Titel: Verfahren Gypsabgüsse von zarten Modellen zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. C./Miszelle 6 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079100_6

Verfahren Gypsabgüsse von zarten Modellen zu machen.

Wenn der Gyps durch Erhizen sein Krystallwasser verliert, so hat er eine solche Verwandtschaft zum Wasser und kann so viel davon aufnehmen, daß das Pulver, wenn es mit Wasser zur Rahmconsistenz angerührt wird, nach wenigen Secunden zu einer harten Masse erstarrt; darauf gründet sich bekanntlich das Verfahren Statuen etc. in Gyps zu gießen. Bei der Verfertigung von Gypsgüssen sind jedoch mehrere Vorsichtsmaßregeln zu beobachten, damit alle Luftblasen entfernt werden. Diese rühren entweder daher, daß dem Gyps ursprünglich Luft anhängt, oder derselbe Luft mit sich reißt, wenn er dem Wasser zugesezt wird. Elfterem Umstande begegnet man dadurch, daß man frisch gebrannten Gyps anwendet, was auch gewandte Gypser immer thun, indem sie behaupten, daß wenn der Gyps nur zwei Wochen aufbewahrt wird, die Güsse schon nicht mehr so gut ausfallen. Die gewöhnlichen Gypser können sich dieß nicht erklären, aber unserem berühmten Bildhauer Hrn. Wyatt ist der Grund hievon längst bekannt; |466| durch diese Adhäsion der Luft werden viele zarte Güsse verdorben. Hr. Wyatt erhizt das gewöhnliche Gypspulver in einer kleinen Pfanne über dem Feuer, wobei es in Folge der Gasentbindung aufschwellt und sodann zur Anwendung geeignet ist. Man sollte dann von solchem Gyps genug in ein Beken bringen und Wasser darauf gießen, bis er vollständig davon bedekt ist und keine Blasen mehr aufsteigen, worauf er durch Zusammenreiben durch und durch mit demselben vermischt werden muß. Den Gegenstand oder die Fläche, auf welche er aufgetragen werden soll, muß man mit sehr wenig Baumöhl überstreichen. Hierauf gießt man ein wenig flüssigen Gyps auf die Form und reibt ihn mit einem Pinsel aus Schweinsborsten in die feinen Theile derselben gut ein, wodurch die Adhäsion von Luftbläschen in dem Gyps, welche einen vollkommenen Eindruk verhindern könnten, beseitigt wird. Nun erst wird so viel Gyps zugesezt, als die verlangte Dike des Gegenstandes erheischt, worauf man dem Ganzen zum Erhärten Zeit läßt; nachdem der Abguß von der Form getrennt ist, erhizt man ihn schwach, um die überschüssige Feuchtigkeit auszutreiben, (Smee's' Elements of Electro Metallurgy.)

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