Titel: Reuß, über die Einrichtung der Fayenceöfen.
Autor: Reuß, G.
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XXVI. (S. 108–110)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080026

XXVI. Ueber die Einrichtung der Fayenceöfen. Von Dr. G. Reuß in Stuttgart.

Mit einer Abbildung auf Tab. IV.

So sehr auch die Oefen von Porzellan oder Fayence in manchen Gegenden noch im Mißcredit stehen, was ohne Zweifel der bei denselben häufig wahrzunehmenden mangelhaften und nuzlosen inneren Einrichtung zuzuschreiben ist, so zwekmäßig und vortheilhaft sind dieselben bei Anwendung eines guten Heizsystems.

Gewöhnlich und nicht mit Unrecht beklagt man sich darüber, daß sie viel Zeit erfordern, ehe sie die Wärme gehörig ausstrahlen und dem Zimmer mittheilen – ein Fehler, der bei vielen solchen Oefen stattfindet, wie man sie zum Theil noch häufig in manchen Gegenden von Bayern trifft. Sie sind gewöhnlich groß und ihr Feuerraum meistens sehr weit und hoch, so daß, wenn dieser nicht beinahe ganz mit Brennmaterial angefüllt wird, man allerdings oft lange im kalten Local verweilen muß. Das Feuer hat unter solchen Umständen zwei Schwierigkeiten zu überwinden: fürs erste eine mehr oder weniger bedeutende Luftschichte, welche ihm als schlechter Wärmeleiter entgegentritt, fürs zweite die gewöhnlich diken Porzellan- oder Fayenceplatten, welche der Wärme nur langsamen Durchgang gestatten, wenn jene nicht sehr kräftig einwirkt. Man verbraucht am Ende viel Brennmaterial und bezwekt doch nicht viel Wärme dadurch.

Aehnliche Fayenceöfen findet man hin und wieder in der französischen Schweiz, so wie in Frankreich, aber im Allgemeinen sind sie zwekmäßiger eingerichtet. Selbst der Pariser, welcher mit Leib |109| und Seele an seinem zwekwidrigen und Brennstoff verzehrenden Kaminfeuer hängt, leistet, sobald es sich mehr um das Oekonomische handelt, auf dasselbe Verzicht. So sieht man z.B. in Paris auf Comptoirs dergleichen sehr zwekmäßig eingerichtete und zugleich elegante Fayenceöfen. Um sich der Fayenceöfen mit Vortheil zu bedienen, handelt es sich nicht bloß darum, anhaltende Wärmeentwikelung zu bewirken, was diese vor den eisernen, die sich schnell wieder abkühlen, zum Voraus haben, sondern auch darum, schnell Wärme erzeugen zu können. Sind diese beiden Bedingungen vereint, so ist ein solcher Fayenceofen durch eine mehr gleichförmige Wärme, die er ausstrahlt, so wie durch die dadurch zugleich bezwekte Ersparniß an Brennmaterial den eisernen, wo diese nicht durch einzelne, besonders häusliche Rüksichten bedingt werden, weit vorzuziehen.

In Fig. 32 theilen wir das Wesentlichste von der Einrichtung eines Fayenceofens mit, die uns als eine der zwekmäßigsten erscheint und die in der Praxis ausgeführt nichts zu wünschen übrig ließ. a ist ein länglicher, ziemlich schmaler Kasten von Eisen, b die Ofenthüre, c die Mündung, um den Rauch abzuführen, der aber nicht unmittelbar von c gerade in die Höhe steigt, sondern mehrere Krümmungen im Innern des Ofens beschreibt, so daß der Theil des sturzenen Rohrs d, durch welches der Rauch entweicht, selten so heiß wird, daß er der Wärme wegen nicht mehr berührt werden könnte. Der Rauch entweicht also beinahe kalt. e und e' sind Luftlöcher, welche mit f und f' durch sturzene Röhren in Verbindung stehen, die, nachdem sie eine drei- oder vierfache Wendung im Innern des Fayenceofens und unmittelbar um den äußern Theil des eisernen Kastens a beschrieben haben, in f und f' ausmünden. Sämmtliche zwischen den Röhren befindliche Räume werden mit Mauerabfall oder gröblichen Steinen ausgefüllt und die Oberfläche des Ofens mit einer Platte von Stein bedekt. Beginnt nun die Heizung, so werden durch a zunächst die sturzenen Luftcanäle e und e' erhizt, wodurch eine Strömung entsteht, indem die kalte und schwere Luft zu e und e' einströmt und durch f und f' als erwärmt ausströmt. Beide Canäle f, f' und c sind aber zugleich auch in Berührung mit den im Ofen enthaltenen Steinen, die somit ebenfalls nach und nach erwärmt werden und ihre Wärme ebenfalls nach Außen mittheilen. Der Zug, welcher, wenn das Feuer lebhaft brennt, vielleicht zu stark ist, wird mittelst des Schlüssels g gemäßigt.

Dabei bemerken wir noch, daß es, was die Art zu heizen anbelangt, bei diesem System nicht vortheilhaft ist, ein schwaches und dafür anhaltendes Feuer zu führen, weil man verhältnißmäßig mehr Brennmaterial bedarf, als wenn gleich ein bestimmtes Quantum Holz |110| angezündet und, wenn dieses lebhaft brennt, noch etwas Torf, der sich hier mit Vortheil benuzen läßt, angewendet wird. Obgleich die Feuerung im Local selbst stattfindet, so sind wir doch bei dieser Einrichtung und bei gehöriger Behandlung nie durch den unangenehmen Geruch, den der Torf häufig verbreitet, belästigt worden. Ist das Feuer abgebrannt, so wird der Schlüssel halb geschlossen, und bald darauf kann er und die Oeffnung bei b ganz geschlossen werden. f und f' theilen dem Local augenblikliche Wärme mit; die inneren Theile des Ofens aber, welche durch das Rohr c und dann auch durch a nach und nach erwärmt werden und ihre Wärme später mittheilen, wirken so nachhaltend, daß, wenn das geräumige Local des Tages nur einmal, z.B. Morgens 7 Uhr, geheizt und um 9 Uhr der Schlüssel geschlossen war, es Abends 10 Uhr noch 12° R. Wärme hatte, während die äußere Temperatur 4–6° Kälte betrug, und bloß, wenn die äußere Temperatur auf 12–15° Kälte gesunken war, wurde an demselben Tage, nämlich Abends 5 Uhr, zum zweitenmal gefeuert, um das Local bis 10 1/2 Uhr Abends warm zu erhalten.

Die Außenseite des Ofens ist aus Fayenceplatten zusammengesezt; man kann auch eine runde Form wählen. Solche Oefen können oft mit Vortheil in die Mitte eines Locals gesezt werden, und dienen dann den Sommer über, nachdem man das Rohr d entfernt und m, m mit einer eichenen Tafel bedekt hat, als bequeme Tische. (Riecke's Wochenblatt, 1841 Nr. 11.)

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