Titel: Der artesische Brunnen zu Grenelle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 79, Nr. C./Miszelle 7 (S. 466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj079/mi079100_7

Der artesische Brunnen zu Grenelle.

Die Ausdauer des Ingenieurs Mulot, welcher die Arbeiten am artesischen Bohrloch von Grenelle leitete, ward am 26. Febr. mit dem schönsten Erfolg gekrönt. Dieser artesische Brunnen fließt wie ein wahrer Strom hervor. Man schäzt, daß die Steigungskraft des Wassers auf dem Grunde dem Druk von 50 Atmosphären gleich kommt. Die Mündung hat 55 Centimeter (1 Fuß 8 Zoll) im Durchmesser und auf dem Grunde 18 (6 Zoll 8 Linien). Der Brunnen ist 547 Meter (1684 Fuß) tief, er ist bis zu 539 Meter mit sehr starken Eisenblechröhren ausgeschlagen. Rechnet man den Invalidendom zu 300 Fuß Höhe, so hatte die Sonde, mit der Hr. Mulot arbeitete, beinahe 5 1/2 Mal die Höhe jenes Doms. Diese aus eisernen Stangen von der Dike einer Wagenachse gebildete Sonde war dreimal in dem Loch gebrochen; es war Hrn. Mulot erst nach unerhörten Bemühungen gelungen, alle Stüke herauszubringen und dann seine schöne Arbeit fortzusezen. Eine der Straßen von Grenelle, wo das Wasser abläuft, zeigt einen wahren Bach, den man jezt nach einem Abflußcanal leitet. Das Wasser ist schwärzlich und sandig, aber geschmaklos und löst Seife vollkommen auf; es raucht an der Oberfläche wie eine heiße Quelle und zeigt 28° C. (22° R.) Wärme. Es ist anzunehmen, daß in kurzer Zeit, wenn die ganze Röhre ausgewaschen seyn wird, das Wasser so klar wie die reinste Quelle hervorfließen wird. Gegenwärtig liefert der Brunnen täglich 4 Millionen Liter Wasser, aber man erwartet, daß die Masse auf 5 Millionen steigen werde, sobald der Bohrer herausgenommen seyn wird. Der Bohrer soll nun herausgenommen und die Cylinder so bald als möglich auf der Oeffnung des Bohrlochs angebracht werden; dann erst wird es sich zeigen, wie hoch das Wasser steigen kann, indem der Bohrer jezt seine Gewalt bricht. Einige vermuthen, daß es auf 40 Meter steigen wird und in diesem Fall würden die Folgen für Paris unberechenbar seyn, weil man dann die Wasservertheilung in den Häusern unternehmen könnte, ein Plan, an dem man seit langer Zeit arbeitet.

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