheben wird! Wir verzweifeln an dem Muthe unserer großen Gewerbsfreunde und an ihrem Glauben an eine bessere Zukunft, wenn sie sich nicht beeilen das nöthige Geld herbeizuschaffen, um den wohldurchdachten Plan des Hrn. Rigaud auszuführen. Nach seinen Entwürfen und Kostenüberschlägen, welche von dem Director der großen Eisenwerke zu Couillot durchgesehen und gut geheißen wurden, würde ein Haus von Eisen mit drei Stokwerken, welche 17 bewohnbare Zimmer enthalten, nur 27,972 Fr. kosten; dasselbe Haus von Steinen kostet 27,788 Fr., also das eiserne nur 184 Fr. mehr. Das Gewicht desselben würde 810,000 Kil. betragen; ein einziger Wagenzug der Eisenbahn wäre also im Stande das ganze Haus von Brüssel nach Lüttich, Gent oder Antwerpen um den Preis von 5 bis 600 Fr. zu führen, und noch wohlfeiler könnte es zu Wasser geschehen. Damit man sich einen Begriff von der Heizung dieser Häuser machen kann, genügt es zu bemerken, daß die Wände hohl sind, und die warme Luft, welche von einem einzigen Wärme-Erzeuger in der Küche ausströmt, in den Zwischenräumen aller Wände circulirt, indem sie von einem Zimmer ins andere strömt; mittelst eines einzigen Schiebers, der von Unten bewegt wird, kann man den Zug verstärken oder vermindern, entweder alle Zimmer zusammen oder jedes für sich erwärmen oder abkühlen, ohne Hindernisse, ohne Rauch, ohne Staub, ohne Dienstboten, welche beschäftigt sind, Holz oder Steinkohlen die Stiege hinan zu schleppen etc.“ (Echo du monde savant, 1841, No. 611.)

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